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7. Juli 1990 - Hugo M. Enomiya Lassalle
in Münster

P. Lasalle wurde am 11. November 1898 in Externbrock im Kreis Höxter an der Weser als Sohn einer hugenottischen Familie geboren. Nach dem 1. Weltkrieg trat er 1919 in den Jesuitenorden ein. 1929 ging er nach Japan, um an der Sophia-Universität in Tokio eine Professur für Deutsche Sprache zu übernehmen. Sein japanischer Name ist Makibi Enomiya.

Mit Studenten gründete er 1931 das 'Jochi-Settlement', ein Sozialwerk in den Elendsvierteln von Tokio. 1935 bis 1949 war er Missions-Superior der Jesuitenmission in Japan. In schwieriger Zeit trug er die Verantwortung für die Sophia-Universität in Tokio und für das Apostolische Vikariat Hiroshima. Dort erlebte und überlebte er am 6. August 1945 den Atombombenabwurf aus unmittelbarer Nähe.

Nach dem 2. Weltkrieg ist es seiner Initiative zu verdanken, dass Jesuiten aus vielen Ländern nach Japan kamen, um die Arbeit der deutschen Jesuiten mitzutragen. Ausdruck diesen Mutes und Engagements war der Bau der Weltfriedenskirche in Hiroshima. Sie ist Idee und Werk von P. Lassalle.

Neben diese Tätigkeit trat mehr und mehr eine andere. Er vertiefte sich in die Spiritualität des Zen-Buddhismus und wurde sogar qualifizierter Zen-Meister. Sein Verdienst ist es, dass die Zen-Meditation in die christliche Spiritualität Eingang gefunden hat. Nach dem Vaticanum II ist er im deutschen Sprachraum durch ungezählte Meditationskurse für viele Menschen zu einem Lehrmeister des inneren Lebens geworden. Seine Erfahrungen fanden Niederschlag in vielen Büchern und Publikationen.

P. Lassalle erhielt für seine Vermittlerrolle zwischen östlichem und westlichem Denken viel Anerkennung. Die Stadt Hiroshima, in der er so lange gelebt und gewirkt hat, verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft. Die Theologische Fakultät der Universität Mainz verlieh ihm anläßlich seines 90. Geburtstages die Ehrendoktorwürde.

Bei einer Meditationsreise durch Deutschland erlitt er bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch. Er brauchte Pflege und kam für die letzten Monate seines Lebens in das ordenseigene Altenheim der Jesuiten nach Münster.

Als eine Lungenentzündung hinzu kam, starb er im Franziskus-Hospital zu Münster am 7. Juli 1990. Bei seinem Tod waren auch mehrere Japaner zugegen. Alle Anwesenden sangen leise das Lied, mit dem er alle Zen-Kurse schloss, nämlich: 'Großer Gott, wir loben dich'. Während der zweiten Strophe ging er unmerklich hinüber zu Gott in die Ewigkeit.

Canisius, Weihnachten 1990, S. 27

 

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