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23. Juni 1963 - Gundlach Gustav
in Mönchengladbach

P. Gundlach stammte aus Geisenheim im Rheingau. Dort wurde er am 3. April 1892 geboren. In Frankfurt/Main wuchs er heran und besuchte dort das Kaiser-Friedrich-Gymnasium. Schon damals zeigte sich seine überragende geistige Begabung. Nach dem Abitur durfte er die Abschiedsrede von der Schule halten. Sein Thema lautete: 'Der Einfluss der griechischen Kultur auf die Bildung aller Völker'.

Während seiner Universitätsstudien in Freiburg/Breisgau stieß er bei Prof. Heinrich Rickert auf das, was ihn sein ganzes Leben lang nicht mehr loslassen sollte. Die sogenannte Badische Philosophieschule ging damals den Grundfragen der Wertphilosophie nach. Das Problem von Sein und Wert wurde für Gundlach's Denken entscheidend, nicht zuletzt für seine Sozialethik.

Am 31. Oktober 1912 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Nach dem Noviziat in Tisis/Vorarlberg begann er in Valkenburg/Holland das Studium der scholastischen Philosophie. Während des 1. Weltkrieges von 1915-18 gehörte er zum Malteser Kriegslazarett 8 der 3. Armee in Vonziers/Champagne. Es folgten weitere Studien der Philosophie und Theologie in Valkenburg. Am 24. August 1924 empfing er die Priesterweihe.

Nach dem Terziat im Bonifatiushaus zu 's-Heerenberg 1927/28 erhielt er die Destination, Nachfolger des Kölner Sozialphilosophen und Nationalökonomen Heinrich Pesch SJ zu werden. Dieser führte ihn persönlich in sein Werk in Berlin ein. P. Pesch starb in Valkenburg am 3. April 1926. Ein Jahr danach promovierte P. Gundlach bei Werner Sombart über das Thema: 'Zur Soziologie der katholischen Ideenwelt und des Jesuitenordens'.

In Frankfurt, St. Georgen, wurden berühmt die äußerst lehrreichen Aussprachekreise mit den Alumnen. Die zahlreich eingestreuten Anspielungen auf die Nazis hielt er gelegentlich in lateinischer Sprache. Natürlich blieb das der Gauleitung der NSDAP nicht verborgen. Die Leitung von St. Georgen und andere machten sich Sorgen, dass der Zorn der Partei sich über St. Georgen entladen könne. P. Gundlach selbst unterschätzte wohl die Gefahr für die Hochschule. Immerhin: Er wurde zum Professor an der Gregoriana in Rom ernannt. Er las nun ein Semester in Rom und ein Semester in Frankfurt und verbrachte seine Ferien in Berlin. So blieb es von 1934-38. Dann drohte die Verhaftung von P. Gundlach. Ein Freund von ihm, Prälat Schmitt, bekam Wind davon und warnte P. Gundlach gerade noch rechtzeitig. So blieb P. Gundlach bis Kriegsende fern von Besuchen in Deutschland. Damit war auch seine Professorentätigkeit in St. Georgen zu Ende.

Der schriftstellerischen Tätigkeit von P. Gundlach sind etliche Artikel in den 'Stimmen der Zeit' zu verdanken, ebenso seine sensationellen Artikel im Staatslexikon der Görresgesellschaft. Auch der Begriff 'Subsidiaritätsprinzip' in der Enzyklika 'Quadragesimo anno' stammt von P. Gundlach. Wie weit diese Enzyklika von ihm mitgestaltet wurde, läßt sich nur vermuten, aber quellenkritisch nicht eindeutig feststellen.

In den Nachkriegsjahren verblasste der Einfluss von P. Gundlach. Er fand vielerlei Gegnerschaft, nicht nur bei Mitbrüdern im Orden, sondern auch bundesweit und in den USA. Auch die Dominikaner von Walberberg gehörten zu seinen Gegnern.

Beeindruckend waren die vielfachen Ehrungen, die ihm zur Vollendung des 70. Lebensjahres zuteil wurden. Prof. Höffner kam mit einer Gruppe seiner früheren Schüler nach Rom gereist, um ihm eine Festschrift zu überreichen. Auch der Bundespräsident verlieh ihm eine hohe Auszeichnung.

Nach seiner Emeritierung in Rom wurde P. Gundlach zum Leiter der neu gegründeten katholisch-wissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach berufen. Auch hielt er Gastvorlesungen an der Universität Münster, als der Lehrstuhl für christliche Soziallehre durch Ernennung von Höffner zum Bischof von Münster verwaist war. So hatte er noch eine weitreichende Wirksamkeit, bis ein Herzinfarkt seinem Leben unwerwartet ein Ende setzte - im 72. Lebensjahr.

Mitteilungen 1963, S. 322ff

 

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