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25. März 1522 - Manresa

Am Abend des 25. März 1522 schritt Iņigo über die alte Cardonerbrücke hinauf zum Armenspital Santa Luzia, um ein paar Tage zu rasten und Sätze aus dem Büchlein des Cisneros in seinen geliebten Quartband einzutragen. Aus den paar Tagen wurden fast elf Monate.

Bald durfte der Pilger eine kleine Zelle im Kloster der Dominikaner beziehen. Das Essen bettelte er sich an den Türen. Die Kranken im Spital und die Kinder auf den Straßen wurden seine Freunde. Manchmal wanderte er zum Montserrat hinüber oder nach St. Paul, einer Einsiedelei der Zisterzienser oder zum Marienkirchlein Viladordis. Am liebsten flüchtete er in eine der Felshöhlen am Cardoner. Er betet bis zu sieben Stunden täglich.

In Manresa hatte Iņigo seine großen mystischen Erleuchtungen. Er empfing eine große Klarheit des Geistes und meinte, ein ganz anderer Mensch zu werden. Er ist überwältigt von der Entdeckung, dass Jesus Christus auch heute noch da ist, dass sein Reich auch heute noch kämpft in der Kirche, und dass der Kampf der Geister durch alle Zeiten und Herzen geht. Sein Exerzitienbüchlein ist am Werden. P. Nadal schreibt später über diese Zeit: 'Hier gab ihm der Herr tiefste Erkenntnis und ein lebendiges Gefühl für die göttlichen Mysterien und für die Kirche.' In dieser Zeit entdeckte Iņigo auch sein so sehr geliebtes Büchlein von der Nachfolge Christi des Thomas von Kempen († 1471).

Seine strenge Lebensweise in Manresa schwächte seine Gesundheit. Zweimal wurde er todkrank. Fromme Frauen pflegten ihn gesund, darunter Agnes Pascual. Am 18. Februar 1523 verließ er Manresa, um ins Heilige Land zu pilgern. In Barcelona musste er zwanzig Tage auf eine Schiffsgelegenheit nach Italien warten. Während dieser Zeit lernte er eine vornehme Dame, Isabel Roser, kennen, die für ihn wie eine Mutter sorgte. Sie wird seine größte Wohltäterin in Barcelona, Paris und Venedig. Später hat sie dem Ordensgeneral bittere Stunden bereitet. Nach fünf Tagen stürmischer Seefahrt erreichte sein Schiff die kleine Hafenstadt Gaeta, etwas nördlich von Neapel. Im Jahre 1503 hatte Spanien diese Grenzfeste erobert.

 

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