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29. Dezember 1926 - Hochschule Sankt Georgen

Nach Wiederherstellung des Jesuitenordens im Jahre 1814 hatte die Gesellschaft Jesu für ihren deutschen Zweig ein philosophisch-theologisches Studienzentrum in Fribourg in der Schweiz.

Nach dem Sonderbundskrieg von 1847, in dessen Gefolge die Jesuiten die Schweiz verlassen mussten, verlegte der Orden das Scholastikat zunächst nach Paderborn (1856-1863). Im Jahre 1863 erwarb er die ehemalige Benediktinerabtei Maria Laach (1093 gegründet, 1802 säkularisiert).

Doch schon 1872 erfolgte infolge des Kulturkampfes die Vertreibung der Jesuiten aus Deutschland. Sie fanden Aufnahme in Ditton Hall (England). Dort hatte Lady Stapelton ihr großes Landhaus den verbannten deutschen Jesuiten überlassen. Dort blieb das theologische Studium bis zur Übersiedlung in das neu erbaute Ignatiuskolleg zu Valkenburg (Holland) im August 1895.

Die Aufhebung des Jesuitengesetzes 1917 legte eine Umsiedlung nach Deutschland nahe. Dieser Wunsch traf sich mit dem der Diözese Limburg, ihre Theologiestudenten zum Studium nicht mehr nach Fulda zu senden, sondern im eigenen Bistum auszubilden.

Bereits 1917 nahm der Limburger Generalvikar Höhler (1913-1920) Kontakt mit dem Jesuitenorden auf. Bischof Augustinus Kilian hatte die Absicht, an der neuen Frankfurter Universität eine theologische Fakultät zu errichten und diese nach dem Innsbrucker Modell den Jesuiten zu übergeben. Diese Idee ließ sich allerdings nicht verwirklichen, wohl aber war der Bischof nach Preussischem Recht ermächtigt, in seinem Bistum eine eigene, staatlich anerkannte theologische Lehranstalt zu haben. Das Bistum Limburg mit der freien Reichsstadt Frankfurt gehörte damals zu Preussen. Gefördert wurde dieses Projekt vor allem durch den Nuntius Pacelli, der an ein Zentrum scholastischer Theologie im deutschen Raum dachte.

Im Jahre 1926 kam es zum Vertragsabschluss zwischen Bistum und Orden. Diese Übereinkunft wurde der Regierung vorgelegt. Sie erklärte sich einverstanden und sprach am 29. Dezember 1926 die staatliche Anerkennung aus. Nun hoffte man auf eine schnelle Übersiedlung der Hochschule von Valkenburg nach Frankfurt, wo der Orden im Stadtteil Sachsenhausen bereits das Grunelius'sche Anwesen erworben hatte. Wider Erwarten verzögerte sich die Ausführung wegen der politischen Ereinisse - Nazizeit und 2. Weltkrieg. Die Jesuiten blieben in Valkenburg bis zur Auflösung des Hauses durch die Gestapo im Jahre 1942. Nach dem Krieg wurde das Scholastikat zunächst provisorisch in Büren untergebracht (1945-50). Erst 1950 siedelte es endgültig nach Frankfurt über.

Zwanzig Jahre lang bestand die Hochschule getrennt für Scholastiker und Alumnen. Beide Gruppen hatten eigene Lehrveranstaltungen und zum Teil auch unterschiedliche Professoren.
Der Mangel an Lehrkräften nötigte dazu, die Lehrveranstaltungen zusammenzulegen. Dieser heilsame Zwang verhalf dem ursprünglichen Gedanken von P. Ludwig Kösters, einer einheitlichen Hochschule, zum Durchbruch.

Im Jahre 1980 erfolgte die staatliche Anerkennung von Sankt Georgen als Hochschule im Universitätsrang. Am 10 Mai 1982 folgte das Recht zur Verleihung des Doktorgrades in Theologie und am 14. Juni 1983 das zur Verleihung des Lizentiates - auch mit Wirkung für den staatlichen Bereich.

 

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