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21. Dezember 1576 - Polanco Juan de
in Rom

Als Ignatius im Frühjahr 1547 Polanco als seinen Sekretär nach Rom berief, war ihm wohl nicht bewusst, welch segensreiche Ernennung mit dieser Entscheidung getroffen war. Polanco wurde einer der engsten Vertrauten des hl. Ignatius.

Polanco war Spanier, am 16. Dezember 1517 in Burgos geboren, in einer angesehenen und begüterten Adelsfamilie. Noch sehr jung, kam er zu Studien nach Paris, dann nach Rom, wo sein Vater ihm er als Scriptor apostolicus und Comes palatinus eine angesehene Stellung am Vatikan für 1000 Golddukaten verschaffte, so dass er sich eine luxuriöse Lebensführung leisten konnte. Nach drei Monaten machte er Exerzitien bei Ignatius. Er gab seine Stellung auf und vertauschte den glänzenden Palast des Papstes mit der elenden baufälligen Wohnung der Jesuiten bei S. Maria dei Astalli. Mit 24 Jahren trat er 1541 dem Jesuitenorden bei. Seine Familie war entsetzt, vor allem der Vater. Es kam zum Abbruch seiner Verbindung mit dem Elternhaus. Mehrere Jahre lang keine Korrespondenz. Die Wohnung der Verwandten in Burgos hat er nie mehr besucht. Nach längerer Zeit kam es zur Versöhnung. Sein Vater starb 1552 und seine Mutter 1564. Auch sein ältester Bruder Gregor versöhnte sich mit ihm; ebenso sein jüngster Bruder Ludwig, der das Kolleg in Florenz eifrig unterstützt hat.

Polanco gewann durch seine Begabung und Tugenden nicht nur das völlige Vertrauen des Ordensgründers, sondern auch weitgehenden Einfluss auf das innere Gefüge des Ordens bis in das vierte Generalat hinein. Im März 1547 ernannte Ignatius ihn zu seinem Sekretär. Neun Jahre lang war er, der für dieses Amt ausgezeichnete Eignung besaß, gleichsam die rechte Hand des Ordensstifters, der ihm sein ganzes Vertrauen schenkte. Polanco blieb darüber hinaus noch weitere siebzehn Jahre bis 1573 Sekretär auch unter den beiden Nachfolgern von Ignatius, nämlich Diego Lainez und Francisco de Borja. Durch seine Gewandtheit und Zuverlässigkeit, seine Gelehrsamkeit und Sprachkenntnisse, seine ausdauernde Arbeitskraft und seine korrekte und loyale Art hat er dem Orden unschätzbare Dienste geleistet.

Polanco fertigte zu den spanisch verfassten Konstitutionen eine lateinische Übersetzung an, die dann 1558 von der ersten Generalkongregation geprüft und anerkannt wurde.

Der Tod von Francisco de Borja am 1. Oktober 1572 bedeutete eine große Wende in der Geschichte der Gesellschaft Jesu. Die Tradition, dass der General ein Spanier sein müsse, wurde durchbrochen. Eine neue Generation trat auf den Plan. Polanco, der zum Generalvikar des Ordens ernannt worden war, berief die Generalkongregation ein. Papst Gregor XIII. hatte der Generalversammlung den Befehl gegeben, es dürfe kein Spanier gewählt werden. Auf die Vorstellungen einer von Canisius geführten Abordung hin, rückte der Papst vom Ausdruck "Befehl" ab und hielt nur noch den Wunsch aufrecht, keinen Spanier zu wählen. Die Versammlung wählte bereits im 1. Wahlgang - mit der knappen Mehrheit von 27 Stimmen von den 47 Wählern - den Belgier Everard Mercurian zum General. Am gleichen Tag, dem 23. April 1573, wurde das Ergebnis dem Papst mitgeteilt. Er äußerte seine höchste Zufriedenheit.

Der General hatte vier Assistenten. Einer davon war Generalsakretär. Das war Polanco, auch unter Lainez und Borja. Um den General zu entlasten, wurde ihm ein Helfer beigegeben, ein sogenannter Admonitor. Auch dieses Amt hatte Polanco inne, auch unter Lainez und Borja.

Polanco war auch mehrfach der Reisebegleiter des Generals. So begleitete er im November 1552 Ignatius nach Neapel, 1561 Lainez nach Frankreich und Borja nach Spanien, Portugal und Frankreich. Wieder begleitet Polanco den General Lainez nach Trient. Der Papst hatte seine Anwesenheit dort verlangt. Außer Lainez und Polanco waren in Trient zeitweise auch die Patres Salmeron, Canisius und Nadal.

Polanco war Meister nicht nur als Verwaltungsmann, sondern mehr noch als Menschenführer. Seine Hilfsbereitschaft galt nicht nur den Mitbrüdern im Orden, sondern auch deren Angehörigen in Notfällen.

Die Obern erinnerte er daran, dass schon Ignatius festgelegt hatte, dass der direkte Briefverkehr zwischen dem Einzelnen und dem General keiner Kontrolle seines Lokaloberen unterzogen werden dürfe.

Bald nach dem Tode von Borja wurde Polanco als Sekretär von Antonio Possevino abgelöst. Er findet nun Zeit für seine schriftstellerischen Arbeiten. Ein Biographie von Ignatius steht an und vor allem die Vollendung des "Cronicon", das für die Frühgeschichte der Gesellschaft Jesu eine unerläßliche Lektüre bedeutet. Diese ausführlichen Jahresberichte umfassen in sechs starken Bänden die Jahre 1537 bis 1556.

Die unermüdliche Tätigkeit hat seiner Gesundheit zugesetzt. Die Fieberanfälle häufen sich, Husten und Durchblutungsstörungen der Beine werden hartnäckig. Er wird nach Neapel versetzt. Das Klima dort hilft ihm erfahrungsgemäß zur Linderung seiner Beschwerden. Aber es zieht ihn nach Rom zurück. Dort verbringt er seine letzten Monate. Er stirbt am 21. Dezember 1576.

Es gibt kein Bild von Polanco. Für die Mitwelt und Nachwelt wünscht er im Schatten zu bleiben. Die Gefährten nannten Polanco scherzhaft 'Pater Cobos', nach einem Sekretär Karls V.

 

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