English Version

7. November 1856 - Jesuitenkirche in Wien

Unter der europäischen Dynastie der Habsburger hat die katholische Kirche Österreichs sowohl extreme Niedergänge wie auch imponierende Aufstiege erlebt. Die politische Entwicklung ist durch Kriege, Heirat und Teilung von Ländern gekennzeichnet. Die Habsburger herrschten seit 1282. Bis zum Ende der Monarchie 1918 war Wien Haupt- und Residenzstadt. Stammsitz der Habsburger ist die Habichtsburg im Gebiet der Aare (Niederösterreich).

Nach Wiederherstellung der Gesellschaft Jesu stellte Kaiser Franz Joseph I. am 7. November 1856 die 1623-31 von einem unbekannt gebliebenen Baumeister im Stil des Frühbarocks errichtete Universitätskirche den Jesuiten für ihre Seelsorge im Stadtzentrum zur Verfügung - samt einigen Zimmern im Akademiegebäude (ehemaliges Kolleg). Der Name Universitätskirche ist ähnlich gebräuchlich wie der Name Jesuitenkirche. Seit der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 ist die Kirche Eigentum des Staates.

Welche Bedeutung die Jesuitenkirche im 17. und 18. Jahrhundert hatte, ist an der Ausstattung des Innenraumes erkennbar. Die Jesuitenkirche gehört zu den schönsten Räumen Wiens und zieht mit ihren Kunstwerken besonders Touristen an. Hier wird viel musiziert. Jeden Sonntag wird das hl. Messopfer mit Chor und Orchester gefeiert und einer großen Gemeinde, die aus ganz Wien zusammenkommt. Bevorzugt aufgeführt werden Messen von Haydn, Mozart und Schubert. Die Kirche bietet nicht nur alte Kunst, sondern auch Werke von Zeitgenossen. Zu ihnen gehört zum Beispiel das Projekt 'Ikonostase'. Dieses Ereignis für Tanz und Musik wurde gemeinsam mit dem 'Tanz Atelier Wien' veranstaltet. Der Choreograph Sebastian Prantl und die Tänzerinnen und Tänzer nahmen sich viel Zeit, die geistliche Dimension dieses Ereignisses durch die Aufführungen im September und Oktober 1999 nahe zu bringen.

Die Kunstwerke werden nicht in einer Ausstellung präsentiert, wie in einem Museum. Es ist jeweils nur ein Werk zu sehen für die Dauer einiger Monate. Zeitpunkt und Ort der Aufstellung sind so gewählt, dass zwischen Kunstwerk, Raum und liturgischem Geschehen Beziehungen erkennbar werden. Durch begleitende Texte und Publikationen, durch Gespräche und Vorträge, durch Predigten und die Gestaltung der Liturgie wird versucht, nicht nur die Gegenwart von Kunstwerken, sondern auch die Gegenwart des Glaubens auf eine neue Weise erfahrbar zu machen.

Eine Figur des Bildhauers Avramidris und eine von Karl Prantl und eine fünfteilige Arbeit des Mailänder Bildhauers Paolo Gallerani haben viel Beachtung gefunden, wenn auch umstrittene. Ähnliches gilt von einer Skulptur von Vittore Carpaccio mit dem Titel 'Beweinung Christi' und einer Figur 'Adam' des jungen Bildhauers Lois Anvidalfarei. Durch solche, teils gewagte Ausdrucksformen, wird versucht, Liturgie und Kunst zu harmonisieren. Kein Wunder, dass die herrliche Barockkirche der Jesuiten im Herzen Wiens gerade künstlerisch interessierte Gläubige anzieht.

P. Gustav Schörghofer schreibt: 'Die Bedeutung zeitgenössischer Kunstwerke gibt sich erst im Horizont der spirituellen und mystischen Tradition des Glaubens in ihrer Tiefe zu erkennen.'

Weitere Links:
Planet Vienna - Jesuitenkirche
Jesuiten in Österreich - Institutionen

 

[zurück zu P. Otto Syres SJ - Kalendarium]

Link to 'Public Con-Spiracy for the Poor'