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31. Juli 1556 - Ignatius' Tod

Ignatius besaß während seiner ganzen Generalatszeit in Rom keine gute Gesundheit. Heftige Koliken in der Bauchregion und häufiges Fieber quälten ihn immer wieder und brachten ihn mehrfach in Todesgefahr.

Bei der Autopsie, die der berühmte Chirurg Dr. Realdo Colombo, der auch im Dienst der Päpstlichen Kurie tätig war, vornahm, stellte sich heraus, dass Ignatius ein Gallenleiden hatte mit Symptomen, die auf den Magen ausstrahlten. So war Igantius über lange Jahre nicht sachgemäß behandelt worden. Die Gallenkoliken wurden nicht diagnostiziert.

Schon Ende 1550 hatte Ignatius eine schwere gesundheitliche Krise durchgemacht, die ihn um Entbindung vom Amt des Generals bitten ließ.

In den ersten Monaten des Jahres 1556 ging es ihm erneut sehr schlecht. Am 8. Februar notierte er, dass er seit einem Monat keine Messe mehr gefeiert habe, und er sich damit zufrieden geben müsse, nur noch alle acht Tage zu kommunizieren. Man hoffte, ein Luftwechsel würde ihm gut tun. So brachte man ihn am 2. Juli in das Landhaus des Römischen Kollegs und übertrug die Leitung der Gesellschaft den Patres Madrid und Polanco. Doch am 27. Juli brachte man den Sterbenskranken nach Rom zurück. Niemand rechnete mit seinem nahen Tod, nicht einmal die beiden Ärzte, die sich um ihn bemühten. Es waren Baltasar de Torres, der vor seinem Eintritt in den Orden als Arzt tätig gewesen war und nun mit Erlaubnis des Papstes gleichsam als Hausarzt der Unsrigen fungierte, und Dr. Alessandro Petroni, ein hervorragender Arzt, der in Rom als medizinische Kapazität galt. Er war mit Ignatius befreundet.

Am 30. Juli ließ Ignatius nachmittags P. Polanco rufen. Er ließ den Krankenpfleger Bruder Tomaso Camnizzero hinausgehen und bat Polanco, in den Vatikan zu gehen, den Papst über seinen Zustand zu informieren und seinen Segen zu erbitten für ihn und für Laínez, der ebenfalls lebensgefährlich krank zu Bette lag und die Krankensalbung empfangen hatte.

Polanco versprach, dem Wunsch zu entsprechen, fragte aber, ob es genüge, wenn er am folgenden Tage den Wunsch ausführe, da er gern noch die Post für Spanien erledige, die immer Donnerstags abging. Ignatius antwortete: 'Mir wäre es heute lieber als morgen, aber tut, wie ihr es für gut haltet. Ich überlasse mich ganz euch.'
Polanco beriet sich noch einmal mit Dr. Petroni, der aber eine akute Lebensgefahr nicht erkannte. So erledigte Polanco die Korrespondenz mit Spanien. Abends saßen er und P. Madrid noch einige Zeit im Krankenzimmer bei Ignatius. Die Nachtwache übernahm Bruder Tomaso.

Am frühen Morgen lag Ignatius in den letzten Zügen. Bruder Tomaso wurde beauftragt, schnell den P. Piedro Riera zu holen, bei dem Ignatius in der letzten Zeit gebeichtet hatte. Er sollte Ignatius nun die hl. Ölung spenden. Polanco begab sich zum Vatikan. Trotz der frühen Stunde wurde er vom Papst empfangen, der seinen Segen gab. Aber als Polanco zurückkehrte, war Ignatius bereits 'ruhig und leicht' verschieden. Dieser 31. Juli war ein Freitag. Der Tod trat ein etwas vor 7 Uhr. Bei ihm anwesend waren die Patres Cristóforo de Madrid und André des Freux (Frusius), der Rektor des Römischen Kollegs.

So starb Ignatius ohne Krankensalbung und ohne letzte Segensworte an seine Mitbrüder und ohne päpstlichen Segen, der zu spät kam.
Ignatius hatte das 64. Lebensjahr vollendet. Seit der Gründung der Gesellschaft waren 16 Jahre vergangen.

Ignatius hatte es stets abgelehnt, irgend jemandem Modell zu sitzen. Nun ersuchte man den Künstler Jacopino del Conte, im Anblick des Toten ein Portraitbild zu malen. Del Conte stammte aus Florenz, er war dort Schüler des berühmten Florentiner Koloristen Andrea del Sarto und seit 1538 in Rom tätig. Mit Ignatius war er befreundet und längere Zeit sein Beichtkind. Das Original dieses Bildes (46 : 35) wird an der Ordenskurie in Rom aufbewahrt. Es hängt dort im Arbeitszimmer von P. General.

Dieses Bild fand bei den Mitbrüdern damals keinen ungeteilten Beifall. Manche ziehen das in Madrid von Alonso Sanchez Coello gemalte Bild vor, das in der flämischen Ordensprovinz aufbewahrt wird. Noch am Sterbetag von Ignatius wurde auch eine Maske aus Stuckgips hergestellt. Einen Abzug hatte Ribadeneira in Madrid. Er diente Coello als Modell für sein Portrait.

Der Leichnam wurde bis zum nächsten Tag aufgebahrt. Nach der Vesper 17 Uhr wurde unter großer Beteiligung der Gläubigen eine Begräbnisfeier gehalten, zelebriert von P. Polanco und P. Olere Olave vom Römischen Kolleg. Die Predigt hielt P. Benito Palmo mit 'einfachen und frommen Worten des Gedenkens.' Der mit priesterlichen Gewändern umhüllte Tote war in einen Holzschrein eingeschlossen und zu Füßen des Hochaltares der Kirche S. Maria della Strada auf der Evangelienseite beigesetzt.

Als im Jahre 1568 diese Kirche abgetragen wurde, um den Grund für Il Gesù zu legen, wurde der Heilige in einen neuen Sarg umgebettet. Über seinem Grab erhebt sich nun der prunkvolle Altar, der das tiefste Wesen von Ignatius eher verdeckt als enthüllt. Der Stein über dem Grab trägt die einfache Inschrift:

    'Ignatio Societatis Jesu Fondatori'
    Ignatius, dem Gründer der Gesellschaft Jesu

In der stimmungsvollen Kapelle rechts vom Grabaltar wird das Gnadenbild der 'Madonna della Strada' verehrt.

In der gleichen bescheidenen Kammer, in der Ignatius verschied, starben auch die beiden folgenden Ordensgenerale Diego Laínez im Jahre 1565 und Francisco de Borja im Jahre 1572.

Im Todesjahr von Ignatius zählte der Orden 20 Häuser in Italien und 90 Häuser in der übrigen Welt. Er war organisatorisch in 13 Provinzen eingeteilt und zählte circa 1000 Mitglieder. Unter diesen waren allerdings - abgesehen von den noch lebenden ersten Gefährten - nur 38 Professen. In 7 Ländern Europas wurden von Jesuiten 33 Kollegien geleitet, für Studenten, die nicht Jesuiten waren.

Raffalt 'Concerto Romano', S.105f

 

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