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7. Januar 1996 - Klein Wilhelm
in Münster

Er wurde als das fünfte von zehn Kindern seiner Eltern Wilhelm und Katharina am 24. März 1889 in Traben an der Mosel geboren. Da der Vater als Eisenbahner nach Trier versetzt wurde, ist Wilhelm in Trier aufgewachsen. Die Bischofsstadt Trier wurde ihm auch zur religiösen Heimat.

Nach dem Abitur 1907 entschloss er sich, wie sein älterer Bruder Peter, Priester zu werden. Bald nach Studienbeginn schickte ihn der Bischof Michael Korum an die Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Im Germanikum, wo die deutschen Thelogiestudenten wohnten, kam ihm der Wunsch, Jesuit zu werden. Aber zunächst hieß es, nach seiner Priesterweihe in Rom am 28. Oktober 1912, sich ein Jahr lang als Seelsorger in Dieblich bei Koblenz zu bewähren. Mit 24 Jahren, am 14. September 1913, trat er in den Jesuitenorden ein.

Zu Beginn des 1. Weltkrieges meldete er sich zum Dienst als Feldgeistlicher. Eine schwere Verwundung Ende September 1918 setzte ihn außer Gefecht. Ein Granatsplitter riss ihm ein Stück aus der Schädeldecke heraus.

Nach ergänzenden Studien der Philosophie (besonders über Hegel) in Freiburg und Rom und dem Terziat in Exaten (Niederlande) dozierte er zehn Jahre lang im Ignatiuskolleg zu Valkenburg und in Frankfurt, Sankt Georgen.

1932-1938 war er Provinzial der Niederdeutschen Ordensprovinz in Köln. Die Aufhebung des Jesuitenkollegs in Valkenburg durch die Gestapo 1942 hatte er als Rektor zu bestehen.

Außer der Wissenschaft diente er der geistlichen Formung der jungen Mitbrüder und junger Kleriker sowohl als Spiritual in Hildesheim (1945-1948) wie besonders als Spiritual im Germanikum. In den dreizehn Jahren dort (1948-1961) zeigte sich seine größte Begabung. Vielen Priestern, späteren Bischöfen und Professoren wurde er ein geistlicher Vater und ist es geblieben bis zu seinem Tod kurz nach Mitternacht am 7. Januar 1996 in Münster, Haus Sentmaring.

P. Klein hat nichts Schriftliches veröffentlicht. Er war ein Meister des gesprochenen Wortes und der freien Rede. Als Spiritual verstand er es, in den Betrachtungspunkten die Briefe des hl. Paulus ungewöhnlich lebendig zu kommentieren. Davon zeugen die von seinen Schülern publizierten Bücher.

Wenn man ihm ein Manuskript zur Beurteilung brachte, las er es. Sein Urteil war meistens ermutigend und in knappen Worten gesagt: die Sache sei gut und nach allen Seiten ergänzungsfähig. Und er verstand es, diese Ergänzungen auch vorzubringen.

Seit 1961 lebte P. Klein im Bonner Paulushaus in der Lennéstraße. Hier war er tätig als Prediger, Exerzitienleiter und Gesprächspartner. Der Germanikum-Katalog nennt seine Tätigkeit schlicht: Seelsorger im Paulushaus. Viele kamen zur Spätmesse am Sonntag 11 Uhr, um seine Predigt zu hören. Viele kamen von Auswärts, ihn zu besuchen.
Die Tippelbrüder im Bonner Hofgarten kannten ihn. Er war ihnen in seinem Aussehen, im abgetragenen Mantel und einem etwas zerbeulten Hut, in manchem ähnlich. Manchem steckte er manchmal fünf Mark zu. In Ermangelung von Geld konnte es auch mal ein Stück Schokolade sein oder ein gefülltes Osterei. Es gibt ungezählte Anekdoten über ihn; viele sind sogar wahr.

Im Jahr 1988 siedelte er nach Münster ins Altenheim unserer Provinz über, wo er seinen 100. Geburtstag und sein 80. Priesterjubiläum feiern konnte. Während seiner letzten Lebensjahre hat er nicht mehr gepredigt, aber viele Gespräche geführt mit vielen Besuchern. Mit Prof. Küng war er besonders eng befreundet. Sie hatten regelmäßig Telefonkontakt. Prof. Küng kam auch eigens zu seinem Begräbnis nach Münster.

Würde man die Besucher von P. Klein fragen, was sie eigentlich so anzieht, ich glaube, sie könnten einfach sagen: Es war mir in seiner Gegenwart so unbeschreiblich wohl. (So P. Steinmetz in seiner Kurzbiographie im 'Canisius').

Sein Vermächtnis ist die Verkündigung der grenzenlosen Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Er war tieffromm und doch ein äußerst kritischer Geist. Er wirkte ganz gelassen und besaß doch ein unruhiges Herz, wie kaum sonst einer.

Canisius, Weihnachten 1982, S.21
Canisius, Pfingsten 1996, S.31

 

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