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19. August 1914 - Franz-Xaver Wernz
25. Ordensgeneral
† in Rom

Er stammte aus Rottweil (Württemberg). Am 4. Dezember 1842 war er geboren und am 12. Dezember 1857 begann er das Noviziat in Gorheim. Seine Studien in Maria Laach waren kurz unterbrochen durch seinen Sanitätsdienst auf dem lothringischen Kriegsschauplatz. Die Priesterweihe empfing er in Maria Laach am 30. Mai 1871. Wegen des Kulturkampfes 1872 mussten die Jesuiten Deutschland verlassen. Nach einem Jahr Lehrtätigkeit an der Stella in Feldkirch (Vorarlberg) und dem Terziat in Exaten kam er 1874 ins Scholastikat nach Ditton Hall (England), um nach der nötigen Vorbereitung den Lehrstuhl für Kirchenrecht zu übernehmen.

Im Jahre 1882 wurde er als Professor des Kirchenrechts an die Gregoriana nach Rom berufen, wo gerade die Fakultät für Kirchenrecht errichtet worden war. Schon bald wurde P. Wernz eine anerkannte Autorität. Er wurde zum Konsultor verschiedener vatikanischer Kongregationen und als kompetenter Mitarbeiter in der Vorbereitung des neuen kirchlichen Gesetzbuches ernannt.

Er war gerade zwei Jahre Rektor der Gregoriana (1904-1906) als ihn die 25. Generalkongregation am 8. September 1906 im dritten Wahlgang zum 25. Generalobern der Gesellschaft Jesu ernannte. Er war damals 64 Jahre alt.

Die 25. Generalkongregation stand vor einem ungewöhnlichen Problem. Ganz unerwartet richtete der Papst durch seinen Kardinalstaatssekretär Rafael Merry del Val einen Brief an die versammelten Patres, der drei Wünsche des Papstes enthielt: Bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Brief über die Studien, den Papst Leo XIII. im Juli 1892 an P. General Martin geschickt hatte; ferner die Ernennung von wenigstens zwei Zensoren zur Überwachung bestimmter Publikationen; und die Gründung eines Studienzentrums in Japan.

P. Wernz versuchte, diesen heiklen Anliegen gerecht zu werden. Viele Historiker meinen, das sei ihm mit vollendetem Gleichgewicht gelungen.

Die Zunahme der Berufungen zur Gesellschaft bewog P. Wernz, fünf neue Provinzen zu errichten: Kanada, Kalifornien, New Orleans, Mexiko und Ungarn. P. Wernz förderte intern das Kommunitätsleben, gründete Professhäuser, förderte die Marianischen Kongregationen und kümmerte sich um die Sophia-Universität in Tokio.

Das dornvollste Problem seines Generalates war die Unterdrückung des Modernismus. Hier gründeten auch die ungleichen Auffassungen mit P. Louis Billot, einem französischen Theologen aus Lothringen, der als Priester in die Gesellschaft Jesu eingetreten und an der Gregoriana als Professor der Dogmatik 1885-1911 tätig war. Er war Konsultor und später Mitglied des Heiligen Offiziums. Seine Ernennung 1911 zum Kardinal sah P. Wernz als bedenklich an. Billot stand später der Action française nahe und musste nach deren Verurteilung durch Papst Pius XI. im Jahre 1927 sein Kardinalat niederlegen. Er starb 1931 in Galloro bei Rom.

Die letzten Lebensmonate von P. Wernz waren nicht so sehr durch die Vertreibung der Jesuiten aus Portugal (1910) getrübt, sondern mehr noch dadurch, dass Pius X. meinte, der General sei in diesem Bereich des Modernismus zu nachsichtig und eher liberal. P. Wernz suchte in einem Brief an den Papst im Juli 1914 sein Bemühen in diesem Anliegen zu verdeutlichen. Eine Antwort auf diesen Brief ist nicht erfolgt. Ohne Zweifel war das Misstrauen, das ihm der Papst in den letzten Monaten seines Lebens zeigte, eine Quelle der Unruhe und der Sorge.

Am 19. August 1914 starb P. Wernz, wenige Stunden vor dem Tod des Papstes Pius X. am 20. August.

 

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