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3. Dezember 1552 - Francisco de Xavier
auf der Insel Sanzian

Er entstammte einem baskischen Adelsgeschlecht und wurde am 7. April des Jahres 1506, am Dienstag in der Karwoche auf Schloss Xavier, einer trutzigen Burg im Königreich Navarra, geboren.

Sein Vater, Dr. Juan de Jassu, gehörte zu den angesehensten und einflussreichsten Persönlichkeiten des Landes. Er hatte 1470 an der Universität Bologna den Doktorgrad im Kirchenrecht erworben, schlug die politische Laufbahn ein und war seit 1495 Präsident des königlichen Rates. In dieser Funktion weilte er meist im nicht weit (ca. 50 km NW) entfernten Pamplona. Als er 1515 starb, war Franz noch keine zehn Jahre alt. Seine Vorfahren waren freie Erhofbauern in Jassu, einem Baskendorf in Nieder-Navarra, jenseits der Pyrenäen, bei St. Jean-Pied-de-Port.

Seine Mutter ( 1529), Dona Maria, war die Erbtochter des königlichen Oberkämmerers. Wegen ihrer Schönheit war sie viel umworben. Sie hatte das Schloss Xavier, auf dem sie geboren war, mit in die Ehe gebracht. Nach dem Tod ihres Vaters Martin im Jahre 1502 fiel ihr auch der Palast Azpilcueta an der Nordwestgrenze des Reiches zu.

Das Schloss Xavier, erstmals 1217 dokumentiert, war einsam gelegen, aber in strategisch wichtiger Lage. Das bezeugen auch Funde aus der Römerzeit. Zu Anfang des 11. Jahrhunderts hatten die arabischen Mauren das Land in ihre Gewalt gebracht. Vom nahen Leyre aus erfolgte auch Schritt für Schritt in blutigen Kämpfen die 'Reconquista'.

Auf Schloss Xavier herrschte ein religiöser Geist. Die fünf Kinder wurden gläubig und fromm erzogen. Magdalena, die Älteste, hatte als Hofdame der Königin Isabella glänzende Heiratsangebote ausgeschlagen. Sie wurde Ordensfrau im strengen Kloster der Armen Klarissen zu Gandía. Dort starb sie 1533 als Äbtissin im Ruf der Heiligkeit.

Die anderen Geschwister waren Anna, Miguel und Juan. Neun Jahre später erfolgte die Geburt des jüngsten Kindes, das den Ruhm des Hauses für alle Zeiten begründete: Francisco. Seine Mutter war damals schon fast 42 Jahre alt.

Franz blieb im Schloss bis zu seinem Abschied im Herbst 1525, als er nach einem Ritt von fast drei Wochen über Roncesvalles, Bordeaux und Orléans in Paris eintraf, um an der Sorbonne seine akademischen Studien zu beginnen.

In Paris wohnte er im Studentenheim der hl. Barbara, wie auch der gleichaltrige Peter Faber, über den Franz seinen Landsmann Ignatius kennenlernte. Beide stammten aus dem Baskenland. Schloss Loyola und Schloss Xaver liegen nicht sehr weit auseinander. Beide gehörten zum Adel und waren von der vornehmen Grandezza der Spanier geprägt. Obschon Ignatius an die 15 Jahre älter war, waren und blieben beide einander in Freundschaft verbunden, die durch das Pilgergelöbnis der ersten Gefährten auf dem Montmartre (1534) und die Priesterweihe drei Jahre später in Venedig (1637) tief in Christus begründet war.

Am 15. Mai 1540 nahm Xaver Abschied von Ignatius, um im Fernen Osten als Pionier des Christentums zu wirken. Über Loreto und Genua reist er nach Spanien, wo er auf dem elterlichen Schloss von seinen Geschwistern Abschied nimmt und am Grab seiner verstorbenen Mutter betete. Sein Vater war bereits verstorben, als Franz erst neun Jahre alt war.

Xaver besuchte auch das Schloss Loyola und erreichte im Juni 1940 Lissabon. Hier trifft er mit Rodrigues zusammen, der ebenfalls für Indien bestimmt war. Da noch eine längere Wartezeit bis zum Auslaufen der königlichen Flotte bevorstand, widmen sich beide der Seelsorge - mit so viel Anklang, dass König Johann III. beide in Portugal behalten wollte. Ignatius aber ließ ihm nur den Rodrigues und bestimmte einen Pater aus Camerino, der erst ein Jahr zuvor in Rom als Priester eingetreten war, als Ersatz.

So war Xaver der einzige aus der ignatinischen Ursprungsgruppe, der Europa verließ. Er war robust und impulsiv und wurde der Anführer, Inspirator und offizielle Obere der ungefähr 40 Jesuiten, die zur Zeit seines Todes bereits in Indien lebten.

Die königliche Flotte bestand aus fünf Schiffen. Xaver fuhr auf dem Admiralsschiff. In seiner Tasche hatte er ein Dokument, das ihn als Päpstlichen Legaten auswies. Am 6. Mai 1542, nach mehr als einem Jahr, erreichte das Schiff die Hafenstadt Goa an der Westküste Vorderindiens, die seit 1510 protugiesische Kolonie war.
Xaver wirkte dort in der ganzen Küstenregion. Im Jahre 1549 brach er auf zur Mission nach Japan und gründete dort eine Christengemeinde. Drei Jahre später, bei dem Versuch, das Christentum auch in das verbotene China zu bringen, starb er im Morgengrauen des 3. Dezember 1552 auf der Insel Sanzian nahe bei Kanton. Es wehte ein eiskalter Wind. Die Insel Sanzian liegt vor den Toren des chinesischen Reiches, das Franz für Christus hatte erobern wollen. Es war ihm nicht vergönnt.

Von der Ankunft in Goa bis zu seinem Tod dauerte seine hektische Pionierarbeit nur zehn Jahre und sieben Monate. Er starb an einer Lungenentzündung einen einsamen Tod in einer elenden Hütte, ohne Mitbrüder und ohne Krankensalbung, erst 46 Jahre alt. Bei ihm waren sein chinesischer Begleiter Antonio, ein Portugiese und zwei Mulatten. Am Tage darauf senkten sie den Leichnam in eine schnell ausgehobene Grube, streuten ein paar Säcke Kalk darüber und wälzten einen großen Stein auf das Grab.

Der Leichnam Xavers wurde im März 1554 nach Goa überführt und in der dortigen Kollegskirche feierlich beigesetzt. Tausende Menschen waren zugegen.
Der kleine Chinese Antonio, der dem Heiligen beim Tod die armselige Sterbekerze hielt, schreibt in einem Brief, der im Archiv der Gesellschaft in Rom aufbewahrt ist: ' Xaver starb mit dem Namen Jesus auf den Lippen in großer Ruhe und im Frieden, und seine geläuterte Seele ging heim, ihren Schöpfer und Herrn zu verkosten.'

Ignatius und die Mitbrüder in Rom erhielten die Nachricht vom Tod des großen Apostels erst anderthalb Jahre später. Über ein halbes Jahrhundert später hat P. General Aquaviva den rechten Arm des Heiligen, mit dem er ungezählt viele Menschen getauft und gesegnet hat, lostrennen und nach Rom bringen lassen. Diese große Reliquie wird am Altar Xavers in der Ordenskirche Il Gesù aufbewahrt.

Xaver hat nur etwa zweieinhalb Jahre in Japan gewirkt. Er hoffte und träumte davon, Verbindungen zwischen der gebildeten Klasse Japans und den großen Universitäten in Europa, besonders Paris, herstellen zu können.
Als die Japaner ihm sagten, das gebildetste Volk in der Welt sei China, entschloss er sich, nach dort zu gehen. Als er Japan verließ, hatte er einige Tausend zu Christus bekehrt. In den zwanzig Jahren danach stieg die Zahl auf etwa 30.000. Die Gesellschaft Jesu hielt Japan für ihr verheißungsvollstes Missionsfeld im fernen Osten.

Papst Pius XI. hat Xaver im Jahre 1927 zum Patron aller Missionen der Kirche erklärt.

Schurhammer 1. Band, Seite 1-20 und 162
Hugo Rahner, Ignatius als Mensch und Theologe, S. 109

 

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