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9. Juni 1597 - José de Anchieta
in Retiriba (heute Anchieta)

Geboren am 19. März 1534 in Teneriffa, der größten der kanarischen Inseln. Er studierte in Coimbra und trat dort am 1. Mai 1551 in die portugiesische Provinz der Gesellschaft Jesu ein. Trotz seiner gesundheitlichen Eingrenzungen schickten die Obern ihn nach dem Noviziat nach Brasilien, wo die Jesuiten eine aufblühende Missionsstation errichtet hatten. Dort empfing er im Jahre 1566 die Priesterweihe.

Nach längerer Oberntätigkeit wurde er zum Provinzial der brasilianischen Ordensprovinz ernannt. In diesen Jahren zeigte sich seine ungewöhnliche Klugheit und seine hervorragende Führungskunst.

Er war der erste, der schon bald nach seiner Ankunft in Brasilien eine Grammatik der Eingeborenensprache der Tupi-Indianer entwarf, die er nach und nach verbesserte und ergänzte. Sie wurde 1595 gedruckt. In dieser Sprache schrieb er einen Katechismus und andere seelsorgliche Texte, die zum Teil durch Verse in einheimischen Rhythmen und Melodien gesetzt wurden, denn es zeigte sich, dass die Indianer erstaunliche musikalische Talente besaßen.

In einem Zeitbericht heißt es über ihn: 'Barfuß, mit Kreuz und Rosenkranz um den Hals, Pilgerstab in der Hand, die Schultern beladen mit Brevier und Altargeräten, drang er in das Innere der Wälder vor, durchschwann Ströme, stieg wilde Gebirgslandschaften empor, verlor sich in den Tiefen der Einöden, trat wilden Tieren entgegen, und alle diese Mühen und Arbeiten überwand er einzig, um Seelen zu gewinnen.' So beschreibt ihn Southey, History of Brasil II, 310.

Er war ein unermüdlicher Missionar der Indios und übte durch seine charismatische Persönlichkeit großen Einfluss auf die Gesellschaft des Landes aus. Seine Person ist untrennbar verbunden mit der Entstehung und Entwicklung der brasilianischen Kirche. P. Kolvenbach, der Generalobere der Jesuiten in Rom schrieb dazu: 'Die Fähigkeit, sich kreativ in eine neue Welt einzufügen, geleitet von gläubiger Hoffnung und liebender Offenheit für die Nöte der Menschen und der Werte ihrer Kultur, sind auch für uns heute, über 400 Jahre später, eine Quelle der Inspiration, die uns aufruft, die Herausforderungen der neuen Evangelisierung anzunehmen.'

Anchieta gilt als der Nationalheilige und Apostel Brasiliens wegen seiner Verdienste um Religion, Kultur und Vaterland.

Die Jesuiten nahmen mutig Stellung gegen die Exzesse der Sklavenjagden, gegen die Trunksucht, die schon lange vor der Ankunft der Europäer bestand, gegen die sexuellen Praktiken (Promiskuität) und besonders gegen den Kannibalismus. Und sie gingen mit mehr Verständnis und mehr Geduld voran als die portugiesischen Abenteurer, die nur durch Gold und Juwelen motiviert waren. Mehrmals hat Anchieta bei den Aufständischen den Frieden vermittelt. Monatelang war er als Geisel in Lebensgefahr. Aber bei den Indianern war er durchweg beliebt und als heiliger Wundertäter verehrt.

Er starb am 9. Juni 1597 in Retiriba, einem kleinen Dorf, das ihn zu ehren heute Anchieta heißt. Er starb im Alter von 64 Jahren, von denen er 44 Jahre in Brasilien tätig war. Seine Seligsprechung erfolgte am 22. Juni 1980 durch Papst Johannes Paul II.

Die Hauptfeiern zur Seligsprechung waren in Sao Paulo, der Stadt, die ihn als Gründer verehrt. Bei der festlichen Eucharistiefeier, die Kardinal Arns in der überfüllten Kathedrale hielt, war auch der Präsident der Republik Cardosa zusammen mit dem Gouverneur des Bundesstaates zugegen und viel Prominenz. Eigens zu dieser Feier hatte Frau Marlui Miranda eine Messe komponiert mit indianischen Rhythmen und Texten der Tupi-Guarani-Indianer.

Auch ein religiöses Theaterstück von Anchieta wurde mit großem Erfolg aufgeführt, bei dem 120 Schauspieler beteiligt waren. Vieles wurde vom Staatlichen Fernsehen übertragen, auch ein Dokumentarfilm (50 Minuten) über den Seligen. Die Medien waren tatkräftig engagiert. Auch mehrere Bücher erschienen. Auf dem Platz vor der Jesuitenkirche wurde ein großes Volksfest gefeiert. Ein Nationaldenkmal zu seinen Ehren hält die Erinnerung an die Seligsprechung fest.

 

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