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24. Dezember 1952 - Zeiger Ivo
in München

Er stammte aus Unterfranken. Am 29. Juli 1898 wurde er in Mömbris bei Aschaffenburg im Bistum Würzburg geboren. Seine Eltern Karl und Adelheid waren einfache Handwerkerleute (Schneider), katholisch und aus der gleichen Gegend.

Im Sommer 1917 erhielt er am humanistischen Gymnasium zu Aschaffenburg die Matura. Im 1. Weltkrieg war er beim Militär einer Maschinengewehr-Abteilung der Infanterie zugeteilt, wurde zweimal verwundet und ausgezeichnet. Den Krieg überlebte er als Leutnant der Reserve. Danach, als Student in Würzburg trat er der Verbindung 'Normannia' bei, die bei seinem Begräbnis mit einer Abordnung vertreten war.

Am 5. April 1921 trat er überraschend in die Gesellschaft Jesu ein, ohne vorher einen Jesuiten kennengelernt zu haben. In seinen Memoiren schreibt er: 'Den Beruf zur Gesellschaft Jesu empfing ich durch Bücher als Verwundeter im Jahre 1917.'

Im Noviziat der Oberdeutschen Provinz zu Feldkirch war P. Danneffel sein Novizenmeister. Bereits sechs Monate vor Ende des Noviziates begann er seine Studien in Innsbruck. Er beteiligte sich am Wettbewerb der Universität. Das Thema seiner Arbeit lautete: 'Die Souveränität des Heiligen Stuhles nach Dogma, Kirchenrecht und Völkerrecht'. Er bekam den ersten Preis.

Die Priesterweihe empfing er an seinem Geburtstag des Jahres 1928 in Pullach bei München durch Kardinal von Faulhaber. Seine Eltern waren zugegen und auch sein Taufpate Ivo Fischer, ein Bruder seiner Mutter - später Domkapitular in Würzburg.

Nach einem Biennium (1929-31) an der Gregoriana in Rom wurde ihm in Insbruck eine Professur für Kirchenrecht zugewiesen. Zeitweise dozierte er auch in Frankfurt (Sankt Georgen), in Valkenburg und am neu errichteten Lehrstuhl für Rechtsgeschichte an der Gregoriana.
Diese letzte Aufgabe behielt er bei, auch als er im Herbst 1939 zum Rektor des Germanikums in Rom ernannt wurde. Hier kam seine reiche Begabung so recht zur Geltung. P. Franz Hillig schreibt dazu: 'Sein Wissen, seine Gabe der Einfühlung, sein feines Empfinden für die Daseinslast des heutigen Menschen, sein Mitgefühl und seine geistige Kraft, junge Menschen für das Ideal ihes Berufes zu begeistern.'

Noch vor Ende des 2. Weltkrieges war er als Sonderbeauftragter des Vatikans tätig. Dieser führte ihn in die deutschen Gefangenenlager der Alliierten auf italienischem Boden. Diese Mission verlief sehr erfolgreich.
Nach dem Kriege wurde er im Oktober 1945 dem Chef der Vatikanischen Mission in Deutschland, dem Nuntius Carlo Chiarlo, beigegeben mit Residenz in Kronberg/Taunus. Bald darauf, seit Sommer 1946, unterstand er dessen Nachfolger, Exz. Alois Muench, mit dem er durch Jahre in enger Freundschaft verbunden blieb. In dem Abschiedsbrief von Bischof Muench an P. Zeiger heißt es:
'In dieser Stunde des Abschieds ist mir weh ums Herz. Die freundliche und sorgende Güte, mit der Sie mir in einem neuen und schwierigen Arbeitsfeld so gern und bereitwillig geholfen haben, werde ich nie vergessen. Ich habe alle Ursache, zutiefst gerührt zu sein über die liebevolle und hilfsbereite Aufmerksamkeit, mit der Sie seit meiner Ankunft vor fast fünf Jahren um mich besorgt waren. Ihre treue Freundschaft, Ihre wertvolle Hilfe, die frohen Stunden, die mir hier in Kronberg beschieden waren, sollen mir eine unvergeßliche Erinnerung bleiben. Von Herzen bin ich Ihnen dankbar.'

Zeigers Arbeiten von Kronberg aus waren sehr intensiv, vielseitig und hektisch. Er hatte die Kontakte zwischen den deutschen Bischöfen und Rom in Gang zu bringen. Er hatte die Kirche bei den Verhandlungen mit den Besatzungsmächten zu vertreten. Er war tätig bei der Betreuung der Gefangenen, bei Flüchtlingsfragen. Er hatte eine Unmenge von caritativen Bemühungen. Über die päpstliche Dienststelle liefen 950 Güterwagen mit Lebensmitteln, Kleidung, Wäsche und Hausrat. Er hatte eine umfangreiche Korrespondenz zu bewältigen mit vielen Empfehlungsschreiben etc. etc.

Höhepunkt seiner Kronberger Tätigkeit war seine große Rede auf dem Katholikentag in Mainz 1948, die von erleuchteter Klugheit und hochherziger Hingabe geprägt war. Sie gipfelte in der vielbeachteten Aussage: 'Deutschland - Missionsland'. Viele beurteilten diese Aussage als überzogen. Aber aus heutiger Sicht erweist sich seine Situationsanalyse mehr und mehr als zutreffend.
Im Frühjahr 1951 wurde Muench als Nuntius in Bonn akkreditiert. Mit dem Kronberger Stab siedelte er nach Bad Godesberg über. P. Zeiger, der durch die Anstrengungen und durch viel zu wenig Schlaf sein Herz ziemlich ruiniert hatte, schied im Mai 1951 aus dem Dienst der Nuntiatur aus. Dennoch trauten die Obern ihm eine neue Aufgabe zu. Im März 1952 übernahm er die Schriftleitung der angesehenen Zeitschrift 'Stimmen der Zeit' in München. Nur noch neun Monate Lebenszeit waren ihm beschieden.

Am Morgen des 24. Dezember, Heiligabend 1952 fand man ihn tot auf dem Flur vor seinem Zimmer.
Am 27. Dezember 1952 wurde er in Pullach bei München auf dem ordenseigenen Friedhof beigesetzt. Anwesend waren Erzbischof Wendel von München und Bischof Döpfner von Würzburg.

 

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