Alois Koch SJ

Augustinus - seine Sicht
der Leiblichkeit und der Leibpflege

 

In seiner Abhandlung "Kirche und Schauspiele" spricht Weismann davon, die fehlende Kritik Augustins "an den sportlichen Wettkämpfen" erkläre sich vielleicht aus seinem "Desinteresse" an diesen Übungen (vgl. Weismann, 1972, S. 156, Anmerkung 215). Auch die bei anderen frühchristlichen Autoren so beliebten Bilder und Vergleiche aus der Agonistik und Athletik fänden bei ihm nur ein geringes Interesse, seien sehr selten und dies fast nur im Zusammenhang mit den Vergleichen in den Paulusbriefen (vgl. S. 181). Als einen Grund für das fehlende Interesse nennt er den, Augustinus habe - im Gegensatz etwa zu Tertullian und Novatian - "keine Bedenken" mehr gegenüber den "sportlichen Wettkämpfen" gehabt. Selbst in seiner Kritik gegenüber den Gladiatorenkämpfen und den Wagenrennen sei er auffallend zurückhaltend.

Weismann meint offensichtlich, wenn er von "sportlichen Wettkämpfen" spricht, nicht die Leibesübungen, wie sie im Kindes- und Jugendalter üblich sind und wohl auch zu Augustins Zeiten noch geübt wurden; er meint vielmehr die Athletik, also Formen von Darbietungen der Berufsathleten im Laufen, Ringen, Faustkampf und Pankration. Da diese athletischen Disziplinen im Westen des römischen Reiches immer nur eine geringe Resonanz gefunden hatten, und da zu der Zeit, als Augustinus als Bischof tätig war, kaum noch derartige Wettkämpfe stattfanden, darf man annehmen, dass Augustinus die Athletik kaum gekannt hat. Auch die Gladiatorenkämpfe fanden zu dieser Zeit kaum noch statt. Das fehlende "Interesse" ist mit Sicherheit auch auf diese Tatsache zurückzuführen.

Hinzu kommt, dass sich das eigentliche Interesse Augustins auf andere Bereiche und Fragen bezog. Darunter war nicht an letzter Stelle die Frage nach dem Wesen des Menschen und die Frage nach der Leiblichkeit. In diesem Kontext ist die Frage nach der Leibpflege und den Leibesübungen immer zu stellen. Gerade in dieser Frage nach der Leiblichkeit wird deutlich die Grundprägung des Denkens, das die neuplatonische Philosophie im Leben Augustins darstellt.

 

Zur Biografie Augustins

Aurelius Augustinus wurde 354 in Thagaste in der nordafrikanischen Provinz Numidien geboren. Nach Studien in seiner Heimatstadt, in Madaura und Karthago war er zunächst Grammatiklehrer in Thagaste, dann Lehrer der Rhetorik in Karthago. Sein weiterer Lebensweg führte ihn über Rom nach Mailand, wo er als Rhetor tätig sein wollte. In der Begegnung mit dem Mailänder Bischof Am-brosius, dessen Predigten er aus beruflichem Interesse besuchte, wurde er Christ und ließ sich taufen.

Seine geistige Entwicklung hatte mit seiner Konversion einen vorläufigen Endpunkt gefunden. Nachdem er sich in Karthago dem Manichäismus angeschlossen hatte, dessen Askese ihn in besonderer Weise beeindruckte, fand er in der neuplatonischen Philosophie, die ihm durch den Mailänder Priester Simplicianus vermittelt wurde, einen neuen Halt. Wichtiger war indessen, dass er in Mailand ein Christentum platonischer Prägung kennen lernte; so fand er den Weg zur Kirche. Ostern 387 wurde er von Bischof Ambrosius getauft.

Er beschloss, in seine Heimat Thagaste zurückzukehren. Hier gründete er eine monastische Gruppe, die sich mit Gebet, Studium und Schriftstellerei beschäftigte. Bei einer Reise nach Hippo Regius wurde er Mitarbeiter des dortigen Bischofs und bei dessen Tod 395 sein Nachfolger. Als Bischof übte er eine umfangreiche Predigttätigkeit aus und setzte sich in vielen Schriften mit den Lehren der Manichäer und der Donatisten, christlichen Sekten, auseinander. Die letzte Phase seines Lebens ist durch die Bekämpfung des Pelagianismus gekennzeichnet (vgl. zu dieser "dreifachen Auseinandersetzung" Angenendt, 1995, S. 77 ff). Augustinus stirbt 430, als seine Bischofsstadt Hippo Regius von den Vandalen belagert wird.

Von den zahlreichen Schriften Augustins sind vor allem zu erwähnen seine "Selbstbekenntnisse", das große Werk "Über den Gottesstaat" und Kommentare zur Heiligen Schrift, unter anderen zur Genesis, zu den Psalmen, zum Johannesevangelium und zum Römerbrief. Nicht zuletzt sind seine Predigten und die vielen Briefe zu nennen, die neben persönlichen Fragen Themen der Philosophie und Theologie, aber auch solche der Seelsorgspraxis behandeln. Ein Grundthema kehrt in seinem umfangreichen Werk immer wieder: Die Frage nach dem Wesen des Menschen und damit zusammenhängend das Thema "Leiblichkeit".

 

Die Leiblichkeit des Menschen im Denken Augustins

Das Verständnis des menschlichen Wesens und seiner Leiblichkeit ist bei Augustinus durch zwei Einflüsse gekennzeichnet. Es ist einmal die Überzeugung von der Gutheit alles Geschaffenen durch den guten Gott, wie es die Heilige Schrift lehrt. Dann ist Augustins Denken geprägt durch den Einfluss der neuplatonischen Philosophie. "Bestimmend für das Lebensgefühl des Augustinus bleibt der Dualismus" (Angenendt, S. 78). Diese Philosophie war für ihn entscheidend, wenn er das Wesen des Menschen zu verstehen suchte. In einem Brief an seinen Freund Nebridius, der zur Zeit seiner Bekehrung zum Christentum geschrieben wurde, kommt diese neuplatonische Sicht klar zum Ausdruck:

"Woraus bestehen wir? Aus Leib und Seele. Was von diesen ist das Bessere? Offenbar die Seele! Was lobt man am Leibe? Nichts anderes, soweit ich sehe, als seine Schönheit. Worin besteht die Schönheit des Leibes? In dem Ebenmaß seiner Teile, verbunden mit einer gewissen Anmut der Farbe. Wo ist nun diese Schönheit größer, dort wo sie wahr ist oder wo sie falsch ist? Wer könnte auch zweifeln, dass sie dort größer ist, wo sie wahr ist! Wo ist sie nun wahr? Natürlich an der Seele! Die Seele ist also mehr zu lieben als der Körper. Aber in welchem Teil der Seele befindet sich diese Wahrheit? Im Geiste und in der Erkennt-nis. Was arbeitet dieser entgegen? Die Sinnlichkeit. Also muss man der Sinnlichkeit aus aller Kraft entgegen arbeiten? Offenbar! Wenn aber der Reiz, den die sinnlichen Dinge ausüben, übermächtig wird? Dann muss man dafür sorgen, dass sie ihn verlieren. Wie geschieht dies? Dass man sich dauernd von ihnen fernhält und nach Höherem strebt" (Brief Nr. 3, K. 4: CCL 32, S. 8).

In einer Predigt heißt es in ähnlicher Weise: "Du hast einen Leib, und du hast eine Geistseele. Der Leib ist sichtbar, die Geistseele unsichtbar. Der Leib ist Wohnung, die Geistseele der Bewohner. Der Leib ist das Fahrzeug, die Geistseele ist Benützer des Fahrzeuges. Der Leib ist sozusagen das Fahrzeug, das gelenkt werden muss; die Geistseele ist der Wagenlenker deines Leibes" (Predigt über den Anfang der Genesis, II. 4: Morin S. 15).

In einer Schrift gegen den Manichäer-Bischof Faustus äußert sich Augustinus über die Gottebenbildlichkeit des Menschen; diese bezieht sich für ihn nur auf das Geistige: "Äußeres und Inneres zusammen machen den Menschen aus. Gott hat diesen einen Menschen nach seinem Bild geschaffen, freilich nicht insofern er einen Leib und leibliches Leben hat, sondern sofern er einen vernünftigen Geist hat, kraft dessen er Gott erkennen und allen unvernünftigen Wesen durch höhere Einsicht gebieten soll" (Gegen den Manichäer Faustus, 24, 2: PL 42, S. 475).

In seiner Abhandlung "Von den Sitten der katholischen Kirche und den Sitten der Manichäer", die Augustinus bald nach seiner Bekehrung verfasst hat, behandelt er auch die Frage nach dem Wesen des Menschen. Im Anschluss an die Feststellung, der Mensch sei "aus Leib und Seele zusammengesetzt", fragt er: "Was ist der Mensch an sich? Ist er Mensch aus beiden schon genannten Bestandteilen, oder ist es der Leib für sich allein oder bloß die Seele? Es sind ja zwar zwei Bestandteile, Seele und Leib, und keiner von beiden würde Mensch genannt werden, wenn nicht der andere wäre. Weder wäre der Leib Mensch ohne die Seele, noch wäre umgekehrt die Seele Mensch, wenn von ihr nicht der Leib beseelt würde" (Von den Sitten der katholischen Kirche I. 6: CSEL 90, S. 8 f). Des Menschen höchstes Gut sei allerdings nicht gleichbedeutend weder mit dem Leib allein (unter seinen Gütern zählt er auf Schönheit, Kraft und Schnelligkeit), noch mit der Seele allein. Das höchste Gut der Seele und damit auch für den Menschen sei letztlich Gott (I. 7 - 10: CSEL 90, S. 9 - 12).

So sehr die neuplatonischen Gedanken Augustinus bei der Überwindung des Manichäismus seiner Jugendzeit halfen, so wenig konnten sie ihn befriedigen. Und er wird sich deshalb immer mehr von den Aussagen der Heiligen Schrift bestimmen lassen. In seiner Schrift "Über die Enthaltsamkeit" wird er sich von jeder Verketzerung des Leiblichen distanzieren. Es sei ein Missbrauch der Heiligen Schrift, die Warnungen vor dem "Fleisch" in diesem Sinn zu deuten. Leib und Seele seien gut, wenn auch die Geistseele das höhere Gut darstelle. Das Fleisch "ist nicht unser Feind; ja, wenn wir seine Mängel bekämpfen, so lieben wir es, indem wir es heilen" (Über die Enthaltsamkeit VIII. 19: CSEL 41, S. 164).

In seinem Werk "Über den Gottesstaat" befasst sich Augustinus mit den Ursachen der Sünde (vgl. XIV. 2 - 5: CCL 48, S. 414 ff). Sie liegen nach seiner Auffassung nicht in der sinnlichen Natur des Menschen. Wenn Paulus in seinen Briefen das Wort "Fleisch" verwende, dann werde mit diesem Begriff nicht nur der Leib des Menschen gemeint, sondern sehr oft der ganze Mensch. Darüber hinaus bezeichne Paulus z. B. im Galaterbrief mit den "Werken des Fleisches" (Gal. 5, 19) auch die Geistessünden. Denn das "Fleisch" als Ursache aller sittlichen Gebrechen zu bezeichnen, ließe "die Gesamtnatur des Menschen außer Betracht". Nach christlicher Überzeugung ist die Vergänglichkeit des Leibes, die die Seele beschwert, nicht die Ursache der Sünde: "Nicht das vergängliche Fleisch hat die Seele zum Sündigen gebracht, sondern die sündigende Seele hat das Fleisch vergänglich gemacht" (De civitate Dei XIV. 3: CCL 48, S. 417).

Aber nicht nur mit der platonischen Auffassung vom Wesen des Menschen setzt sich Augustinus auseinander. Auch bei christlichen Autoren finden sich falsche Lehren bezüglich der Leiblichkeit des Menschen, namentlich bei Origenes. Dieser sah die irdische Welt als Strafaufenthalt an und den Leib als Kerker der aus der Nähe Gottes herabgesunkenen Seelen. Der gute Gott habe das Körperliche geschaffen, nicht um Gutes zu schaffen, sondern um das Böse zu bezwingen. Augustinus widerspricht dieser Auffassung des Origenes mit dem Hinweis auf die immer wiederkehrende Bemerkung der Genesis: "Gott sah alles, was er gemacht hatte, und es war gut, ja sehr gut" (Gen. 1, 31). "Nicht das Fleisch, das du gemacht hast, sondern die Verderbnis und der Druck und die Versuchung des Fleisches sind mir Gefängnis." Der Leib ist ein Werk des guten Gottes. "Folge der Sünde ist nur, dass das Fleisch verweslich, gebrechlich, sterblich und bedürftig ist" (Enarrationes in Psalmos CXLI, 17: CCL 40, S. 2057 f).

Ähnlich äußert sich Augustinus in seinem Werk "Über den Gottesstaat", Origenes habe nicht beachtet, "wie sehr eine solche Auffassung der Absicht dieser in so hohem Ansehen gehaltenen Schrift zuwiderläuft, die doch, indem sie bei den einzelnen Werken Gottes beifügt: ‚Und Gott sah, dass es gut sei' und nach Vollendung des Ganzen sagt: ‚Gott sah alles, was er gemacht, und siehe, es war sehr gut', damit als Grund der Weltschöpfung nichts anderes dem Verständnis nahe legen wollte, als dass Gutes von der Gutheit Gottes erschaffen werde. Hätte niemand darin gesündigt, so wäre die Welt nur mit guten Wesen geschmückt und erfüllt" (De civitate Dei XI. 23: CCL 48, S. 342). Wenig später heißt es in derselben Schrift: "Gott hat ja den Menschen gut erschaffen, er, der Urheber der Naturen, keineswegs der Gebrechen. ... Im Missbrauch des freien Willens hat demnach ihren Ursprung die ganze Folge des Elends, die das Menschengeschlecht in einer Kette von Unheil bis zum endgültigen Untergang im zweiten Tod geleitet, nachdem einmal sein Anfang verderbt und damit gleichsam seine Wurzel krank geworden war" (De civitate Dei XIII. 14: CCL 48, S. 395 f).

In seinen "Selbstbekenntnissen" heißt es: "Ich erkannte und es wurde mir klar, dass du alles gut geschaffen hast, und dass es gar keine Dinge gibt, die du nicht geschaffen hast. Und weil du nicht alles gleich geschaffen hast, hat das All den Grund seines Seins empfangen; denn das einzelne ist gut und alles zusammen sehr gut, weil unser Gott ‚alles sehr gut' gemacht hat" (Confessiones VII. 12: CCL 27. 1, 1: S. 105). An einer anderen Stelle sagt Augustin: "Aus der Fülle deiner Güte ist deine Schöpfung hervorgegangen, damit das Gute, obwohl es dir keinen Nutzen gewährt und, wenn auch von dir stammend, dir doch nicht gleich sein kann, dennoch nicht fehle, weil es durch dich werden konnte" (Confessiones XIII. 2: CCL 27. 1, 1: S. 242).

Trotz der vielen positiven Äußerungen Augustins zur Leiblichkeit des Menschen blieben ihm die Vorwürfe einer Leibabwertung, ja des "Leibhasses" nicht er-spart, und zwar von Seiten der Pelagianer. In seinem "Traktat über die christliche Lehre" setzt er sich mit diesem Vorwurf auseinander; er antwortet darauf:

"Es widersteht der Geist (dem Fleisch) nicht aus Hass, sondern um seiner Herrschaft (über das Fleisch) willen, weil er den Gegenstand seiner Liebe (den Leib) dem Besseren untergeordnet wissen will" (I. 25: CCL 32. 4, 1: S. 20). Und wenig später geht er ausführlich auf den Vorwurf ein: "Man muss den Menschen wohl die Art der Selbstliebe vorschreiben, d. h. man muss ihn darüber belehren, wie er sich lieben soll, falls diese Liebe nützlich sein soll. Aber Wahnsinn würde es verraten, wollte einer bezweifeln, dass sich einer überhaupt liebt und sich nützen will. Auch das muss man den Menschen vorschreiben, wie sie ihren Leib in wohlgeordneter und kluger Vorsorge lieben sollen; denn dass einer überhaupt seinen Leib liebt und ihn gesund und unversehrt erhalten will, das ist doch geradeso selbstverständlich. Es kann also einer zwar recht wohl etwas mehr lieben als die Gesundheit und die Unversehrtheit seines Leibes; man findet ja viele Leute, die freiwillig Schmerz, ja sogar den Verlust einiger Glieder auf sich nehmen, um das Gut zu erlangen, das sie in höherem Masse liebten. Aber deshalb darf man keinem die Wertschätzung der Gesundheit und Unversehrtheit seines Leibes absprechen, weil er etwas anderes mehr liebt" (I. 26: CCL 32, 4, 1: S. 20 f).

Gewiss ist Augustins Sicht der Leiblichkeit des Menschen von den zeitgenössischen leibabwertenden Auffassungen beeinflusst. Dass manche seiner Äußerungen in der Folgezeit eine unbefangene Würdigung der Leiblichkeit verhinderten, ist allerdings nicht ihm in erster Linie anzulasten, sondern auch denen, die ins-besondere die Erbsündenlehre Augustins (vgl. dazu Geerlings, 2002) als seine zentrale Aussage über das Wesen des Menschen ansahen und die entgegen stehenden Äußerungen unbeachtet ließen. Gewiss war Augustinus von der neuplatonischen Philosophie geprägt. Mit dem tieferen Hineinwachsen in das Christentum verspürte er jedoch das Unzulängliche der neuplatonischen Philosophie, und er hat verbessert und ergänzt, was ihm vom christlichen Standpunkt aus verbesserungs- und ergänzungsbedürftig erschien.

 

Bemerkungen Augustins zur Leibpflege
und zu den athletischen Übungen

Dass Augustinus nur in wenigen Äußerungen von Leibesübungen und Leibpflege spricht, darf nicht in dem Sinn verstanden werden, als ob es verschiedene Formen der Leibsorge zu seiner Zeit nicht (mehr) gegeben habe. Die selbstverständlichen Dinge des Lebens bedürfen nicht eines schriftlichen "Beweises". So sollte man sich nicht darüber wundern, dass Augustinus nur einmal das in seiner Jugendzeit von ihm leidenschaftlich geübte Ballspiel erwähnt. Doch ist in diesem Zusammenhang ein Detail interessant. In seiner Kritik an der Schule seiner Zeit nämlich fällt auf die scharfe Stellungnahme gegen den Entzug des Spiels, das als ein Recht des Kindes empfunden wird: "Bei den Großen werden nichtige Dinge als wichtig angesehen; das Spiel der Kinder jedoch, obwohl es für diese eine ernste Sache ist, wird von den Großen geahndet. ... Fürwahr ein trefflicher Richter, der meine Schläge ganz in Ordnung findet, weil ich als Knabe Ball spielte und dieses Spiel mich abhielt, mir rasch die Kenntnisse anzueignen, mit denen ich später viel zuchtloser spielen sollte" (Confessiones I. 9: CCL 27. 1, 1: S. 9).

Auch das Thema "Bad" findet sich nur selten in seinen Schriften. So schreibt er in einem Brief "An einige Klosterfrauen" Regeln über den Gebrauch der Bäder: "Auch körperliche Reinigungen sowie der Gebrauch der Bäder soll nicht beständig stattfinden, sondern nur in den üblichen Zwischenräumen gestattet sein, nämlich einmal im Monat. Wenn aber eine Krankheit hierzu nötigt, so soll es ohne Aufschub geschehen. Ohne Widerrede geschehe es auf den Rat des Arztes, so dass die Betreffende auf Befehl der Oberin tun muss, was die Gesundheit erfordert, auch wenn sie selbst nicht wollte. ... Nie sollen weniger als drei zusammen zu den Bädern gehen oder sonst einen Gang machen" (Brief 211, K. 13: PL 33, S. 963). In einem anderen Brief verweist er auf den Brauch, dass am Gründonnerstag "alle ein Bad zu nehmen pflegen". Als Grund gibt er an, es sei unziemlich, "mit dem durch die Beobachtung des Fastens schmutzig gewordenen Leib bei der Taufquelle" zu erscheinen (Brief 54, VII. 9 - 10: CCL 31. 4, 1: S. 233). In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass Augustinus sich vor seiner Taufe im Landgut Cassiciacum bei Mailand aufhielt. Das dort vorhandene Bad war an regnerischen Tagen der Schauplatz der philosophischen Gespräche, von denen drei Dialoge berichten (z. B. De vita beata I. 6: CCL 29. 2, 2: S. 68). Es ist sicher nicht abwegig anzunehmen, dass das Bad bei diesem Aufenthalt auch benützt wurde.

Negative Wertungen Augustins über die athletischen Übungen sind ebenfalls selten. Weismann ist der Meinung, sein "Desinteresse" an diesen Wettkämpfen sei der eigentliche Grund für die fehlende Kritik (vgl. S.156, Anmerkung 215). Als Grund käme allerdings auch in Frage, dass es zur Zeit Augustins kaum noch derartige Wettkämpfe im Ringen, Faustkampf und Pankration gegeben hat, wenigstens in Nordafrika. Immerhin findet sich ein kritischer Hinweis bei der Auslegung von Psalm 57, wo von "wahnsinnigen Kampfspielen" die Rede ist:

"Ihr seid der Meinung, man dürfe zu den (blutigen) Kämpfen (= ad Marsos) gehen, weil ihr das in der Heiligen Schrift gehört habt; man dürfe deshalb auch zu den Darbietungen im Amphitheater (= spectacula theatri) gehen, weil der Apostel sagt: ‚Ich führe den Faustkampf (= pugilari) nicht wie einer, der Luftstreiche macht.' Einen Faustkampf führen nennt man Allkampf (= pancratium). Weil eine Ähnlichkeit besteht, warum dürfen wir uns bei diesen Schauspielen nicht freuen? Oder weil der Apostel sagt: ‚Wer sich an einem Wettkampf beteiligt, enthält sich von allem.' Soll der Christ sich an diesen wahnsinnigen Kampfspielen (= agonistica vana et ludicra) freuen? Beachte bitte den Unterschied: das, was dir als Gleichnis gesagt ist, und was dir als Verbot eingeschärft wird" (In Ps. LVII. 8: CCL 39, S. 715).

Bei diesem Text sei auf zwei Details hingewiesen. Offensichtlich verwechselt Augustinus den Faustkampf mit dem Pankration. Man könnte in dieser Verwechslung ein Zeichen für die fehlende Kenntnis der Athletik bei Augustinus sehen. Dann interpretiert Weismann die Aussage "spectacula theatri" undifferenziert mit "Schauspielen". Er beachtet nicht, dass die Grundbedeutung von "theatrum" den "Schauplatz" besagt. Der Zusammenhang weist an unserer Stelle klar hin auf die "Kampfstätte" der athletischen Übungen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte in unserem Zusammenhang die Bemerkung Augustins in einem Brief über die Sorge für die leibliche Gesundheit. Er schreibt an eine Frau: "Die vollständige körperliche Gesundheit darf man nicht gering schätzen, weil man sie notwendig zum Leben braucht, so lange dieses Sterbliche nicht das Unsterbliche, das heißt die wahre, vollkommene und ewige Gesundheit angezogen hat, die nicht durch eine irdische Krankheit zugrunde geht, auch nicht durch vergängliche Erholung wieder hergestellt wird. ... Wir tragen Sorge für das Fleisch, aber wegen der notwendigen Gesundheit. ‚Niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst', sagt ja derselbe Apostel" (Brief Nr. 130, 7: PL 33, S. 497).

In seinem "Traktat über die christliche Lehre" kommt Augustinus auf den Wert von menschlichen Fähigkeiten zu sprechen. Dabei erwähnt er unter anderen das Laufen und den Ringkampf; er sieht interessanterweise deren Sinn in der Tätigkeit selbst, also in ihrem Vollzug: "Was die übrigen Fertigkeiten angeht, so wird durch einen Teil davon etwas geschaffen, was auch nach dem Tun des Künstlers als sein Werk noch bestehen bleibt, wie zum Beispiel ein Haus. ... Ein anderer Teil davon leistet gewissermaßen der Wirksamkeit Gottes Beihilfe, wie die Heilkunde, die Landwirtschaft und Verwaltungskunst. Bei einem dritten Teil beruht der ganze Erfolg lediglich in der Tätigkeit selbst, wie beim Tanzen (= saltationes), Laufen (= cursiones) oder Ringen (= luctamina). Die aus der Vergangenheit gewonnene Erfahrung lässt bei all diesen Fähigkeiten einen Schluss auf die Zukunft zu. Denn kein Mensch, der in einer dieser Fähigkeiten bewandert ist, bewegt bei ihrer Ausübung ein Glied, ohne die Erinnerung an das Vergangene mit der Erwartung des Zukünftigen zu verbinden. Von all diesen Künsten soll man im menschlichen Leben nur leichthin und oberflächlich Kenntnis nehmen, nicht um sie auszuüben, ... sondern nur um ein Urteil darüber zu haben. Sonst wüssten wir ja nicht, was denn die Heilige Schrift andeuten will, wenn sie figürliche Ausdrücke gebraucht, die solchen Fertigkeiten entlehnt sind" (II. 47: CCL 32. 4, 1: S. 65).

 

Bilder und Vergleiche aus der Athletik

Obwohl sich im Schrifttum Augustins kaum eine negative Wertung der zeitgenössischen Athletik findet, ist man erstaunt über die vielen Bilder und Vergleiche aus diesem Bereich. Die Einschätzung von Weismann, der bei den christlichen Autoren "so geschätzte Vergleich des christlichen Lebens bzw. Martyriums mit einem Agon" fände bei Augustinus "nur ein geringes Interesse"; er bleibe "im allgemeinen innerhalb des von Paulus abgesteckten Rahmens" (S. 181), erweist sich allerdings als nicht zutreffend. Eine Zusammenstellung von zahlreichen Vergleichen kann die Auffassung von Weismann nicht bestätigen; sie bewegen sich auch nicht nur im Rahmen der "Vorgaben" des Paulus.

In einem Brief an einen Hilarius heißt es, dass "der zeitliche Tod des Leibes für diejenigen, die durch Christi Tod erlöst werden, für die Einübung (= exercitatio) des Glaubens geblieben ist und für den Kampf (= agon) des gegenwärtigen Ringens (= luctatio), in dem die Märtyrer gekämpft haben (= certare)." Weiter wird gesagt, dass der Tod "bei der Auferstehung des Leibes vernichtet wird. ... Dann wird der Tod vom Sieg (= victoria) verschlungen werden" (Brief Nr. 157, 19: PL 33, S. 683).

Im Brief an Vitalis, einen Christen aus Karthago, setzt sich Augustinus mit dem sogenannten Semi-Pelagianismus auseinander: "Dass wir also an Gott glauben und ein frommes Leben führen, ‚ist nicht das Werk dessen, der will oder läuft (= currere), sondern des sich erbarmenden Gottes' (Röm. 9, 17); nicht als ob wir nicht wollen oder laufen müssten, sondern weil er in uns das Wollen und Laufen bewirkt. Darum unterscheidet auch der Herr Jesus selbst die Glaubenden von den Nichtglaubenden, das heißt: die Gefäße der Barmherzigkeit von den Gefäßen des Zornes, indem er spricht: ‚Niemand kommt zu mir, wenn es ihm nicht von meinem Vater gegeben ist' (Joh. 6, 66)" (Brief Nr. 217, 12: PL 33, S. 983).

In der Schrift "Über die Größe der Seele" schreibt Augustinus: "Ich bin der Meinung, dass die Kräfte (des Menschen) weniger im Umfang des Leibes und am Lebensalter abzulesen sind, sondern in einer Übung (= exercitatio) und Ausbildung (= conformatio) der Gliedmaßen. ... Die Ringer (= palaestritae) achten sorgfältig an den Gestalten ihrer Ringergegner (= luctatores) nicht auf die Masse (= moles) und Größe des Leibes, sondern auf die Muskeln (= lacerti) und die ganze Gestalt des Leibes. Von daher ziehen sie ihre Schlüsse in Bezug auf die tatsächlichen Kräfte. Alle diese nützen nur wenig, wenn nicht hinzu kommt die Wirkung von Technik (= ars) und die Übung (= exercitatio). Man hat schon oft erlebt, dass Männer mit einem gewaltigen Körper von solchen besiegt wurden (= superari), die schmächtig und klein von Gestalt sind - sei es im Bewegen oder Tragen von Lasten oder auch im Ringkampf (= luctamen). Ist es etwa nicht bekannt, dass ein Sieger in Olympia (= olympionicus) schneller beim Gehen ermüdet als ein umher ziehender Kaufmann?" (XXI. 35: PL 32, S. 1055 f)

In über hundert Predigten hat Augustinus das Johannes-Evangelium ausgelegt. Im Anschluss an Joh. 8, 1 führt er aus: "Von da ging Jesus auf den Berg, und zwar auf den Ölberg, auf den fruchtreichen Berg, auf den Berg der Salben (= unguentum), den Berg des Chrisams. Denn wo geziemte es sich mehr, dass Christus lehrte, als auf dem Ölberg. Der Name Christi nämlich kommt vom Chrisam. ‚Chrisma' aber auf griechisch heißt Salbung (= unctio). Darum aber hat er uns gesalbt, weil er uns zu Kämpfern (= luctatores) gegen den Teufel machte" (LX: PL 35, S. 1648).

In der zweiten Predigt über einen Vers aus dem 1. Johannesbrief (1. Joh. 2, 14) heißt es: "Die Kinder kennzeichnet die Geburt, die Väter das Alter, die jungen Männer die Kraft. Wenn der Böse von den jungen Männern besiegt wird (= vincere), dann steht dieser im Kampf (= pugnare) mit uns; er kämpft, aber er siegt nicht (= expugnare). Warum? Weil wir tapfer sind, oder weil der in uns tapfer ist, der unter den Händen der Verfolger schwach erfunden wurde? Der machte uns stark, der seinen Verfolgern nicht widerstand; denn gekreuzigt wurde er aus Schwachheit, aber er lebt aus der Kraft Gottes. ... Wieder und wieder bedenkt, dass ihr junge Männer seid! Kämpft, damit ihr siegt! Siegt, damit ihr den Siegeskranz bekommt (= coronari)" (II. 6 - 7: PL 35, S. 1993).

In der vierten Predigt über den 1. Johannesbrief schreibt der Bischof, dass der Sieg erst errungen ist, "wenn es keinen Kampf (= lucta) mit Fleisch und Blut mehr geben wird; wenn der Siegeskranz (= corona victoriae), der Triumph über den Feind errungen sein wird; dann erst wird die vollkommene Gerechtigkeit sein. Jetzt aber stehen wir noch im Kampf (= pugnare). Wenn wir kämpfen, sind wir auf dem Kampfplatz (= stadium), schlagen (= ferire) und werden geschlagen. Aber wer siegt (= vincere), das ist noch ungewiss. Jener aber siegt, der auch den Schlag, den er versetzt, nicht von seiner Kraft, sondern von Gott, der anfeuert (= hortator), erwartet. Einzig der Teufel kämpft wider uns. Wenn wir mit Gott sind, besiegen wir den Teufel; wenn du allein mit dem Teufel kämpfst, wirst du unterliegen. Ein wohlgeübter (= exercitatus) Feind ist er mit gar vielen Siegespalmen. ... Rufen wir den Allmächtigen wider die Kunst des Teufels an! Es nehme Wohnung in dir, der nicht besiegt werden kann, und sicher wirst du ihn, den Sieggewohnten besiegen" (IV. 3: PL 35, S. 2006).

Besonders bei der Auslegung der Psalmen verwendet Augustinus viele Bilder und Vergleiche, um auf die Notwendigkeit der Hilfe Gottes aufmerksam zu machen, so bei Psalm 30: "Du brauchst einen Befreier. ... Weshalb verlässt du dich auf das Gesetz und die Gerechtigkeit? Siehst du nicht, was innerlich in dir, um dich und gegen dich kämpft? Hörst du nicht den, der kämpft (= pugnare) und bekennt und die Hilfe Gottes im Kampf (= pugna) ersehnt? Hörst du nicht, wie der Athlet des Herrn den Kampfrichter (= agonotheta) um Hilfe bittet für seinen Kampf? Denn nicht erwartet Gott von dir ein solches Kämpfen (= certare) wie der Kampfausrichter (= editor), wenn du im Amphitheater kämpfst. Der kann dir den Siegespreis (= praemium) geben, wenn du gesiegt hast (= vincere). Aber helfen kann er dir nicht, wenn du in Gefahr gerätst" (Ps. XXX. 2, 6: CCL 38, S. 195).

Bei der Auslegung von Vers 11 des Psalms 39 schreibt Augustinus: "Bei unseren Schauspielen (= spectacula) ist es anders. Alle laufen (= currere), wie der Apostel sagt, in jener Rennbahn (= stadium), bei jenem Schauspiel; aber nur einer erhält den Siegespreis (= bravium). Die übrigen gehen besiegt (= victi) von dannen. Sie haben beim Laufen Ausdauer gezeigt. Wenn der eine jedoch den Kranz erhalten hat, gehen die anderen leer aus, obwohl sie sich ebenfalls abgemüht haben (= laborare). Hier ist es aber nicht so. Und wer als erster ins Ziel kommt, wartet, damit er zusammen mit dem anderen den Siegeskranz erhält (= coronari). Denn diesen Kampf (= agon) vollführt nicht die Habsucht, sondern die Liebe. Alle Läufer (= currentes) lieben einander; die Liebe selbst ist der Lauf (= cursus)" (Ps. XXXIX. 11: CCL 38, S. 433 f).

Den gleichen Gedanken, dass der Christ nur in der Kraft des Herrn den Sieg davonträgt, äußert Augustinus in der Auslegung des Psalmverses: "Er bekränzt dich mit Gnade und Erbarmen" (Ps. 102, 4). "Vielleicht begannst du schon, dich zu überheben, als du hörtest: Er bekränzt (= coronare) dich. Also bin ich groß; ich habe gekämpft (= luctari). Mit wessen Kräften? Mit deinen Kräften, die aber jener dir verliehen hat. Gewiss, du kämpfst, das ist offenkundig, und du erlangst deshalb den Siegeskranz (= coronari), weil du siegen (= vincere) wirst. Aber sieh, wer zuerst gesiegt hat! Sieh, wer auch dich nach ihm zum Sieger (= victor) macht! ‚Ich', sagte er, ‚habe die Welt besiegt, freut euch!' Somit bekränzt er dich, weil er seine Gaben krönt, nicht deine Verdienste. ... Gott half mir, als ich noch kämpfte. Nach Beendigung des Kampfes (= certamen) werde ich den Siegeskranz erhalten. Dann aber wird kein Raum mehr sein für eine Versuchung des bösen Feindes. Dann werde ich gegen kein Verderben mehr zu kämpfen haben. ... Dann wirst du Siege feiern, dann dich deines Siegeskranzes freuen" (Ps. CII. 7 - 8: CCL 40, S. 1457).

In einem "Traktat" über das Apostelwort "Ich tue nicht das, was ich will, sondern was ich nicht will" heißt es: "Christus schaut dir bei deinem Kampf zu (= pugnans). Der Schauplatz (= theatrum) ist dein Gewissen, wo zwei miteinander sich messen (= contendere). ... Groß ist der Ringkampf (= lucta). Aber derjenige, der dir zuschaut (= spectare), kann (dir) in der Gefahr helfen. Wenn du nämlich einen Allkampf (= pancratium) mit jemand führen würdest, würde er dich treffen (= ferire), und auch du würdest ihn treffen; und der Mensch würde zusehen, wer von euch beiden siegen (= vincere) würde. ...Wenn in jenem Kampf (= lucta) der Geist den Sieg erringt, befreit er die Seele und den Leib" (K. 3: Morin, S. 602 f).

Besonders in seinen Ansprachen und Predigten verwendet Augustinus immer wieder die Bilder und Vergleiche aus der Agonistik, oft allerdings vermischt mit Bildern aus dem Soldatenleben. So heißt es in einer Predigt am Gedenktag des Märtyrers Vincentius: "Viele haben im Amphitheater den Siegeskranz erlangt (= coronari) im Kampf (= pugnantes) gegen die Bestien. Viele erlangen den Siegeskranz im Bett, wenn sie den Teufel besiegen (= vincere). Sie können sich anscheinend nicht bewegen; aber in ihren Herzen haben sie große Kräfte; und sie bestehen einen solchen Kampf (= pugnam exercere). Wo es einen Kampf im Verborgenen gibt, da gibt es auch einen Sieg (= victoria) im Verborgenen" (Sermo 4, 33: PL 38, S. 52).

In einer Predigt "Über den Kampf Jakobs mit dem Engel" führt Augustinus aus: "Kämpft (= luctari)! Dann werdet ihr siegen (= vincere). Christus ist es, der den Sieg erringt. Wogegen kämpft ihr? Ihr kämpft gegen die Sünde" (Sermo 5, 3: CCL 41, S. 52). "Hört, wie dieser Jakob mit dem Herrn gerungen hat. Der Herr ist ihm nämlich erschienen, d. h. ein Engel in Gestalt Gottes. Jakob hat mit ihm einen Ringkampf bestanden; er wollte ihn festhalten und greifen. Er kämpfte; er siegte (= praevalere); er hielt ihn fest. Als er ihn festhielt, da ließ er ihn nicht los, ohne gesegnet zu sein. Der Herr möge geben, Brüder, ein so großes Geheimnis zu erklären: Er kämpft. Er siegt. Er will von dem gesegnet werden, den er be-zwungen hat" (Sermo 5, 6: CCL 41, S. 57).

In einer Predigt über den Vers: "Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe" (Matth. 10, 16) führt Augustinus aus: "Danket Gott! Er ist nämlich unser Herr, unser Gott. Er ist der Gott der Märtyrer. Er ist es, der auch uns den Siegeskranz verleiht (= coronator). Wenn wir gut gekämpft haben (= luctari), werden wir von ihm den Siegeskranz erhalten (= coronari), der diejenigen, die wir nachahmen sollen, bekränzt hat" (Sermo 64, 3: PL 38, S. 426).

In der Predigt über den Seewandel Jesu (vgl. Matth. 14, 24 - 33) wird gesagt: "Beachte dies! Es ist ein Zeichen einer großen Tugend, mit Erfolg sich an einem Ringkampf zu beteiligen (= luctari). ... Es ist ein Zeichen von großem Glück, vom Erfolg nicht besiegt zu werden (= vinci). Lerne die Welt mit Füßen zu treten! Denk daran, auf Christus dein Vertrauen zu setzen" (Sermo 76, 9: PL 38, S. 483).

Bei der Auslegung einer Stelle aus dem Johannesevangelium (Joh. 5, 31 - 35) heißt es: "In diesem Leib tobt ein Kampf (= lucta). Solange wir leben, müssen wir kämpfen (= pugnare); solange wir kämpfen, droht uns Gefahr. Aber in diesem bleiben wir Sieger (= superare) durch den, der uns geliebt hat. ... Willst du, dass dein Fleisch der Seele dienstbar ist? Dann möge deine Seele Gott dienen. Du musst dich leiten lassen, wenn du leiten willst. Denn dieser Kampf ist so gefährlich, dass der Fall die Folge ist, wenn der Lenker (= rector) aufgibt. ... Er (Gott) hat uns in diesen Kampf gestellt. Wir bleiben in diesem Kampf (= praelium), wenn wir für Gott im Kampf stehen (= militare). ... Deshalb lass dich nicht besiegen (= vinci), wenn du kämpfen musst (= pugnare). ... Wenn der Geist gegen das Fleisch angeht, dann nehme ich den Kampf wahr, jedoch nicht einen Besiegten. ... Deshalb soll der Geist über das Fleisch den Sieg davon tragen" (Sermo 128, 5 - 8: PL 38, S. 715 f).

In einer Predigt befasst sich Augustinus mit einem Wort Jesu im Johannesevangelium (Joh. 5, 56 - 57). Er kommt dabei auf die eheliche Treue zu sprechen: "Du verlangst von dem schwächeren Geschlecht Stärke. Dabei habt ihr beide die Begierde des Fleisches. Wer tapferer ist, der möge den Sieg davon tragen (= vincere). Und doch ist es bedauerlich, dass viele Männer von den Frauen besiegt werden. Die Frauen bewahren die Keuschheit, die die Männer nicht bewahren wollen. ... Es ist Kampf (= lucta); es tobt eine Schlacht (= praelium); es gibt einen Streit (= pugna). Der Mann ist stärker als die Frau. Er ist das Haupt der Frau. Die Frau kämpft (= pugnare) und siegt; und du unterliegst dem Feind?" (Sermo 132, 2: PL 38, S. 735)

In einer Predigt zum Fest der Himmelfahrt Christi heißt es in Bezug auf den Apostel Paulus: "Ich wandle, so gut ich kann, auf den Spuren jenes so großen Kämpfers Christi (= athleta Christi), d. h. des Apostels Paulus, der sagt: ‚Brüder, ich bin nicht der Meinung, dass ich schon (das Ziel) erreicht habe. ... Eines jedoch ist klar: ich vergesse, was hinter mir liegt; ich strecke mich aus (= extendere) nach dem, was vor mir liegt. Ich jage (= sequi) dem Siegespreis (= palma) der himmlischen Berufung Gottes in Christus nach.' Nachjagen, das bedeutet: ich bin auf dem Weg" (Sermo 261, 3: PL 38, S. 1203 f).

In einer anderen Predigt am Gedenktag des Märtyrers Vincentius heißt es: "Mit den Augen des Glaubens haben wir das großartige Schauspiel gesehen, den heiligen und siegreichen (= vincens) Märtyrer Vincentius. Er hat mit seinen Worten gesiegt; er hat in seinen Qualen (= poenae) den Sieg davon getragen. Er hat mit seinem Bekenntnis und in der Bedrängnis gesiegt. Er hat gesiegt, als er im Feuer sterben sollte; er hat gesiegt, als man ihn ertränkte. Schließlich hat er als Gemarterter und Gestorbener den Sieg davon getragen. Als sein Leib, an dem das Siegeszeichen (= tropaeum) des siegreichen (= victor) Christus sich zeigte, vom Schiff ins Meer geworfen wurde, da sprach er lautlos: ‚Wir werden hinab ge-stürzt, aber wir gehen nicht unter.' (2. Kor. 4, 9) Wer hat diese Ausdauer seinem Kämpfer (= miles) gegeben, wenn nicht der, der für ihn zuvor sein Blut vergossen hat? Ein großer Kampf (= certamen) gewinnt große Ehre; keine menschliche und zeitliche Ehre, sondern eine göttliche und ewige. Der Glaube kämpft (= pugnare); und wenn der Glaube im Kampf ist, dann kann niemand den Leib überwinden (= expugnare)." Weiter heißt es in derselben Predigt: "Für die Wahrheit und Gerechtigkeit, für Gott und Christus, für den Glauben und die Kirche, für die ungeteilte Liebe hat er (der Märtyrer) gekämpft. Wer hat ihm diese Ausdauer verliehen? ... Wer der Meinung ist, der selige Vincentius habe das aus eigenen Kräften vermocht, der ist sehr im Irrtum. Wer der Meinung ist, er könne das aus eigenen Kräften tun, der wird - auch wenn er anscheinend mit Ausdauer siegt - vom Hochmut besiegt" (Sermo 274: PL 38, S. 1252 f).

Eine weitere Ansprache gilt den Märtyrinnen Perpetua und Felicitas: "Dort ist der Siegeskranz (= corona) umso herrlicher, je schwächer das Geschlecht ist. ... In ihnen zeigte sich jener unbesiegt (= invictus), der für sie schwach geworden ist. Er hat sie mit Tapferkeit erfüllt, um zu ernten. ... Den frommen Sinn erfreut es, ein solches Schauspiel (= spectaculum) anzuschauen, wie es die selige Perpetua von sich selbst erzählt hat. Sie habe - zum Mann geworden - mit dem Teufel gekämpft (= certare). In diesem Wettkampf (= certamen) vollzog sie den Lauf (= currere) hin zum vollkommenen Mann" (Sermo 281,1 - 2: PL 38, S. 1284).

Zum Fest der Apostel Petrus und Paulus hält Augustinus eine Ansprache, in der gesagt wird: "Beide vergossen zusammen ihr Blut, beide haben den himmlischen Siegeskranz (= corona) erhalten. ... Achte deshalb auf den Apostel Paulus! Wiederhole die Worte, die wir eben, als sein Brief vorgelesen wurde, gehört haben: ‚Ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft und den Lauf (= cursus) vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Siegeskranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird.' (2. Tim. 4, 6 - 8) ... Wird etwa der gerechte Gott diesem Apostel, der sich abgemüht und einen guten Kampf (= agon) gekämpft (= certare) und den Glauben bewahrt hat, den schuldigen Siegeskranz versagen, dem er doch seine Gnade erwiesen hat? Kleiner, großer Paulus, wem wird er (Gott) den Siegeskranz verleihen? Sicherlich deinen Verdiensten! Du hast den guten Kampf (= certamen) gekämpft, du hast den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt. Diesen deinen Verdiensten wird er den schuldigen Siegeskranz geben. Damit dir jedoch der Siegeskranz zuteil wird, das bewirken deine von Gott dir geschenkten Verdienste. Siehe, du hast den guten Kampf gekämpft und den Lauf vollendet. Du hast nämlich ein anderes Gesetz in deinen Gliedern wahrgenommen, das dem Gesetz deines Geistes widerstreitet (= repugnare). ... Sprichst du etwa nicht deine Mitkämpfer (= concertatores) an, die zusammen mit dir in der Rennbahn (= stadium) dieses Lebens sich abmühen (= laborare) und laufen (= currere)? Sagst du ihnen nicht: Ihr habt das Geschenk für Christus erhalten? Was ist es, was euch gegeben wurde? Nicht nur, dass ihr an ihn glaubt, sondern auch dass ihr für ihn leidet. Seht, beides ist euch geschenkt worden: zu glauben und für Christus zu leiden" (Sermo 297, 5 - 6: PL 38, S. 1361 f).

In einer weiteren Predigt am Fest der Apostel Petrus und Paulus heißt es, der Kranz der Gerechtigkeit sei nicht nur den Märtyrern verheißen, sondern allen, die den Glauben bewahren: "Paulus konnte nicht besser und kürzer andeuten, was die Menschen tun sollen, damit sie sich den Siegeskranz (= corona) der Gerechtigkeit verdienen. Wir müssen nicht alle darauf warten, das Blut zu vergießen. Die Zahl der Märtyrer ist gering, die der Gläubigen groß. Du kannst nicht wie Paulus geopfert werden? Du kannst auf jeden Fall den Glauben bewahren" (Sermo 299, 4: PL 38, S. 1369). "Wenn du den Glauben bewahrst, dann liebst du auch sein öffentliches Bekenntnis; dann darfst du getrost den Siegeskranz der Gerechtigkeit erwarten" (Sermo 299, 5: PL 38, S. 1370). In derselben Predigt wird am Schluss gesagt: "Der Herr beendet in der Auferstehung von den Toten die Strafe für die Sünde; den Tod jedoch lässt er sowohl den Gläubigen wie den Heiligen zurück zum Kämpfen (= lucta). Zum Kampf (= agon) ist dir der Tod zurückgelassen worden. Gott konnte dir als einem Gerechtfertigten nicht den Tod ersparen; er hat dich aber zum Kampf (= certamen) ausgesandt" (Sermo 299, 10: PL 38, S. 1375).

In Ansprachen auf die makkabäischen Märtyrer führt Augustinus aus: "Diesen (Christus) haben die Märtyrer offen bekannt. Die einen sind für Christus gestorben, der im Evangelium sich offenbart hat; die anderen sind im Namen Christi in den Tod gegangen, der noch im Gesetz verhüllt war. Christus hält sie beide; Christus hilft beiden in ihrem Kampf (= pugnantes); Christus verleiht beiden die Siegeskränze; Christus hat beide in seinem Dienst - wie ein Machthaber, der mit einem Gefolge von Begleitern zieht, wobei die einen vorangehen, während die anderen folgen. Das Gedenken an dieses Martyrium wird in Antiochien begangen, damit zusammen erklingt der Name des Verfolgers und das Gedenken an den, der den Siegeskranz verleiht (= coronator)" (Sermo 300, 5 - 6: PL 38, S. 1379).

In einer Ansprache befasst sich Augustinus besonders mit der Mutter der sieben getöteten Brüder: "Ein großes Schauspiel fand vor den Augen unseres Glaubens statt. ... Es war ihr (der Mutter) zu wenig, nur zuzuschauen (= spectatrix). Wir haben sie vielmehr bewundert als eine Frau, die (ihre Söhne) anfeuert (= hortatrix). ... Sie schaute den Kämpfern (= certantes) zu; sie selber kämpfte in allem mit; und in allen Kämpfen trug sie selbst den Sieg davon (= vincere)" Sermo 301, 1: PL 38, S. 1380).

Zu Ehren des heiligen Stephanus wird in einer Predigt ausgeführt: "Die Märtyrer kamen zu den unheilvollen Kämpfen (= certamina) und waren durch die Geburt mit der Erbsünde behaftet. Durch ihr Sterben jedoch sind sie zu den ewigen Gütern gelangt und haben jeglicher Sünde ein Ende bereitet. Wenn nämlich nicht die häufigen Belohnungen (= praemia) mit der Seligkeit des Himmels diejenigen, die sich in der Verfolgung befanden, trösten würden, wie würden sie jene Qualen und Leiden ertragen? ... Was immer nämlich der selige Märtyrer in jenem Kampf (= agon) gesehen hat, überdenkt nochmals seine Worte, die ihr in der Apostelgeschichte hört: ‚Siehe, ich sehe den Himmel geöffnet und Christus zur Rechten Gottes stehen.' (Apg. 7, 55) Er sah Jesus dastehen; deshalb stand er selber und fiel (= cadere) nicht, weil derjenige, der oben stand und dem unten Kämpfenden (= certare) zuschaute, seinem Kämpfer (= miles) unüberwindliche Kräfte (= invictae vires) verlieh, damit er nicht fiel. ... Brüder, wir wollen ihm nachfolgen; denn wenn wir Stephanus nachfolgen, werden wir den Siegeskranz erlangen (= coronari). Vor allem aber ist uns aufgegeben, ihm nachzufolgen und ihn in der Feindesliebe nachzuahmen. ... Stephanus hat den Siegeskranz (= corona) erhalten. Als der selige Stephanus als erster für Christus sein Blut vergossen hatte, da zeigte sich vom Himmel her der Siegeskranz, damit die Nachfolgenden ihn als Belohnung (= praemium) erhielten, die die Tapferkeit des Vorgängers im Kampf (= praelium) nachahmten. Nach ihm haben die häufigen Martyrien das gezeigt. Alle diejenigen, welche später ihr Blut vergossen haben für das Bekenntnis Christi, haben jenen Siegeskranz ihrem Haupt aufgesetzt." Dann folgt die Aufforderung: "Es möge Stephanus nachfolgen, wer immer Sehnsucht nach dem Siegeskranz hat" (Sermo 314, 1 - 2: PL 38, S. 1425 f).

In einer weiteren Ansprache auf Stephanus wird gesagt: "Ihr wart Zuschauer bei dem großen Kampf (= agon) des heiligen Stephanus, der in diesem Kampf zu Tode gesteinigt wurde. ... Der Himmel steht offen. Er sieht Jesus, der seinen Kämpfer (= athleta) anfeuerte (= exhortare). ... Er hat gekämpft (= certare), ... er hat die Welt und den Teufel besiegt (= vincere)" (Sermo 315, 5 - 6: PL 38, S. 1428 f). Ähnlich wird in der folgenden Predigt ausgeführt: "Er hatte keine Furcht. Er besiegte die Welt. Sie haben den Kampf (= certamen) bis zum Ende auf sich genommen. ... Diejenigen sind zur Vollendung gelangt, die gegen die Sünde bis aufs Blut gekämpft haben. ... Sie haben gekämpft und den Sieg davongetragen." Es folgt die Mahnung an die Zuhörer: "Du hast den Kampf (= pugna) zur Kenntnis genommen. Erstrebe den gleichen Siegeskranz (= palma). Du befindest dich auf dem Bett, und du befindest dich in der Kampfbahn (= stadium); du liegst und bist im Kampf (= luctari). Verharre im Glauben! ... Der Märtyrer Stephanus möge hier geehrt werden. Doch in seiner Verehrung möge der angebetet werden, der dem Stephanus den Siegeskranz verliehen hat" (Sermo 318, 2 - 3: PL 38, S. 1439 f).

Am Gedenktag heiliger Märtyrer heißt es in einer Ansprache, diese sollten die Christen darauf hinweisen: "Zum Himmel eilten sie in Treue und liefen (= currere) den Weg des Lebens ohne Furcht. ... Sie streckten die Hände aus nach der Siegespalme. Lauft, ihr Heiligen! Lauft so, dass ihr sie erlangt! ... Christus ist bereit, seine Bekenner zu empfangen. Er selbst spricht vom Himmel her: Ich schaue euch zu; ich stehe den Kämpfern (= certantes) bei; ich verleihe den Siegern (= vincentes) den Siegeskranz (= coronare). ... Die Märtyrer wurden in ihrem Bekenntnis bekränzt. ... So will Gott einen jeden Christen erproben, um den Erprobten zusammen mit den Märtyrern den Siegeskranz zu verleihen" (Sermo 326, 1 - 2: PL 38, S.).

An einem anderen Gedenktag heiliger Märtyrer weist Augustinus darauf hin, der Mensch solle darauf achten, welche Gaben der allmächtige Gott gebe, "der denjenigen, der mit schwachen Kräften kämpft (= pugnare), seine Hilfe gewährt; der sich nicht vom Strauchelnden (= periclitare) zurückzieht; der dem Sieger (= vincens) den Siegeskranz verleiht (= coronare); der sich selbst als Belohnung (= praemium) schenkt. ...Wie würden die Märtyrer siegen, wenn nicht derjenige in den Märtyrern siegte, der gesagt hat: ‚Freut euch, denn ich habe die Welt besiegt' (Joh. 16, 33)? Der Herr des Himmels lenkte ihren Geist und ihre Zunge; und er überwand durch sie den Teufel auf der Erde. Im Himmel verlieh er den Märtyrern den Siegeskranz" (Sermo 329, 2: PL 38, S. 1455).

In einer Ansprache befasst sich Augustinus mit Beispielen aus dem Alten Testament, und zwar mit Susanna und Joseph. Darin heißt es mit Bezug auf Hiob: "Es hilft dem, der im Wettkampf (= certamen) sich befindet, derjenige, der den Wettkampf einberufen hat (= indicere). Gott erwartet aber von dir nicht einen Wettkampf (= certare), wie das Volk es vom Wagenlenker (= auriga) erwartet. Es versteht zwar, Beifall zu zollen, kann aber nicht helfen. Gott erwartet von dir nicht einen Wettkampf, wie der Wettkämpfer (= agonista) auf seinen Gegner (= athleta) wartet. Dieser ... stellt zwar einen Siegeskranz in Aussicht, kann aber den Kämpfer nicht unterstützen. Er kann es nicht, weil er nur ein Mensch ist und nicht Gott. ... Wenn Gott nämlich seine Kämpfer (= certatores) erwartet, dann hilft er ihnen ungerufen. Die Stimme seines Kämpfers (= athleta) findest du im Psalmwort: ‚Wenn ich sage: mein Fuß gleitet aus, dann stützt mich, Herr, deine Huld.' (Ps. 94, 18)" (Sermo 343, 10: PL 38, S.1511). In einer Ansprache "Über die Liebe zu Gott und die Liebe zur Welt" wird gesagt: "Zwei Verlangen kämpfen (= luctari) in diesem Leben miteinander bei jeder Versuchung: die Liebe zur Welt und die Liebe zu Gott. Welche von diesen beiden den Sieg davonträgt (= vincere), dorthin zieht sie ihn wie mit Schwerkraft hin. ... Hier ist uns ein Wettkampf (= agon) aufgegeben: der Kampf (= lucta) mit dem Fleisch, mit dem Teufel, mit der Welt. Aber wir wollen Vertrauen haben: Derjenige, der den Wettkampf (= certamen) einberufen hat (= indicere), der schaut auf uns nicht ohne seine Hilfe" (Sermo 344, 1: PL 38, S. 1512).

In einer Predigt zu einem Pauluswort ("Die Sünde soll nicht herrschen in eurem sterblichen Leib. Ihr sollt nicht seinen Begierden gehorchen!" Röm. 6, 12) heißt es: "Kämpfe (= pugnare)! Mühe dich ab! Kein Athlet erhält ohne Schweiß den Siegeskranz (= coronari). Du stehst in der Kampfbahn (= stadium), du befindest dich in einem Wettkampf (= certamen). Die Begierde des Fleisches streitet gegen deinen Geist. ... In diesem Kampf befindest du dich, wenn du deine Glieder nicht der aufrührerischen Begierde überlässt" (K. 3: Morin, S. 626).

Die Schrift Augustins "Über den Kampf des Christen" sieht den athletischen Wettkampf als Bild für das Leben des Christen. Sie beginnt mit der Feststellung: "Der Siegeskranz (= corona victoriae) wird nur denen verheißen, die kämpfen (= certare)." So steht es ja schon in der Heiligen Schrift: "In den göttlichen Schriften finden wir immer wieder ausgesprochen, dass uns ein Siegeskranz versprochen wird, wenn wir gesiegt haben. ... Beim Apostel Paulus steht klar geschrieben: Ich habe das Werk und den Lauf (= cursus) vollendet; den Glauben habe ich bewahrt. Schon ist für mich hinterlegt der Siegeskranz der Gerechtigkeit. Wir müssen also erkennen, wer der Gegner (= adversarius) ist, über den wir den Sieg erringen (= vincere) müssen, um den Siegeskranz zu erhalten (= coronari). Der Gegner ist derselbe, den unser Herr besiegt hat" (K. 1: CSEL 41, S. 101). Augustinus beendet seine Abhandlung mit der Feststellung: Wir Christen werden im Kampf gegen "den Teufel und seine Engel triumphieren", und zwar deshalb, weil wir uns Christus angeschlossen haben und von der Liebe Christi so erfüllt sind, "dass wir nach den Kämpfen (= certamina) mit dem unsichtbaren Feind den Kranz des Sieges verdienen" (K. 33: CSEL 41, S. 138).

Die Verehrung und Bewunderung für die Märtyrer seitens der Christen führt nicht dazu, ihnen Opfer darzubringen, wie dies in der heidnischen Religion der Fall war. Sie sind die Vorbilder für ein christliches Leben. In seinem Hauptwerk "Über den Gottesstaat" führt Augustinus aus: "Wir errichten unseren Märtyrern, die bis zum Tod für die Wahrheit gekämpft haben (= certare), keine Tempel ... und bestimmen für sie weder Gottesdienste noch Opfer. ... Denn an ihren Gedenkstätten wird Gott das Opfer dargebracht, der sie zu Menschen und zu Märtyrern gemacht hat, ... so dass wir durch eine solche Feier einerseits dem wahren Gott für deren Siege (= victoriae) Dank sagen und anderseits durch die Erneuerung ihres Andenkens uns selbst zum Streben nach solchen Siegeskränzen (= coronae) und Palmen aufmuntern" (De civitate Dei VIII. 27: CCL 47, S. 248).

Hingewiesen wird auf das Beispiel des Apostels Paulus: "Einen vor allem wollen wir nennen, die wir von den Heiden her in die Kirche Christi gekommen sind, den Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit, den vortrefflichen Helden (= fortissimus vir). ... Auf diesen Mann, den Kämpfer Christi (= athleta Christi), der von ihm belehrt, von ihm gesalbt (= unctus), mit ihm gekreuzigt, in ihm glorreich auf der Schaubühne (= theatrum) dieser Welt, wo er für Engel und Menschen zum Schauspiel (= spectaculum) geworden ist, den großen Kampf (= agon) den Regeln entsprechend gekämpft (= certare) und nach der Siegespalme der von oben erhaltenen Berufung gerungen hat, ... auf ihn, sage ich, schauen die Bürger des Gottesstaates" (De civitate Dei XIV. 9: CCL 48, S. 426 f).

In der Schrift "Über die Vollendung der Gerechtigkeit des Menschen" setzt sich Augustinus mit der Auffassung auseinander, der Mensch könne aus eigener Kraft sündelos leben. Darin heißt es: "Man läuft (= currere) nicht in der rechten Weise, wenn man nicht weiß, wohin man laufen muss. Wie kann man das aber wissen, wenn es nicht durch Gottes Gebote gezeigt wird? So lasst uns denn laufen, damit wir (das Ziel) erreichen, und nicht so wie bei einem öffentlichen Wettkampf (= agon theatricus), wo alle zwar laufen, aber nur einer den Siegeskranz (= palma) erlangt. Lasst uns also laufen glaubend, hoffend und voll Verlangen! Lasst uns laufen, indem wir den Leib züchtigen (= castigare), indem wir Almosen geben und den Bösen vergeben; indem wir froh und von Herzen tätig sind; indem wir darum beten, dass die Kräfte der Läufer (= currentes) gestärkt werden! Darum lasst uns die Gebote der Vollkommenheit hören, damit wir nicht nachlässig werden im Lauf zur Fülle der Liebe" (K. 8, 19: CSEL 42, S. 18).

In der Schrift "Gegen Julian" wehrt sich Augustinus gegen den Vorwurf, manichäische, d. h. leibfeindliche Auffassungen zu vertreten. Im 2. Buch führt er in Bezug auf 1. Joh.1, 8 ("Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.") aus: "Du (Johannes) hast nach dem Ende der Kämpfe (= certamina) und nach Heilung der Wunden ... für die Wahrheit Christi gekämpft (= pugnare), und du hast mit Hilfe seiner Gnade den Sieg errungen (= vincere). Dir ist der Siegeskranz sicher. Deine Lehre ist siegreich, mit der du diejenigen besiegst, die auf ihre eigene Kraft das Vertrauen setzen" (II. 25: PL 44, S. 691).

Wenig später wird in derselben Schrift gesagt: "Wenn es keinen Feind gibt, dann gibt es auch keinen Krieg. Wenn es keinen Krieg gibt, dann gibt es auch keinen Sieg (= victoria). Solange der Sieg gegen die mit uns im Kampf liegenden Sünden noch nicht erreicht ist, wird es keine Besserung geben; denn wir werden ... nur im Kampf (= concertatio) mit den Leidenschaften, die gegen uns kämpfen (= colluctari), gereinigt" (II. 27: PL 44, S. 692). Im vierten Buch derselben Schrift heißt es: "Du hast in der Tat das Wort des Apostels falsch verstanden: ‚Wer sich im Kampf (= agon) befindet, der enthält sich von allem.' (1. Kor. 9,25) ... Niemand kann enthaltsam sein, wenn Gott ihm (diese Tugend) nicht schenkt. ... Wenn sie im Wettkampf (= agon) stehen (= decertare), dann enthalten sie sich aller Dinge, um einen vergänglichen Siegeskranz (= corona) zu erlangen. Allerdings enthalten sie sich nicht von diesem leeren Begehren. Denn diese eitle Begierde ... trägt in ihnen den Sieg davon (= vincere) und hält die anderen üblen Leidenschaften im Zaum. Nur aus diesem Grund sagt man, sie seien enthaltsam" (IV. 18: PL 44, S. 746).

Was das Martyrium, also das Blutzeugnis betrifft, so wendet sich Augustinus am Gedenktag des Märtyrerbischofs Cyprian in einer Predigt an seine Gläubigen: "Die Wagenlenker (= aurigae) kämpfen um einen bestimmten Siegespreis (= praemium). Um welchen Preis streiten jedoch die Leute, wenn sie einem Wagenlenker applaudieren? Der Wagenlenker unterhält die Leute; der Jäger (= venator) und der Schauspieler - auch sie unterhalten die Leute. ... Die christliche Kirche hat weit ehrenvollere und bewunderungswürdigere Schauspiele zu bieten. ... Wollt ihr wissen, worin der Unterschied zwischen unseren Schauspielen und den Aufführungen in den Amphitheatern besteht? Wir wollen, falls in uns noch ein gesundes Empfinden vorhanden ist, die heiligen Märtyrer nachahmen. ... Ehrenwerter Zuschauer, wenn du dich im Amphitheater umschaust, dann bist du doch von Sinnen, wenn du den nachahmen willst, dem du deine Bewunderung schenkst. Ich jedenfalls blicke auf Cyprian; ich habe Cyprian gern. ... Ich schaue den Kämpfer (= certator); ich liebe den Sieger (= victor)" (Sermo 15, 3: PL 46, S. 864).

 

Schlussbemerkungen

Wie bei keinem anderen Kirchenvater spiegelt sich in Augustins Leben und Lehren seine Zeit wider. Der Anhänger des Manichäismus wird in der Begegnung mit dem Neuplatonismus von dem orientalischen Dualismus befreit. Aber mit dem Hineinwachsen in das christliche Denken verspürt er das Unzulängliche dieser Philosophie, vor allem deren Geringschätzung des Leiblichen. In seinen "Retractationes", einer "erneuten Durchsicht" seiner Schriften, bekennt er, er habe besonders in seinen frühen Schriften unter dem Bann der neuplatonischen Denk- und Redeweise gestanden. Den Leib gleichzusetzen den Verderbnissen des Leibes erkennt er nun als "freventliche Kühnheit" (Retract. 1. 5, 3: PL 32, S. 591). Er unterscheidet die organische Vollkommenheit des Leibes und die erlaubte Liebe zum Leiblichen von dem sittlichen Missbrauch. An die Stelle des Gegensatzes von Geistigem und Leiblich-Sinnlichem tritt für Augustinus mit dem tieferen Eindringen in die Heilige Schrift der Gegensatz von Gottnähe und Gottferne, von Gottesdienst und Weltdienst.

Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Leibpflege und auch die Leibesübungen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Augustinus ging es in erster Linie nicht um diesen Bereich. Dass er ihn kannte, geht aus den vielen Vergleichen hervor, die sich in seinen Schriften finden. Doch hat man nicht den Eindruck, dass er sehr vertraut war mit der Wirklichkeit der athletischen Übungen. Man darf Zweifel haben, ob es diese zu seiner Zeit in nennenswertem Umfang noch gegeben hat, wenigstens in den nordafrikanischen Gebieten des römischen Reiches.

Was die Bilder und Vergleiche aus der Agonistik betrifft, so verwendet Augustinus sie sicherlich oft im Zusammenhang mit den paulinischen Beispielen. Doch die meisten stehen nicht damit in Verbindung. Die Aussage Weismanns ist also ergänzungsbedürftig.

 

Literatur-Verzeichnis

 

Abkürzungen

CCL - Corpus Christianorum. Series Latina. Turnhout-Paris 1953 ff.

CSEL - Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Wien 1866 ff.

Morin - G. Morin: Sancti Augustini Sermones (post Maurinos reperti). Rom 1930.

PL - J. P. Migne: Patrologia Latina. Paris 1841 ff.

 

Sekundär-Literatur

Altaner, B.: Patrologie. Leben, Schriften und Lehren der Kirchenväter. Freiburg 1958, 5. Auflage.

Angenendt, A.: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 - 900. Stuttgart 1995, 2. Auflage.

Campenhausen, H. F. von: Lateinische Kirchenväter. Stuttgart 1986.

Dassmann, E.: Fuga saeculi. Aspekte frühchristlicher Kulturkritik bei Ambrosius und Augustinus. In: G. Risse (u. a. Hrsg.): Wege der Theologie an der Schwelle zum 3. Jahrtausend. Paderborn 1992, S. 939 - 950.

Dassmann, E.: Kirchengeschichte, Band II. 2: Theologie und innerkirchliches Leben bis zum Ausgang der Spätantike. Stuttgart 1999.

Döpp, S. und Geerlings, W. (Hrsg.): Lexikon der antiken christlichen Literatur. Freiburg 1998.

Ebert, J.: Die lateinischen Kirchenväter und die antiken Wettkämpfe. In: Stadion 1 (1975), S. 185 - 197.

Fuhrer, T.: Augustinus. Darmstadt 2004.

Geerlings, W.: Augustinus. Lehrer der Gnade. In: W. Geerlings (Hrsg.): Theologen der christlichen Antike. Darmstadt 2002, S. 148 bis 167.

Koch, A.: Die Leibesübungen im Urteil der antiken und frühchristlichen Anthropologie. Schorndorf 1965.

Mausbach, J.: Die Ethik des hl. Augustinus. Freiburg 1929, 2. Auflage.

Meer, F. van der: Augustinus der Seelsorger. Köln 1951.

Schindler, A.: Augustin. In: G. Krause und G. Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band IV. Berlin - New York 1978, S. 646 bis 698.

Thuillier, J. P.: Sport im antiken Rom. Darmstadt 1999.

Weeber, K. - W.: Baden, spielen, lachen. Wie die Römer ihre Freizeit verbrachten. Tübingen 2007.

Weiler, I.: Der Sport bei den Völkern der alten Welt. Darmstadt 1981.

Weismann, W.: Kirche und Schauspiele. Die Schauspiele im Urteil der lateinischen Kirchenväter unter besonderer Berücksichtigung von Augustin. Würzburg 1972.

 

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