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15. August 1534 - Montmartre

Am Morgen des Festes Mariä Himmelfahrt zogen Ignatius (43), Faber (28), und Xaver (28), Bobadilla (25), Rodrigues (24), Laínez (22) und Salmerón (erst 19) durch das Stadttor zum damals einsamen Hügel Montmartre hinan. Den Hügel krönte ein Kloster der Benediktinerinnen.
Auf halber Höhe des Hügels, etwa 600 Schritt unterhalb des Klosters, lag friedlich ein uraltes, andächtiges Kirchlein, eine Marienkapelle, dem Andenken des hl. Dionysius, des ersten Bischofs von Paris, geweiht, der nach der Überlieferung hier mit seinen Gefährten den Martertod erlitt.

Unter den Gefährten war der Savoyarde Peter Faber der einzige Priester. Am 30. Mai zuvor hatte er durch den Bischof von Paris die Weihe empfangen und am 22. Juli Primiz gefeiert, bei der die Gefährten anwesend waren.
Während der Messfeier, vor der hl. Kommunion, wandte sich Faber zu seinen Gefährten, die hl. Hostie über der Patene haltend. Einer nach dem anderen sagte kniend, jeder an seinem Platz, mit lauter Stimme die Gelübdeformel, wodurch sie dem Herrn Armut, Keuschheit und die Wallfahrt zum Heiligen Land, und, falls sie nicht dorthin gelangen könnten, Gehorsam gegen den heiligen Vater, den Statthalter Christi, für jegliche Sendung gelobten. Als der letzte seine Gelübde beendet hatte, reichte Faber allen die hl. Kommunion. Dann wandte er sich gegen den Altar und sprach die gleiche Gelübdeformel ebenfalls mit lauter Stimme und empfing darauf den Leib und das Blut des Herrn.

Nach der Danksagung stiegen die sieben Gefährten den Hügel hinauf zum Kloster, wo sie den Schlüssel abgaben. Dann stiegen sie auf der Nordwestseite hinunter zum nahen Brunnen des hl. Dionysius (heute Rue Girardon 5). Hier in der stillen Einsamkeit der Weinberge nahm die kleine Schar den mitgebrachten Imbiss ein und verbrachte den Rest des milden Sommertages. Die Sonne ging bereits im Westen unter, als die sieben Gefährten den Heimweg antraten.

In den Herzen der sieben Pariser Freunde sollte die Erinnerung an diese Weihestunde nie mehr erlöschen. Bobadilla berichtete später, dass er diesen Tag als den Gründungstag der Gesellschaft Jesu betrachte. Ähnlich Rodrigues.

In lebhaften Beratungen waren sie übereingekommen, nach Abschluss der Studien, der auf den Beginn des Jahres 1537 festgesetzt wurde, Gott in vollkommener Armut zu dienen, jungfräulich zu leben, den Seelen zu helfen und ins Heilige Land zu ziehen.
Diesen Gelübden fügte Ignatius einige Bedingungen hinzu: Sollte sich die Überfahrt innerhalb eines Jahres als unmöglich erweisen oder sollten sie nicht auf Dauer in Palästina bleiben oder sollte ihre Mehrzahl es für besser erachten, wieder ins Abendland zurückzukehren: dann wollten sie sich in Rom dem Papst zur Verfügung stellen.

Es war ein privates Pilgergelübde. Es enthielt kein Versprechen zum Gehorsam, überhaupt kein eigentliches Sozialelement im Sinne einer Eingliederung in eine Gemeinschaft.

Auch im Jahre darauf, am 15. August 1535 erneuerten die Gefährten das Gelöbnis. Zwei Studenten waren hinzugekommen, die das Gelöbnis ablegten, nämlich der Franzose Paschasius Broët aus Nordfrankreich und Claude Le Jay aus Savoyen.

Auch ein Jahr später, am 15 August 1536 geschah das Gleiche. Erstmals dabei war Jean Codure, ebenfalls ein Franzose aus Seyne in der Provence.

Auffallend ist, dass unter den zehn ersten Gefährten kein Italiener war. Der erste italienische Jesuit war Peter Codacio, der aus Lodi bei Mailand stammte und sich 1539 Ignatius anschloss.

Matt, S. 208f
Heft 1, S. 45

 

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