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18. April 1906 - Martin Luis
24. Ordensgeneral
in Rom

P. Martin leitete die Gesellschaft Jesu um die Jahrhundertwende 1892-1906, also 14 Jahre lang. Seine Erinnerungen ('Memorias') sind erst in neuerer Zeit vom Historischen Instutut der Gesellschaft Jesu in Rom veröffentliche worden. Sie geben einen guten Einblick in seinen Charakter und in die Handlungsweise des Ordens und seiner Zeit.

P. Martin war Spanier, geboren in der Nähe von Burgos. Seine Eltern waren einfache Bauersleute.

Am 13. Oktober 1864 trat er in Loyola in den Jesuitenorden ein. Während seiner Studien, durch die Revolution von 1868, wurde die Gesellschaft Jesu aus Spanien ausgewiesen. Martin studierte weiter in Payanne (Südfrankreich). 1870 empfing er dort die Priesterweihe im Beisein seiner Eltern.

Nach Abschluss der Studien und des Terziates begann er, Theologie zu dozieren. Schon damals fiel seine Intelligenz und sein fester und feinfühliger Charakter auf. 1880 aus Frankreich verbannt, konnte er nach Spanien zurück. Dort begann seine glänzende Laufbahn als Oberer, zuerst als Rektor des Zentralseminars von Salamanca (1880-85), dann der Universität von Densto (1886), dann als Provinzial von Kastilien (1886-91). Durch seine geschickten Initiativen, durch die Klarheit seiner Berichte und die Klugheit seiner Entscheidungen gewann er das Vertrauen von General Anderledy, der ihn an die Kurie der Gesellschaft Jesu - damals in Fiesole - berief. Beim Sterben von Anderledy ernannte dieser ihn zum Generalvikar des Ordens - zur großen Überraschung aller an der Kurie.

In dieser Funktion hatte er die Aufgabe, die 24. Generalkongregation vorzubereiten, die nicht in Rom sondern in Loyola stattfand, um Schwierigkeiten mit dem Königreich Italien zu vermeiden. Die Kongregation zählte 73 Mitglieder in Vertretung von circa 16.000 Jesuiten in aller Welt.

Am 2. Oktober 1872 wurde P. Martin im zweiten Wahlgang mit 42 von 73 Stimmen zum General des Ordens gewählt. In seinen 'Memorias' schreibt er:
'Meine Eindrücke während dieser zwei Wahlgänge waren überaus lebhaft von der Angst geprägt, gewählt zu werden und in dem Maße, wie die Stimmen anstiegen, von einer inneren Beklemmung, wie wenn sich ein Gewicht auf meine Seele legte, das mich niederwarf; und von Nervosität beim Gedanken an die Kritiker, die es in jenen Momenten gab, in denen für immer über mein ganzes Leben verfügt wurde; und schließlich von Demütigung und von Verwunderung, als ich mich definitiv gewählt sah. Ich sagte nichts, auch wenn ich versucht war, zu reden und mich den Patres zu Füßen zu werfen, um sie zu bitten, mit mir Mitleid zu haben und an einen anderen zu denken.'

In einem Rundschreiben an die ganze Gesellschaft warnte der neue General vor zwei Gefahren der modernen Welt, nämlich die Gefahr einer geistlichen Oberflächlichkeit und die Gefahr der Liebe zu einer falschen Freiheit.

Im Jahre 1895 kehrte die Kurie nach Rom zurück. Die Vorliebe von P. Martin galt den erzieherischen Werken der Jugend sowie den sozialen Werken aufgrund der Initiativen der Enzyklika 'Rerum Novarum' (15. Mai 1891). Außerdem setzte er zwei wichtige Initiativen in Gang: die Kenntnis und Praxis der Exerzitien und die Förderung der Ordensgeschichts-Forschung. Er sah darin ein sehr wirksames Mittel zur Aufnahme des Geistes der Gesellschaft Jesu. Mit der Publikation der Monumenta betraute er kompetente Patres wie Astrain, Duhr, Fonqueray, Hughes, Taechi-Venture u.a.

In einigen disziplinären Dingen konnte P. Martin geradezu rigoros sein, z.B. in Fragen der Klausur, der Familienbande, des Widerstandes gegen die Annahme von Pfarreien u.a.

Durch eine schleichende Krankheit hatte P. Martin viel zu leiden. Eine bösartige Gewebswucherung im rechten Arm ließ schon 1904 Schlimmes ahnen. Zwei Operationen und Bestrahlungen halfen nicht, das Sarkom zu stoppen. 1905 wurde der Arm amputiert. P. Martin starb am 18. April 1906 in Rom.

Jahrbuch 2000, S.23

 

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