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21. Dezember 1968 - Rahner Hugo
in München

Hugo Rahner hat einen Lebenslauf verfasst, der weitgehend in sein Totenbildchen aufgenommen wurde. Darauf gründet auch der folgende Bericht.

Geboren wurde er in dem kleinen Städtchen Pfullendorf in Baden am 3. Mai 1900. Dort war sein Vater Mittelschulprofessor. Hugo war das dritte von sieben Kindern. Die ersten Schuljahre verbrachte er in Emmerdingen. Von 1908 ab wohnte die Familie in Freiburg im Breisgau. Vom Vater erbte er die Vorliebe für Geschichte, und ein ausgezeichneter Lehrer weckte in ihm die Liebe zur lateinischen Dichtung, besonders zu Horaz und Ovid.

Nach einem halbjährigen Militärdienst am Ende des 1. Weltkrieges, unmittelbar nach der Matura 1918 trat er am 11. Januar 1919 in den Jesuitenorden ein. Es folgte die übliche Ausbildung im Orden. 1920-23 Philosophiestudium in Valkenburg/Holland, 1923-26 erzieherische Betätigung in der Stella Matutina zu Feldkirch, 1926-31 Theologiestudium ins Innsbruck. Mit einer patristischen Dissertation schloss er seine theologischen Studien ab, nachdem er sich jahrelang mit den Werken der griechischen und lateinischen Kirchenväter befasst hatte.

Es folgten 1931-34 Studien und Doktorat an der Universität Bonn. Er doktorierte mit einer Arbeit über gefälschte Papstbriefe aus dem 5. Jahrhundert. 1935 habilitierte er sich in Innsbruck für das Fach der alten Kirchengeschichte und der Väterkunde. In den Jahren 1938-45 teilte er das Verbannungslos der theologischen Fakultät. Er ging in die Schweiz. Über diese Zeit schreibt er: '... Ich fühlte mich vom Himmel begnadigt, dass ich während des furchtbaren Ringens der Völker still und leidenschaftlich hinter den Bänden der Kirchenväter sitzen konnte ...'

Während dieser Zeit wurde er in den Kreis des 'Eranos' in Ascona aufgenommen, wo er 1940-46 religionsgeschichtliche Vorträge hielt.

Von 1935 an wuchs sein Interesse an Ignatius von Loyola, dessen Biographie er 1956 publizierte, ebenso eine Ausgabe seines Briefwechsels mit Frauen und 1963 noch ein Werk über Ignatius als Mensch und Theologe.

Seit 1963 ist er wegen Krankheit emeritiert. Die vielen Freunde haben ihm zum 60. Geburtstag eine Festschrift gewidmet unter dem Titel 'Sentire Ecclesiam'. Sie enthält 720 Nummern der Bibliographie seiner gedruckten Werke.

Einige Jahre nach seinem 60. Geburtstag hatte ihn die Parkinsonsche Krankheit befallen. Die Anfänge waren eher unauffällig. Jedes Frühjahr brachten die Mitbrüder ihn nach Freiburg ins Sanatorium der Barmherzigen Brüder St. Urban, wo die Krankheit einen gewissen Stillstand erreichte.

Hugo war kurzfristig wieder der geistvolle Gesellschafter, als den man ihn gekannt hat. Mehr und mehr verschlimmerte sich die Lähmung so sehr, dass der Kranke auch für die alltäglichen Dinge Hilfe brauchte.

Er kam nach München, wohin inzwischen auch Karl Rahner übergesiedelt war. Auch die Mutter Rahner, über 90 Jahre alt, lebte in Freiburg im Vinzentiushaus. Dort wohnte auch Ida Friederike Görres ( 1971).

Hugo Rahner starb in München am 21. Dezember 1968. Erst in den allerletzten Tagen trübte sich sein Geist, nachdem er neun Jahre lang den physischen Verfall mit wachem Bewusstsein als das ihm von Gott Zugemessene angenommen hatte. Er ruht auf dem Friedhof des Berchmanskolleg in Pullach.

 

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