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Osternacht: "Vom Auferstandenen auf die Probe gestellt"

Predigt

"Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben." Ist uns dieses Denken der Gegner Jesu wirklich fremd? Verlangen nicht auch wir von ihm klare Beweise, dass er da ist; dass er für uns da ist; dass er uns hilft; dass wir glauben können? Machen nicht auch wir Gottes Dasein abhängig von der Hilfe, die er gewährt, von den "Zeichen", die er wirkt?

Das sollten wir bedenken: Nicht wir Menschen sind es, die Gott die Probe stellen, auf die Probe stellen dürfen. Nicht Gott steht auf dem Prüfstand von uns Menschen. Wir stehen auf dem Prüfstand Gottes. In der zweiten Lesung der Osternacht haben wir es gehört: "In jenen Tagen stellte Gott den Abraham auf die Probe." Bist du bereit, meinem Ruf zu folgen und damit sogar deine eigene, dir zugesagte Zukunft (deinen Sohn Isaak) aufs Spiel zu setzen? Dazu ist Abraham bereit. Er lässt sich auf diesen "Weg" ein; auf einen "Weg", dessen Endpunkt er nicht kennt, den er vielleicht erhofft: "Im Glauben wollte Abraham den Isaak zum Opfer darbringen... Er, der die Verheißung empfangen hatte, wollte den einzigen Sohn opfern; denn er dachte: Gott hat die Macht, ihn auch von den Toten zu erwecken." So steht es im Brief an die Hebräer. Abraham anerkennt im Glauben, dass Gott das Recht hat, alles von ihm zu verlangen. Und er ist bereit, selbst den Weg des Scheiterns zu wählen - im Vertrauen auf die Treue dessen, der ihn gerufen hatte. Und Abrahams Vertrauen auf die Führung und die Fügung Gottes erlebt und erfährt die Rettung, das Heil. Und diese Erfahrung kann er nur deuten, dass Jahwe "sieht"; dass Gott alles zum Guten lenkt, zum Guten lenken kann: "Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen" und erfahren.

Im österlichen Geschehen kann uns bewusst werden, dass ebenso wie Abraham Menschen auf die Probe gestellt werden - Menschen, die Jesus gefolgt waren; die ihn verehrt und geliebt haben. Ostern ist also nicht das "happy end" einer traurigen Vorgeschichte. Ostern ist zunächst für die Jünger, für die Frauen: Erschütterung und Entsetzen, Frage und Prüfung. Im Leiden und Sterben ihres geliebten Meisters - so haben sie es erlebt - hatten sie gleichsam alles verloren; waren ihre Hoffnungen gestorben; sie hatten den verloren, der sie in seine Nachfolge gerufen hatte; der ihnen seine Freundschaft und Liebe geschenkt hatte; der ihnen alles bedeutete; in dessen Nähe sie glücklich waren: Petrus und seine Mitapostel, die Frauen, besonders Maria von Magdala. Sie alle haben um den toten Jesus geweint. Können ihre von Tränen erfüllten Augen am Ostermorgen den Auferstandenen überhaupt wahrnehmen? Ist es nicht ein sehr weiter Weg von der Erschütterung in der Begegnung mit dem Auferstandenen bis zur Freude, bis zum "Erkennen" des Auferstandenen?

Dieses "Erkennen" wird ihren "brennenden Herzen" zuteil; es wird ihnen vom Herrn geschenkt: "Maria!" - "Thomas!" Seine Liebe und Treue öffnen ihre verweinten Augen und ihre von Trauer erfüllten Herzen: "Rabbuni - mein Meister!" - "Mein Herr und mein Gott!" Sie alle dürfen wieder seine Nähe erleben; sie erfahren in einer nie gekannten Weise das Glück seiner Gegenwart. Am See Tiberias (so heißt es im Johannes-Evangelium) kommt keiner der Jünger auf den Gedanken zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Sie sind voller Freude und Seligkeit, wieder bei ihm sein zu können - ohne ihn festzuhalten aus Angst, ihn zu verlieren. Dieses Erleben ihres auferstandenen, des unverlierbaren Herrn wird ihr ganzes weiteres Leben prägen; davon werden sie Zeugnis ablegen: "Wir können unmöglich schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben." Von solchen Erfahrungen des Erschreckens und Entsetzens, der Freude und Seligkeit, von derartigen Erlebnissen kann man in der Tat nur "Zeugnis" ablegen; man kann sie nicht "beweisen"; man kann sie einem anderen demonstrieren; man kann solche Erfahrungen nicht in einem Experiment wiederholen. Das, was Petrus, was die Jünger, was die Frauen, was Maria von Magdala in der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn "erfahren" haben, davon können sie nur "Zeugnis" ablegen.

Das österliche Geschehen, besser: der auferstandene Herr stellt auch uns auf die Probe. Der Herr erspart auch uns nicht die "Glaubens-Probe", das "Experiment des Glaubens". Er erspart auch uns nicht die Erfahrung des Erschreckens und Entsetzens angesichts seiner Wege mit uns Menschen. Er fragt uns nach unserem Vertrauen zu ihm und zu seinen Wegen und Fügungen. Er fragt uns nach unserer Liebe, so wie er den Petrus am See von Tiberias fragt: "Hast du mich liebt? Bist du mein Freund?" Er fragt uns, ob er uns alles bedeutet; ob wir ihn über alles lieben; ob wir nichts seiner Liebe vorziehen - in einer Welt, die dem Herrn diese Liebe von Menschen nicht gönnt; nicht gönnen kann. Sind wir wirklich bereit, den Herrn über alles zu lieben? Sind wir bereit zu diesem Selbst-Versuch? "Selbst-Versuche" sind immer - wir wissen das aus der Medizin - riskante Angelegenheiten. Das "Experiment", dem wir uns unterziehen müssen, heißt also "glauben". Und "Glaube" besagt: sein Herz zu verschenken an den Herrn und sein Wort, ohne Wenn und Aber. Der Herr sehnt sich nach unserer Liebe. Alle Tyrannen und Diktatoren der Erde wollen Gott und seinem Sohn die Liebe, die Anbetung streitig machen, sie ihm gleichsam stehlen. Sie gönnen dem Herrn diese Liebe der Menschen nicht; sie beneiden ihn um diese Liebe. Deshalb auch ihr Hass gegen die "Zeugen" der Liebe und des Glaubens.

Wenn wir uns auf dieses "Experiment des Glaubens" einlassen mit Gott, mit dem auferstandenen Herrn, dann werden auch wie den österlichen Zeugen damals - "Erfahrungen" zuteil; sie werden uns "geschenkt"; Erfahrungen, die unser ganzes Leben verwandeln und prägen können: die Erfahrung des Herzensfriedens; die Erfahrung der Freude am Herrn; die Erfahrung einer letzten Sicherheit und Geborgenheit; die Erfahrung einer bislang nicht gekannten "Evidenz" - dass alle Bedenken, sein Herz zu verschenken, den Herr aus allen Kräften zu lieben; dass alle "Zweifel" an seiner Nähe verschwinden. Selbstverständlich sind diese unsere "Erfahrungen" nicht beweisbar; sie sind nicht in einem Experiment wiederholbar und belegbar; sie sind meist auch nicht mitteilbar im Sinne einer Information oder Belehrung. Diese "Erfahrungen" des glaubenden und liebenden Herzens können von uns nur "bezeugt" werden. Auf dieses Zeugnis aber kommt es an: dass andere in der Begegnung mit uns spüren, dass wir im tiefsten Herzen Menschen sind, die den Herrn, die ihn allein anbeten; die ihm die Treue halten; die an ihn glauben; die ihm die Freiheit schenken, bedingungslos zu lieben; die ihre Knie nicht vor den vielen Baalen beugen, vor den großen und kleinen Tyrannen und Diktatoren heutzutage.

Ostern weist uns also hin auf die "Erfahrungen des Glaubens", besser: auf die "Erfahrungen der Glaubenden". Abraham, der "Vater unseres Glaubens", erfährt die Treue und Huld Gottes, weil er bereit ist, alles auch sich selbst dem Willen Gottes anheim zu geben. Die Zeugen des österlichen Geschehens: Petrus, die Jünger, die Frauen, besonders Maria von Magdala: sie erleben und erfahren in einer neuen, nie gekannten Weise die Nähe, die Freundschaft, die Treue dessen, dem sie gefolgt sind; den sie geliebt und verehrt haben. Von dieser Erfahrung sind sie überwältigt; das wird ihr künftiges Leben prägen; das bleibt unvergesslich; davon können sie nur Zeugnis ablegen: "Der Herr ist wirklich auferstanden." Auch wir sind gefragt nach unserem Vertrauen zum Herrn, nach unserer Liebe - d. h. danach, ob wir in der Freiheit des Herzens bereit sind, ihn über alles zu lieben; unser Herz an ihn zu verschenken. Dann, aber auch nur dann wird uns geschenkt werden die Erfahrung des Herzensfriedens und der Freude am Herrn - trotz aller Dunkelheiten. Von diesen Erfahrungen - das gebietet uns der auferstandene Herr - haben wir Zeugnis abzulegen. Dieses Zeugnis für den treuen, für den guten Gott können und müssen wir einander geben in der Gemeinschaft der Glaubenden, aber auch für die vielen Suchenden unserer Tage.

 

Ostersonntag: "Er lebt aus Gottes Kraft"

Einführung

Immer wieder, wenn der auferstandene Herr sich seinen Jüngern zeigt, grüßt er sie mit der Anrede: "Fürchtet euch nicht!" Die Jünger, wir alle dürfen aufatmen. Wir dürfen die verriegelten Türen auftun. Denn der Herr hat einen neuen Anfang gesetzt. Unser Leben steht von nun an unter dem Licht seiner siegreichen Liebe. Er hat die Macht des Todes gebrochen und uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Dafür sollen wir ihm Dank sagen. Und damit wir dies in der rechten Weise tun können, wollen wir uns wieder auf das besinnen, was er für uns getan hat; und wir wollen ihn um sein Erbarmen anrufen.

    Herr Jesus Christus, du bist am Kreuz für unsere Sünden gestorben
    - Herr, erbarme dich!
    Du bist am dritten Tag auferweckt worden in Herrlichkeit
    - Christus, erbarme dich!
    Du bist den Jüngern erschienen und hast ihnen den Glauben geschenkt
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Unser Herr Jesus Christus hat uns aus dem Leid zur Freude geführt, aus der Bedrückung in die Freiheit, aus dem Tod zum Leben. Zu ihm beten wir voll Vertrauen:

  • Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden: dass sie Zeugnis gibt von der österlichen Freude!
  • Für die Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden: dass sie im Bekenntnis zu dir, dem Auferstandenen, standhaft bleiben!
  • Für die Vielen, die in ihrem Glauben irre geworden sind: dass sie zurückfinden zu dir, ihrem Erlöser!
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie in dir den Frieden und die Freude finden, auf die sie gehofft haben!

Herr Jesus Christus, du hast dich offenbart als Herrn über den Tod und uns ewiges Leben verheißen. Wir danken dir für diese frohmachende Botschaft heute und alle Tage. Amen.

Predigt

Paulus schreibt in seinem 2. Brief an die Gemeinde von Korinth: "Zwar wurde Jesus in seiner Schwachheit gekreuzigt; aber er lebt aus Gottes Kraft." (2. Kor. 13, 4) Dieser Satz ist eine einfache, aber auch eine umfassende Osterbotschaft. Wenn nämlich verkündet werden soll, was an Ostern geschah, dann müssen wir das Kreuz Christi und seine Auferstehung von den Toten zusammen nennen - wobei durchaus eindeutig ist, dass das Schwergewicht des paulinischen Bekenntnisses auf dem zweiten Teil des Satzes liegt: durch das Kreuz geht es zur Auferstehung. Vom Gekreuzigten heißt es: "Er lebt aus Gottes Kraft."

"Er" - das ist nicht irgendein Mensch. Das ist für uns der gekreuzigte Jesus Christus. Es ist nicht irgendein Idealist, der gescheitert ist - wie so viele Idealisten in dieser Welt schon gescheitert sind. Es ist auch nicht irgendein Humanist, den wir uns etwa als Vorbild der wahren Menschlichkeit nehmen sollen. "Er" - das ist Jesus von Nazareth, der in seinem Leiden und Sterben das Böse, die Sünde, die Gottferne und Gottfeindschaft der Menschen von uns auf sich genommen hat; der diese Sünde, der die Gottferne und Gottfeindschaft uns abgenommen und vergeben hat; der dies aber nur tun konnte, weil er selbst Gottes Sohn, weil er selber Gott ist. Er hätte dies nicht tun können, wenn er nur irgendein Idealist, wenn er nur irgendein Humanist, wenn er nur Mensch gewesen wäre; dann wären wir noch in der Sünde, in der Gottferne, in der Gottfeindschaft. "Er" - das ist also dieser grenzenlos und unbedingt Liebende, der liebende Gott selbst, durch dessen Liebe allein unser Leben geheiligt ist, Leben also im eigentlichen Sinn ist.

Er ging ein in das Leben Gottes durch Gottes Macht, die mächtiger ist als der Tod, weil sie die Kraft seiner Leben spendenden Liebe ist. "Der Tod ist nicht mehr Herr über ihn." (Röm. 66, 9) Denn der Satz "Auferstanden von den Toten" meint nicht nur, dass sein Name im Gedächtnis der Menschen geblieben ist; dieser Satz meint auch nicht nur, dass "seine Sache weiter gegangen ist"; ja, dieser Satz meint nicht einmal nur, dass uns sein Wort als Gottes Wort heute noch angeht. Sondern "Auferweckung Jesus Christi von den Toten" heißt: In seiner ganzen Wirklichkeit ist er aufgenommen in Gottes Herrlichkeit und Leben; und dadurch ist offenbar geworden, und zwar für alle Zeiten, dass er der Herr, dass er unser Herr ist. "Auferweckung Jesu Christi von den Toten" heißt darum auch: Er steht für jeden von uns ein (vgl. Röm.8, 34); sein Wort und seine Zeichen unter uns sind zu unserem Heil wirksam. Er lässt die Gaben seines Geistes immer wieder unter uns aufbrechen. Unsere Gebete erreichen ihn; wir sind nie mehr verlassen; wir sind nie mehr uns selbst überlassen. Von nun an gilt: "Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn." (Röm. 14, 8)

Jesus Christus "lebt aus der Kraft Gottes". Das heißt von jetzt an in der Tat: Wenn unser Leben an diesem von den Toten Auferstandenen hängt, dann kommt alles darauf an, ob auch wir ihn zu unserem Herrn werden lassen; ob auch wir ihn als unseren Herrn und Gott glaubend anerkennen. Denn nur dann, wenn er wirklich unser Herr ist, wenn er das Fundament unseres Denkens und Tuns, unseres Lebens ist, nur dann erfahren wir in unserer Schwachheit immer von neuem seine Kraft; nur dann haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist also diese: "Er lebt für uns - leben wir für ihn? Diese Frage (Leben wir für ihn) dürfen wir heute an Ostern nicht ausweichen. Kommen wir seinen Weisungen und Wünschen nach? Machen wir uns seine Gesinnungen zu eigen? Lassen wir Ungerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit beiseite? Kümmern wir uns um die anderen Menschen, für die er auch gestorben ist? Lassen wir sie wenigstens ein wenig spüren, dass wir an seinen Sieg über den Tod, dass wir an seine Tod überwindende Liebe glauben? Dass er unsere Hoffnung und Zuversicht ist? Stimmen wir - wenn auch noch zaghaft und gebrochen - ein in den Osterjubel? Und sorgen wir für unseren Teil dafür, dass der Osterjubel in der Welt nicht verstummt? Er, Jesus Christus, lebt für uns. Leben wir von ihm her? Leben wir für ihn?

Das sagt uns und fragt uns also der von den Toten erstandene Herr. Bitten wir ihn heute an Ostern darum, bitten wir ihn in dieser Feier, da er wieder unter uns gegenwärtig wird, dass wir ihn im Glauben als diesen Herrn bekennen, der sich für uns hingegeben hat, als den Herrn unseres Lebens! Er lebt für uns. Leben wir auch für ihn?

 

2. Ostersonntag: "Mein Herr und mein Gott"

Einführung

Der heutige Sonntag wird der "Weiße Sonntag" genannt - und zwar nach den weißen Taufkleidern, die die Neugetauften von der Osternacht an bis zum heutigen Sonntag trugen. Nun begann für sie der Alltag des Christenlebens, die tägliche Bewährung ihres Glaubens an Jesus Christus. Viele von uns begehen den Weißen Sonntag als den Tag ihrer ersten heiligen Kommunion; wir erinnern uns an das brennende Licht der Kommunion-Kerze und an die Erneuerung des Taufgelöbnisses. Aber auch für uns kam damals der Alltag der Bewährung unseres Christseins. Es kam die Erfahrung, dass unser Glaube im Alltag immer blasser wurde, verdunkelt durch unsere Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten. Wir wollen uns darum zu Beginn dieser Heiligen Messe wieder an unseren Anfang erinnern. Und wir wollen den Herrn um seine Vergebung, um seine Huld und Gnade bitten!

    Herr Jesus Christus, in dir sind wir erwählt zu einem heiligen und untadeligen Leben
    - Herr, erbarme dich!
    Durch dein Blut haben wir Erlösung, die Vergebung unserer Sünden
    - Christus, erbarme dich!
    Durch unsere Gemeinschaft mit dir hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Lasset uns voll Vertrauen zu Gott, unserem guten Vater, beten, der seinen Sohn Jesus Christus verherrlicht hat, und der auch unser Leben zum Guten lenkt:

  • Für alle, die den Christen-Namen tragen: dass sie sich als ein Leib in Christus wissen um der einen Tauufe willen, die sie empfangen haben!
  • Für die Kinder, die heute in vielen Gemeinden zum Tisch des Herrn geführt werden: dass sie sich von Christus ergreifen lassen und ihm die Treue halten, solange sie leben!
  • Für die Vielen, die lautlos die Kirche verlassen und ihre Taufe vergessen: dass du sie nicht verlässt und bei ihnen bleibst als der Vater, der seine Kinder liebt!
  • Für uns alle, die wir unseren Mitmenschen Gottes Güte nahe bringen sollen: dass wir dies nicht nur in Worten, sondern mit der Tat unseres Lebens tun!

Herr, unser Gott, du kennst uns und hältst unser Leben in deinen Händen. Gib uns allen ein gutes Herz, und mache uns für unsere Mitmenschen zu Boten deiner Liebe! Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Predigt

Goethe lässt seinen "Faust" - nach dem Prolog im Himmel - mit der bekannten "Studierzimmer-Szene" beginnen. Angewidert von der Vergeblichkeit seines geistigen Strebens greift Faust, des Lebens überdrüssig, nach dem Giftbecher. Da dringt von der nahen Kirche her der Oster-Choral "Christ ist erstanden" an sein Ohr. Zwar teilt Faust diesen Glauben nicht mehr. Aber er hat noch so viel Macht über ihn, ihn vor dem letzten Schritt zu bewahren:

    Was sucht ihr mächtig und gelind,
    Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
    Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind!
    Die Botschaft hör ich wohl,
    allein mir fehlt der Glaube.
    Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
    Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
    Woher die holde Nachricht tönt.
    Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
    Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.

Klassischer als Goethe kann man nicht ausdrücken, wie der Osterglaube auch heute vielen Menschen, ja auch uns selbst, zur Frage geworden ist. Zwar hören sie, zwar hören wir die altvertraute Botschaft vom Wunder der Auferstehung, nach der Katastrophe von Golgotha. Doch weckt sie in uns oft nur die Erinnerung an eine Glaubenssicherheit, die längst verloren ist. Sind es wirklich feststellbare Tatsachen gewesen, die damals - im Schatten des Kreuzes - den Osterglauben weckten? Verhielt es sich nicht gerade umgekehrt; war nicht das Wunder des Glaubens liebstes Kind? Schlug die Verzweiflung der Jünger nicht in die Überzeugung um, dass das Kreuz auf keinen Fall das letzte Wort behalten dürfe? Und verdichtete sich nicht diese Überzeugung schließlich zu jenen Erlebnissen, auf die sich der Osterglaube der Evangelien gründet? Ist also die Auferstehung Jesu, radikal ausgedrückt, das Produkt einer vom Glauben erregten Phantasie und darum bestenfalls die Folge, nicht aber der Grund des Glaubens?

Wenn diese Auffassung sicher nicht die Regel ist, so macht sie doch eines deutlich: Das Wort von der Auferstehung bleibt für viele eine unverbindliche Behauptung, ein leeres Gerücht. Fixiert auf die Frage nach dem geschichtlichen Ablauf, nach dem "Mirakel", vermögen sie nicht das "Zeugnis" zu begreifen, das von den Aposteln, von den Evangelien gegeben wird: "Jesus ist auferstanden - Gott hat ihn von den Toten auferweckt!" Was uns greifbar ist, ist nicht ein historischer Bericht über den Ablauf der Ereignisse, ein Film, sondern nur das Glaubenszeugnis der Jünger, das sich freilich auf ein wirkliches Geschehen bezieht. Ohne das "Sehen" der Zeugen würde natürlich das "Zeugnis" zu einer Behauptung, zu einem leeren, unverbindlichen Gerede. Der Auferstandene "erscheint"; er lässt sich sehen von den Menschen, die seine Identität mit dem Jesus bezeugen, mit dem sie durch Palästina gewandert sind. Diese "Identität" ist allen Erscheinungsberichten gemeinsam.

Es gibt aber noch eine zweite "Identität", die mit der ersten gegeben ist. Meist wird sie stillschweigend im Neuen Testament vorausgesetzt. Gibt es irgendeine Voraussetzung, eine Vorbereitung für das Begreifen der Ereignisse auf Seiten der Jünger? Für sie muss das, was sie erlebt haben, überzeugend gewesen sein und irgendwie in der Linie ihres bisherigen Glaubens gelegen haben. Glaube fällt ja nicht vom Himmel; er muss an etwas anknüpfen können, was an Vorverständnis im Glaubenden vorhanden ist. Dieser Anknüpfungspunkt für den Glauben der Jünger sind "die Schriften". Paulus spricht von der Auferweckung Jesu "gemäß den Schriften", und den Emmaus-Jüngern wird das Herz brennend, als der Auferstandene ihnen "die Schriften" erschloss; jetzt kommen sie zur Einsicht in das, was geschehen ist: "Musste nicht der Christus dieses alles erleiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?"

Die Auferweckung Jesu durch Gott wird also von Menschen bezeugt, die mit den Glaubensaussagen der Schriften des Alten Testaments vertraut waren. Erst als sie das Neue, das ihnen widerfuhr, mit dem Alten, das sie kannten, in Verbindung brachten, gingen ihnen die Augen auf. So verbindet Paulus im 1. Korintherbrief sein Bekenntnis zur Auferstehung mit der jüdischen Erwartung der endzeitlichen Totenerweckung: Wenn Jesus von Gott auferweckt wurde, dann ist das der Beginn der endzeitlichen Totenerweckung. Ist er aber nicht auferweckt worden, dann können wir alle Hoffnung begraben. Die Mitte der Schriften aber ist für Paulus Gott selbst, der lebendige Gott, Jahwe, dessen Name besagt, dass er immer da ist. Darum gibt es nur in ihm ein Bleiben. Wer sich in ihm im Glauben verankert, der hat Bestand (Jes. 7, 9). Wer Jahwe sucht, der erhält Leben (Amos 5, 4). Wer sich von ihm entfernt, der geht zugrunde. Die Lieder Israels sind erfüllt vom "Dürsten nach dem lebendigen Gott" (Ps. 42, 2), nicht nur nach seinen Leben erhaltenden Gaben.

Aber nicht nur diese oder jene Bibelstelle sollten wir heranziehen, sondern die gesamte Gottesvorstellung der "Schriften". Denn das ist es, was den Jüngern aufgegangen ist, und zwar durch die österlichen Ereignisse: dieser Gott erfüllt und krönt seine Wege durch die Auferweckung Jesu. Diese dritte "Identität", die zum österlichen Geschehen den entscheidenden Schlüssel anbietet, vergessen wir meistens. Es ist daher nur folgerichtig, wenn manche Briefe des Neuen Testaments die Freude über den Auferstandenen einbetten in einen Lobpreis Gottes. Alle Evangelisten schreiben als österliche Zeugen, und darum versuchen sie Jesus als den "Gerechten" zu zeigen, der "alle Gerechtigkeit erfüllt" (Mt. 3, 15), der das Wort des lebendigen Gottes zum Leuchten bringt; der Gott preist als "Gott nicht von Toten, sondern von Lebendigen" (Mt. 22, 23). Mehr als andere aber hat der Verfasser des Johannes-Evangeliums von der österlichen Erfahrung aus sein Evangelium gestaltet. Wenn er aufzeigen will, was die Kirche mit dem Auferstandenen erlebt, dann greift er auf die Erfahrungen Israels mit dem lebendigen Gott zurück. Alttestamentliche Gotteserfahrung und die Gegenwart des lebendigen Herrn schieben sich so ineinander, dass im "Ich-bin" Jesu das "Ich-bin (da)" des Jahwe-Namens aufscheint; dass erst jetzt richtig erfasst werden kann, dass Gott der Gute Hirte ist, das Lebensbrot, die Wahrheit. Der Mensch, der im Johannes-Evangelium vor Jesus steht (ob das die Frau am Jakobsbrunnen, der Blindgeborene, Martha oder Thomas ist), ist wie der alttestamentliche Mensch auf Glauben und Unglauben gefordert. Glauben aber heißt nie: glauben, dass Gott oder Jesus etwas kann (z. B. ein Wunder wirken), sondern: glauben, dass Gott da ist; dass er der einzig Bleibende ist, mit dem man sich für immer zum Leben verbindet. In der Lazarus-Geschichte sagt Martha: "Ja, Herr, ich habe Glauben. Du bist der Messias, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll." Nur wer an Jesus als den Sohn Gottes glaubt, der glaubt in Wirklichkeit; und wer an Jesus glaubt, der schaut die Herrlichkeit Gottes. Auch in der Ostererzählung vom zweifelnden Thomas, die wir heute gehört haben, geht es in gleicher Weise aus. Es wird nicht geleugnet, sondern vorausgesetzt, dass auch dieser Jünger zur Erkenntnis der Identität des Auferstandenen mit seinem Meister Jesus gebracht wird; er darf ihn an den Wundmalen erkennen. Und doch ist das nicht der eigentliche Glaube. Es geht vielmehr um diese dritte "Identität", die erkannt werden muss: Im Auferweckten ist Gott selber da. Und so bekennt Thomas als wirklich Glaubender: "Mein Herr und mein Gott!" Wenn man im Sohn den Vater erkennen kann und, getroffen von seiner Herrlichkeit, anbetet, dann glaubt man als österlicher Mensch.

An diesem Punkt sind wir in gleicher Weise gefragt. Wir sind gefragt, ob wir an diesen Jesus glauben; ob wir in ihm Gott selbst erkennen wollen. Wenn wir dieses Ja des Glaubens sprechen, dann merken wir auch, dass die Osterbotschaft nicht nur der Nachklang aus einer längst versunkenen Welt ist, den wir zwar vernehmen, aber der allenfalls in uns eine wehmütige Erinnerung weckt. Dann merken wir aber auch, dass wir nicht allein nach dem wunderbaren Ereignis in sich fragen dürfen, sondern nach dem, was darin zum Ausdruck kommt, und wovon die Jünger Zeugnis abgelegt haben: In diesem Jesus hat Gott selbst sich verherrlicht; ja, dieser Jesus ist Gott; in ihm ist Gott da für uns.

 

3. Ostersonntag: "Die Kirche und ihre Hirten"

Einführung

Gerade in den österlichen Tagen wird uns bewusst: wir versuchen an den Auferstandenen zu glauben. Aber wir leiden darunter, dass dieser Glaube nicht durch eine persönliche Erfahrung gedeckt ist. Wir fühlen uns fast benachtteiligt gegenüber den ersten Jüngern, denen eine Erfahrung des Auferstandenen zuteil wurde. Aber auch sie mussten lernen: in der Weise der Erscheinungen bleibt der Herr nur vorübergehend unter ihnen. Er bleibt jedoch ständig da im Wort der Heiligen Schrift, im Brechen des Brotes, in der Gemeinschaft der Glaubenden. "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Wir wollen darum den Herrn zu Beginn dieser Heiligen Messe, der Feier des Brotbrechens, bitten, dass wir nicht taub und blind sind für die Weisen seiner Nähe und seiner Gegenwart.

    Herr Jesus Christus, du bist Weg und Licht für uns, du verlässt uns nicht
    - Herr, erbarme dich!
    Du besiegst den Tod, du brichst für uns das Brot
    - Christus, erbarme dich!
    Gieße uns den Glauben ein, hilf uns, Zeugen sein
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, in deinem Namen sind wir zusammengekommen zur Feier der Eucharistie, der großen Danksagung für dein gnädiges Handeln an uns Menschenkindern. Voll Vertrauen kommen wir darum mit unseren Bitten zu dir:

  • Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden: dass sie unerschrocken die Botschaft von deiner erlösenden Liebe verkündet!
  • Für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft: dass sie sich um Frieden und Gerechtigkeit mühen!
  • Für die verfolgten Christen in den Ländern Afrikas und Asiens: dass sie die Kraft erhalten, ihrem Glauben treu zu bleiben!
  • Für unsere Verstorbenen: dass ihre Hoffnung auf das ewige Osterfest bei dir Erfüllung findet!

Herr Jesus Christus, du hast uns erlöst und uns die Hoffnung auf eine endgültige Vollendung gegeben. Wir danken dir für diese Gewissheit - heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Predigt

Der französische Philosoph Voltaire, der im 18. Jahrhundert lebte, beendete seine Briefe oft mit dem Satz: "Ecrasez l' Infame!" - was auf Deutsch heißt: "Vernichten Sie das Scheusal!" Mit diesem "Scheusal" meinte er die Kirche, meinte er die von Jesus Christus auf das Fundament der Apostel gegründete Kirche. Voltaire war nicht der erste, der zur Vernichtung der Kirche aufgerufen hat. Und todsicher wird er auch nicht der letzte sein. Einige von derartigen Versuchen haben wir selbst erlebt und überlebt. Auch heute ist dieser Ruf nicht verstummt - oder wie es ein Kritiker in der jüngsten Zeit ausgesprochen hat: "Vergehen möge diese Kirche" - ausgerechnet in Anlehnung an einen Satz aus einer frühchristlichen Schrift, der sogenannten "Didache", wo es heißt: "Vergehen möge diese Welt!" - und wo im Kontext gesagt wird, dass Gott seine Kirche sammeln möge aus den vier Winden. Ich meine jedenfalls, das Thema "Kirche" sei heute nicht nur ein lohnendes, sondern ein notwendiges Thema, und ich möchte etwas sagen zu diesem Thema, und zwar im Anschluss an das eben gehörte Evangelium von der Erscheinung des auferstandenen Herrn am See von Tiberias.

Die sieben Jünger versinnbilden die ganze Kirche. Der Fischfang bedeutet die Sendung der Kirche in diese Welt. Die Fischer sind "Menschenfischer". Einer führt dabei: "Ich gehe fischen", sagt Petrus. Die anderen "kommen mit". Es handelt sich also um ein brüderliches Gemeinschaftswerk unter der Führung des Petrus. Was aus eigenem Antriebe kommt, das ist freilich umsonst - die sieben Jünger fangen nichts. Auf Jesu Wort hin aber ist das Werk gesegnet. Petrus ist nicht allein "die Kirche". Aber von den Erkenntnissen und Hilfen der anderen umgeben, handelt er richtig: er zieht das Netz ans Land, und das von ihm gezogene Netz zerreißt nicht - Sinnbild der unzerstörbaren Einheit der Kirche unter Petrus. Alle arbeiten am Werk Christi; sie erfüllen einen Dienst, einen Auftrag. Es geht ihnen also nicht um Selbstbedienung. Es geht darum auch in der Kirche nie um Selbstbedienung, um Selbstdarstellung. Es geht auch nicht um eine Volksbelustigung.

Ein zweites ist zu sagen. Jesus selbst bereitet seinen Jüngern das Mahl. "Fisch und Brot" deuten hin auf die Eucharistie, zu der alle ihren Anteil beitragen. Das eucharistische Mahl ist das Zeichen der Gemeinschaft der Jünger mit dem Herrn und zugleich das Zeichen der Einheit der Glaubenden untereinander, der Einheit der Kirche - und zwar in der Teilhabe an seinem Sterben und an seiner Verherrlichung. Als Zeichen der Einheit ist es aber auch Mahnung und Gebot, über alles Menschliche und über alles allzu Menschliche hinweg die Einheit der Glaubenden immer wieder zu suchen. Das Sakrament empfangen und sich um dieses letzte Vermächtnis des Herrn nicht kümmern, das bedeutet: sich am Leib des Herrn, sich an ihm selbst und an seiner Gemeinschaft zu versündigen. Dieses "Zeichen" ist vom Herrn selbst gesetzt und eingesetzt. Es stammt nicht aus menschlichem Gutdünken, aus unserer Lust und Laune.

Ein weiterer Gedanke knüpft daran an. Jesus selbst ist der "Gute Hirt", und er bleibt es. Die Einsetzung des Petrus ist also nicht ein beliebig auswechselbarer Ersatz in Abwesenheit des guten Hirten. Es geht hier vielmehr um die Übertragung der Hirtensorge Jesu auf Petrus. So wie Jesus Christus der Fels und der Grundstein des Gottesbaues ist, das Haupt des Leibes, der Schlüsselträger der himmlischen Gewalten, der Hohepriester, so ist es nach seinem Willen Petrus, so sind es nach seinem Willen auch die Jünger, weil sie teilhaben an seiner Würde. Und darum nehmen sie auch teil an seiner Würde als Hirten des Volkes Gottes. Dass die Kirche, dass die Gemeinschaft der Glaubenden eine solche "Struktur" hat, das hängt im letzten zusammen mit dem, was wir "Menschwerdung Gottes" nennen. Jesus Christus, der vom Vater gesandt ist, sendet die Apostel; und als der "oberste Hirte" bestellt er vor seinem endgültigen Heimgang einen zu seinem Stellvertreter. Wer also dieses Amt und diese Aufgabe in der Kirche bestreitet, der stellt im letzten die Menschwerdung Gottes in Frage.

Es handelt sich hier um eine tatsächliche Vollmachtsübertragung zur Leitung der ganzen Herde Christi. Die besondere Feierlichkeit der Übertragung wird nach dem zeitgeschichtlichen Rechtsbrauch durch die dreimalige Wiederholung mit Namens-Anruf hervorgerufen. Mitgemeint ist sicherlich auch die feierliche Vergebung für die dreimalige Verleugnung des Petrus. Ebenso feierlich ist die dreimalige Frage nach der Liebe zum Herrn: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Der Hirtendienst, in den Jesus den Petrus und die Jünger beruft, besagt Pflege, Schutz und Leitung der Herde. Es gehören dazu Verantwortungsgefühl, Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft nach Jesu Vorbild. Und vor allem: dieser Hirtendienst verlangt die Liebe zum Herrn - beim ersten Hirten noch mehr als bei den anderen. Die Feierlichkeit der Szene liegt begründet in der Bedeutung der übertragenen Verantwortung: es geht dabei um die Einheit der Kirche, für die der Herr an seinem letzten Abend gebetet hatte, für die er in den Tod gegangen ist. Soll diese Kirche die "eine Herde" sein (und nicht nur die vielen "verstreuten Schafe"), so bedarf sie eines Hirten- und Schlichtungsamtes. Dabei geht es um mehr als um Zweckmäßigkeit; um mehr als um menschliche Überlegungen. Entscheidend ist, dass Jesus selbst diese heilige Ordnung vorgesehen und bestimmt hat. Und was er verfügt hat, das steht nicht mehr zur Disposition. Dem gemäß handelt Petrus, wie die Apostelgeschichte an vielen Stellen zeigt, kollegial, brüderlich - und führend zugleich. Denn er weiß: die Herde gehört nicht ihm oder den vielen Hirten; sie sind nicht die "Herren des Glaubens", sondern nur berufene "Zeugen" des Glaubens. Sie sind vor allem "Zeugen der Leiden Christi", wie Paulus im 2. Korintherbrief einmal schreibt. Diese "Zeugenschaft" wird ihnen oft nicht gedankt; sie wird oft nicht verstanden - aber das spricht nicht gegen, sondern nur "für" diesen Dienst und für das den Zeugen verliehene Amt.

Die Kirche als die Gemeinschaft der an Jesus Christus Glaubenden ist nicht eine menschliche Erfindung - so sehr es wahr ist, dass in ihr Menschen leben und wirken. Die Kirche ist das Werk Jesu Christi, das er gegründet hat auf das Fundament der Apostel. Die Kirche ist das sichtbare Zeichen dafür, dass Gott in Jesus Christus uns Menschen seine Liebe, sein Heil zugewendet hat. Die Frage, auf die sich alles zuspitzt, ist dann die: Glauben wir daran, dass Jesus Christus als der Sohn Gottes eine so verfasste Kirche, eine solche Gemeinschaft gegründet hat? Glauben wir an ihn als an den Sohn Gottes, den der Vater in seine Herrlichkeit erhöht hat? Wir können das auch mit den Worten des heutigen Evangeliums ausdrücken, mit der Frage des Herrn an Petrus: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Ohne diese Liebe zum Herrn werden wir in der Kirche immer nur das Wirken kleinkarierter Menschen sehen, ja sehen können; werden wir uns immer nur ärgern. Die Liebe zum Herrn macht uns in keiner Weise blind für die Fehler und Sünden der Menschen in der Kirche, für die Fehler und Sünden auch der berufenen Hirten. Die Liebe zum Herrn führt uns jedoch über diese Fehler und Sünden, über die Menschlichkeiten hinaus. Diese Liebe führt uns in die Nähe des Herrn, lässt uns seine Zeugen sein, auch in Leid und Verfolgung. Wenn wir mit Petrus bekennen können: "Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe, dass ich dich gern habe", dann vermag uns nichts mehr zu scheiden von der Liebe Gottes. Die Frage ist nur, ob wir dazu bereit sind; ob wir dazu in der Lage sind; wie wir persönlich diese Frage nach unserer Liebe beantworten.

 

4. Ostersonntag: "Der gute Hirt gibt sein Leben hin"

Einführung

Über der Eucharistiefeier des heutigen Sonntags steht das uns vertraute Wort unseres Herrn: "Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe." Gerade in der österlichen Zeit feiern und erfahren wir die Wahrheit dieser Worte. Am heutigen Welttag der geistlichen Berufe erhält das Wort Jesu noch einen besonderen Sinn: die Welt ruft nach Menschen, die in der Nachfolge des Herrn sich um die Menschen sorgen, sie begleiten und ihnen dienen.

    Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirt
    - Herr, erbarme dich!
    Du kennst die Deinen und die Deinen kennen dich
    - Christus, erbarme dich!
    Du führst uns alle zusammen zu einer Gemeinschaft des Friedens und des Dienens
    - Herr, erbarme dich!

Es erbarme sich unser der allmächtige Gott! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirt deiner Herde. Du schenkst uns ewiges Leben. Du hast uns in deiner Hand, und niemand kann uns dir entreißen. Wir beten zu dir voll Vertrauen:

  • Schau auf die Kirche und alle in ihr, die gerufen sind, den guten Hirten zu verkünden! Wir bitten dich, erhöre uns!
  • Schau auf die Verantwortlichen der Völker, dass sie dem Wohl und dem Frieden der Menschen dienen!
  • Schau auf die Väter und Mütter, die ihre Kinder lehren, auf die Zeichen zu achten, durch die du deinen Weg zu erkennen gibst!
  • Schau auf die jungen Menschen, die das Leben noch vor sich haben und nicht wissen, wem sie folgen sollen!
  • Schau auf alle, die trotz der vielen Parolen heute deine Stimme, die Stimme des guten Hirten vernehmen wollen!

Vater im Himmel, du hast uns in deinem Sohn Jesus Christus einen guten Hirten gegeben, der uns geleitet zu deiner Herrlichkeit. Dir sei die Ehre jetzt und allezeit und in Ewigkeit! Amen.

Predigt

Vor einiger Zeit habe ich den Satz gefunden: "Es gibt heute zwei Arten von Hirten: die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand." Ein solcher Satz ist hart. Da kommt man ans Schlucken. Trifft er aber nicht genau unsere Situation, unsere Zeit? Hirten gibt es heute sehr viele. Wer meint, sie seien überholt oder ausgestorben, sie hätten sich überlebt, der merkt gar nicht, was gespielt wird. Verdienen sie aber den Namen "Hirten"? Sind sie nicht oft nur "bezahlte Knechte", die auf ihre Kosten kommen wollen? Die nur damit beschäftigt sind, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen? Was interessiert sie die Schafe schon! Sie denken nur ans Scheren und ans Schlachten. Sie sind nur auf Wolle und Fleisch aus. Und schließlich verdienen sie noch an der Haut, die sie den Schafen über die Ohren ziehen.

Hirten dieser Art gibt es genug in unserer Zeit, unter uns. Gott sei Dank verrät sie ihr "Stallgeruch". Ihr Denken kennt ja nur den Nutzen, den Ertrag. Nur die Leistung zählt. Der Mensch, jeder wird danach "taxiert". Er ist das, was er leistet. Je mehr er auf diese Waage bringt, desto mehr gilt er. Wer nichts mehr leistet, hat ausgedient; der gehört zum alten Eisen. Wie viele Menschen fühlen sich heute bei uns nicht mehr wohl in ihrer Haut; sie fühlen sich einsam und verlassen, weil man sich nur für ihre Leistungen, für ihren Nutzen interessiert, nicht aber für sie selbst. Wie oft ist ein Kind für Eltern nur ein Spielzeug! Wie oft ist der Ehepartner für den anderen nur das Mittel zur eigenen Lebenssteigerung, zur Lustgewinnung! Wie groß ist dann die Enttäuschung, wenn man spürt: "Der meint ja gar nicht mich! Der will nur etwas von mir!"

"Die einen interessieren sich für die Wolle; die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand." Wir sind versucht, resigniert und verbittert dieser Erfahrung zuzustimmen - wenn es eben nicht doch jemand gäbe, der sich wirklich für die Schafe interessiert. Das heutige Evangelium benennt diesen einen: Es ist der "gute Hirte"; es ist Jesus Christus. Ihm ist es nicht um Wolle und Fleisch gegangen. Er fragte nicht: Was habe ich davon? Lohnt es sich? Was springt dabei heraus? Ihm ist es nicht um sich selbst gegangen. Ihm ging es um uns. Er wollte nicht verdienen. Er wollte nur dienen: "Wer bei euch groß sein will, der sei der Diener aller!" Das hat er vorgelebt. Er heilte die Angeschlagenen, die Aussätzigen, um die sich niemand kümmerte. Er ging den Sündern, den verlorenen Schafen nach, den verlorenen Kindern Gottes. Dem, der unter die Räuber gefallen war, half er wieder auf die Beine. Er tat dies, ohne sich selbst zu schonen. Dabei riskierte er alles. Er setzte das Letzte ein, sein Leben. Er opferte sich für die Seinen.

Das macht in der Tat sein Leben aus. Und so ist Jesus beides in einer Person geworden: der gute Hirt und das sich opfernde Lamm, das Lamm Gottes. Gerade als das sich opfernde Lamm ist er der gute Hirt. Und gerade deshalb ruht die Verheißung Gottes auf seinem Leben: "Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe." (Joh. 10, 17) Einer ist jedenfalls unter uns, der nicht aus war auf Wolle und auf Fleisch; der vielmehr uns gemeint hat: der gute Hirt, Jesus Christus. Und er sammelt alle, die auf seine Stimme hören und ihm folgen wollen. Nicht die Hürde, der Hirt ist es, der die Herde bewahrt, der ihre Einheit verbürgt. Diesem Hirten kann ich trauen. Ich brauche keine Angst zu haben, dass er mich abhängig machen will; dass er mich für unmündig hält wie ein "dummes Schaf". Vielmehr befreit er mich von meiner Angst um mich selber. Ich kann mich getrost ihm überlassen: "Der Herr ist mein Hirte, nichts kann mir fehlen!" So singt der Psalmist. Bei ihm bin ich in guten Händen. Er will mich nicht vor seinen Wagen spannen; es geht ihm um mich.

Und er macht mir Mut, selber ein guter Hirte zu werden; jemand, der nicht aus ist auf Wolle und auf Fleisch; einer, der den anderen meint; einer, der nicht am anderen verdienen will als "bezahlter Knecht", sondern der für ihn da ist. Ein "bezahlter Knecht" zu sein - das ist eine kümmerliche, das ist eine bedauernswerte Existenz; das ist kein Leben. Wer an Wolle und Fleisch sein Genügen findet, wer damit genug hat, der verpasst das Beste. Das eigentliche Leben ist immer mehr, als man verdienen und bezahlen kann. Wir leben im letzten von dem, was wir nicht kaufen können. Wir leben vom Unbezahlbaren.

Mehr denn je fällt uns Christen heute die Aufgabe zu, diesen Sinn für das "Unbezahlbare" wach zu halten. In dieser Aufgabe sind Christen durch niemand zu ersetzen. Das allein rechtfertigt unsere Existenz vor Gott und vor der Welt. Wir Christen sind gerufen, diesen Sinn für das Unbezahlbare wach zu halten; besser: für den Unbezahlbaren, für Jesus Christus. In seinem ersten Brief schreibt der heilige Petrus: "Ihr wisst, dass ihr... nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht mit Silber und Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes von Fehl und Makel." (1. Petr. 1, 18 f) Wo dieser Sinn, wo dieser Geist Christi lebendig ist; ja, nur wo dieser Geist lebendig ist, da wachsen geistliche Berufe. Nur dann werden Menschen auf die Stimme des guten Hirten hören und ihm folgen. Da heißt es nicht mehr: Was habe ich davon? Was springt dabei heraus? Wo kann ich am besten verdienen? Dann heißt es: Wem kann ich am besten dienen? Wem muss ich dienen? Wir wissen, Menschen, die so fragen, sind dünn gesät. Wir wissen aber auch: solche Menschen sind unbezahlbar.

Wir feiern nun miteinander Eucharistie. Wir sagen Dank dafür, dass wir in Jesus Christus den guten Hirten gefunden haben. Von ihm ermutigt und ermächtigt dürfen wir versuchen, in seinem Geist zu leben; nicht uns selbst nur zu kultivieren auf Kosten der anderen, sondern zu dienen; zu helfen, wo wir können. Die Welt braucht solche uneigennützige Menschen; sie braucht uns Christen, die in ihrem Leben den Geist Jesu zeichenhaft erfahrbar machen. Das ist die Aufgabe, die der Herr uns stellt. Dafür gibt er uns aber auch den Mut und die Kraft.

 

5. Ostersonntag: "Von der Lieblosigkeit zur Nächstenliebe"

Einführung

Es scheint eine menschliche Eigenart zu sein, nur über das zu reden, was nicht mehr selbstverständlich ist; was uns abhanden gekommen ist. Trifft dies auch zu für die Liebe, die wir zueinander haben sollen? Ist unser Sprechen darüber nur noch eine Worthülse, eine Leerformel, hinter der keine Realität steht? Das Wort Jesu im heutigen Evangelium ruft uns zu einer Besinnung: "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!" Wir wollen zu Jesus, der uns diesen Auftrag gibt, rufen und ihn um die Kraft bitten, sein Gebot zu erfüllen.

    Herr Jesus Christus, du hast dein Leben für uns gegeben
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast deinen Jüngern geboten, Zeugnis zu geben für deine hingebende Liebe
    - Christus, erbarme dich!
    Du rufst auch uns, heute Zeugen deiner Liebe zu sein
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Lasst uns voll Vertrauen beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der in seinem Leben und Sterben uns die Liebe seines Vaters im Himmel offenbart hat:

  • Ermutige die Diener deines Altars zum Zeugnis der Liebe Gottes zu allen Menschen!
  • Lass durch deine Gläubigen deine Liebe alle erfahren, die von Not und Leid, von Kummer und Sorge gezeichnet sind!
  • Schenke den Völkern der Erde Frieden untereinander und ermutige die Lenker der Staaten zu Eintracht und Vertrauen!
  • Nimm uns alle Angst, deinem Beispiel zu folgen, und schenke uns Vertrauen auf deinen Beistand!

Vater im Himmel, du hast deinen Sohn Jesus Christus gesandt, um uns deine Liebe zu allen Menschen kund zu tun. Wir danken dir für deine Sorge und deine Hilfe. Erhöre unsere Bitten durch ihn, Christus, unseren Herrn! Amen.

Predigt

"Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!" Wir haben diese Worte Jesu soeben im Evangelium gehört. Wer wagt es schon, diese schönen, diese hehren Worte über die Nächstenliebe zurückzuweisen; sie als ein verstiegenes Ideal zu bezeichnen? Es gehört sich einfach, die Nächstenliebe, die Mitmenschlichkeit zu preisen und zu rühmen. Könnte es aber sein, dass wir vielleicht nur noch über die Dinge, über die Haltungen sprechen, die uns abhanden gekommen sind; die nicht mehr selbstverständlich sind? Dass wir nur noch Leer-Formeln gebrauchen?

Sören Kierkegaard, der große dänische Philosoph, hat eine Begebenheit erzählt, die dieses Nicht-mehr-Vorhandensein von eigentlich selbstverständlichen Haltungen zum Gegenstand hat. Als er in Kopenhagen Student war, da suchte er eines Tages eine Wäscherei, um seine schmutzige Wäsche waschen und bügeln zu lassen. In einem Schaufenster entdeckte er ein Schild: "Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt." Hocherfreut betritt er den Laden und stellt seinen Korb mit der schmutzigen Wäsche auf den Ladentisch. Die Bedienung kommt und fragt: "Was wünscht der Herr?" Kierkegaard weist auf seinen Korb mit der schmutzigen Wäsche und sagt: "Können Sie das bis Samstag gewaschen und gebügelt haben?" - "Mein Herr, Sie irren sich. Sie sind hier nicht in einer Wäscherei!" - "Aber in ihrem Schaufenster steht doch das Schild: Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt!" - "Das ist richtig! Aber wir stellen nur solche Schilder her: Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt!"

Ist es mit unserem Einsatz, mit unserem Engagement, mit unserer Liebe zum Nächsten, zum Mitmenschen auch so? Stellen wir nur noch Schilder her mit der Aufschrift: "Nächstenliebe"? Reden wir nur noch von der Liebe, ohne sie wirklich zu üben? Halten wir uns mit diesem Wort, vielleicht sogar mit unseren Wohltaten nicht die Hilfesuchenden, die wirklich Hilfsbedürftigen vom Leibe? Eines sollte klar sein: Was die Nächstenliebe betrifft, so kommt es nicht auf das kluge und gewandte Reden an, sondern auf das Tun; auf das selbstverständliche und stille Tun der Liebe. Vielleicht ist es da gut und angebracht, beim Gegenteil der Liebe, also bei der "Lieblosigkeit" mit unserem Bemühen zu beginnen. Ich möchte da auf einige Schwachpunkte aufmerksam machen, die gleichsam ein Spiegel sein können, in dem wir unser Fehlverhalten, in dem wir uns selbst besser erkennen können.

In seinen "Sudelbüchern" hat Georg Christoph Lichtenberg folgenden Satz geschrieben: "Belehrung findet man öfter in der Welt als Trost." Belehrung schafft Distanz, Abstand - und zwar nicht nur horizontal, sondern vor allem vertikal: von oben nach unten! Von oben nach unten kann man nicht wirklich helfen; von oben nach unten kann man nicht trösten. Trösten, innerlich helfen kann man nur, wenn man das Podest, auf dem man steht, verlässt; wenn man heruntersteigt vom hohen Ross. Helfen und trösten kann man nur von der Seite und von unten. Wie steht es mit unserer Einstellung zu den im Herrn geliebten Brüdern und Schwestern? Wie steht es mit der Stützung und Stärkung der im Herrn geliebten Brüder und Schwestern? Wie steht es mit dem "Darunter-Stehen", mit dem "Von-unten-her-Ertragen"? Im Neuen Testament wird übrigens dieses "Von-unten-her-Bleiben" mit "Demut" bezeichnet!

Auf einer Spruchkarte habe ich folgenden Satz gefunden: "Manchen Leuten ist kein Opfer zu groß, wenn andere dieses Opfer bringen." Haben wir schon einmal bedacht, was wir anderen durch unser Verhalten an Lasten zumuten und aufbürden? Und zwar nicht nur an physischen Lasten, sondern vor allem an psychischen Lasten und Bürden? Es tut weh, immer schweigen zu müssen. Es tut weh, wenn einem auf der Seele herum getrampelt wird. Es tut weh, wenn einem immer wieder das Ertragen von Unrecht abverlangt wird. Wie heißt es so schön: "Wir sitzen alle in einem Boot: die einen rudern, die anderen angeln." Nur: es ist Pech, wenn man immer rudern darf; wenn man immer rudern muss.

Von Mark Twain stammt der Satz: "Ehe man anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte man seine Freunde besser behandeln." In ähnlicher Weise äußert sich Christine Busta: "Um seine Feinde zu lieben, muss man erst seine Freunde besser verstehen lernen." Die beiden Sätze erinnern mich an eine Geschichte aus meinem Heimatdorf. Der "Kreuschen-Möller", wie er genannt wurde, war ein überall beliebter und geschätzter Mann. Als seine Frau einmal darauf angesprochen wurde, was für einen freundlichen und netten Mann sie habe, bemerkte die Frau: "Ja, ja! Ein Straßenengel und ein Hauskreuz!" Benehmen wir uns nicht auch so? Nach außen sind wir auf die Fassade bedacht, um von den Leuten gesehen und gelobt und geehrt zu werden. Im Haus sind wir unausstehlich; im Haus beißen und kratzen und treten wir. Der Friede auf Erden, und dazu gehört auch die Liebe zum Feind, beginnt nur da, wo ich in dem Kreis, in dem ich lebe, die Liebe, den Respekt, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft übe. Zwei verschiedene "Gesichter" zu haben, ist Zeichen der Verlogenheit.

Ein Ausspruch von Christine Busta lautet: "Jeder, der einen anderen aufgibt, hat ein Stück von sich selbst verloren." Wir kennen alle diese Ausdrücke: Den oder die kannst du vergessen! Der oder die ist für mich Luft! Der oder die ist für mich eine Null! Der oder die ist für mich gestorben! Unsere alltägliche Sprache verrät uns; sie verrät unsere Lieblosigkeit; sie verrät, dass wir andere verraten, ignorieren; sie verrät unsere Tötungsbereitschaft. Bedenken wir bitte dies: einen anderen aufgeben, einen anderen fallen lassen - das bedeutet auch: ein Stück unserer selbst abschneiden, vernichten! Denn nur im Bezogensein auf die anderen, auf jeden anderen, kommen wir zu uns selbst; gewinnen wir unsere eigene Identität. Ohne die anderen fehlt uns etwas Entscheidendes; bin ich gleichsam amputiert. Das heißt nicht, dass wir anderen nicht auch mal aus dem Weg gehen sollen, ja gehen dürfen. Aber wir können den Mitmenschen, den Nächsten nicht grundsätzlich ignorieren und verdrängen, weil er ein Stück unseres eigenen Lebens ist; weil ich ohne ihn ärmer bin. Der andere ist für uns keine Gefahr, sondern eine Hilfe.

In Afrika gibt es ein Sprichwort: "Das Böse ist ein Hügel. Jeder steht auf seinem und zeigt auf einen anderen." Es ist offenbar ein beglückendes Gefühl der Erleichterung, feststellen zu können, dass das moralische Niveau der Mitmenschen tiefer ist als das eigene. Das enthebt mich der Pflicht, mich mit meinen eigenen Fehlern zu befassen, mich an der eigenen Nase zu packen. Das Versagen der anderen, die Schuld der anderen soll das eigene Fehlverhalten rechtfertigen. Wie sagt das Sprichwort: "Man sieht besser in einer schwarzen Nacht auf einem schwarzen Stein einen schwarzen Käfer als den Hochmut im eigenen Herzen." Das Feststellen von fremder Schuld macht niemals etwas besser; macht niemanden besser. Wenn wir selber die "Opfer" sind, wenn wir selber bloßgestellt und vorgeführt werden, dann spüren wir erst, wie weh das tun kann.

Vielleicht helfen diese Hinweise auf die vielerlei Weisen unserer alltäglichen Lieblosigkeiten, dass wir die Aufforderung unseres Herrn, einander zu lieben, nicht nur besser verstehen, sondern sie in die Tat unseres Lebens umsetzen - und zwar in unserem konkreten Lebensbereich; den Menschen gegenüber, mit denen wir zusammenleben. Er, der sein Leben für uns hingegeben hat, weist uns mit seinen Worten nicht nur die Richtung für unser Bemühen. Seine Tat nimmt uns in die Pflicht. Er ermutigt uns zu diesem Einsatz und Engagement. In dieser Eucharistiefeier gedenken wir wiederum seiner Liebe zu uns bis zum letzten. Dafür können wir ihm nur aus tiefsten Herzen danken. Zu diesem Dank gehört jedoch, dass wir seine göttliche Liebe weitertragen, erfahrbar machen in dieser lieblosen Welt. Bitten wir darum, dass uns dies mehr und mehr gelingt!

 

6. Ostersonntag: "Jesus Christus - das Heil der Welt"

Einführung

Eines der Grundworte des Evangeliums, aber auch der Liturgie ist das Wort "Friede": "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch." So lautet die Verheißung des Herrn heute im Evangelium. Aber wie viel Unfrieden gibt es in dieser Welt, wie viel Streit und Krieg und Gewalt! Immer wieder wird uns dies vor Augen geführt. Wir wollen uns darum wieder zu Beginn der Eucharistiefeier besinnen, wo durch uns Unfriede in diese Welt kommt, und wir wollen den Herrn anrufen um sein Erbarmen, um einen Frieden, den die Welt nicht geben kann.

    Herr Jesus Christus, du bist vom Vater gesandt, uns den Frieden zu bringen, den die Welt nicht geben kann
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast uns in deine Nähe gerufen, obwohl wir mitschuldig sind am Unfrieden um uns
    - Christus, erbarme dich!
    Du hast uns deinen Geist verheißen, damit Friede und Versöhnung durch uns die Welt erreichen
    - Herr, erbarme dich!

Es erbarme sich unser der allmächtige Gott! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Lasst uns voll Vertrauen beten zu unserem Herrn Jesus Christus! Er hat allen, die an ihn glauben, den Frieden Gottes gegeben und den Beistand des Gottesgeistes verheißen.

  • Schenke deiner Kirche die Einheit im Glauben und im Beten!
  • Mache eines Sinnes alle, die dein Wort verkünden!
  • Führe in die Gemeinschaft der Glaubenden alle, die sich von deiner Kirche getrennt haben!
  • Schenke Eintracht und Zusammenarbeit unter allen, die auf Erden Macht ausüben!
  • Schenke uns allen Vertrauen und Zuversicht, dass du bei uns bleibst!

Herr Jesus Christus, in dir ist Gottes Liebe zu uns Menschen sichtbar geworden. Stärke in uns den Geist der Liebe und schenke uns Vertrauen auf deine Verheißungen, der du lebst und herrschst in Ewigkeit. Amen.

Predigt

Dass es zu allen Zeiten in der Kirche Gottes Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten, ja sogar Streit gegeben hat, das lehrt uns die Kirchengeschichte. Das zeigt uns auch die Lesung heute aus der Apostelgeschichte, die wir eben gehört haben. Es war eine heilsame, eine notwendige Auseinandersetzung. Es ging damals in Antiochia und beim Apostel-Konzil in Jerusalem um die Freiheit dessen, der an Jesus Christus glaubte, und zwar um die Freiheit von einengenden Menschensatzungen: Muss man zuerst Jude werden und das jüdische Gesetz beobachten, wenn man an Jesus Christus glauben möchte? Das Konzil der Apostel entschied für die Freiheit der Glaubenden vom jüdischen Gesetz; das Heil Gottes ist nicht von der Beobachtung dieser Vorschriften abhängig. Gott schenkt sein Heil und seine Gnade nicht aufgrund des Gesetzes, sondern aufgrund des Glaubens, und zwar "gratis", d. h. umsonst. Gott hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren. So wird es der heilige Paulus in einem seiner Briefe ausdrücken.

Dass mit dieser "Freiheit" jedoch nicht eine Willkür, eine Beliebigkeit gemeint ist, ein Sichhinwegsetzen über alles nach eigenem Gutdünken, über Gebote und Normen, über Lehrentscheidungen und Glaubensbekenntnisse, das wollte schon damals und das will heute manchem nicht einleuchten. Gerade Paulus, der Anwalt der Freiheit des Christenmenschen, wird dies seinen Christen immer wieder einschärfen: "Ihr seid zur Freiheit berufen. Nur macht aus der Freiheit keinen Anlass für die menschliche Selbstsucht!" So schreibt Paulus an die Christen von Galatien (Gal. 5, 13). Diese menschliche Selbstsucht sieht Paulus als den eigentlichen Grund dafür, dass die von Gott geschenkte "Freiheit" missbraucht wird; dass man sich von der Wahrheit abwendet und sich Fabeleien zuwendet; dass die Einheit der Glaubenden zerstört wird - aus einer Fehleinschätzung seiner selbst.

Wir wissen alle, dass auch unsere Kirche, d. h. manche Leute in ihr, von diesem Missbrauch der Freiheit betroffen sind: von der subjektiven Beliebigkeit in den Fragen des Glaubens, in den Fragen der Moral. Wir wissen auch, dass viele Gläubige, die die Kirche lieben, unter dieser Situation leiden. Sie erleben am eigenen Leib die Unsicherheit, das Misstrauen, ja die Verwirrung der Geister. Wo liegen die tieferen Ursachen für diese beklagenswerte, ja verhängnisvolle Entwicklung? Die Ursachen liegen, wie mir scheint, in erster Linie darin, dass wir uns zu sehr vom Geist dieser Welt und nicht vom Gottesgeist leiten und bestimmen lassen; dass wir die Maßstäbe unseres Denkens und Handelns nicht mehr aus dem Bereich des Glaubens beziehen; dass wir uns leiten lassen vom Nur-Eigenen; dass wir nicht mehr Maß nehmen an den Leitlinien, am Denken Jesu; dass wir nicht bereit sind zu dem, was die Evangelien Bekehrung, Umkehr zum Herrn nennen. Nur durch "Bekehrung" wird man Christ, durch die Abkehr vom Nur-Eigenen hin zu Jesus Christus. Die Kirche und jeder einzelne in ihr lebt davon, dass sie sich immer neu zum Herrn hin bekehrt; dass sie sich abwendet von der Verhärtung in das Eigene, von der Vergötzung des Eigenen, des eigenen Ich. Wo diese Umkehr abgelöst wird von der Mühsal des Maßnehmens an Jesus Christus, wo das Heil nur noch von der Anpassung an den Zeitgeist erwartet wird, da mag noch manches Gute und Nützliche geschehen. Aber eine solche Erneuerung erreicht nur das Unwichtige und das Zweitrangige.

Dahinter wird jedoch das Eigentliche sichtbar: die Krise des Glaubens - nicht nur in dem Sinn, dass viele Glaubensinhalte umstritten und fragwürdig geworden sind; sondern vor allem in dem Sinn, dass das Glauben selbst schwer geworden ist angesichts eines Denkens, das nur das klar Beweisbare, das im Experiment Nachweisbare gelten lässt. Kein Wunder, dass ein solches Denken auch in der Kirche sich bemerkbar macht; dass die Kirche nur noch als eine Gemeinschaft für Sozialhilfe, für Entwicklungshilfe angesehen wird, als eine "Sozial-Agentur"; dass das Wirken der Kirche nur nach der Nützlichkeit beurteilt, nur noch funktional, also nur von der menschlichen Seite her verstanden wird. Das, was die Kirche eigentlich ist, ist fast in Vergessenheit geraten: sie ist nicht unser menschliches Unternehmen; sie ist die Kirche des Herrn. Er ist der Herr der Kirche, nicht wir Menschen. Ihr eigentliches Wesen besteht darin, dass das an ihr zählt, was sie nicht aus sich selbst ist; dass sie ein Licht hat, das auf einen anderen verweist; dass sie ein Heil anbietet, zu geben hat, das ihr nur anvertraut ist zur Weitergabe, zur Mit-Teilung an die Mühseligen und Beladenen: das Heil, die Gnade Gottes; dass sie den Menschen, dass sie uns allen zum Bewusstsein bringen muss das Angewiesensein auf den Herrn allein. Die Kirche ist nicht das Licht und das Heil der Welt. Unser Herr Jesus Christus ist das Heil der Welt. Die Kirche gibt nur dieses Licht und dieses Heil weiter. Das bedeutet: weil die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden, nicht aus sich selbst Licht ist, sondern das Licht vom Herrn erhält, deshalb kann sie in unserer Zeit trotz aller Menschlichkeiten, trotz aller Unmenschlichkeiten in den eigenen Reihen Gottes Heil vermitteln, Licht in der Dunkelheit unserer Tage verbreiten. Weil wir an Jesus, den Christus, den Sohn Gottes glauben, stehen wir auch zu seiner Kirche, die er gestiftet hat, und deren Herr er bleibt. Die Kirche als die Gemeinschaft der Mühseligen und Beladenen, die alles von ihrem Herrn erwarten, muss uns darum auch immer wieder sagen, dass wir ohne die Geduld des Verzichtes, dass wir ohne die Mühsal der Überwindung des Egoismus nicht offen und empfänglich sind für Gott und sein Heil.

Noch ein letzter Gedanke! Jeder Mensch sieht immer nur so viel, wie er liebt. Wer sich nicht wenigstens ein Stück weit in das Experiment des Glaubens, auch in das Experiment mit der Kirche einlässt, und zwar bejahend und liebend einlässt, der wird sich immer nur ärgern über die Mitchristen, über die Gemeinschaft der Glaubenden. Wer jedoch dieses Wagnis des Glaubens eingeht, der braucht sich nichts von den Dunkelheiten der Kirche zu verbergen; der entdeckt, dass es neben der Geschichte der Skandale auch die andere gibt: die Geschichte der Kraft des Glaubens; heilige Männer und Frauen, die die Kirche geliebt haben; die vor allem bereit waren, um die Kirche und für die Kirche zu leiden. Wenn heute vieles im Argen liegt, nicht gelingen will, dann doch aus dem Grund, weil zu viele nur sich selbst bestätigen wollen; weil zu viele die Kirche degradieren zu einem Mittel der Selbstverwirklichung. Das ist nicht nur zu wenig; das stellt die Dinge auf den Kopf. Entscheidend ist, dass wir den Herrn der Kirche erkennen; dass wir ihn suchen. Wir finden ihn - davon bin ich überzeugt - nur in dieser Kirche, in der Gemeinschaft der Glaubenden, in der Gemeinschaft der Mühseligen und Beladenen, deren Licht und deren Heil der Herr allein ist. Er ist es wert, von uns geliebt zu werden; und seinetwegen lieben wir auch die Kirche, die er gewollt, die er gestiftet hat.

 

Christi Himmelfahrt: "Der Himmel - die Sphäre Gottes"

Einführung

Wir feiern heute am Fest Christi Himmelfahrt miteinander Eucharistie. Wir begehen die Feier der Danksagung für das, was Gott für uns in Jesus Christus getan hat: die Vaterliebe Gottes wurde in Jesus offenbar, greifbar - in seinem Leiden und Sterben, in seiner Auferstehung haben wir diese Gewissheit erhalten, dass Gott uns liebt, dass er für uns da ist. Dieser Jesus lebt nun in der Herrlichkeit des Himmels als der Menschgewordene, als der Gekreuzigte. Er hat aber diese Erde nicht verlassen; er hat die Jünger, er hat uns alle nicht allein gelassen. Er bleibt anwesend in seiner Kirche und durch sie in der Welt, für die Welt, für uns alle. Zum verherrlichten Herrn rufen wir:

    Herr Jesus Christus, du bist heimgegangen in die Herrlichkeit deines Vaters
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast deinen Jüngern und uns deine Botschaft anvertraut
    - Christus, erbarme dich!
    Du bleibst bei uns in der Kraft des Gottesgeistes
    - Herr, erbarme dich!

Es erbarme sich unser der allmächtige Gott! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Lasst uns voll Vertrauen beten zu unserem guten Vater im Himmel, der Jesus Christus von den Toten auferweckt und in seine Herrlichkeit erhöht hat.

  • Für alle Christen: dass sie nicht müde werden, in unserer Welt den Weg zum wahren Leben zu verkünden!
  • Für alle Menschen auf der Erde: dass Jesu Wort, das der Kirche anvertraut ist, für sie zu einer beglückenden Botschaft wird!
  • Für die Boten des Evangeliums: dass sie ohne Furcht von der Hoffnung Zeugnis geben, die wir alle Jesus Christus verdanken!
  • Für alle, die in Glaubensnot geraten sind: dass sie in der Kraft Jesu Christi einen Weg aus Verwirrung und Glaubensnot finden!
  • Für uns alle: dass Jesu Leben uns froh macht, und dass seine Verherrlichung uns zu einem Leben der Liebe ermutigt!

Herr, unser Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus in deine Herrlichkeit erhöht. In ihm hast du uns die Hoffnung auf ein ewiges Glück gegeben. Wir bitten dich: gib uns die Kraft, Zeugnis zu geben für diesen Glauben und diese Hoffnung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Predigt

Nicht erst im Glaubensbekenntnis, sondern schon beim Evangelisten Lukas nimmt das Bekenntnis zur "Himmelfahrt" Jesu eine Art Schlüsselstellung ein. Allerdings ist der Ausdruck "Himmelfahrt" nicht gerade als glücklich zu bezeichnen. Denn das Wort "Himmel" legt für den heutigen Menschen eher die Vorstellung eines "Mythos", einer Göttergeschichte, einer nur menschlichen Vorstellung von der Welt und dem Wesen Gottes nahe. Wenn wir jedoch genauer auf das hören, was der heilige Lukas gesagt hat, dann zeigt sich der eigentliche Sinn des Textes. Dann merken wir auch, wie diese "Geschichte" vom Menschen, von uns eine Entscheidung fordert; wie sie uns zum Glauben an den Herrn herausfordert.

Zum Verstehen dessen, was die "Himmelfahrt" unseres Herrn bedeutet, ist der Text des heutigen Evangeliums zu beachten, der ja vom selben Autor stammt wie die Erzählung der Apostelgeschichte. Wir bleiben - nicht wie sonst üblich - beim Evangelium. Und es fällt sofort auf, dass die Erscheinung des Auferstandenen vor den Elf am Abend des Ostertages seine letzte Erscheinung ist. Es fällt aber auch auf: Jesus ist zwar "mitten unter ihnen", mitten unter den Seinen; und doch ist schon eine Distanz spürbar; der Auferstandene redet von einer Zeit, "als ich noch bei euch war". Der eigentlich zentrale Punkt des Evangeliums aber ist einmal die Unterweisung, dass er als der Messias nach der Schrift leiden müsse, doch am dritten Tag auferstehen werde. Es folgt das Wort von der Aussendung der Jünger: "Ihr seid die Zeugen dafür!" Es heißt dann: "Er führte sie hinaus in die Nähe von Bethanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel erhoben."

Der Ausdruck "er wurde emporgehoben" zeigt an, dass etwas mit Jesus geschehen ist, und zwar von Gott her. Aber nicht nur hinter dem Passiv verbirgt sich "Gott", sondern auch hinter dem "empor" und hinter dem entscheidenden Wort "Himmel". Wenn das Wort "Himmel" an unserer Stelle nicht direkt Gott selbst meint (wie etwa in der Redewendung vom "Lohn im Himmel"), dann meint es den Gott eigenen Bezirk. Mit "Himmel" ist also nicht das gemeint, was wir das sichtbare "Firmament" - mit Sonne und Wolken am Tag und mit den Sternen in der Nacht - nennen. Mit "Himmel" ist gemeint der "Ort", an dem Gott ist, zumal der gläubige Jude tunlichst den Namen Gottes nicht ausgesprochen hat.

Noch etwas Besonderes fällt am Text des heutigen Evangeliums auf - wenigstens war dies den Menschen damals klar. Es ist die Nähe zum gottesdienstlichen Geschehen, zur Liturgie. Die Wörter für "Segnen" (Jesus "segnete" die Seinen) und für "Loben" (die Jünger waren immer im Tempel und "lobten" Gott) sind im griechischen Text nicht verschieden. Und es klingt an die "große Freude" - ein Ausdruck, der gerade für den Beginn des Lukasevangeliums charakteristisch ist. Dort ist vom Engel die Rede, der den Hirten die "große Freude" verkündet. Eine weitere Verbindung zum Beginn des Lukasevangeliums ist das Stichwort "Tempel". Dieses Wort an unserer Stelle erinnert an die Zeit, als Jesus selbst im Tempel weilte - damals als Zwölfjähriger; vor allem aber während seines letzten Aufenthaltes in Jerusalem. Jesus wird so als der Hohepriester dargestellt, und zwar im Anschluss an den Satz im Buch Jesus Sirach: "Der Hohepriester Simeon stieg herab und erhob seine Hände über die ganze Gemeinde Israel. Der Segen des Herrn war auf seinen Lippen; den Namen des Herrn nennen zu dürfen, war sein Ruhm. Sie aber fielen... nieder, um den Segen von ihm zu empfangen."

Vielleicht wird der Sinn der Abschiedsszene für die Jünger, aber auch für uns noch deutlicher, also auch die Bedeutung des Wortes "Himmelfahrt" durch die merkwürdige Redewendung: "Während er sie segnete,... wurde er zum Himmel emporgehoben." Da nicht ausdrücklich vermerkt wird, was Jesus hier segnend gesprochen hat, können wir annehmen, er habe - nach einer Stelle aus dem Buch Numeri - den Namen Gottes auf sie "gelegt". Im Buch Numeri heißt es: Aaron und seine Söhne "sollen meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen." (Num. 6, 27) Das bedeutet: Die Jünger werden von Gott selbst gesegnet; sie werden unter sein Angesicht gestellt und mit Heil beschenkt. Der Heimgang Jesu ist also ein anhaltender Segen Gottes für die Jünger. Und die Freude der Jünger zeigt, dass sie sich als Gesegnete wissen. Der Gedanke, nun Verlassene zu sein, kommt gar nicht auf. Darum "loben sie beständig Gott im Tempel".

Zu Beginn des heutigen Evangeliums werden die Jünger als Zeugen für die in Jesus erfüllte Schrift in die Pflicht genommen. Als Erfüllung der Schrift werden - wie immer wieder im Neuen Testament - genannt: das Leiden und die Auferstehung Jesu und sein Eingehen in die Herrlichkeit Gottes. Diese Erfüllung wirkt sich aus für die Völker: im Namen Jesu Christi wird ihnen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt. Dass die Jünger selbst hingehen sollen, wird hier nicht ausdrücklich gesagt. Befohlen wird ihnen zunächst nur, als Zeugen in Jerusalem zu bleiben; sie sollen abwarten, was ihnen den Zeitpunkt des Aufbruchs angibt, nämlich die "Kraft aus der Höhe". "Aus der Höhe" bedeutet wiederum: "von Gott"! Diese "Kraft aus der Höhe" wird gleichsam durch den Heimgang Jesu zum himmlischen Vater entbunden. Der zur Rechten Gottes erhöhte Herr wird den verheißenen Heiligen Geist vom Vater her ausgießen.

Das Emporgenommenwerden Jesu bedeutet für die Jünger das Ende ihres Weges mit dem Herrn, der ja in Jerusalem das Ziel seiner Wanderschaft auf Erden findet: "Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und alles wird vollendet werden, was durch die Propheten über den Menschensohn geschrieben ist." (Lk. 18, 31) Jesu irdischer Lebensweg hat sich in Jerusalem vollendet. Nun führt der Auferstandene sie hinaus aus der Stadt. Ihr neuer Weg hat diese Stadt zum Ausgangspunkt. Es ist der Weg, den sie in Christi Namen und in der Kraft aus der Höhe gehen werden. Dieser Weg steht unter dem Segen Gottes. Es ist aber auch der Weg, den wir, die wir Christi Namen tragen, in seinem Namen und in der Kraft aus der Höhe gehen sollen, gehen dürfen. Auch unser Lebensweg als Christen steht unter dem Segen Gottes. Darüber dürfen wir froh sein. Das ist Grund, den Herrn zu preisen.

 

7. Ostersonntag: "Die Einheit der Kirche"

Einführung

Die Gemeinschaft der Glaubenden, die Jesus begründet hat, die Kirche, ist immer gefährdet; sie ist in der Gefahr, die Einheit aufzugeben, den Geist Jesu Christi zu verlieren und den Geist dieser Welt anzunehmen; nicht das Wort und die Weisung Gottes sich zu eigen zu machen, sondern sich dem Denken der Welt auszuliefern, das mit Gott nicht rechnet. Wir wollen uns darum wieder besinnen auf den Herrn, der uns gerufen hat, der uns sein Wort und seine Weisung gegeben hat. Und wir wollen ihn um die Kraft bitten, die Einheit des Glaubens zu wahren, seine Wege zu gehen. Und wir wollen ihn bitten um Vergebung für all unser Versagen.

    Herr Jesus Christus, du hast uns dein Wort und deine Weisung hinterlassen
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast uns herausgerufen aus der Welt, die dich nicht erkennen kann
    - Christus, erbarme dich!
    Du hast uns deinen Heiligen Geist verheißen, der uns in die Wahrheit einführen wird
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Jesus hat zu seinem Vater im Himmel gebetet: "Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast!" Darum wollen wir zu Gott, unserem Vater, um die Einheit der Christen beten:

  • Für die christlichen Kirchen: dass sie sich im Ja des Glaubens zu deinem Sohn Jesus Christus bekennen!
  • Für unsere Pfarrgemeinden: dass sie durch Brüderlichkeit und durch ächstenliebe, durch Frieden und Einigkeit deinen Sohn Jesus Christus als glaubwürdig erweisen!
  • Für die Getauften, die sich von ihrem Glauben entfernt und die Kirche verlassen haben: dass sie zurückfinden in die Kirche!
  • Für die Völker der Erde: dass sie durch das Lebenszeugnis der Christen ermutigt werden, an Jesus Christus zu glauben!

Vater im Himmel, in deinem Sohn Jesus Christus schenkst du uns Anteil an deinem Reich. Lass uns in Sorge sein um die Einheit der Glaubenden, damit die Welt deinen Sohn als Gesandten erkennt, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

Predigt

Der Text des heutigen Evangeliums steht im "hohenpriesterlichen Gebet" Jesu. Es wird so genannt, weil Jesus nach der Weise des jüdischen Hohenpriesters fürbittend für die Gemeinschaft der Jünger eintritt - derer also, die an ihn "glauben"; und zwar in dem Augenblick, da er im Begriff ist, sich selbst als Sühnopfer für die Vielen darzubringen. Die Fortsetzung des Evangeliums-Textes bei Johannes lautet so: "Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kedron. Dort war ein Garten." Es ist der Garten der Todesangst Jesu, seiner Gefangennahme. Im Garten von Gethsemani beginnt für Jesus der Weg seines Leidens, der Weg nach Golgotha. Die Worte, die Jesus im Abendmahlsaal spricht, sind darum das Vermächtnis Jesu an die Seinen. Er betet um die Einheit all derer, die an ihn glauben; er betet um die Einheit der Kirche. Die Einheit derer, die an ihn glauben, ist das Erkennungs-Zeichen, das Echtheits-Zeichen dafür, dass Jesus der Gottgesandte ist. Die an ihn als den Sohn Gottes glauben, sollen sich dessen bewusst sein, dass von ihrem Verhalten die Glaubwürdigkeit ihres Herrn und seiner Sendung abhängt.

Angesichts dieser beschwörenden Mahnungen Jesu gilt es, die immer noch andauernde missliche Situation der Christen zu bedenken. Doch sollten wir uns dabei nicht auf die vielerlei Einzelfragen fixieren lassen, in denen die Christen uneins sind, und über die immer wieder in der Öffentlichkeit geredet und diskutiert wird. Gewiss, diese Fragen und die Antworten darauf sind in keiner Weise unwichtig; etwa diese: Sollte Petrus durch alle Zeiten hindurch einen Nachfolger haben, und wenn ja, welche Befugnisse sollte er haben? Oder: Wenn Jesus Brot und Wein als sein Fleisch und sein Blut darreicht, wie ist das zu verstehen? Diese und viele ähnliche Fragen, die alle in der Heiligen Schrift ihren Ansatzpunkt haben, sind bis heute der Anlass der Meinungsverschiedenheiten zwischen den christlichen Konfessionen, deren Auswirkungen man nur bedauern kann. Aber diese Fragen und die entsprechenden Antworten, auch deren Auswirkungen, berühren m. E. noch nicht den Kernpunkt; ja, sie können sogar den Blick auf den eigentlichen Punkt trüben oder gar unmöglich machen.

Der Kernpunkt des christlichen Glaubens, besser: der zentrale Punkt für den Christen, für den Glaubenden ist die Gestalt Jesu Christi. Und von ihm sagt das Große Glaubensbekenntnis: "Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt." An diesem Satz hängt in der Tat alles, was unseren christlichen Glauben ausmacht: nämlich die Tatsache, dass dieser Jesus der Sohn Gottes ist; dass in Jesus offenbar geworden ist, dass Gott die ewige Liebe ist; dass Gott sich in der Auferweckung des Gekreuzigten als die Hoffnung für unsere dunkle und schreckliche Welt erwiesen hat. Wer an dieser zentralen Glaubensaussage rüttelt, wer sie in Frage stellt, für den geraten alle christlichen Wahrheiten ins Wanken; der behält vom Ganzen des christlichen Glaubens nur ein billiges Restprodukt zurück. Die rationalistische Zersetzung des Glaubens, seine Reduktion auf einen flachen Humanismus à la "Seid nett zueinander!" sind m. E. die größte Gefahr für die Ökumene, für alles Mühen um die Einheit und Einigung der Christen, derer, die an Jesus Christus glauben. Das Drängende, ja die Härte des Gebotes der Nächstenliebe z. B. gründet im letzten darin, dass wir in Jesus den Christus, den Sohn Gottes sehen; dass wir an ihn als an den Sohn Gottes glauben, d. h. auf ihn unser Leben gründen.

Ein wirkliches Miteinander der christlichen Konfessionen, ja die Einigung der Konfessionen kann nur von diesem Kern des Glaubens aus erfolgen. Ist dieser Kern in den verschiedenen Konfessionen unverbrüchlich gesichert, dann kann die Einigung in den vielen anderen weniger zentralen Fragen angestrebt werden; dann ist eine solche Einigung möglich. Der umgekehrte Weg: die Einigung in den mehr sekundären Fragen - unter Ausklammerung der Grundfrage - das erzeugt nur Beliebigkeit und Unverbindlichkeit; das ließe die Christenheit versinken in Banalität, in Unglaubwürdigkeit, in Hoffnungslosigkeit. Unverbindliches mit Beliebigem zu verbinden, zu vereinen, das ergibt niemals etwas Starkes, etwas Halt Gebendes; das ergibt niemals etwas Leuchtendes - und das muss das Christentum doch sein, um glaubhaft zu machen, dass Jesus der Gottgesandte ist; dass er Gottes Sohn ist, dem wir alle insgesamt den Halt des Lebens, unser Heil verdanken; dass wir nur dann die Gewissheit haben, dass Gott uns mit seiner Liebe umfängt; dass er unser Vater ist, der uns liebt, der uns gut ist.

Diesen liebenden Vater hat Jesus uns nahe gebracht, offenbart. Und Jesus hat uns gezeigt, dass dieser Gott uns nicht deswegen liebt, weil wir gut sind; weil wir Prachtexemplare der Menschheit sind; sondern weil er gut ist. Gott hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren. Gott liebt grundlos; er schenkt seine Liebe "gratis = umsonst", aus "Gnade", wie wir Christen mit einem verbrauchten, mit einem missbrauchten Wort sagen. Das ist der Grund, warum das Christentum eine Religion des "Sich-Verdankens" ist. Und es geht nicht nur darum, dafür Dank zu sagen, dass wir sein dürfen; dass wir geschaffen wurden. Es geht darum, dafür Dank zu sagen, dass wir ohne unser Zutun, dass wir ohne eigenes Verdienst von Gott geliebt sind, mit ihm versöhnt wurden. Dieses Geschenk der Versöhnung, der liebenden und gnädigen Annahme gilt es zu akzeptieren - mit einem dankbaren Herzen, aber auch mit dem Willen, dieses Geschenk anderen verständlich, verstehbar zu machen, anderen mitzuteilen. Wenn wir dies tun, dann haben wir in der Ökumene den entscheidenden Schritt auf die Einheit hin getan; dann tragen wir entscheidend dazu bei, dass die Welt erkennt, dass Jesus der Gottgesandte ist.

Wir feiern jetzt miteinander Eucharistie, wir begehen die "Feier der Danksagung". Wir sagen Dank unserem Vater im Himmel dafür, dass wir in seiner Liebe geborgen sind; dass seine Huld und Treue uns umfangen. Wir stehen verzeichnet in seinen Händen. Seine Huld und Güte, sein Stehen zu uns sind uns aber nicht zuteil geworden zum Privatgenuss, zum Privatvergnügen, sondern zur Mit-Teilung. Nur wenn wir Gottes Huld und Güte weitertragen, in unserem Leben als Christen ausstrahlen, in dieser Welt erfahrbar machen, nur dann erweist sich unser Glaube als überzeugend und echt. Nur dann erweist sich Jesus Christus als glaubwürdig. Beten wir darum, dass uns dies mehr und mehr gelingt.

 

Pfingsten: "Vom Wirken des Gottesgeistes"

Einführung

Das Pfingstfest ist die Frucht von Ostern, die Bestätigung der Auferstehung Jesu von den Toten und seiner Erhöhung in die Herrlichkeit des Vaters im Himmel. Pfingsten ist zugleich das Fest, das uns die bleibende Gegenwart des Herrn ins Gedächtnis ruft bei denen, die an ihn glauben; die zu seiner Kirche gehören: der Gottesgeist, den Jesus den Glaubenden verheißt und schenkt, ist der Geist der Wahrheit, der uns befreit von den Mächten des Diesseits, vom Un-Geist in dieser Welt, der oft mit Händen zu greifen ist. Darum rufen wir voll Vertrauen zu unserem Herrn:

    Herr Jesus Christus, du hast vor deinem Leiden deinen Jüngern den Heiligen Geist verheißen
    - Herr, erbarme dich!
    Dein Heiliger Geist wurde den Aposteln geschenkt, die mit deiner Mutter Maria im Gebet versammelt waren
    - Christus, erbarme dich!
    Dein Heiliger Geist hat die Apostel ermutigt, Zeugen deiner Herrlichkeit zu sein
    - Herr, erbarme dich!

Es erbarme sich unser der allmächtige Gott! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast uns den Gottesgeist versprochen, und du willst uns mit den Gaben des Heiligen Geistes überreich beschenken. Voll Vertrauen rufen wir zu dir:

  • Erfülle unseren Papst, die Bischöfe und alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, mit dem Geist der Weisheit!
  • Gieße allen Glaubenden den Geist der Liebe ein, der sie mit dir und untereinander verbindet!
  • Führe zur Einheit zusammen, die im Glauben voneinander getrennt sind!
  • Bewahre uns vor dem Un-Geist der Welt, und gib, dass wir uns vom Geist Gottes leiten lassen!
  • Heile durch deinen Geist die Wunden des Unfriedens und des Hasses in der Welt!

Herr Jesus Christus, du hast uns nicht ohne den Beistand des Gottesgeistes zurückgelassen. Dich loben und preisen wir mit dem Vater und dem Heiligen Geist jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Predigt

In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Paulus auf seiner dritten Missionsreise nach Ephesus kommt. Er findet dort einige Jünger und fragt sie: "Habt ihr, als ihr den Glauben angenommen habt, auch den Heiligen Geist empfangen?" Sie erwiderten ihm: "Wir haben noch gar nicht gehört, dass es den Heiligen Geist gibt." (Apg. 19, 2-3) Viele Christen müssten heute, wenn ihnen die gleiche Frage gestellt würde, wohl antworten: Wir haben im Religionsunterricht zwar früher einmal vom Heiligen Geist reden hören; wir sind auch getauft und gefirmt worden; aber damit erschöpft sich auch schon unser Wissen und unser Verhältnis zum Heiligen Geist. In unserem Leben haben wir von ihm eigentlich noch nie etwas gemerkt, gespürt. In der Tat: es erscheint uns reichlich wirklichkeitsfremd, vom Wirken des Gottesgeistes in unserer profanen Welt zu sprechen, in unserer Welt, die außerhalb des Heiligtums (das meint ja das Wort "profan") zu liegen scheint. Lässt sich das Reden des Neuen Testaments vom Heiligen Geist mit unserer Erfahrung einer profanen Welt vereinbaren? Diese Frage lässt sich lösen, wenn wir einmal darauf achten, wo und wie die Heilige Schrift von dem spricht, was der empfangene Gottesgeist im Glaubenden bewirkt.

Eine erste Wirkung des Gottesgeistes benennt Jesus am letzten Abend vor seinem Leiden und Sterben: "Wenn der Tröster kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in alle Wahrheit einführen." (Joh. 16, 13) Der geschenkte Gottesgeist bewirkt, dass wir einen Blick bekommen, eine neue Sicht für die Realitäten der Welt und des eigenen Lebens, und zwar in dem Sinn, dass wir von Gott her die Welt und ihr Gesetz erkennen und uns nicht von diesem Gesetz bestimmen lassen. Das Gesetz der Welt besteht letztlich darin, nicht mit Gott als einer Größe zu rechnen; nur sich selbst zu kennen und zu kultivieren. Das Gesetz der Welt ist das Gesetz der Macht, das Gesetz des Geldes, das Gesetz des Stärkeren. Wer aber nicht von Gott her denkt, der verfällt der Welt und ihrem Geist; der wird ihr Diener, ihr Sklave; er wird schließlich auch ihr Opfer. Stellen wir uns einmal die Frage: Von welchem Geist sind wir getrieben, werden wir bestimmt? Lassen wir uns vom Geist dieser Welt bestimmen, vom Geist der Selbstsucht und der Ehrsucht leiten? Oder lassen wir uns leiten vom Geist Gottes, vom Geist der Hingabe, der Liebe, der Ehrfurcht und der Brüderlichkeit?

Eine zweite Wirkung des Gottesgeistes: "Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit." (2. Kor. 3, 17) Zu dieser Freiheit von den innerweltlichen Mächten sind wir gerufen. Wie äußert sich aber diese vom Geist geschenkte Freiheit des Christenmenschen? Sie bedeutet in keiner Weise eine Bindungslosigkeit. Wollte ein Mensch alle Bindungen, in denen er lebt, durchschneiden, so würde er in die unduldsamste Tyrannei geraten, die es gibt: in das Eingeschlossensein und Verfallensein an sich selbst. Die Sklaverei des Egoismus zerstört den Menschen und seine Freiheit am grausamsten.

Die Freiheit der Kinder Gottes, von der Paulus immer wieder in seinen Briefen spricht, und die der Gottesgeist bewirkt, sieht zunächst nicht sehr einladend aus. Um frei zu werden, muss man sich binden lassen; muss man sich in den Dienst eines anderen begeben. Christliche Freiheit meint ein Leben aus der lebendigen Bindung an Gott, der uns in Jesus Christus zur Freiheit berufen hat. Sie meint nicht die äußerliche, die sklavenhafte Beobachtung des Buchstabens: "Der Buchstabe tötet; der Geist hingegen macht lebendig." (2. Kor. 3, 6) Die vom Gottesgeist geschenkte Freiheit meint auch nicht die Angst und die Furcht vor einem Gott, den wir durch unser Tun nie zufrieden stellen können; sondern meint die Liebe, die Zuversicht und das frohe Vertrauen auf seine Güte, die er uns zuteil werden lässt. Wir können nie aus seiner Liebe herausfallen. Wenn wir uns jedoch vom Buchstaben, vom bloß Gesetzhaften, von der Angst und Furcht leiten lassen, dann sind wir in der Gefahr, den Geist Gottes auszulöschen. Wo wir gefährdet sind, das möchte ich an einigen Punkten verdeutlichen.

Wir suchen angeblich die Klarheit eines nie schwankenden Glaubens; in Wirklichkeit aber wollen wir nur eine Unbezweifelbarkeit, die uns den wirklichen Glauben und das Wagnis der Glaubensentscheidung abnimmt. Christlicher Glaube lebt von der Freiheit, von der Bindung an ein Gegenüber, das mir nicht verfügbar ist und mir nicht das Wagnis des Glaubens erspart. Gott, der uns in Jesus Christus nahe gekommen ist, will als die Basis unseres Lebens ernst genommen werden. Wo immer das aber geschieht, wo Menschen Jesus Christus zur Basis ihres Lebens machen, da begegnen wir dem Wirken des Gottesgeistes.

Wir suchen angeblich die Macht des Geistes, der die Welt besiegt. Wir verlangen in Wirklichkeit aber nach einem irdisch überzeugenden Sich-durch-Setzen des Reiches Gottes. Wir stoßen uns an der Knechtsgestalt der Kirche: dass Gottes Gnade armseligen Menschen zuteil und anvertraut wurde. Wir weigern uns, Gottes Heil in dieser konkreten Kirche anwesend zu sehen. Und doch ist diese Kirche, diese konkrete Kirche das sichtbare Zeichen dafür, dass Gottes Gnade dem Menschen, dem wirklichen Menschen zuteil wird. Zu dieser Identifizierung mit der Kirche der Mühseligen und Beladenen, deren Hoffnung Gott allein ist, sollen wir bereit sein. Und auch hier gilt: Wo immer dies gelingt, wird der Mensch nicht vom Geist dieser Welt geleitet, sondern da ist Gottes Geist in ihm wirksam.

Wir meinen oft den Heiligen Geist der Freiheit zu suchen, und wir suchen in Wirklichkeit nach dem "Un-Geist, der uns die Ketten der eigenen Selbstsucht schlägt, statt uns in einer selbstlos gewordenen Liebe zu Gott zu führen. In der Liebe überwinden wir die Angst und die Furcht, uns selbst zu verlieren, wenn wir uns engagieren und uns dem Mitmenschen und seiner Not uns öffnen. Und auch hier gilt: Im Dasein für den Menschen vermitteln wir die Erfahrung des Weiterwirkens des Gottesgeistes.

Eine Voraussetzung für das Kommen und Bleiben des Gottesgeistes in unserem Leben dürfen wir nicht außer acht lassen. Gottes Heiliger Geist kam am ersten Pfingsttag auf Beter herab. Betenden Menschen wurde er zuteil als die Gabe, als das Geschenk des in die Herrlichkeit Gottes erhöhten Christus: "Ich lasse euch nicht als Waisen zurück." (Joh. 14, 18) Er ist der Geist der unverdienten und unverdienbaren Gnade. Ihn zwingen nicht unsere Taten herab; ihn kann auch nicht der Verzweiflungsschrei menschlicher Not zwingen. Er ist und bleibt das freie Geschenk von oben. Er würde im selben Augenblick weichen, wo wir ihn als unser Recht an uns reißen wollten. Wo der Mensch aber erwartet, obwohl er von sich aus nichts erwarten kann; wo er vertraut, ohne sich auf etwas zu berufen, was in ihm selbst ist, da betet er um den Heiligen Geist. Und dem so Bittenden teilt er sich mit; nicht weil er, der Betende, gut ist, sondern weil Gott die Liebe ist. Da kommt der göttliche Geist, weil er selbst - wie Paulus einmal sagt - im Betenden für ihn mit wortlosem Seufzen eintritt (vgl. Röm. 8,27). Vielleicht ist uns der Heilige Geist gerade deswegen so fremd geworden, weil wir nicht mehr betende Menschen sind, sondern nur noch Aktivisten, Funktionäre, Berufskatholiken, die meinen, das Entscheidende im Leben sei leistbar und erreichbar. Diesem Irrglauben müssen wir abschwören. Nur dem betenden Menschen wird die Gewissheit zuteil: Gott hat uns geliebt in Jesus Christus. Er lässt uns nie fallen. Er bleibt bei uns mit seinem Geist und bewirkt die stets neue und notwendige Umkehr weg vom Geist dieser Welt hin zum Denken Gottes.

 

Hl. Dreifaltigkeit: "Der Gott der Liebe ist dreifaltig"

Einführung

Das heutige Hochfest konfrontiert uns mit einer Wirklichkeit, die sich unserem Begreifen entzieht. Ein Gott, den wir Menschen begreifen könnten, wäre ja nur ein Götze; wäre nur die Ausgeburt, das Produkt unserer menschlichen Vorstellungen. Gott können wir nicht "begreifen", in den Griff bekommen. Wir können nur warten, dass er uns gleichsam einen Blick tun lässt in sein Innerstes, in sein Herz. Als Christen sind wir davon überzeugt, dass Gott dies getan hat in Jesus Christus. Er hat uns Gott offenbart als seinen Vater, der ihn in diese Welt gesandt hat; und der uns den Gottesgeist schenkt und so bei uns bleibt. Zu ihm, unserem Herrn Jesus Christus, wollen wir darum voll Vertrauen rufen:

    Herr Jesus Christus, du hast uns die Liebe Gottes, des Vaters, offenbart
    - Herr, erbarme dich!
    Durch dein Leiden hast du uns das Leben geschenkt
    - Christus, erbarme dich!
    Du bleibst bei uns im Heiligen Geist, den du uns gesandt hast
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Gott, unser Vater, du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt, damit wir das Heil erlangen. Im Heiligen Geist führst du durch die Zeiten dieses Werk der Heiligung weiter. Zu dir rufen wir voll Vertrauen:

  • Für die Kirche, die du gerufen hast, deine Botschaft zu verkünden: dass die Menschen auf ihr Wort hören und zum Glauben finden!
  • Für die Christen in aller Welt, die der Glaube an den dreifaltigen Gott verbindet: dass sie zur Einheit untereinander finden!
  • Für alle, die nicht mehr glauben: dass sie zu dir zurückkehren!
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie in der Gemeinschaft mit dir zu ihrer Vollendung gelangen!

Gott und Vater, du liebst uns und bist uns nahe. Das hast du uns gezeigt in deinem Sohn Jesus Christus und im Heiligen Geist, den du uns gesandt hast. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit! Amen.

Predigt

Ganz wohl ist vor allem dem Prediger nicht an diesem Tag. Denn wir alle sind mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die sich im letzten unserem Begreifen entzieht. Wenn wir uns daher Gedanken machen über den Inhalt des heutigen Dreifaltigkeitsfestes, oder besser: über den, von dem das heutige Fest spricht, dann geht es nicht um ein falsches Bescheidwissen-Wollen, das Gott durchschauen möchte. Ein Gott, den der Mensch begreifen könnte, wäre ja nur ein Götze, wäre nur ein Gebilde seiner Einbildung. Wir können als endliche Wesen den unendlichen Gott nicht "begreifen", in den Griff bekommen - wie wir ja selbst einen anderen Menschen, selbst wenn wir ihn gern haben, nicht restlos begreifen können. Wir wollen uns heute folgende Frage stellen: Was meinen wir eigentlich, wenn wir als Glaubende uns zum dreifaltigen Gott bekennen?

Christsein heißt vor allem: glauben, dass Gott ist; dass er existiert; dass es ihn gibt. Um diesen "Glauben", um dieses Bekenntnis geht es vor aller Heilsgeschichte. Der Kernpunkt unseres Christseins liegt darum in der Aussage: Gott ist da! Das erste Wort der christlichen Botschaft, das verkündet werden soll und muss, ist also Gott, der eine Gott. Die Welt hat nicht viele Herrscher. Nur der Mensch schafft sie sich immer wieder, auch wenn er sie heute nicht mehr mit den Gottesnamen belegt; wenn er sie also nicht mehr "Götter" nennt. Auch heute bestellt der Mensch neben oder an die Stelle des einen Gottes seine Götter: das Geld, das Brot, den Sexus, die Macht, die öffentliche Meinung. Aber es gibt nur den einen Gott, den einen Herrscher; es gibt nur den Schöpfer, der über der Welt steht und unter dem wir alle stehen.

Dass dieser eine Gott eine Wirklichkeit ist, das bedeutet: Er ist einer, der uns angeht. Er ist eine wirkende Macht. Er ist nicht ein in sich kreisendes Gestirn, dessen Existenz schließlich für uns Menschen belanglos sein könnte. Gott ist eine Wirklichkeit, das bedeutet auch: Er hat Macht über uns Menschen und über die Welt, auch heute noch. Wir haben mit ihm zu tun; Gott kann uns hören; er kann mit uns reden. Gott kann uns lieben; und wir können seine Liebe empfangen. Damit sind wir angelangt bei der Aussage, dass dieser eine, dass dieser "wirkliche" Gott "dreifaltig" ist. Und diese Aussage steht nicht irgendwo am Rande des Christlichen, sondern stellt seinen Kern dar. Ich sagte: dass Gott uns Menschen liebt. Er tut dies, weil er die Liebe ist. Der Satz: Gott ist die Liebe, kann nur bedeuten: Er existiert in einer Dreiheit. Als Liebe ist er von jeher, ist er in sich und seinem Wesen nach Begegnung von Ich und Du und gerade so die höchste Einheit. Das bedeutet zunächst:

Gott ist Vater. Die Erfahrung menschlicher Vaterschaft kann hier eine Ahnung dessen geben, was und wie Gott selber ist, und wie er zu uns ist. Freilich, wo es Vaterschaft nicht mehr gibt, wo wirkliche Vaterschaft in ihrem Ineinander von Kraft, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit und herzlicher Güte nicht mehr erfahrbar wird, da wird auch die Rede von Gott als Vater leer. Das ist vielleicht die eigentliche Krise unseres Gottesbildes, dass weitgehend das entsprechende "Abbild" nicht mehr besteht. Insofern ist in der Tat das Getauftwerden auf den Vater und den Sohn mit dem Heiligen Geist auch in dieser Richtung ein sehr konkreter Anspruch: sich für die Möglichkeit öffnen, sein Leben so zu gestalten, dass es eine Analogie Gottes sein kann. Wenn wir hinzunehmen, dass die Bibel ganz bewusst in das Bild des Vaters auch die Idee "Mutter" mit hineinnimmt; dass die Bibel einen Vater uns vor Augen stellen will, in dem auch das wahre Wesen der Mutterschaft verwirklicht ist, dann zeigt sich hier eine ebenso persönliche wie soziale Forderung der Taufe: von diesem himmlischen Vater her selber Vater oder Mutter zu werden; den Vater im Himmel damit anschaubar und erkennbar zu machen in der Welt; ihr jene soziale Grundeinheit "Familie" zu erhalten, die der erste Name Gottes ist.

Allerdings, keine Vaterschaft auf Erden kann genügend Gottes Vatersein abbilden. Wenn wir Christen Gott Vater nennen, dann ist das nicht die Projektion einer irdischen Sozialstruktur in den Himmel hinauf; es ist vielmehr die göttliche Kritik aller irdischen Verfassungen. Was Vatersein heißt, was ein Vater sein sollte, das erfahren wir im Zueinander dieses Vaters mit seinem Sohn. Dieser "Dialog" setzt einen neuen Maßstab, der alle Analogien umwirft. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Heilige Schrift, besonders das Alte Testament, von Gott oft noch in einer Weise spricht, als sei er ein unberechenbarer Despot, ein Menschen-Verächter. Die Bibel bleibt aber nicht bei diesem Bild stehen. Allmählich wird dieses Bild vom Vater im Himmel gereinigt, umgebrochen und schließlich geradezu auf den Kopf gestellt. Nun setzt Gott den Maßstab des Redens über ihn, nicht mehr die Vorstellung von uns Menschen. Jetzt gilt nicht mehr: die menschliche Vaterschaft gibt eine Ahnung von dem, was und wer Gott ist; es ist umgekehrt: der Dialog Gottes als Vater mit seinem Sohn bestimmt von jetzt an, was Vaterschaft ist und setzt ihr das Maß. Die Umkehr des menschlichen Verstehens Gottes ist also erst dann an ihrem Ziel, wenn das Vatersein Gottes im Zueinander, im Miteinander von Vater und Sohn deutlich wird; in dem Augenblick also, in dem die Vaterschaft als Gott selbst zugehörig erkannt wird.

Die Rede von Gott als Vater wird also erst vollständig durch die Rede von Gott dem Sohn. Der Sohn freilich ist nicht anders zu benennen als in seiner Menschwerdung: es ist Jesus, der Christus. Insofern muss sich die Rede von Gott, wenn sie denn "christlich" sein soll, in die Heilsgeschichte hinein öffnen. In der Person Jesu ist der himmlische Vater sichtbar: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen... Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin, und dass der Vater in mir ist?" So antwortet Jesus dem Philippus im Abendmahlsaal auf seine Bitte hin: "Zeige uns den Vater!" (Joh. 14, 8-10) Die Erlösungstat Jesu ist getragen vom himmlischen Vater; sie ist auch getragen vom Geist Gottes, d. h. von der Liebe, die Gottes Wesen ausmacht; einer Liebe, die fruchtbar wird auch in und unter den Glaubenden - oder mit den Worten des heutigen Evangeliums: "Wenn jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen... Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein... (Der Geist der Wahrheit) wird von dem nehmen, was mein ist."

Wir feiern nun miteinander Eucharistie. Wir sagen Dank dafür, dass wir in Gott den Halt unseres Lebens gefunden haben. In Jesus Christus ist uns offenbar geworden, dass Gott unser Vater ist, dem wir nicht gleichgültig sind. Darum werden in den Tagesgebeten der Heiligen Messe immer wieder unsere Bitten an den Vater unseres Herrn Jesus Christus gerichtet, dessen Heiliger Geist die Liebe ist: die Liebe als die Grundeigenschaft Gottes selbst; die Liebe, die sich auswirkt, die offenbar wird in der Zuwendung zu uns. Dafür können wir immer nur von Herzen Dank sagen.

 

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