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21. Juli 1773 - Aufhebung der Societas Jesu

Während des Trienter Konzils hatte die Gesellschaft Jesu einen steilen Anstieg an Hochschätzung erlangt. In der Folgezeit kam es in den meisten europäischen Ländern zu drastischen Maßnahmen gegen die Jesuiten. Man kann nicht alle Schuld den bourbonischen Höfen zuschreiben. Die Gesellschaft hat auch viel selbst verspielt. Es gab aufregende Fakten, die oft einseitig verbreitet wurden. Es sei hingewiesen auf den Handel in Paraguay, auf den Bankrott des P. Lavalette auf Martinique, auf den chinesischen Ritenstreit, auf den Jansenistenstreit und die laxe Moral mancher Hofbeichtväter.

Aber die theologischen Fragen waren den europäischen Herrschern eher gleichgültig. Sie interessierten sich ausschließlich für Politik, und da wurde das jesuitische Abenteuer in Paraguay als gefährliches Problem beurteilt. So stand Portugal an der Spitze der Gegnerschaft. Bereits 1759 vertrieb Portugal die Jesuiten. Frankreich folgte 1764, Spanien 1767, Neapel-Parma 1768.

Es muss aber auch gesagt werden, dass kein Orden der Kirche die Gesellschaft Jesu öffentlich anklagte und ihre Aufhebung forderte. Und es kam nach der Aufhebung nie und nirgends zu einem echten staatlichen Prozess. Es gibt kein Gerichtsurteil. Auch das Institut des Ordens wurde niemals der Kritik unterzogen.

1769 beantragten die bourbonischen Höfe bei Papst Klemens XIII. die Aufhebung des Ordens. Aber der Papst starb im folgenden Monat, am 2. Februar 1769 an einem Schlaganfall.

Nur wenige Monate später, am 19. Mai wurde Ganganelli zum Papst gewählt. Er stammte aus Rimini und trat mit 18 Jahren dem Franziskanerorden bei. Der 64-jährige nannte sich Klemens XIV.

Anfangs war er dem Jesuitenorden gewogen und suchte durch Hinhaltetaktik die Jesuitenfrage zu lösen: durch Verbot, Novizen aufzunehmen oder durch Absetzung des Generals ohne Nachfolger. Aber dem wachsamen Druck der Bourbonen konnte er nicht widerstehen. In deren Auftrag forderte der französische Botschafter José Monino erneut die Aufhebung des Jesuitenordens und drohte mit Abbruch der diplomatischen Beziehungen; ähnlich 1772 der neue spanische Gesandte in Rom. Als im Frühjahr 1773 Österreichs Kaiserin Maria Theresia erklärte, dass kein Veto gegen die Aufhebung zu erwarten sei, stand nichts mehr im Wege.

José Monino hatte außerordentliche diplomatische Fähigkeiten. Mit List und Energie brachte er den Papst dazu, das Aufhebungsbreve 'Dominus ac Redemptor' auszufertigen. Beim Entwurf war er selber mit am Werk.
Gedruckt wurde das Dokument nicht in der Druckerei des Vatikans, wie üblich, sondern in einer geheimgehaltenen Druckerei der spanischen Botschaft, weil der Papst eine vorzeitige Publikation befürchtete.

Das Breve wurde zuerst im Professhaus des Ordens in Rom am 16. August 1773 durch Macedonio, einem Neffen des Papstes, und den Prälaten Alfani verlesen, begleitet von einer Abteilung päpstlicher Polizei. Andere Prälaten vollzogen am gleichen Abend die Mitteilung in den anderen Ordenshäusern in Rom. Die Jesuiten durften einstweilen ihre Wohnungen nicht verlassen.

Das Breve wurde am härtesten durchgeführt im Vatikanstaat. Der General und seine Assistenten wurden in der Engelsburg eingekerkert. Frankreich und Neapel gaben die von ihnen besetzten Gebiete des Kirchenstaates zurück. Madrid feierte drei Tage lang ein Volksfest. In Deutschland und Österreich ging man mit Schonung und Milde vor. Vielfach konnten die Jesuiten als Weltpriester ihre Arbeiten weiterführen. Eine Ausnahme machte der Kurfürst von Mainz, der die Patres und Brüder eines Nachts aus den Kollegien abführen und in verschiedene Klöster einsperren ließ.

Zwei Staaten widersetzten sich. Es waren die Gegner Roms, die das Breve nicht publizierten: Friedrich II. in Preußen und Katharina II. in Russland. Sie widersetzten sich, um die segensreiche Schultätigkeit nicht zu gefährden.

Kurz vor der Aufhebung (1750) zählte der Orden 22.589 Mitglieder, darunter 11.293 Priester verteilt auf 39 Provinzen. Er besaß 84 Professhäuser in den Hauptstädten der Welt, 679 Kollegien, 61 Noviziate, 176 Seminare, 315 Residenzen und 273 Missionsstationen.

 

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