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30. März 1984 - Rahner Karl
in Innsbruck

Am 5. März 1904 wurde er zu Freiburg im Breisgau geboren. Die Familie hatte sieben Kinder. Mit 18 Jahren, nach dem Abitur, trat er am 20. April 1922 zu Feldkirch (Vorarlberg) in den Jesuitenorden ein. Er folgte seinem älteren Bruder Hugo (geboren am 3. Mai 1900), der am 11. Januar 1919 der Gesellschaft Jesu beigetreten war. Er absolvierte zunächst die üblichen Studien im Orden, nämlich drei Jahre Philosophie in Pullach bei München und vier Jahre Theologie in Valkenburg (Niederlande). Mit 28 Jahren empfing er die Priesterweihe in München, St. Michael am 26. Juli 1932.

Nach Spezialstudien bei Martin Heidegger in Freiburg, befasste er sich eingehend mit den Schriften des belgischen Jesuiten und Philosophieprofessors in Löwen Joseph Maréchal ( 1944). 1936 wird er in Innsbruck zum Doktor der Theologie promoviert und ein Jahr später habilitiert. Er dozierte nun an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, unterbrochen wegen der Aufhebung der Fakultät durch das Naziregime.

1964 wird er Nachfolger von Romano Guardini auf dem Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie in München. 1967 folgt er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte nach Münster. Nach seiner Emeritierung 1973 war er als Honorarprofessor für Grenzfragen von Theologie und Philosophie an der Hochschule SJ für Philosophie in München tätig. 1982 übersiedelte er an das Innsbrucker Jesuitenkolleg.

Karl Rahner wird zu den größten Theologen des 20. Jahrhunderts gezählt. Sein Denken hat die Theologie und die Religiosität unserer Zeit mitgeprägt. Die über 4000 Veröffentlichungen Rahners wurden in alle europäischen Sprachen übersetzt. Teile davon ins Japanische, Koreanische oder in die Blindenschrift. Ehren und Auszeichnungen wurden ihm, wie nur wenigen, zuteil. Vierzehn Ehrendoktorate aus Europa und den USA wurden ihm verliehen. Er war Mitglied der Internationalen Theologenkommission in Rom, der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Synode der Bistümer Deutschlands. Er war Mitglied des höchsten wissenschaftlichen Gremiums der Bundesrepublik Deutschland, des Ordens Pour le mérite und der British Academy.

Am Vaticanum II nahm Rahner als Konzilstheologe und Peritus teil, berufen durch Papst Johannes XXIII. Sein ganzes Denken und Wirken ist mit dem Neuaufbruch durch das Konzil untrennbar verbunden. Er hat viele Aussagen des Konzils vorausgedacht und war beim Zustandekommen beteiligt.

Neben seinen theologischen Werken stehen seine geistlichen Schriften, die ein unmittelbar berührendes Zeugnis seiner persönlichen Frömmigkeit geben. Sein Bemühen war, durch die Botschaft der Wissenschaft den Menschen zu dienen. So konnte für viele seine Theologie zu einem befreienden und beglückenden Erlebnis werden. Viele Schätze der kirchlichen Lehre brachte er wieder zum Leuchten. Weil seine Glaubenslehre immer auch Glaubenszeugnis war, wurde Rahner von vielen Menschen gesucht und geliebt.

Karl Rahner ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Er hat die Theologie von heute stark mitgeprägt. Seine Bibliographie enthält schon 1975 über 2000 Titel.

Im Jahre seines Todes, 1984, erschien sein Buch 'Gebete des Lebens'. Darin heißt es: 'Ich warte, o Gott, in Geduld und Hoffnung. Ich warte wie ein Blinder, dem man den Aufgang des Lichtes verheißt.' Und zu seinem Goldenen Ordensjubiläum sagte er: 'So möchte auch ich mit dieser Kirche, in ihrem Glauben und mit ihren Sakramenten, mit ihrer Gnade der Ewigkeit Gottes entgegen pilgern, in der es so etwas wie eine Kirche nicht mehr gibt, sondern das ewige Leben, in das Gott alle hineinversammelt, die er liebte.'

Nur wenige Wochen nach Vollendung seines 80. Geburtstages starb P. Karl Rahner in Innsbruck. Am 4. April wurde er in der Gruft der Jesuitenkirche beigesetzt.

Jahrbuch 74/75, S.25 u. S.130
Jahrbuch 1985, S.12-14

 

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