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8. Mai 1853 - Roothaan Johann Philipp
in Rom

Die Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV. im Jahre 1773 war eine der ungewöhnlichsten Maßnahmen der Kirchengeschichte und für die Mitglieder des Ordens ein sehr schmerzliches Ereignis.

Und dennoch: Die Gesellschaftsordnung, die in den Fürsten und ihrer Machtfülle verankert war, ging ihrem Untergang entgegen. Dieser Gesellschaftsordnung war auch die Gesellschaft Jesu tief verbunden. Eine in ihrem sozialen Gefüge anders geordnete Zeit drängte nach vorn.

Nur zwei Länder weigerten sich, das Aufhebungsbreve zu verkünden: Preußen unter Friedrich II. und Russland unter der Zarin Katharina II. Sie weigerten sich nicht aus religiösen Gründen, sondern aus schulisch-kulturellen Motiven. So bestand die Gesellschaft Jesu weiter unter Duldung des Papstes. Die führende Gestalt des Ordens in diesen schwierigen Zeiten wurde P. Johann Philipp Roothaan.

Er stammte aus Amsterdam und war der jüngste von drei Söhnen einer Arztfamilie. Der Vater war aus Frankfurt eingewandert und in der holländischen Diaspora vom Protestantismus zum katholischen Glauben übergetreten. Johann Philipp wurde am 23. November 1785 geboren. Als junger Student reiste er nach Russland, um dort 1804 in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Nach seiner Ausbildung und Priesterweihe (1812) war er im Lehrfach tätig und gab gleichzeitig Volksmissionen, eine damals noch wenig bekannte und wenig geübte, aber viel versprechende Seelsorgsmethode auf der Basis der Exerzitien.

Nach Wiederherstellung des Jesuitenordens für die ganze Kirche im Jahre 1814 durch Papst Pius VII. und nach der Verbannung der Jesuiten aus allen Gebieten des russischen Reiches durch Ukas des Zaren Alexander I. vom 25. März 1820 war Roothaan vor allem in Brig (Schweiz) tätig. Dort erreichte ihn im Herbst 1823 seine Versetzung als Rektor an das Kolleg für Adelige in Turin.

Als General Fortis am 27. Januar 1829 gestorben war, wurde Roothaan Generalvikar des Ordens, dann Provinzial für Italien und wenige Monate später, am 9. Juli 1829 wählte ihn die 21. Generalkongregation zum Generalobern des Ordens. 24 Jahre lang hat er die wechselvollen Geschicke des Ordens geleitet im Geiste seines Wahlspruches 'Fortiter et suaviter' (Stark und milde).

Auch nach der Wiederherstellung des Ordens blieben die Widerstände gegen die Gesellschaft Jesu groß. Es gab Verfolgungen, Verbannungen, Enteignungen und Unterdrückungen jeder Art. Das Generalat unter P. Roothaan erfuhr eine Kette von Hiobsbotschaften. In Madrid zerstörte der Pöbel 1834 das Kolleg und ermordete 15 Jesuiten. Verbannung auch in Lissabon. In Frankreich wütete der Kampf um die Schulfreiheit. Das Jahr 1848 war besonders schlimm. Fast ganz Europa wurde durch Revolutionen heimgesucht. Roothaan musste fliehen, wie nach ihm Papst Pius IX. Roothaan lebte zwei Jahre als Flüchtling auf Reisen. Im Januar 1850 kehrte er über Frankreich nach Rom zurück.

Roothaan hatte eine natürliche Begabung zum Oberen. Die Klarheit und Weite seines Geistes, die Klugheit seines Urteils, die Zielsicherheit und ruhige Bestimmheit seines Wesens - all das war geläutert und veredelt in seinem Streben nach Vollkommenheit. Eine tiefe Gottinnigkeit erfüllte ihn, eine immer ehrliche und unbestechliche Ausrichtung seines Wollens auf den heiligsten Willen Gottes. Da liegt das Geheimnis seiner Autorität und seines Einflusses.

Er starb im Rufe der Heiligkeit am 8. Mai 1853. Pius IX. sagte bei der Nachricht seines Todes: 'Wir verlieren einen Heiligen, und das ist für unsere Zeit ein unersetzlicher Verlust.'

Canisius, 1. Folge Heft 7, Juli 1953 S. 1ff

 

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