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1. Mai 1934 - von Dunin-Borkowski
in München

Er wurde am 11. Mai 1864 in Lemberg geboren. Lemberg war damals (1772-1918) die Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Galizien. Sein Vater Withold Franz stammte auch aus Lemberg. Er starb schon mit 33 Jahren. Seine Mutter Kasimira, Gräfin Fredo stammte aus Luzern. Sie starb in München 1928 in hohem Alter von 83 Jahren. v. Dunin nannte sie 'eine durch Geist und Seelengröße ausgezeichnete Frau, eine verschlossene Frau, die durch die Majestät ihrer unnahbaren Erscheinung vor allem Ehrfurcht und Schweigen weckte'. So heißt es in einem seiner Briefe, die man als ethische und literarische Meisterwerke bezeichnen kann.

Als er sieben Jahre alt war, hatte er eine Art Vision, eine klare Einsicht: 'Der, zu dem du betest, ist etwas sehr Großes.' Dieses Erlebnis der Gottgewissheit entwickelte sich in seinem späteren Leben zu einer beglückenden Gottinnigkeit.

Seine Schulzeit begann er in Kremsmünster und dann in Wien. Wiederholt musste er Pagendienste am kaiserlichen Hof leisten. Mit 16 Jahren entwich er unerwartet aus seiner Situation im Theresianum. Es war eine Flucht aus einer ihm innerlich fremden Umwelt und einer ihn bedrängenden Gefahrenzone. Seine Mutter brachte ihn daraufhin nach Feldkirch in die Stella matutina.

Am 3. Mai 1883 trat er in Holland in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Nach den üblichen Studien der Philosophie in Exaten von 1886-89 und der Theologie bis 1893 - in Ditton Hall zwei Jahre und Valkenburg zwei Jahre - empfing er 1896 in Valkenburg die Priesterweihe. Seine Studien waren unterbrochen durch das Interstiz in der Kollegsarbeit zu Feldkirch.

Nach Abschluss seiner Ausbildung im Terziat zu Wynandsrade (Holland) erfolgte 1899 seine Destination zu den Schriftstellern in Exaten, mit denen er im Jahre 1900 nach Luxemburg übersiedelte. Er forschte und schrieb über die Kirche als Stiftung Jesu besonders über die Anfänge des Episkopates.

Im Jahre 1903 wurde er wieder nach Feldkirch berufen, um dort als Religionslehrer zu wirken, meist in den oberen Klassen. Erst 1910 kam er nach Luxemburg zurück. In diesen Jahren erschien auch sein erfolgreiches Buch über den jungen Spinoza, mit dem er sich fast sein ganzes Leben befasste. 1911 folgte er einer Einladung nach Bonn. Im Jahr darauf wird er als Mitarbeiter der 'Stimmen aus Maria Laach' geführt.

Im Jahre 1918 wurde er nach München versetzt, um sich mit mehr Muße seinen Spinoza-Forschungen hingeben zu können. Aber auch als pädagogischer Schriftsteller machte er sich einen Namen. Er gilt als Experte durch sein Buch 'Reifendes Leben', das 1922 in erster und zweiter Auflage erschien. 1923 folgte das tieferlebte Buch 'Schöpferische Liebe'.

Nochmals kam ein tiefer Einschnitt in sein Leben, als er im Herbst 1920 als Spiritual des Theologenkonvikts nach Breslau berufen wurde. Seine Ausstrahlung war auch hier ungewöhnlich groß. Seine Betrachtungsbücher für Theologen haben durch seine Fülle menschlicher Feinheit, Lebenswahrheit, Erfahrung und vollendeter Einfühlung in die Seelen seiner Hörer und Leser viel Anklang gefunden.

Es hat ihn sehr geschmerzt, dass es auch Gegner und Neider gab, denen seine Spiritualstätigkeit missfiel. Er kam einer Versetzung zuvor und bat selbst um Ablösung wegen Überlastung durch hundert neue Theologen. 1931, nach zehn Jahren wurde sein Nachfolger eingeführt. Er selbst kam für kurze Zeit nach Koblenz und 1933 auf eigenen Wunsch wieder nach München, um hier sein Werk und Leben zu vollenden.

Seine Gesundheit war nicht so stabil, wie die meisten annahmen. Schon seit den Studienjahren quälten ihn häufige Neuralgien. In Koblenz kam ein schmerzhafter, sehr gefährlicher Nasenfurunkel hinzu und ein Herzleiden, das er still, hochherzig und tapfer ertrug, wurde immer deutlicher. Sein Tod am Nachmittag des 1. Mai 1934 erfolgte durch Herzinfarkt, der schwere Atemnot und äußerste Unruhe bewirkte. Er stöhnte unter einer fast unerträglichen Beklemmung. Nach Empfang der Krankensalbung schwand sein Bewusstsein zusehens. Ein Verschluss der Corona Arterie hat das Ende herbeigeführt.

v. Dunin-Borkowski gehört ohne Zweifel zu den großen und bedeutenden Patres der deutschen Ordensprovinz. Er war groß als Forscher im Bereich der Wissenschaft, groß als Pfadfinder auf dem Gebiet der Erziehung und groß als Charakter. Trotz aller Ehrungen blieb er ein Kind vor Gott, ein frommes, demütiges Kind, das in allem Gottes Willen suchte und fand. Seine Güte war geradezu bezwingend und bewirkte eine ungewöhnlich hohe Ausstrahlungskraft.

Mitteilungen Januar 1935

 

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