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24. Juni 1537 - Priesterweihe in Venedig

Ostern war der übliche Termin, um in Rom die Erlaubnis für die Pilgerfahrt nach Jerusalem einzuholen. Am 16. März machten sich die Gefährten auf den Weg nach Rom, um diesen Pilgersegen des Papstes einzuholen. Ignatius selbst blieb in Venedig zurück. Am Palmsonntag, dem 25. März, trafen sie in Rom ein und fanden Herberge in den nationalen Hospizen.

Nachdem sie die Liturgie der Karwoche mitgefeiert hatten, wurden die jungen Magistri überraschend zu Gast bei Papst Paul III. in die Engelsburg zu einem theologischen Disput eingeladen. Während des Essens, in Gegenwart von Kardinälen, Bischöfen und Theologen ließ sie der Papst ihre theologischen Ansichten vortragen. Der Papst zeigte sich sehr zufrieden. Sie erhielten nicht nur den Pilgerschein, sondern auch die kanonische Erlaubnis zur Priesterweihe. Mit einem reichen Almosen des Papstes und mehrerer Mitglieder der Kurie (zusammen 260 Dukaten) und glücklich über so viel Erfolg kamen sie Anfang Mai nach Venedig zurück.

Im Monat darauf, am 24. Juni 1537, dem Fest Johannes des Täufers, fand in Venedig die Priesterweihe statt. Die Weihe erteilte Vincenz Negusanti, der Bischof von Arbe, in der Kapelle seines Privathauses in Venedig. Geweiht wurden Ignatius, Xaver, Laínez, Bobadilla, Codure und Rodrigues. Salmerón erhielt nur die Weihen bis zum Diakonat, weil er im Juni das 22. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Seine Weihe wurde bis Oktober aufgeschoben. Vier der ersten Gefährten waren bereits geweiht, nämlich Faber, Brot, Jay und Hozes.

Im Juni/Juli fuhren gewöhnlich die Pilgerschiffe von Venedig ins Heilige Land. Es war für alle Gefährten eine herbe Enttäuschung als sie erfuhren, dass 1537 kein Schiff ins Heilige Land auslaufen konnte wegen der gespannten kriegerischen Lage mit der Türkei. Seit 38 Jahren war so etwas nicht vorgekommen.

Ohne die Hoffnung auf ein Schiff aufzugeben, beschloss die Pilgergruppe, sich auf verschiedene Städte Oberitaliens zu verteilen, immer je zwei, und apostolisch tätig zu sein durch Predigten, Exerzitien, Hospitaldienst und ähnliches. Im Eiltempo konnten sie sehr rasch Venedig erreichen. Ingnatius, Faber und Laínez gingen nach Vicenza, wo sie in einem verlassenen und verfallenen Kloster, San Pietro in Vivarola, lebten.

Inzwischen war der offene Krieg zwischen Venedig und den Türken ausgebrochen. Ignatius berief daher die ganze Gruppe nach Vicenza, zur Beratung der neuen Lage. Xaver und Rodrigues konnten nicht kommen. Sie lagen krank im Hospital. Inzwischen hatten nun auch die Neugeweihten ihre Primiz gefeiert, außer Ignatius. Er hoffte immer noch, seine Primiz in der Geburtsgrotte von Bethlehem feiern zu können.

Nach den Besprechungen in Vivarolo, die einige Wochen dauerten und ihre Gemeinschaft festigten, verteilten sich die Gefährten erneut auf die Städte, diesmal aber nicht nur der Republik, sondern auf Universitätsstädte: Ignatius, Faber und Laínez gingen nach Rom, Codure und Hozes nach Padua, Jay und Rodrigues nach Ferrara, Xaver und Bobadilla nach Bologna, Brot und Salmerón nach Siena. Bei dieser Wahl der Städte hofften sie auch, neue junge Menschen zu gewinnen.

In Vivarolo überlegten sie auch, was sie sagen sollten, wenn jemand sich erkundigte, was für was für eine Gruppe sie seien. Sie beteten und berieten darüber und kamen zu dem Ergebnis: 'La compania de Jesús'. Das Wort Compaía hatte damals keinen militärischen Beiklang. Es war ein neutrales Wort, das man für Bruderschaften oder Vereinigungen religiöser wie kultureller Art gebrauchte.

Im Oktober 1537 kehrten alle Gefährten noch einmal nach Venedig zurück. Ignatius auch, weil er von üblen Verleumdern beschuldigt wurde, er sei aus Spanien und Paris flüchtig. Der Apostolische Visitator Verallo ließ den Fall durch einen offiziellen Prozess klären. Ignatius wurde nach Venedig bestellt, um den Freispruch entgegen zu nehmen. In dem Dokument vom 13. Oktober 1537 heißt es: 'Wir bezeugen, dass Ignatius ein gutes und frommes Leben geführt hat, dass seine Lehre unantastbar ist, dass er von ausgezeichneter Herkunft ist und sich eines ebenso ausgezeichneten Rufes erfreut.'

Ende Oktober oder Anfang November brach Ignatius mit Faber und Laínez auf nach Rom. Während des ganzen Weges hatte Ignatius viele geistliche Erfahrungen und Gnaden. Besonders beim Empfang der hl. Kommunion, die ihm Faber oder Laínez bei der täglichen Messe reichten. Er bezeugt selbst: 'Auf dieser Reise wurde der Pilger ganz besonders von Gott heimgesucht. Immer wieder bat er Unsere Liebe Frau, sie möge ihn ihrem Sohne zugesellen.'

Bei der letzten Wegrast vor Rom betrat Ignatius das kleine, halb verfallene Kirchlein von La Storta, etwa 16 Kilometer vor Rom. Nach dem Bericht von Laínez hörte Ignatius innerlich folgende Worte: 'Ich werde euch in Rom gnädig sein.' Ignatius sah klar, dass Gott, der Vater, ihn Christus, seinem Sohn, zugesellte, und er sah den kreuztragenden Jesus und wie der Vater zu Jesus sagte: 'Ich will, dass du diesen als deinen Diener nimmst.' Als sie aus dem Kirchlein herausgetreten waren, berichtete Ignatius dem Faber und Laínez, was vorgefallen war.

Sie gingen nun auf Rom zu, überschritten auf der Milvischen Brücke den Tiber und betraten durch die Porta del Popolo die Ewige Stadt. Für Ignatius war das Ende seiner Pilgerfahrt erreicht. Aus Iigo war nun endgültig Ignatius geworden, und der Freundeskreis entwickelte sich zum Orden. In der Kirche San Ignacio in Rom stellt das Gemälde des Hochaltars die Vision von La Storta dar.

Mall/Rahner S.239
Schurhammer I, 389ff.
Hugo Rahner, ZAM 1935, 10.Jg. 4 Aufsätze
Rotes Jahrbuch unter 24. Juni - Kalender
Hugo Rahner, Ignatius als Mensch und Theologe, S.47 u. 462
Dalmaier, S. 118 - Niedere Weihen

 

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