English Version

26. Januar 1949 - Beckmann Br. Gottfried
in Köln

Die Lebensgeschichte von Bruder Beckmann führt uns in die Arbeit des Generalarchivs der Gesellschaft Jesu.
Die Anfänge des Archivs gehen auf das Organisationstalent des hl. Ignatius zurück. Bereits 1544 ernannte der Ordengründer den P. Hieronymus Domenech zum Sekretär für diesen Bereich. Den Grundbestand des Archivs bilden die Professformeln, die Wahlzettel, die Weihezeugnisse und die wissenschaftlichen Diplome der ersten Patres.

Aufbewahrt wurde das Archiv in der Generalskurie. Durch die politischen Umwälzungen der Einigung Italiens im 19. Jahrhundert verfügte ein Sondergesetz vom Mai 1873 die Einziehung der Bibliotheken der Orden. Die Unsrigen versuchten, das alte Archiv der Gesellschaft der unerwünschten Aufmerksamkeit der neuen Behörden zu entziehen. So wurde das Archiv vom Professhaus zunächst in die Keller des fürstlichen Palastes Torlonia und drei Jahre später in das Dachgeschoss des Germanikums gebracht. Ein Teil des Archivs, vor allem die Generalprokur, wurde dennoch enteignet und als 'Fondo Gesuitico' dem Staatsarchiv einverleibt.

Da im Laufe der Jahre das Archiv in Rom nicht mehr genug sicher war, drängte P. Franz Ehrle, später Kardinal, auf Unterbringung im Ausland. Die Wahl fiel auf das neue Haus der Gesellschaft in Exaten, Holland.

Als 1927 das Exatener Kolleg den Franziskanern übergeben wurde, kam das Archiv nach Valkenburg. Von dort kehrte es Mitte August 1939 nach Rom an die neue Generalskurie, Borgo S. Spirito zurück.

Den 'Fondo Gesuitico' konnte P. Tacchi-Venturi im Jahre 1924 vom italienischen Staat zurückerhalten mit der Auflage, dass die Sammlung den Studierenden zugänglich bleibe.

Trotz vieler, auch größerer Lücken ist unser Archiv der kostbarste Schatz der Gesellschaft. Das Archiv wird am meisten benutzt nicht von der Kurie, sondern von den Patres im Schriftstellerhaus.

Br. Beckmann war am 10. Dezember 1863 geboren. Mit 28 Jahren, 1891 war er in die Gesellschaft Jesu eingetreten und kam mit 36 Jahren in die Archivarbeit nach Valkenburg. Er kümmerte sich auch um die Renovierung der vielen beschädigten Dokumente. Die Gelatine, die er einführte, ist heute noch in Gebrauch. Seit 1935 ist auch Cellophan hilfreich und bewährt.

Bei der Übersiedlung des Archivs nach Rom im Jahre 1939 war Br. Beckmann schon alt (76) und gebrechlich. Er blieb in seiner Provinz zurück. Er kam nach Münster, Haus Sentmaring, wo er einige Jahre den Pfortendienst versah bis zur Vertreibung durch die Gestapo. Nach liebevollen Aufnahmen im Paulushaus zu Osnabrück und einer bekannten Familie in Mettingen siedelte er in das neu errichtete Noviziatshaus Eringerfeld über. Danach fand er zusammen mit Br. Rosenberg in der neu eingerichteten Krankenabteilung in Köln ein schönes Zimmer und gute Pflege. In seiner geistigen Frische war er vielseitig interessiert und freute sich über jeden Besuch. Mehr und mehr setzte ihm eine Hüftlähmung zu, so dass er vollständig am Gehen behindert war. Trotzdem war er in gutem Gleichgewicht. Man konnte ihn bis in den Garten hinein pfeifen und singen hören.

Am Morgen des 19. Januar 1949 traf ihn ein Schlaganfall. Er verlor das Bewusstsein, das er bis zu seinem Tod am frühen Morgen des 26. Januar nicht wieder erlangte. Still und ruhig ist er unter dem Gebet der Mitbrüder eingeschlafen.

Jedes gepflegte Archiv sondert von Zeit zu Zeit aus, was nicht von dauerndem Wert ist. Die erste große Aussonderung hat P. General Mutius Vitellesci persönlich vorgenommen. Er informierte darüber die italienischen Provinziäle in einem Brief vom 15. April 1617. Er sonderte aus, was nicht für die Geschichte und zur Erbauung dienen konnte. Alles übrige verbrannte er ohne Zeugen.

Jahrbuch 1998, S.34
Aus der Provinz, 31. Jahrgang Nr. 1, 1949

 

[zurück zu P. Otto Syres SJ - Kalendarium]

Link to 'Public Con-Spiracy for the Poor'