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1. November 1945 - Mayer Rupert
in München

P. Rupert Mayer, der große Männerapostel Münchens, wurde am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur in Ravensburg studierte er in Fribourg, München und Tübingen Theologie und wurde am 2. Mai 1899 in Rottenburg durch Bischof Keppler zum Priester geweiht.

Seine Neigung zum Ordensstand bedrängte ihn mehr und mehr. Er liebäugelte mit den Dominikanern in Fribourg und den Benediktinern in Beuron. Nach einer kurzen Vikarszeit in Spaichingen trat er schließlich am 1. Oktober 1900 in die Gesellschaft Jesu ein. Nach dem Noviziat in Tisis (Österreich) und der Ausbildung im Orden wurde er am 8. Januar 1912 als Seelsorger in München eingesetzt mit der besonderen Aufgabe, sich der Zuwanderer anzunehmen. München zählte damals etwa 600.000 Einwohner. Jährlich kamen 8-10.000 Zuwanderer.

1914 gründete er mit zwei anderen Priestern die Schwesterngemeinschaft der Heiligen Familie. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges stellte er sich für die Militärseelsorge zur Verfügung. Als erster deutscher Feldgeistlicher wurde er 1915 mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. In Rumänien, im Sultatal wurde er am 30. Dezember 1916 schwer verwundet. Das linke Bein musste amputiert werden.

Nach dem Krieg setzte er seine Tätigkeit in München fort. 1921 bekam er ein neues Arbeitsfeld, nämlich die Männer-Kongregation am Bürgersaal zu übernehmen. Seine Wirksamkeit wuchs beständig. Er gründete viele neue Pfarrgruppen. Die Zahl der Mitglieder stieg von 2.500 auf 8.000. Täglich kamen sechzig bis siebzig Menschen mit den verschiedensten Anliegen. Er war Seelsorger und zugleich Caritasapostel.

Er machte sich auch vertraut mit dem Schrifttum der Nazis und meldete sich bei politischen Versammlungen. Ohne Menschenfurcht trat er für die Wahrheit ein in der Erkenntnis, dass Nazitum und Christentum unvereinbar sei. So war P. Mayer schon zur Zeit der Machtergreifung der NSDAP als Gegner aufgefallen und eingestuft. Nach 1933 wurde er überwacht und belastendes Material gegen ihn gesammelt.

Am 8. April 1937 wurde über ihn von der Gestapo in Berlin Redeverbot verhängt für das gesamte Reichsgebiet. Am 5. Juni desselben Jahres erfolgte seine erste Verhaftung. Er wurde wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz und wegen Kanzelmissbrauch angeklagt und in U-Haft nach Stadelheim gebracht, dann nach Landsberg.

Am 3. Mai 1938 durfte er aufgrund der Österreich-Amnestie das Landsberger Gefängnis verlassen. 1939 erneut verhaftet, kam er nach Oranienburg ins KZ Sachsenhausen. Als sein Gesundheitszustand bedenklich wurde und die Nazis ihn auf keinen Fall zum Martyrer aufbauen wollten, wurde er unter strengen Auflagen ins Benediktinerkloster Ettal in Oberbayern verbannt. Dort blieb er bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 6. Mai 1945.

Am Fest Allerheiligen, dem 1. November 1945 während seiner 8 Uhr-Messfeier in der Kreuzkapelle der weitgehend zerstörten Jesuitenkirche St. Michael begann er nach dem Evangelium (Seligpreisungen) bedächtig zu predigen, konnte aber nur noch stammeln: 'Der Herr, der Herr, der Herr.' P. Riesterer hörte Beicht. Er stürmte aus dem Beichtstuhl zum Altar. P. Mayer stand aufrecht und bewegte den Mund, ohne etwas sagen zu können. Man brachte ihn aufs Zimmer nebenan und legte ihn aufs Bett. Die Ärztin Berta Hofmann war zur Messe anwesend und kümmerte sich um den Bewusstlosen. Er wurde ins Krankenhaus Josefinum gebracht, wo er um 11.10 Uhr an Herzversagen starb.

Gegen 15.30 Uhr brachte man ihn im Sarg zurück und bahrte ihn in einem Raum über der Kreuzkapelle auf. Am 4. November 1945 wurde er auf dem Ordensfriedhof in Pullach bei München beerdigt. Am 23. Mai 1948 erfolgte seine Überführung von Pullach nach München. 300.000 Menschen säumten die Straßen. Er fand seine Ruhestätte in der Unterkirche des Bürgersaales. Täglich beten dort an die tausend Menschen in der belebtesten Fußgängerzone von München. Die feierliche Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. erfolgte am 3. Mai 1987 im Olympiastadion zu München.

Canisius, Weihnachten 1986, S. 3f

 

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