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Jesuiten in Österreich - 10. Juni 1563

Die österreichische Ordensprovinz wurde unter P. General Laynez am 10. Juni 1563 gegründet. Sie erfolgte durch Lostrennung der drei Kollegien Wien, Prag und Tyrnau von der Oberdeutschen Provinz. Petrus Canisius hatte dazu den Hauptanstoß gegeben.

Die kirchliche Situation in Österreich um die Mitte des 16. Jahrhunderts war katastrophal. Nicht nur weite Teile der Bevölkerung in Nieder- und Oberösterreich, in der Steiermark und Kärnten, waren protestantisch geworden, sondern auch der Klerus. Drei Viertel aller Pfarreien hatten keinen Seelsorger mehr. Wien hatte zwanzig Jahre lang keine einzige Priesterweihe. Die katholische Fakultät der Wiener Universität bestand aus zwei Professoren und etwa zwölf Hörern. Das Ende der katholischen Kirche in Österreich schien absehbar.

In dieser Situation sandte König Ferdinand I. einen dringenden Appell an Ignatius und bat um Hilfe. Ignatius stimmte sofort zu. Die Re-Katholisierung erfolgte unglaublich schnell.

Bereits Ende Mai 1551 trafen die ersten Jesuiten P. Le Jay und P. Schorich in Wien ein, um dort ein Kolleg zu gründen und um so mitzuhelfen, dem Glaubensabfall Einhalt zu gebieten. Ein paar Tage nach der Ankunft der beiden genannten Patres kam ein ausgezeichneter belgischer Jesuit hinzu, P. Nikolaus Delanoy aus Rom. Ihm waren eine Reihe junger Jesuiten zugesellt.

Am 9. März 1552 traf auch Petrus Canisius in Wien ein. Er kam mit dem Donauschiff. Die Reise von Ingolstadt nach Wien dauerte vier Tage. Canisius war begleitet von zwei Novizen. In seinem Bericht an Ignatius schreibt er: "Diese bezeugen, daß es eine ebenso große Tat ist, einen Deutschen in die Gesellschaft zu bekommen als zwanzig Italiener oder Spanier."

Vom unerwartet schnellen und großartigen Aufschwung bietet die uns erhaltene Statistik imponierende Zahlen. Bei seiner ersten Predigt im Stefansdom hatte Canisius zwölf Hörer. Bald waren es Hunderte. Als 1564 das Kolleg in Graz gegründet wurde, gab es dort unter 12.000 Einwohnern kaum 200 Katholiken. Seit 1590 zählte das Wiener Kolleg an die 1000 Schüler. Die Marianischen Kongregationen wirkten tief in das Volk hinein.

Im Jahre 1763, kurz vor der Aufhebung des Ordens, zählte das Kolleg in Wien 2000 Schüler, das in Graz 1500. Die Österreichische Ordensprovinz hatte etwa 1950 Mitglieder. Sie waren tätig in 58 Gymnasien und 23 Hochschulen, davon fünf mit Universitätsrang, und an 64 Kirchen. Dazu schickte die Provinz Missionare nach China, Indien und Paraguay.

[zurück zu P. Otto Syres SJ - Kalendarium]

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