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21. September 1930 - Bernhard Duhr SJ
in München

P. Duhr wurde am 2. August 1852 in Köln geboren. Sein Vater Wilhelm Heinrich war Steuerrendant. Seine Mutter Helena war eine außergewöhnlich fromme und gegen Arme und Notleidende wohltätige Frau. Diese Eigenschaft hat auf die ganze Familie ausgestrahlt.

Am 8. Oktober 1872 begann er auf der Friedrichsburg zu Münster (Westfalen) das Noviziat der Gesellschaft Jesu unter P. Meschler als Novizenmeister. Bald schon, durch den Kulturkampf bedingt, mussten die Jesuiten Deutschland verlassen. Ende November 1872 reisten die Novizen nach Holland. Die philosophischen Studien folgten in Exaten und Blyenbeck, die theologischen in Ditton Hall in England. Diese Studien waren 1880-83 unterbrochen durch die Interstizjahre in Feldkirch und Ordrupshoj (Dänemark). Die Priesterweihe empfing er in Liverpool am 18. Dezember 1887.

Größere Archivreisen führten ihn nach Italien, Frankreich, Wien und Spanien. Seit 1903 wurde ihm München als ständiger Wohnsitz zugewiesen. Hier wurde er auch mehr als sonstwo in Deutschland fündig für seine Arbeiten. Volle 18 Jahre lebte er im Vincentinum, bis er am 1. Juli 1921 in das Ignatiushaus an der Kaulbachstraße umzog, in großer Nähe zur Universität und zum Englischen Garten. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 21. September 1930.

Schon in früher Jugend wurde sein Sinn für die Schriftstellerei geweckt, wie er selbst häufig erzählte. Er sammelte Bücher, Hefte, Zeitungsartikel und dergleichen. Auch den gesamten Briefwechsel seit 1883 hat er aufbewahrt, darunter seine Korrespondenz mit gelehrten Mitbrüdern im Orden, wie den Patres Sommervogel, Braunsberger, Grisar, Nolde u.a.

Auf seinen Reisen zu Archiven und Bibliotheken hat er unglaublich viel aufgestöbert und gesammelt. In besonders guter Erinnerung blieben seine mehrjährigen Forschungen im Wiener Staatsarchiv, zumal er dort auch viel Gastfreunschaft erfahren hatte.

Seine vielen Artikel und Schriften geben Zeugnis von seinem nüchternen und sachlichen Stil. Sie haben nicht den Glanz rhetorischer Perfektion. Mit beherrschtem Fleiß verarbeitet er die gesammelten Dokumente. Sprachliche Eleganz und Brillianz findet man bei Duhr nicht.

Im Jahre 1891 erschien die 1. Auflage der "Jesuitenfabeln". Bereits nach einem Jahr wurde dieser nachhaltige Vorstoß gegen die Welt von Vorurteilen neu aufgelegt. Eine 3. Auflage erfolgte 1899 und 1904 eine 4. Auflage.

Im Jahre 1907 erschien der 1. Band seiner "Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge". Dieser 1. Band behandelt die Geschichte der Jesuiten von der Entstehung bis 1600. Der 2. Band 1913 schildert die 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1921 der 3. Band (1650 - 1700). 1928 folgte als Abschluss dieses großen Werkes die Zeit von 1700 bis zur Aufhebung des Ordens 1773. Professor Sauer nannte dieses 4-bändige Werk "ein Glanzwerk der katholischen Wissenschaft der Gegenwart." Ähnlich äußerten sich viele kompetente Fachleute.

Gut zwei Dutzend Broschüren hat P. Duhr publiziert. Sein Kriegsgebetbüchlein ging zu Tausenden an die Front.

P. Duhr war auch der Begründer der "Mitteilungen" für die Unsrigen. Sie fanden viel Beifall. Über 30 Jahre lang war er der Herausgeber.

P. Duhr lebte bedürfnislos, und er hat viel Nächstenliebe geübt. Vielen verschämt Armen hat er sehr geholfen. Die zahlreichen Dankesbriefe bezeugen es. Besonders den jüngeren Mitbrüdern hat er durch Rat und Tat beigestanden.

Im August 1930 hat er noch einige Aushilfen angenommen, vor allem im Kinderheim zu Stockdorf, wo er häufig aushalf. Von da kam er sehr krank nach München zurück. Der Arzt stellte eine Rippenfellentzündung fest, auch die Lungenflügel seien angegriffen. Das Ende schien nicht mehr weit. Mit Andacht empfing er die hl. Ölung. Besuch wünschte er nicht mehr. Die Schwäche machte ihm das Sprechen schwer. Seine letzten Lebenstage wollte er mit sich und mit Gott allein sein. Bei der sinkenden Sonne des 21. September ging er heim zu Gott.

Sein Werk ist eine unerschöpfliche Fundgrube ohne Blendwerk und ohne polemische Übertreibungen. Kein anderer Orden hat Vergleichbares aufzuweisen.

 

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