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31. August 1552 - Das Germanikum in Rom

Die erste Anregung zur Gründung des Kollegs ist dem Kardinal Giovanni Morone zu verdanken. Er hatte schon seit zehn Jahren auf seinen Reisen durch Deutschland als Nuntius reiche Gelegenheit gehabt, den Niedergang des deutschen Klerus zu erkennen.
Morone empfahl Papst Paul III. in Rom ein Kolleg zur Heranbildung von Weltpriestern zu gründen. Er setzte sich 1551 auch mit Ignatius in Verbindung, und Ignatius stimmte zu, dass die Gesellschaft Jesu diese Aufgabe übernehmen wolle, ja Ignatius wurde die treibende Kraft dieses Unternehmens. Im Auftrag des Papstes entwarf er auch eine Skizze für die Gründungsbulle und verfasste die Konstitutionen und Regeln für das Kolleg. Als ersten Rektor berief er aus Venedig den gelehrten und vielgewandten P. André des Freux (Frusius).

Am 28. Oktober 1552 fand in der Kirche S.Eustachio die glanzvolle Feier der Inauguration statt, zu der Kardinäle, Prälaten und Diplomaten und was in Rom Rang und Namen hatte, eingeladen wurde. P. Ribadeneira begeisterte die Zuhörer mit einer eleganten Rede.

Morone war einer der fähigsten Kardinäle seiner Zeit. Mit 20 Jahren bereits war er Bischof in Modena. Er stammte aus Mailand. Seit 1536 war er Nuntius in Deutschland. 1542 ernannte Paul III. ihn zum Kardinal. Bei schwierigen Aufgaben in Deutschland vertrat er Rom mit großem Geschick und mit Hingabe.

Seine theologischen Auffassungen zur Rechtfertigung brachten ihn später in den Verdacht der Häresie. Über zwei Jahre wurde er in der Engelsburg gefangen gehalten (Mai 1557). Der Prozess endete mit Freispruch. Er wurde rehabilitiert. Als Präsident der letzten Periode beendete er das Trienter Konzil.

Auf Drängen von Petrus Canisius trennte Papst Gregor XIII. das Kolleg der Adeligen wieder vom Germanikum und wies diesem an der Kirche Andrea della Valle ein neues Studienheim an. Schon im darauf folgenden Jahr übersiedelte das Kolleg in die Nähe der Kirche S. Augustino. Um eine gute ökonomische Basis zu sichern, schenkte Gregor XIII. dem Kolleg mehrere Landgüter außerhalb der Stadt. Dieser Landbesitz wurde bald noch vermehrt durch die Güter des 1578 ins Leben gerufenen Kollegs für die Ungarn, das aber bald wegen Nachwuchsproblemen lebensunfähig war und mit dem Germanikum vereinigt wurde.

Nun folgte eine Blütezeit für das Kolleg im 17. und 18. Jahrhundert. Fast alle Päpste waren liebevoll darum besorgt. Durch die Aufhebung des Jesuitenordens kam das Kolleg in große Gefahr. Unter dem Druck der Franzosen wurde es 1798 geschlossen. Josef II. hatte inzwischen in Paris ein 'Pseudo-Germanikum' eröffnet, um die österreichischen Theologen dem päpstlichen Einfluss zu entziehen. Es bestand aber nur kurze Zeit.

Nach dem Sturz Napoleons war Pius VII. im Jahre 1814 wieder in Rom eingezogen. Durch Dekret vom 18. Mai 1818 verfügte er die Wiedereröffnung des Germanikums und vertraute es erneut der Gesellschaft Jesu an. Da der Kollegsbau vom römischen Priesterseminar bereits belegt war, wurden die damals erst wenigen Alumnen im Professhaus der Jesuiten untergebracht. Auch im Palazzo Borromeo wohnten die Alumnen, deren Zahl ständig stieg, immer noch in sehr beengten Verhältnissen und erlebten hier die unruhigen Zeiten von 1860 bis 1870, die mit der Eroberung Roms durch die Piemontesen endeten.

Im Jahre 1845 gelang es, durch den Ankauf von S.Pastore geradezu ein Ferienparadies für das Kolleg zu erwerben. 1886 kaufte man das Hotel Costanzi in der Via S. Nicolà da Tolentino am Nordabhang des Quirinale. Aber auch hier wurde es eng. 1930 war die Zahl der Alumnen auf 140 angestiegen. Erneut dachte man an eine Verlegung außerhalb Roms. P. General Ledóchowski aber setzte sich für ein Verbleiben in der Stadt ein. Der alte Hotelpalast wurde abgerissen und ein Neubau erstellt. Die Außenfront mit circa 24 Geschäftsräumen wurde vermietet, und so wurde eine neue finanzielle Grundlage geschaffen.

Von der Straße S. Nicolà kommt man in einen echt römischen Hof mit Säulenhallen und Springbrunnen, mit viel Grün und Blumen. Von der neu angebauten Kirche grüßt das lebensgroße Standbild des hl. Petrus Canisius, des Patrons des Hauses und der Kirche. Die Apsis hat ein gewaltiges Mosaik erhalten zum Thema: Christus sendet seine Apostel in die Welt. Im neuen Haus fährt man mit einem der drei Aufzüge durch acht Stockwerke auf die Dachterasse mit herrlichem Panoramablick über die Stadt.

Viel tausend Priester sind aus dem Germanikum hervorgegangen, hunderte von Bischöfen und Professoren. Die roten Germaniker gehörten zum Straßenbild der ewigen Stadt. Viele bedauern, dass die rote Tracht nicht mehr getragen wird.

Canisius, 1. Folge Heft 6, Dezember 1952, S. 9ff

 

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