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31. August 1709 - Bruder Andrea dal Pozzo

Bruder Pozzo gilt als der größte Künstler der Gesellschaft Jesu. Er wurde am 30. November 1642 in der norditalienischen Stadt Trient geboren. Zuerst studierte er literarische Fächer und zeigte zugleich eine große Begabung für die Kunst. Am 23. Dezember 1665 trat er als Bruder in die Gesellschaft Jesu ein und fand bald Gelegenheit, sein künstlerisches Talent weiter zu bilden. In Genua lernte er die Farbentechnik der venezianischen und lombardischen Schule. In Rom übte er sich im Entwerfen von Gemälden, besonders nach den Modellen Rafaels. Seine Hauptarbeitsplätze waren Genua, Turin, Rom und Wien. Pozzo war Maler, Bildhauer und Baumeister.

In Rom bekam er den Auftrag, den Korridor, der an die Räume angrenzt, wo Ignatius gewohnt hat, auszumalen. Diese Räume waren vor einigen Jahren gründlich renoviert worden. Dabei wurden übermalte Teile wieder freigelegt.

Pozzo malte auch den Innenraum der Jesuitenkirche in Frascati. 1694 vollendete er sein Meisterwerk: die Decke von Sant' Ignazio in Rom, mit dem berühmten Scheingewölbe, das viele für das bedeutendste Beispiel der Barockmalerei überhaupt halten. Im Mittelpunkt der Perspektive strahlt das Monogramm IHS ein Licht aus, wodurch das Gesamtwerk durchströmt und beseelt wird. Sant' Ignazia war die Universitätskirche des Collegium Romanum und ist heute die Kirche der Gregoriana.
Pozzo entwarf auch den wertvollen Barockaltar des hl. Ignatius in der Kirche Il Gesù in Rom und den Aloisiusaltar in Sant' Ignazio.

Im Jahre 1693 veröffentlichte Bruder Pozzo den ersten von zwei Bänden seines einflussreichen Werkes über die Perspektive in Malerei und Architektur, das über vierzig Auflagen erfuhr und in acht Sprachen (einschließlich Chinesisch) vorliegt ('Perspectiva pictorum et architectorum').

Im Jahre 1704, mit 62 Jahren, ging Bruder Pozzo nach Wien. Zu seinen Werken dort gehört das Deckengemälde im Festsaal des Gartenpalais Liechtenstein (1704-08), vor allem aber die künstlerische Innengestaltung der Universitätskirche am Dr. Ignaz-Seipel-Platz, dem Sitz des Provinzialates der österreichischen Ordensprovinz.

Brockhaus Enzyklopädie, Band 17
Jahrbuch 65/66 - Umschlagblätter

 

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