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10. September 1893 - Das Ignatiuskolleg in Valkenburg

Während des Kulturkampfes in Deutschland unter Bismarck wurden die Jesuiten durch Gesetz vom 4. Juli 1872 aus Deutschland verbannt. Es war schwierig, für das Scholastikat in Maria Laach einen Ersatz im Ausland zu finden. In Ditton Hall (England) ergab sich eine provisorische Aufnahme. Dort hatte Lady Stapleton dem Orden ihr großes Landhaus überlassen. Auf Dauer war das natürlich keine Lösung.

So erwarb die Provinz ein ca. 18 Hektar großes Grundstück im holländischen Städtchen Valkenburg, an der Bahnstrecke Aachen-Maastricht gelegen. Am 10. September 1893 wurde der Grundstein für das Ignatiuskolleg gelegt. Die Kosten konnten aus dem Verkauf von Maria Laach an die Beuroner Benediktiner bestritten werden. Der Bau kam sehr schnell voran.

Am 22. September 1894 begann das Schuljahr für die Philosophen mit 82 Hörern. Mitte August 1895 kamen die Theologen aus Ditton Hall. Das Schuljahr 1895/96 zählte 112 Philosophen und 65 Theologen. Zur Kommunität gehörten weiter 30 Patres und 52 Brüder, insgesamt also 259 Mitbrüder. Unter den Studierenden waren auch viele ausländische Scholastiker.

Nach Aufhebung des Schriftstellerheimes Bellevue in Luxemburg kamen sowohl die Redaktion der 'Stimmen aus Maria Laach' wie auch der 'Katholischen Missionen' für einige Jahre nach Valkenburg. Noch während des 1. Weltkrieges, im Jahre 1915, kamen die 'Stimmen' nach München und nach dem Kriege die 'Katholischen Missionen' nach Bonn.

Eine große Zahl der Professoren war auch schriftstellerisch tätig, wie z.B. die Patres Pesch, Lehmkuhl, Knabenbauer, Hontheim, Cathrein und Frick, weiter die Patres Kirch, Braun, Cladder, Fröbes, Wulf, Wasmann, Jansen, Dieckmann, Kempf und viele andere. Durch den Zuwachs wurde schon bald ein neuer großer Bibliotheksbau nötig, um die ca. 180.000 Bände unterzubringen.

Als in Spanien 1931 die Revolution wütete und eine kirchenfeindliche Verfassung zur Geltung kam, wurde im Januar 1932 der Jesuitenorden in Spanien aufgelöst. Es kam zu vielen extremen Ausschreitungen. Auch das Professhaus in Madrid fiel dem Feuer zum Opfer. An die hundert Häuser wurden aufgelöst. Ein großer Teil der Mitbrüder, besonders des Nachwuchses, wurde zur Auswanderung gezwungen. Sie gingen nach Italien, Frankreich, Belgien, Amerika und Holland. Viele, gerade auch Scholastiker, fanden Aufnahme in Valkenburg, darunter auch P. Arrupe, der spätere Generalobere des Ordens.

Während des 2. Weltkrieges 1942 wurde Valkenburg von der Gestapo aufgelöst. Nach dem Krieg dauerte es ziemlich lange, bis es dem Verwalter, P. Henry Seelen, endlich gelang, das große Haus zu verkaufen.

 

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