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Nachruf von P. Rudolf Walter von Moos SJ

5. November 1943 - Paul Chastonay SJ
Bern

P. de Chastonay entstammte einem alten, seit 1250 nachweisbaren Rittergeschlecht, das ursprünglich in der Waadt beheimatet war, Mitte des 16. Jahrhunderts aber aus Glaubensgründen ins katholisch gebliebene Wallis ausgewandert war. Dort, im Château de Chastonay zu Siders wurde Paul am 13. September 1870 geboren.

Sein Vater Viktor war als Nationalrat demokratischer Volksvertreter politisch tätig. Seiner Mutter, Madame Gabriella hat er seine urkatholische, kernhafte Frömmigkeit zu verdanken.

Nach seinen Gymnasialstudien im nahen Sitten, in Fribourg und dem letzten Jahr in Einsiedeln begann er seine höheren Studien als Jura-Student. Was ihn bereits nach zwei Semestern bewogen hat, zur Theologie überzuwechseln, ist nicht bekannt. Zeitgleich trat er am 10. Oktober 1891 in den Jesuitenorden ein. Unbekannt ist ebenfalls, warum er nicht in die französische Ordensprovinz eintrat, sondern in die deutsche. Das Noviziat war damals in Blyenbeck im holländischen Limburg. Graf Franz Egon von Hoensbrock besaß dort ein großes Landhaus, das er 1872 den Jesuiten, die aus Deutschland vertrieben waren, zur Verfügung stellte. Das Landhaus wurd 1904 der Familie Hoensbrock zurückgegeben.

Novizenmeister war P. Moritz Meschler, der ebenfalls aus dem Kanton Wallis stammte. Er wurde im Alter von 37 Jahren Magister, 14 Jahre lang von 1867-1881 und erneut 7 Jahre von 1885-1892. 1872 wurde Meschler zum Assistenten der deutschen Assistenz nach Rom berufen. Er blieb es 14 Jahre lang. Sein Nachfolger als Magister war P. Ernst Thill, der aus Volkmarsen (Hessen) stammte und als Priester am 2. Oktober 1883 in die Gesellschaft Jesu eingetreten war. Auch P. Thill war ein hervorragender Magister. P. Friedrich Muckermann schreibt in seinen Lebenserinnerungen (S. 34f) über ihn:

"P. Thill war ein ausgesprochen schöner Mann mit markanten Zügen und großen, leuchtenden Augen. Dabei hatte er eine bezaubernde Stimme, einen sonoren Bass, und gepflegte Umgangsformen. Es ging eine magische Kraft von ihm aus, und er hielt die Zügel der Erziehung fest in der Hand ... Wir waren überwältigt von dem Reichtum dessen, was er zu bieten hatte. Es war die Wiedergabe einer Tradition, die sich an den Namen des unvergesslichen P. Meschler knüpfte. Es war für uns ein Glück, gerade in dieser Tradition aufzuwachsen und vor allem das Christusbild dieses durchaus genialen Seelenführers in uns aufnehmen zu dürfen. P. Thill war der richtige Mann, uns etwas von dem Zauber der Persönlichkeit Meschlers weiter zu geben. Er war ein Mann, in dem Strenge und Milde jenen schönen Bund geschlossen hatten, der für die Erziehung so wichtig ist."

Nach den Studien der Humaniora und der Philosophie folgte sein 4-jähriges Interstiz als Präfekt in Feldkirch. Als Theologe in Valkenburg empfing er am 28. August 1904 durch Bischof Drehmann von Roermond die Priesterweihe. Nach seinem Terziat kam er für ein Jahr als Sozius des Novizenmeisters P. Thill nach Exaten und löste ihn 1907 ab. Die ersten Jahre war er zugleich Rektor des Hauses.

Sehr segensreich war seine Arbeit als Akademiker- und Studentenseelsorger in Zürich. Er wirkte auch mit bei der Volkshochschule und durch Radiopredigten. Seine Erfahrung, seine Klugheit und geistige Überlegenheit halfen ihm sehr. Es gelang ihm auch, in Bern Fuß zu fassen bis P. Paul Reinert 1931 die Studentenarbeit in Bern übernahm. Mehr als 15 Jahre, 1921-1936 war er Provinzial der "Missio Helvetica". In die Anfänge des Apologetischen Institutes war er positiv mit eingebunden.

Trotz aller Arbeit war er als Schriftsteller tätig, sowohl im Bereich der religiösen Literatur wie auch durch religiös empfundene Heimatkunden.

P. General Ledochowski hat P. Chastonay sehr geschätzt und mehrfach seinen Rat eingeholt. Er hat ihn auch zur 23. Generalkongregation im 1938 nach Rom berufen. Schon 1923 begleitete er als Elektor der Süddeutschen Ordensprovinz den Provinzial P. Bea nach Rom. P. Ledochowski verhehlte ihm allerdings auch nicht, dass er viel zu demokratisch denke.

Am 25. November 1915 wurde Chastonay zum Rektor des Collegium Maximum Valkenburg berufen, obschon seine Gesundheit geschwächt war. Ende 1917 ging er zur Erholung in seine Walliser Heimat, ohne sich in Valkenburg zu verabschieden.

Er widmete sich weiteren pastoralen und schriftstellerischen Aufgaben. So kam sein Buch über die Satzungen des Ordens 1938 zum Druck.

Wegen seines chronischen Bronchialkatarrhs verbrachte er viele Winter in seiner Walliser Heimat. So auch 1942/43 in der Hoffnung auf Milderung durch die Tessiner Sonne. Etwa zehn Tage vor seinem Tod hatte er eine bösartige Darmgrippe zu erleiden. Das Ende brachte eine Angina pectoris. In der Familiengrußft zu Siders wurde er zur letzten Ruhe bestattet.

 

Nachruf Paul Chastonay SJ

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