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12. September 1665 - Bolland Jean
in Antwerpen

Unter Bollandisten versteht man eine Arbeitsgemeinschaft von meist belgischen Jesuiten, die sich mit der Herausgabe der Acta Sanctorum befassen. Jean Bolland war der erste Chef dieser Gruppe. Er stammte aus Julémont bei Bollanden, nicht weit entfernt von Lüttich. Dort wurde er am 13. August 1596 geboren. Mit 16 Jahren trat er am 21. September 1612 zu Mecheln in die Gesellschaft Jesu ein. Nach seiner Ausbildung war er als Lehrer für humanistische Fächer und als Studienleiter in Mecheln tätig. Im Jahre 1629 beauftragte ihn der Provinzial, das hagiographische Material des P. Herbert Rosweyde ( 1629) zu prüfen und ein Gutachten zu erstellen über die Möglichkeiten der Herausgabe der von Rosweyde geplanten Acta Sanctorum.

Das Unternehmen kam zustande. Bolland siedelte nach Antwerpen über und erhielt 1635 einen sehr begabten Mitarbeiter in Gottfried Heuschen. Bis zum Tod von P. Bolland am 12. September 1665 in Antwerpen waren die ersten fünf Foliobände mit über 1000 Seiten je Band über die Heiligen im Januar und im Februar erschienen. Das Unternehmen fand in der europäischen Gelehrtenwelt sehr viel Anklang.

Im Jahre 1675 kam es zu ernsten Schwierigkeiten mit den Karmeliten, als sich die Bollandisten gegen die traditionelle Auffassung wandten, dass der Prophet Elija den Karmelitenorden gestiftet habe. Ihre Auffassung wurde von der spanischen Inquisition als häretisch verurteilt. Erst 1715 wurde die Verurteilung zurückgenommen. Hinzu kamen nach 1773 Schwierigkeiten durch die Aufhebung des Jesuitenordens. Das Unternehmen wurde 1786 durch die belgische Regierung aufgelöst. Über 50 Bände waren bereits erschienen.

Erst 1837 wurde das Unternehmen seitens der Regierung wieder hergestellt. 1905 wurde im neu erbauten Collège S. Michel zu Brüssel ein ganzer Flügel für die Bollandisten reserviert. Ein Aufruf zur Unterstützung fand in der ganzen Welt ein gutes Echo. Bald hatte die neue Bibliothek über 150.000 Bände. 1931 lagen insgesamt 63 Bände vor, die bis in den November hinein reichten.

Zu den Acta Sanctorum haben sich zwei weitere Serien gesellt: die Zeitschrift 'Analecta Bollandiana', deren erste Nummer 1882 erschien, und die Sammlung der 'Subsidia Hagiographica' seit 1910. Die Bollandisten arbeiten nach der Devise:

    'Antiqua reduco (Ich bringe das Alte wieder ans Licht)
    Obscura revelo' (und kläre das Dunkle.)

Dieser Leitgedanke findet sich auf dem alten Titelblatt. Die Bedeutung der Bollandisten beschränkt sich nicht auf die Hagiographie. Sie bieten auch viel Stoff für die allgemeine Kirchengeschichte und für die Nachbarfächer.

 

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