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15. Juli 1579 - Simão Rodrigues
† in Lissabon

Rodrigues stammte aus dem kleinen Städtchen Vouzella im Norden Portugals. Seine Eltern waren beide von altem Adel. Als Stipendiat des portugiesischen Königs studierte er in Paris und schloss sich dem Freundeskreis von Ignatius an. Er war beim Gelöbnis auf dem Montmartre dabei. Ignatius wagte es mit ihm, wenn auch ein nicht leichtes Temperament schon damals deutlich war. Er besaß aber auch große Talente und konnte im Umgang faszinierend sein.

Im Jahre 1540 kam vom Papst und vom protugiesischen König die Bitte an Ignatius, Missionare für die indischen Kolonien freizustellen. Ignatius nahm die Bitte an und bestimmte auch Simão Rodrigues. Dieser aber fiel wegen Krankheit aus. Er wurde durch Franz Xaver ersetzt. Rodrigues blieb in Portugal und wurde 1546 zum Provinzial der neugegründeten protugiesischen Provinz ernannt. Er hat in wenigen Jahren die Provinz zu großer Blüte gebracht. Sie zählte bereits 1552 über 300 Mitglieder. Das war ein gutes Drittel der Ordensmitglieder überhaupt.

Aber es fehlte der Führung durch Rodrigues die Klarheit einer straffen und festen Leitung. Er war zu unbeständig und zu nachgiebig und nicht objektiv genug, er war zu sehr ein Freund des Königs und des Hoflebens. Die Disziplin ließ derart nach, dass eine verhängnisvolle Krise entstand. Alle Bemühungen von Ignatius blieben ohne Erfolg. Rodrigues verstand es immer wieder, seinen Einladungen zu Gesprächen nach Rom auszuweichen. Endlich kam es dazu bei Jahresende 1550/51. Rodrigues blieb hartnäckig. Er wurde als Provinzial abgesetzt und durch P. Diego Mirón ersetzt. Rodrigues erkannte ihn nicht an. Auch der geschickte und tatkräftige Spanier P. Miguel de Torres erreichte als Visitator keine Einigung. So entstand der berühmte Gehorsamsbrief vom 26. März 1553. Etwa die Hälfte der portugiesischen Provinz verlor den Beruf. Ein Teil trat freiwillig aus. Andere wurden entlassen. Ignatius verhielt sich Rodrigues gegenüber mit viel Taktgefühl und einer unglaublichen Geduld und Herzlichkeit, die viele Mitbrüder überraschte. Er bekam das beste Zimmer im Haus und erfuhr viele Aufmerksamkeiten. Nach vielem Hin und Her und nach Drohung mit Exkommunikation durch seinen Nachfolger P. Mirón erschien Rodrigues am 1. November 1553 vor Ignatius in Rom und wurde mit unbeschreiblicher Liebe von Ignatius aufgenommen. Beide vereinbarten eine Untersuchung durch 4 Gutachter. Diese erklärten Rodrigues in fast allen Punkten für schuldig; unter anderem durch Eigensinn, Laune, Ungehorsam und zu freies Leben. Verschiedene Strafen und Bußübungen wurden ihm auferlegt. Rodrigues hörte kniend das Urteil an und erklärte sich zu allem bereit.
Ignatius hatte sich die Bestätigung des Urteils verbehalten. Er ließ ihm alles nach; nur nach Portugal durfte er nicht mehr zurückkehren. Ignatius hegte für Simão Rodrigues eine eigentümliche, fast unerklärbare Zuneigung. Rücksichtsvoller und liebevoller hätte er nicht sein können. Aber alles war umsonst. Die Hälfte der portugiesischen Provinz kündigte die Treue.

Rodrigues verbrachte die nächsten Jahre in einer Einsiedelei - Bessano/Oberitalien. Der letzte Briefwechsel zwischen Ignatius und Rodrigues bildet den versöhnlichen Nachklang in dieser Tragödie der Irrungen.

Francisco de Borja, der dritte General der Gesellschaft Jesu erlaubte ihm einen Wohnungswechsel nach Spanien, und Mercurian, der vierte General, erlaubte 1574 auch die Rückkehr des einsam gewordenen Rodrigues nach Portugal. Dort widmete sich der Büsser schriftstellerischen Arbeiten. Von besonderem Wert ist sein Kommentar zu den Anfängen der Societas von Montmartre 1534 bis zum Jahre 1540, da Papst Paul III. die Gesellschaft Jesu bestätigte.

Am 15. Juli 1579 beendete Rodrigues sein ereignisreiches Leben in Lissabon.

 

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