English Version

17. September 1621 - Bellarmin Robert
in Rom

Als Ignatius von Loyola im Jahre 1556 starb, war Bellarmin ein Junge von 14 Jahren. 'Seine Mutter Cinthia, eine Schwester von Papst Marcellus II., war sehr fromm. Sie lernte den Jesuitenorden kennen durch P. Paschasius Brot, der wegen Krankheit eine Badereise nach Montepulciano in der Toscana, dem Geburtsort von Bellarmin machte. Sie verehrte P. Brot und liebte die Gesellschaft Jesu. Am liebsten hätte sie ihre fünf Söhne alle als Jesuiten gesehen.' - So beginnt Bellarmin seine kurze Autobiographie, die er mit 70 Jahren schrieb.

Mit 18 Jahren wurde Bellarmin Jesuit. Schon kurz vor seiner Priesterweihe in Gent 1570 bekam der Hochbefähigte einen Lehrauftrag für Theologie an der Universität Löwen. 1576 wurde er an die Gregoriana nach Rom berufen. Zugleich hatte er das Amt eines Spirituals für die Scholastiker. Einer seiner Betreuten war Aloisius Gonzaga. Bellarmin dozierte Kontroverstheologie, ein Fach, das er selbst eigentlich erst begründet hatte. 1586-93 erschienen in Rom seine Vorlesungen in vier großen Bänden. Es ist geradezu eine Ironie der Geschichte, dass gerade Bellarmin, der sich so sehr für Papst und Kirche einsetzte, erleben musste, dass ein Band durch Papst Sixtus V. auf den Index kam. Wenige Monate später wurde durch den neuen Papst diese Entscheidung rückgängig gemacht.

Intrigen gegen Bellarmin bedrängten ihn auch weiterhin. Als Rektor der Gregoriana wurde er bereits nach zwei Jahren abgelöst und von Rom entfernt. Als Provinzial wurde er nach Neapel geschickt, obschon er für die damit verbundenen Verwaltungsaufgaben weder Lust noch Talent hatte.

Nach knapp drei Jahren rief ihn Papst Klemens VIII. im Januar 1597 wieder nach Rom in eine Vertrauens- und Beraterposition. Zwei Jahre später wurde er zum Kardinal ernannt und bald darauf zum Erzbischof von Capua.

Der berühmteste Fall, mit dem er sich zu befassen hatte, war die erste Phase des Prozesses Galilei. 1616 musste er Galilei, dem großen Gelehrten, die Entscheidung des Papstes mitteilen, dass er über strittige Fragen schweigen solle. Die Vertreter der Kirche irrten damals in der Meinung, dass Galileis Thesen im Widerspruch zur Heiligen Schrift stünden.

1597 publizierte Bellarmin seinen 'Kleinen Katechismus', der in alle europäischen und in andere Sprachen übersetzt wurde. Vierhundertmal wurde er neu aufgelegt. Er bildete mit dem 'Großen Katechismus', der ein Jahr später erschien, das obligatorische Lehrbuch für Rom und den ganzen Kirchenstaat. Neben anderen Schriften erschien ein Jahr vor seinem Tod sein letztes Werk mit dem Titel 'Von der Kunst, gut zu sterben'. Dieses Werk ist gleichsam sein geistliches Testament.

Am 17. September 1621 starb Bellarmin in Rom, im Noviziat bei S.Andreas, in das er sich zurückgezogen hatte. An seinem Sterbelager standen Papst Gregor XV. und mehrere Kardinäle. Sechs Jahre nach seinem Tod wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Bis zur Kanonisation vergingen noch dreihundert Jahre. Sie erfolgte erst im Jahre 1923 durch Papst Pius XI. Sieben Jahre später erfolgte die Heiligsprechung und ein Jahr darauf 1931 seine Ernennung zum Kirchenlehrer.

 

[zurück zu P. Otto Syres SJ - Kalendarium]

Link to 'Public Con-Spiracy for the Poor'