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14. Mai 1943 - Georg von Sachsen
in Berlin

Im Gymnasium am Lietzensee in der Neuen Kantstraße zu Berlin herrschte am Nachmittag des 14. Mai helle Aufregung. P. Georg von Sachsen, der ehemalige sächsische Kronprinz hatte sich nach der Zelebration der hl. Messe auf den Weg zum Groß-Glienicker See gemacht, an dem das Gymnasium eine Badestelle besaß.

Als P. Georg, entgegen seiner Ankündigung, um 16 Uhr noch nicht zurück war, wurde der Rektor verständigt, der die Nachricht gelassen aufnahm. Er meinte, P. Georg sei gewiss bei seinem Freund, dem Herzog von Mecklenburg in Grunewald, bei dem er häufig war und auch über Nacht blieb, um den Nachstellungen der Gestapo zu entgehen. P. Georg hatte mehrfach jüdische Mitbürger vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt. Zeitweise stand er unter Beobachtung. Einige Male war sein Zimmer durchsucht worden.

Als man gegen Abend am See nachsah, fand man am Strand des Badegrundstückes die Kleider von P. Georg. Von ihm selbst aber fehlte jede Spur. Daraufhin hat der Rektor mit Moritzburg, dem Stammsitz des Hauses Sachsen telefoniert und mitgeteilt, dass P. Georg wahrscheinlich ertrunken sei.

Der jüngste Bruder, Prinz Ernst Heinrich, kam bestürzt, um Näheres über die tragische Nachricht zu erfahren. Aber auch in den nächsten Tagen gab es keine neuen Erkenntnisse. Gerüchte kamen auf, P. Georg sei entführt oder gar ermordet worden. Fischer halfen, die Leiche zu suchen. Auch die Wasserpolizei und ein Taucher suchten den See ab. Für das Finden der Leiche wurde eine Belohnung von 500 Reichsmark ausgesetzt. Tage vergingen. Endlich, drei Wochen nach dem Verschwinden, wurde die Leiche von P. Georg im Schilf gesichtet und geborgen. Sie wurde zunächst am Ufer niedergelegt und mit einer Bootsplane zugedeckt. P. Georg hatte eine tiefe, braun gefärbte Wunde hinter dem Ohr. Man vermutete, dass er sich unter Wasser an einem Metallstück schwer verletzt hatte, hängen geblieben und ertrunken war.

Gegen 17 Uhr fuhr der Leichenwagen vor und brachte den Toten ins pathologische Institut. Der Herzog von Mecklenburg kam, um seinen Freund noch einmal zu sehen. Dazu wurde der Sarg geöffnet. Auch eine Tante von P. Georg kam unerwartet.

Der Sarg wurde dann per Bahn nach Dresden überführt und später in der Familiengruft der katholischen Hofkirche aufgebahrt.

Die Kriminalpolizei stellte Untersuchungen an, aber Ergebnisse wurden nicht mitgeteilt.

P. Georg hielt hin und wieder unseren Brüdern in Berlin eine Instruktion. Bei dieser Gelegenheit bemerkte er, dass sein Tod mal gräßlich sein werde - als ob er sein Ende geahnt habe.

 

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