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2. April 1946 - Friedrich Muckermann SJ
in Montreux (Schweiz)

P. Muckermann stammte aus Niedersachsen, aus dem Städtchen Bückeburg (Kreis Schaumburg) am Nordrand des Weserberglandes. Dort wurde er am 17. Augugst 1883 geboren.

Seine Mutter Anne, die aus Sachsen kam, war tieffromm und tolerant gegen die Mehrzahl der protestantischen Bevölkerung. Sein Vater Hermann kam aus dem Münsterland und hatte bei den Bückeburger Jägern eine militärische Ausbildung erfahren.

Die Familie pflegte bewusst ein religiöses Leben. So war das tägliche gemeinsame Tischgebet eine Selbstverständlicheit. Die Familie war mit Kindern gesegnet. Friedrich hatte noch acht Geschwister. Drei Mädchen wurden Ursulinen. Sein um sechs Jahre älterer Bruder Hermann war auch Jesuit, doch nach 19 Jahren wieder ausgetreten. Er blieb aber als Weltpriester tätig und arbeitete am Kaiser-Wilhelm-Institut zu Berlin seit 1948 als Professor der Eugenik.

Die ökonomische Basis der großen Familie war ein gutgehendes Schuhgeschäft.

Am 30. September 1899 trat Friedrich zu Blyenbeck in den Jesuitenorden ein. Novizenmeister war seit 1892 P. Ernst Thill. Über ihn schreibt P. Muckermann: Er war ein ausgesprochen schöner Mann mit markanten Zügen und großen leuchtenden Augen. Dabei hatte er eine bezaubernde Stimme, einen sonoren Bass und gepflegte Umgangsformen. Es ging eine magische Kraft von ihm aus, und er hielt die Zügel der Erziehung fest in der Hand ...Wir waren von dem Reichtum dessen, was er zu bieten hatte, überwältigt ... Er war eine Persönlichkeit, in der Strenge und Milde einen schönen Bund geschlossen hatten.

Seine Studien machte P. Muckermann in Valkenburg (Holland). Im ersten Kriegsmonat 1914 wurde er zum Priester geweiht. Instruktor des Terziates war wiederum P. Thill, der inzwischen Provinzial (1907-1911) gewesen war.

Danach begann seine öffentliche Tätigkeit als Redner, Journalist und Schriftsteller. Sein Kampf war gegen den Bolschewismus und gegen das Naziregime gerichtet. In den Gefängnissen zu Minsk und Smolensk war er 1919 inhaftiert.

Im Kampf gegen das Naziregime war er durch ungezählt viele Reden und Artikel tätig. Er war Herausgeber der Zeitschriften "Der Gral" (1939 verboten) und "Der deutsche Weg", sprach jeden Sonntag im Pariser Radio, zuletzt vor dem Fall von Paris im Juni 1940. Das Hitler-Regime betrachtete ihn, wie auf Plakaten zu lesen war, als Staatsfeind Nr. 1. Hochbegabt verstand er es, meisterhaft zu formulieren und treffend zu charakterisieren. Die Gestapo hetzte ihn durch halb Europa. Ihre Häscher durchstreiften die Gegenden in Frankfurt, in denen sich P. Muckermann versteckt hielt. Sie haben ihn nicht entdeckt. Er war seinen Verfolgern gegenüber immer ein Stück voraus, von Versteck zu Versteck.

Anfang März 1943 gelang ihm die abenteuerliche Flucht mit dem Auto in die Schweiz. Sein Schutzengel, so äußerte er später, habe dabei Blut geschwitzt.

Zunächst nahm er Wohnung in der Niederlassung der Jesuiten zu Genf. Doch bald schon war es ihm dort zu unruhig. Er ging nach Montreux. In seinen letzten Schweizer Jahren gab er noch zwei Bücher heraus über das technische Zeitalter christlich gesehen und über Wladimir Solowjew. Was er über diesen russischen Theosophen dachte, trifft auf ihn selbst zu. Er schrieb: "Solowjew war ein Mensch der Gottesordnung, innig verflochten mit der Liebe ... Weisheit paarte sich mit Wissen und Mystik mit nüchternem Sinn. Und aller Reichtum, der in ihm lag, war wundervoll beseelt von jener göttlichen Liebe, die wie eine heilige Flamme in ihm glühte ... "

Herzkrämpfe und Angina pectoris setzten ihm zu. Als 1946 ein Gallenblasen-Verschluss hinzu kam, wurde eine stationäre Behandlung notwendig. Er fand sie in der Klinik Florinmont zu Montreux am Genfer See. Dort starb er still gegen Abend des 2. April 1946 im Alter von 63 Jahren. Während einer Messfeier, die P. Superior am 25. März (Marienfest) in seinem Krankenzimmer zelebrierte und die er in tiefem Glauben mitfeierte, hatte er das Viaticum empfangen.

Bei seiner Flucht in die Schweiz blieb eine Kiste mit Aufzeichnungen in Frankreich zurück. Mme L. Brun, eine Vertrauensperson, hielt sie versteckt. 1946 kam diese Kiste in die Schweiz und von da nach Köln ins Provinz-Archiv der Jesuiten.

Zum Inhalt der Kiste gehören auch die "Lebenserinnerungen" von P. Muckermann, die er seiner Sekretärin Aimée Molnár diktiert hatte. Sie wurden von P. Nikolaus Junk SJ bearbeitet und eingeleitet und 1973 im Grünewald-Verlag Mainz publiziert.

 

Nachruf
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