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7. November 1961 - Rösch Augustin
in München

Nicht Alfred Delp war der führende Kopf der süddeutschen Jesuiten gegen das Naziregime, sondern Augustin Rösch. Er stammte aus Schwandorf in Oberfranken. Sein Geburtstag war der 11. Mai 1893. Nach der Gymnasialzeit in Rosenheim und Freising und dem Abitur 1912 entschloss er sich, durch Exerzitien motiviert, in das Noviziat der Gesellschaft Jesu in Tisis (Vorarlberg) einzutreten. Nach dem Noviziat 1912-1914 wurde er im 1. Weltkrieg zum Militär eingezogen. Seine letzte Stellung war Oberleutnant d.R. und Kompanieführer. Er wurde ausgezeichnet mit dem EK III und EK I, mit dem Bayrischen Militär-Verdienstorden und dem Silbernen Verwundetenabzeichen. Nach dem Krieg studierte er in Valkenburg Philosophie und Theologie. Dort empfing er auch 1925 die Priesterweihe.

Nach den Studienjahren war sein erster Einsatz Studentenseelsorger in Zürich. Bald danach übernahm er das Amt des Generalpräfekten und Rektors an der Stella Matutina in Feldkirch (Vorarlberg). 1935-1944 war er Provinzial der Oberdeutschen Ordensprovinz in München. Die Ernennung erfolgte am 15. August 1935. Er war damals verhältnismäßig jung, nämlich 43 Jahre alt.

Die Zeit des Kampfes und des Widerstandes gegen die Nazis verlangte viel Mut und viel Opferbereitschaft. P. Rösch hatte über hundert Begegnungen mit der Gestapo zu bestehen. Dabei ging es meist um Leben und Tod.

Nach der Verhaftung von P. Delp wegen Beziehung zum Widerstand des 20. Juli, musste P. Rösch täglich mit seiner Verhaftung rechnen. Er verbarg sich zunächst in einem kleinen Kloster und als es dort unsicher wurde, in einem einsamen Gehöft. Aber auch dort konnte sein Versteck auf Dauer nicht verborgen bleiben. Er wurde am 11. Januar 1945 durch die Gestapo verhaftet und über das KZ in Dachau nach Berlin-Moabit gebracht.

Für die SS gehörten Kommunisten, Juden, Freimaurer und Jesuiten zu den Reichsfeinden. Der Kampf gegen die Jesuiten brach nicht mit Urgewalt los. Das Unwetter zog sich langsam zusammen. Von etwa 200 süddeutschen Jesuiten wurde 38 etliche Male verhört und zwei zum Tode verurteilt: P. Alois Grimm und P. Alfred Delp. Man diffamierte den Orden und durchsuchte die Häuser. Jahr um Jahr wuchs die Bedrohung.

Einen Höhepunkt erreichte der Kampf mit der Verurteilung von P. Rupert Mayer, der trotz des Verbotes durch die Gestapo weiter predigte und kurz darauf verhaftet wurde. Die Kollegien in Feldkirch und in St. Blasien wurden aufgelöst und die Devisenprozesse gegen die deutschen Jesuiten liefen an. Die Jesuiten wurden aus der Wehrmacht entlassen. Sie seien unwürdig.

P. Rösch hat sich auch für andere Orden eingesetzt. Es sei nur erinnert an die Rettung der beschaulichen Frauenklöster in Elsass-Lothringen im Juni 1943. P. Delp wurde durch P. Rösch in den Kreisauer Kreis eingeführt. P. Delp wurde am 2. Februar 1945 hingerichtet, nachdem Helmuth von Moltke schon am 23. Januar den gewaltsamen Tod erlitten hatte. P. Rösch wurde am 11. Januar verhaftet und entging nur durch ein Wunder dem geplanten Tod. Am Herz-Jesu-Fest, am 8. Juni 1945 traf P. Rösch nach vielen Mühsalen wieder in München ein.

Er starb am 21. Oktober 1961 in München im gleichen Krankenhaus, in dem auch P. Rupert Mayer am 1. November 1945 gestorben war. An der Beerdigung auf dem ordenseigenen Friedhof in Pullach bei München nahmen mehrere Minister der bayrischen Staatsregierung und hohe Vertreter kirchlicher und weltlicher Behörden teil. Das galt nicht nur dem Caritas-Direktor des Landes Bayern, sondern auch ihm persönlich, dem so viele Auszeichnungen bis zum EK I zuteil wurden.

Als Provinzial war ihm das Geschick der Oberdeutschen Ordensprovinz der Gesellschaft Jesu anvertraut. Sein Leben war geprägt vom Kampf gegen die Nationalsozialisten: Verfolgung, Redeverbot, Verhaftung von P. Rupert Mayer, Vertreibung, Enteignung, Hinrichtung von P. Alfred Delp, schließlich seine eigene Verhaftung in Zusammenhang mit dem 20. Juli und seine Verurteilung zum Tode, dem er nur durch ein Wunder entging. Seine Worte sind erklärend, aber auch verklärend:

      'Ich habe viel mitgemacht, aber alles ist Gnade. Ich freue mich auf den Himmel. Bitte, helft mir danken, danken.'
      'Ich habe seit meiner ersten hl. Kommunion täglich um die Gnade des blutigen Martyriums gebetet. Es gibt viele Arten des Martyriums. Gott gab mir das unblutige. Ich habe viel gelitten in meinem Priesterleben, aber alles, alles war reiche Gnade. Alles für Jesus.'

Mitteilungen 1967, S.101ff
Jahrbuch 62/63, S.94

 

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