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10. April 1955 - Pierre Teilhard de Chardin
in New York

P. Teilhard gehört ohne Zweifel zu den größten Wissenschaftlern seines Jahrhunderts, sowohl als Paläontologe wie auch als Philosoph und Theologe.

Bei seinem Tod am Ostersonntag 1955 war er fast nur in einem sehr engen Kreis von Freunden und Spezialisten bekannt. Heute gehört er zu den unübersehbaren Gestalten der Weltkultur. Seine wissenschaftlichen Memoiren füllen elf Bände. Es gibt Wissenschaftler, die ihn hoch verehren, aber auch andere, die seine 'mystifizierenden Phantastereien' verurteilen.

Teilhard wurde am 1. Mai 1881 in Sarcenat in der Nähe von Clermont im südlichen Mittelfrankreich in einer tief christlichen Familie als eines von elf Kindern geboren.

Mit 18 Jahren wurde er Jesuit. Noch vor seiner Priesterweihe 1911 war er Dozent für Physik und Chemie am Jesuitenkolleg in Kairo (1905-1908). Seine Obern förderten sein Interesse für Paläontologie und akzeptierten, dass er 1914 in Paris den Doktortitel erwarb.

Während des 1. Weltkrieges leitete er ein Krankenträgerteam. Zwischen den Angriffen schrieb er ein Kriegstagebuch, das uns eine tiefe Sensibilität für das physische und geistige Leid der Menschen erkennen läßt.

Seit 1922 wirkte er als Professor für Geologie in Paris. Seit 1926 war er an mehreren Forschungsreisen nach China und Afrika beteiligt. Er suchte eine Synthese des christlichen Schöpfungsgedanken mit der anthropologisch verstandenen Evolution zu gewinnen. Sein wohl berühmtestes Buch hat den Titel 'Le milieu divine'.

Schon bald gab es Schwierigkeiten mit den kirchlichen Behörden, die der Meinung waren, dass seine Lehren gegen die Erbsünde und gegen die Ungeschuldetheit der Gnade verstießen. Teilhard bekam Schreib- und Redeverbot. Nach einem Monitum des SS. Officium vom 30. Juni 1962 verfügten seine Obern, dass er Paris und seine hohe akademische Stellung verliess. Teilhard nahm die Entscheidung mit aufrechtem Gehorsam an und ließ sich in New York nieder. Dort starb er am Ostersonntag, dem 10. April 1955 im Waldorf -Astoria-Hotel.

Am Ostermorgen hatte er sich in die Saint-Patrick-Kathedrale begeben, um dem Festagsgottesdienst beizuwohnen.
Nach dem Mittagessen hatten Freunde ihn in ein Konzert geführt. Am Spätnachmittag waren sie zur üblichen Tasse Tee wiedergekommen. Da geschah der tödliche Herzinfarkt. Ein Pater vom Jesuitenkolleg spendete ihm die Krankensalbung.

Am nächsten Tag wurde der Leichnam, der in einem mit weißem Stoff ausgeschlagenen offenen Sarg ruhte, in der Privatkapelle des Jesuitenkollegs aufgebahrt. Da lag er, ausgestreckt, die Hände über einem Kruzifix gefaltet.

Am Tag darauf, Osterdienstag, fand um 9 Uhr die Totenmesse statt. Die teilnehmenden Patres des Kollegs, alle in weißen Chorhemden, bildeten einen Halbkreis im Chor der großen Kirche. Die Kirche war leer. Nur zehn treue Freunde waren zugegen. Es gab weder Predigt noch Musik. Er herrschte eine bewegende Stille.

Teilhard wurde in Saint Andreas-on-Houdson, hundert Kilometer von New York entfernt, wo die Jesuiten ihre Toten begraben, bestattet.

Es war kaltes, trübes Wetter. Der Regen hatte die Erde aufgeweicht. Das Grab konnte nicht ausgehoben werden. So wurde der Sarg provisorisch in einen Schuppen gestellt. Ein einziger Blumenstrauß einer Freundin aus New York schmückte den Sarg. Nichts sonst! Nur drei Jesuiten waren anwesend: ein Pater, ein Bruder und Pierre Leroy, einer seiner engsten Freunde.

Das Vatikanum II scheint eine positivere Beurteilung Teilhards in die Wege geleitet zu haben. Jedenfalls scheint es seine kosmologische Gesamtschau übernommen zu haben, ohne die lehrmäßigen Vorbehalte aufzugeben.

Jahrbücher 1972/73, S. 81;
1982, S.49-55;
2000, S.169

 

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