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16. Oktober 1944 - Svensson Jón (Nonni)
in Köln

Seine Wiege stand wenige Grade südlich des Polarkreises, nahe am Eyjafjord, im sagenumwobenen Island. Dort wurde Nonni in Mödruvellir am 16. November 1857 geboren. Die Mutter gab ihrem vierten Kind den Namen Jón.

Im Alter von zwölf Jahren kam er durch Vermittlung der Katholischen Mission nach Dänemark und Frankreich. Er hatte von einem französischen Adeligen, einem Liebhaber Islands, ein Stipendium für Frankreich erhalten. Doch seine Reise dorthin verzögerte sich wegen des deutsch-französischen Krieges 1870. Er wartete im Haus des katholischen Bischofs von Kopenhagen und konvertierte mit 13 Jahren zum Katholizismus. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Amiens trat er mit 21 Jahren am 22. August 1878 in den Jesuitenorden ein. Im Jahr 1890 empfing er die Priesterweihe.

Bald empfahl man ihm, in die deutsche Ordensprovinz überzuwechseln, weil die skandinavischen Länder von dieser Provinz betreut wurden. Nach der Weihe war er als Lehrer im Andreaskolleg zu Ordrup bei Kopenhagen tätig. Seine Fächer waren Französisch, Altnordisch, Sport und Zeichnen.

1911 zwang ihn ein schweres Gichtleiden, die Lehrtätigkeit aufzugeben. Das war der Beginn seiner schriftstellerischen Karriere im Alter von 55 Jahren. Die große Gabe seiner Erzählkunst und die unwiderstehliche Sehnsucht in die Welt hinein begleiteten seinen Lebensweg. Die Jungen und Mädchen - überall in der Welt - denen er die spannenden Erlebnisse seines Lebens erzählte, bekamen heiße Hände und rote Köpfe. Aber auch Erwachsene hörten ihm begeistert zu und lasen seine vielen Bücher, die zu den Bestsellern zählten. Sein Porträtbild wurde weltbekannt. Sein Gesicht wirkte hell und froh. Weißes Haar und ein weißer Spitzbart umrahmte sein Antlitz, aus dem zwei glasklare, hellblaue Augen leuchteten.

Als er gefragt wurde: "Pater Nonni, wie machen Sie das, wenn Sie Ihre Bücher schreiben?" lautete seine Antwort: "Abends spiele ich leise auf meiner Ziehharmonika. Und wenn dann die Erinnerung wieder auflebt, beginne ich zu schreiben, Stunde um Stunde, mit meiner großen, deutlichen Schrift, bis tief in die Nacht hinein." Gern sprach er von seinem jüngeren Bruder Manni, der als Scholastiker in Löwen starb. 1914 erschien sein Buch "Nonni und Manni".

Als er gefragt wurde: "Wie fängt man es an, Nonni, in die weite Welt zu kommen?" war seine Antwort wunderbar kindlich: "Meine Mutter hat mich gelehrt, jeden Abend zu beten: Lieber Gott, lass mich einmal die Welt sehen! Das habe ich getreulich getan und dann habe ich tatsächlich die ganze Welt bereist. Bald mache ich wieder eine Reise ... in die Ewigkeit."

Bei Beginn des 2. Weltkrieges gehörte Nonni, laut Provinzkatalog zum großen Studienhaus in Valkenburg (Niederlande). 1943 wurde es durch die Gestapo des Naziregimes aufgelöst. Nonni kam nach Deutschland, und zwar nach Eschweiler. Er war schon recht krank und fast erblindet. Noch während des Krieges kam er nach Köln, wo er bei einem Bombenangriff auf die Stadt im Luftschutzkeller des Franziskus-Hospitals in Köln-Ehrenfeld in der Illusion starb, auf einer Weltreise in einem Schiff auf hoher See zu sein. Es war der 16. Oktober 1944.

Der französische Abenteuer-Schriftsteller Jules Verne ( 1905) hat ein Buch geschrieben mit dem Titel 'In 80 Tagen um die Welt'. In Anlehnung daran plante Nonni, seinem (letzten) Buch den Titel zu geben 'Mit 80 Jahren um die Welt'. Nonni hat das Erscheinen dieses Buches nicht mehr erlebt. Es kam erst in den Jahren 1947/48 in den Handel.

Als die isländische Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir bei einem offiziellen Besuch im Juli 1988 nach Köln kam, besuchte sie auch in Begleitung des Kölner Oberbürgermeisters und des Jesuitenprovinzials Alfons Höfer das Grab von Nonni auf dem Friedhof Melaten und legte dort einen Kranz nieder.

Seit vielen Jahrzehnten behaupten sich die Nonnibücher auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt. Sein Erstlingswerk 'Nonni - Erlebnisse eines jungen Isländers, von ihm selbst erzählt' im Herder-Verlag wurde seit 1913 in einer Million Exemplaren gedruckt. Es wurde in 40 Sprachen übersetzt.

Canisius, 2. Folge Heft 3, April 1958, S.28
Canisius, Weihnachten 1988, S. 18ff

 

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