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7. August 1814 - Wiederherstellung der Gesellschaft Jesu

Im Jahre 1814 wurde durch die Bulle 'Sollicitudo omnium ecclesiarum' der Jesuitenorden auf der ganzen Welt wieder hergestellt, nur 41 Jahre nach seiner Aufhebung.

Pius VII., vor seiner Wahl zum Papst Benediktinerabt in St. Paul vor den Mauern, war dem Jesuitenorden sehr gewogen. Während seiner französischen Gefangenschaft unter Napoleon in Fontainebleau reifte in ihm der Gedanke, die Gesellschaft Jesu wieder herzustellen. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft am 20. Mai 1814 kam es unerwartet schnell, kaum drei Monate später, zur Ausführung.

Am 7. August 1814 begab sich der Papst zur Kirche Il Gesù und zelebrierte am Ignatiusaltar die hl. Messe. Dann ließ er in der Kongregationskapelle der Adeligen die Bulle verlesen, die den Orden für den ganzen Erdkreis wieder herstellte. Anwesend waren achtzehn Kardinäle und viele hohen Würdenträger. Auch vornehme Frauen, wie die Prinzessin Marie-Luise, eine Nichte des Königs Karl III. von Spanien, war mit ihren Söhnen zugegen. Vom Orden hatten sich hundertfünfzig überlebende Jesuiten eingefunden.

Kardinal Bartholomäus Pacca, ein Freund der Gesellschaft, schildert in seinen Memoiren den ergreifenden Vorgang. Er schreibt: 'Ich habe beide Ereignisse, die Aufhebung des Ordens durch Klemens XIV. und dessen Wiederherstellung durch Pius VII., persönlich in Rom miterlebt und erinnere mich recht gut des Eindruckes, den beide hervorriefen. Am 17. August 1773 sah man auf den Gesichtern aller Bewohner Roms das Erstaunen und den Schmerz über die Bekanntmachung des Breves 'Dominus ac Redemptor noster'. Es ist jedoch unmöglich, die Ausbrüche des Jubels und die Beifallsbezeigungen des guten römischen Volkes zu schildern, das am 7. August 1814 Pius VII. im Triumphzug vom Quirinal bis zur Kirche Il Gesù und nach Verkündigung der Bulle von da zurück begleitete.
Ich durfte diesen Tag zu den wenigen zählen, die mir inmitten der fortgesetzten Bitterkeiten meines schmerzensreichen Ministeriums einigen Trost gewährten.' (Lex. cf. Pacca)

Der General des Ordens, Brzozowski in Polocz, konnte nicht anwesend sein. Ihm wurde von der Zarin die Reise nach Rom verweigert. Er wurde durch P. Panizzoni, einem Veteran von 85 Jahren, vertreten. P. Brzozowski war Ermländer. 1749 geboren, trat er 1765 in die polnische Provinz ein, wurde 1773 Provinzial von Weißrussland und 1805 General. Er starb 1820.

Die neue Gesellschaft brauchte einen General mit Weisheit und Festigkeit. Das war P. Johannes Roothaan von 1829 bis 1853. Er richtete das Apostolat auf die Missionsländer, betonte die Gründlichkeit der Studien und erkannte in den Exerzitien die Herzmitte aller Arbeiten des Ordens.

In Rom erhielt die Gesellschaft Jesu das Professhaus zurück, ebenso die Kirche Il Gesù und das Noviziat S. Andrea.
Im Jahre 1814 zählte die Gesellschaft etwa 600 Mitglieder. Nur langsam wuchs ihre Zahl. 1864 waren es etwa 8.000, 1914 etwa 17.000 und im Jubeljahr 1964 etwa 36.000.

Jahrbuch 1964/5, S.5
Brief von Papst Paul VI. zu diesem Jubiläum.

 

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