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Osternacht: "Erschütterung am Ostermorgen"

Predigt

Der Abschnitt aus dem 16. Kapitel des Markus-Evangeliums, den wir eben gehört haben, ist unvollständig. Es gehört dazu noch der Vers 8: "Da flohen die Frauen eilig aus der Grabhöhle; denn Zittern und Staunen hatte sie erfasst. Sie sagten deshalb niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich." Warum wird dieser Satz nicht gelesen, im Text der Liturgie gleichsam unterschlagen? In der Tat, vor diesem Satz, der zur Osterbotschaft des Markus gehört, stehen wir etwas ratlos da. Irgendwie wissen auch wir - wie die Liturgie-Experten - nicht, wie dieser Satz sich vereinbaren lässt mit dem Osterjubel, mit dem Jubel der Liturgie der Osternacht. Lehrt uns dieser Satz nicht eher das "Fürchten"? Ist es wirklich die Absicht des Evangelisten gewesen, sein Evangelium, seine "Frohbotschaft" mit den Worten enden zu lassen: "Denn sie fürchteten sich"? Ich meine, es sei nicht nur interessant, sondern unbedingt wichtig, uns Gedanken zu machen, um die eigentliche Aussageabsicht des Evangelisten zu erkennen, und danach zu fragen, ob nicht vielleicht in dieser ungekürzten Ostererzählung Licht auf Fragen, auf Situationen der Kirche, ja unseres eigenen Lebens fällt.

Die Auferstehung Jesu wird von Markus bezeugt als die Tat Gottes selbst: "Er ist auferweckt worden." Das Passiv weist klar auf das Wirken Gottes hin. Gottes Taten aber bleiben immer und notwendigerweise dem forschenden Zugriff des Menschen entzogen. Auch das Tun Gottes an Jesus in der Auferweckung entzieht sich dem Zugriff des Menschen. Das Osterereignis wird dem Menschen nur über das Erschrecken zugänglich. Die Wurzel allerdings dieses Erschreckens, das der Evangelist Markus in immer neuen Wendungen fast überstark hervorhebt, ist nicht die Panik, also jenes Erschrecken, das den Menschen kopflos macht; es ist vielmehr das "Staunen" - von den Frauen heißt es ausdrücklich, dass Zittern und Staunen sie ergriffen hatte; im Griechischen steht das Wort "ekstasis", was so viel bedeutet wie "außer sich sein", "staunen". Josef Pieper sieht in der Erschütterung, die der Staunende erfährt, die Erschütterung des bis dahin Selbstverständlichen, das nun plötzlich seine Selbstverständlichkeit verliert.

In welcher "Selbstverständlichkeit" sind die Frauen, die zum Grab gekommen sind, um den Leichnam Jesu zu salben, erschüttert worden? Offensichtlich ist die Selbstverständlichkeit dessen, was sie bislang unter "Leben" verstanden haben, durch die Erlebnisse am Grab völlig in Frage gestellt worden. Sie kannten bislang nur ein irdisches, ein leibhaftes Leben, wie es sich ihnen in der alltäglichen Erfahrung zeigte, ein Leben, das den Keim des Todes in sich trägt. Nur zu gut wussten sie das; das hatten sie ja in diesen Tagen wieder schmerzlich erfahren: im Miterleben des Todes Jesu, den sie so sehr liebten. Diese Sicherheit zu wissen, was Leben heißt, was Tod heißt, wird erschüttert, zerstört durch eine ganz neue, noch nie da gewesene Erfahrung; eine Erfahrung, die sich offensichtlich nicht aus dem Augenschein ableiten lässt, sondern einen ganz anderen Ursprung hat. Sie wird ausgelöst durch die Engel-Offenbarung: "Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier... Geht hin und sagen seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voran nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat." Hier in der Begegnung mit dem Engel geht den Frauen auf, dass der Herr nicht tot ist, sondern dass er lebt; ja, dass dieses Leben, in das der Herr eingegangen ist, Leben im eigentlichen Sinn ist. Der Herr lebt in einem neuen Leben, das dem Zugriff des Todes entzogen ist. Was die Frauen - wie viele gläubige Juden - für die messianische End- und Heilszeit erwarteten, damit werden sie nun unerwartet konfrontiert. Das wühlt sie auf; das löst Furcht und Schrecken aus; das versetzt sie in Staunen; das lässt sie fliehen.

Diesen "Schrecken", diese Erschütterung all ihrer bisherigen Vorstellungen mussten die Frauen erst verarbeiten - übrigens auch alle Jünger, die dem auferstandenen Herrn begegnen. Immer wieder muss Jesus sie ja ansprechen: "Fürchtet euch nicht!" Die Erkenntnis musste sich erst in ihnen Bahn brechen: der von ihnen verehrte und geliebte Jesus lebt in einem neuen, unvergleichlichen Leben; er bleibt ihnen gegenwärtig; sie werden ihn wieder sehen. Ja, auch ihnen selbst ist durch den auferweckten Herrn dieses Leben zuteil geworden, das der Macht und dem Zugriff des Todes entzogen ist. Auch ihr Leben ist hinübergerettet aus dem irdischen Tod in ein unverlierbares, unzerstörbares Leben bei Gott. Auch das ist eine Einsicht, die sie überrascht, die sie trifft und aufwühlt.

Und damit wird - so meine ich - die Bedeutung unseres Textes für die Kirche, d. h. für die Glaubenden, auch für uns selbst sichtbar. Wie oft leben wir auch als Glaubende in einer bedenkenlosen Selbstverständlichkeit dahin: im Beruf, in unserem Christsein, bis ein Ereignis, ein Erlebnis, ein Widerfahrnis uns innerlich aufwühlt, aus der Bahn wirft, erschüttert. Dann werden wir, dann wird die Kirche darauf hingewiesen, fast mit gnadenloser Härte, wie fragwürdig, wie ungesichert unser Leben ist, wie oberflächlich. Einer solchen Erschütterung darf die Kirche, dürfen wir nicht ausweichen, ihr davonlaufen. Vielmehr sollten wir das zum Anlass nehmen, uns wieder zu besinnen auf den tragenden Grund unseres Daseins. Die Kirche und wir selbst sind letztlich nicht das Produkt der eigenen Planung, des eigenen Wollens und Tuns. Unser Leben ist vielmehr im Letzten Gabe, Geschenk - Geschenk der Liebe Gottes. Unser Leben ist aufgehoben in der Liebe Gottes. Er lässt uns nie fallen. Haben wir diese "Wahrheit" unseres Glaubens eigentlich schon so richtig "realisiert"? Sind wir von ihr in einem eigentlichen Sinn "erschüttert"? Sind wir überhaupt noch einer solchen Erschütterung, eines solchen Erschreckens fähig? Geht uns die christliche Botschaft eigentlich noch unter die Haut, ans Lebendige? Oder sind die Grundgegebenheiten unseres christlichen Glaubens zu Leerformeln erstarrt?

Die Worte des Markus-Evangeliums vom Erschrecken, vom Staunen der Frauen am leeren Grab des Herrn können uns aufmerksam machen auf das absolut Neue und Einmalige, auf das völlig Unerwartete, das an Ostern geschehen ist. Wenn wir wirklich Glaubende sein wollen, dann können wir es nicht anders sein denn als "Betroffene", als "Erschütterte", als solche, die nicht festgefahren sind in Lieblingsvorstellungen; die vielmehr danach fragen, wie sie dem begegnen können, der ihnen nach Galiläa vorausgeht. Auch wir sollen uns wie die Jünger auf den Weg machen nach dem Galiläa unseres Lebens. Dann wird auch uns einmal die beseligende und zugleich erschütternde Begegnung mit ihm zuteil werden, in der wir sprechen können: "Mein Herr und mein Gott!"

 

Ostersonntag: "Wettlauf der Liebe"

Einführung

Immer wieder, wenn der auferstandene Herr sich seinen Jüngern zeigt, grüßt er sie mit der Anrede: "Fürchtet euch nicht!" Die Jünger, wir alle dürfen aufatmen. Wir dürfen die verriegelten Türen auftun. Denn der Herr hat einen neuen Anfang gesetzt. Unser Leben steht von nun an unter dem Licht seiner siegreichen Liebe. Er hat die Macht des Todes gebrochen und uns wieder geboren zu einer lebendigen Hoffnung. Dafür sollten wir ihm Dank sagen. Und damit wir dies in der rechten Weise tun können, wollen wir uns wieder auf das besinnen, was er für uns getan hat; und wir wollen ihn um sein Erbarmen anrufen.

    Herr Jesus Christus, du bist am Kreuz für unsere Sünden gestorben
    - Herr, erbarme dich!
    Du bist am dritten Tage auferweckt worden in Herrlichkeit
    - Christus, erbarme dich!
    Du bist den Jüngern erschienen und hast ihnen den Glauben geschenkt
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Unser Herr Jesus Christus hat uns aus dem Leid zur Freude geführt, aus der Bedrückung in die Freiheit, aus dem Tod zum Leben. Darum rufen wir voll Vertrauen zu ihm:

  • Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden: dass sie Zeugnis gibt von der österlichen Freude!
  • Für die Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden: dass sie im Bekenntnis zu dir, dem Auferstandenen, standhaft bleiben!
  • Für die Vielen, die in ihrem Glauben irre geworden sind: dass sie zurückfinden zu dir, ihrem Erlöser!
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie in dir den Frieden und die Freude finden, auf die sie gehofft haben!

Herr Jesus Christus, du hast dich offenbart als den Herrn über den Tod und uns ewiges Leben verheißen. Wir danken dir für diese österliche Botschaft heute und alle Tage. Amen.

Predigt

Nicht selten erleben wir nach Tagen der lebendigen Glaubenserfahrung die Rückkehr in den kirchlichen Alltag, in die kirchliche Wirklichkeit wie eine kalte Dusche. Diese Wirklichkeit wird von vielen nicht als Stütze ihres Glaubens erfahren, sondern eher als etwas, das den glimmenden Docht der eigenen Glaubensbereitschaft auszulöschen droht. Auf der einen Seite steht der befreiende Glaube an den auferstandenen Herrn, der unter uns lebendig und nicht mehr im Grab menschlicher Traditionen ist. Auf der anderen Seite erleben wir konkrete Kirche, in der die Selbstbehauptung und die Angst stärker zu sein scheinen als die Hoffnung und das Vertrauen auf den auferstandenen Herrn.

Wir haben soeben einen Evangeliums-Text gehört, der uns zeigen kann, wie beides zusammengehört; und wie unsere Liebe zu Jesus Christus, wie unsere Begeisterung für ihn sich in der Liebe zu dieser Kirche, zu seiner Kirche, gerade auch zur "konkreten", d. h. zur "durchwachsenen" Kirche dazugehört. Die beiden Jünger, die zum leeren Grab laufen, sind Symbolgestalten - die christliche Tradition hat es immer so gesehen. Da ist auf der einen Seite der Jünger, den der Herr liebte, Johannes; er steht für die lebendige Christusliebe, die den Herrn schneller erkennt und die Zeichen der Zeit zu deuten vermag; die die Wirklichkeit der Auferstehung des Herrn eher begreift. Johannes verkörpert jene Gestalten, die früher spüren, was es heißt, dass die Botschaft Jesu nicht toter Buchstabe ist, sondern Leben weckt und spendet.

Aber in der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn will dieser Jünger nicht allein sein. Er will nur zusammen mit seinem Bruder Petrus Ostern erfahren. Er geht nicht allein in das Grab; er wartet auf Petrus. Ja, er lässt ihm den Vortritt. Es ist sicher nicht gegen den Sinn unseres Textes, wenn wir im Bild des Petrus das kirchliche Amt, ja die Gesamtheit der Kirche sehen, die oft viel Zeit braucht, um Einsichten zu vollziehen, die wache Gruppen in ihr früher haben. Dieselbe Liebe, die den Lieblingsjünger antreibt, dem Petrus voraus zu eilen, treibt ihn auch, auf Petrus Rücksicht zu nehmen; sich nicht im Alleingang abzusondern, wenn es darum geht, dem auferstandenen Herrn zu begegnen. Denn derselbe Herr, der den Lieblingsjünger ruft, ist auch bei Petrus. Ostern ist also nicht eine individualistische Christus-Begegnung von charismatisch begabten Einzelnen, sondern Ostern hat zu tun mit Kirche insgesamt, mit der Gemeinschaft aller Glaubenden. Ostern hat es zu tun mit dem Glauben, dass der Auferstandene nicht nur bei mir, bei uns, bei unserer Gruppe ist, sondern auch bei den anderen, bei den Langsamen; bei denen, die schwer von Begriff sind. Ostern hat es zu tun mit der Hoffnung, dass die ganze Kirche diesen Weg geht, wenn es wirklich der Weg des Herrn ist. Wenn nicht die ganze Kirche nachkommt, dann war das ganze Laufen der elitären Gruppe nur der Weg in eine Sackgasse, nur ein Irrweg. Und erleben wir das nicht immer wieder heutzutage?

Außerdem sollten wir bedenken: Keineswegs ist Petrus, ist die Kirche immer nur der Langsame gewesen. Immerhin haben die Mit-Apostel sich nicht am Wettlauf zum Grab beteiligt; nach dem Lukas-Evangelium war es übrigens nur Petrus gewesen, der zum leeren Grab gelaufen ist. Oft war Petrus sogar den anderen voraus. Wie oft war seine scheinbare Langsamkeit die Rücksichtnahme auf das Unvermögen der durchschnittlichen Gläubigen. Und stimmt es denn eigentlich, ist es nicht Arroganz, wenn eine charismatische Gruppe sich einfach in der Rolle des Lieblingsjüngers sieht und die anderen, die Amtskirche, den großen Haufen mit Petrus identifiziert, dem wir etwas Zeit lassen müssen? So schnell jedenfalls lassen sich Petrus und Johannes nicht vereinnahmen für unsere Parteiungen, mögen sie sich "progressiv" oder "konservativ" benennen. Fragwürdig ist doch allemal die Selbstverständlichkeit, mit der wir unseren Weg für den Weg des Herrn halten und den anderen allenfalls Zeit lassen, in unsere Richtung mit zu marschieren. Es könnte ja sein, dass wir einen anderen Weg einschlagen müssen; dass wir einen Holzweg gegangen sind. Es könnte ja sein, dass Petrus einmal auf uns wartet, auf uns warten muss; uns Zeit lässt und Geduld mit uns hat. Vielleicht ist Petrus oft viel näher beim Herrn als wir; mehr mit dem Herrn vertraut.

Denn nicht darauf kommt es an, dass wir uns dem Herrn näher wähnen und meinen, wir seien es, die großmütig auf die anderen Rücksicht nehmen und sie ertragen. Es gibt in der Kirche Jesu Christi nur ein gegenseitiges Tragen und Ertragen. Alle die verfehlen das Grundgesetz christlicher Liebe, die sich nicht bewusst bleiben, dass sie in der Gemeinschaft der Kirche immer mehr empfangen als geben; dass sie mehr von der Kirche leben, als diese von ihnen; dass sie mehr ertragen werden, als sie andere tragen. Wir alle (das sagen uns die Ereignisse der österlichen Tage, sein Tod und seine Auferstehung) sind schwerfällig und aufeinander angewiesen. Wir alle müssen gemeinsam den Herrn suchen und aufeinander warten. Wenn wir der Meinung sind, "Johannes" zu sein, dann können wir das nur glaubwürdig tun, indem wir "Petrus" den Vortritt lassen. Ja, wir müssen sogar damit rechnen, dass er in Wirklichkeit näher am Grab ist und mehr auf uns wartet, als wir auf ihn; dass er den Herrn mehr liebt als wir: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? - Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe." Ostern heißt: daran glauben, dass der Herr in dieser Kirche, in dieser konkreten Kirche, in der Kirche der Mühseligen und Beladenen, in der Gemeinschaft derer, die an ihn als ihr Heil glauben, lebendig ist; dass er sich zeigt im Aufeinanderwarten, im Respekt voreinander. Ostern ruft uns dazu auf, dass wir einander annehmen in Liebe. Diesen "Wettlauf der Liebe" gilt es - damals wie heute - zu beginnen, zu vollenden. Nur so sind wir alle erst in Wahrheit die Kirche des auferstandenen Herrn.

 

2. Ostersonntag: "Mein Herr und mein Gott"

Einführung

Der heutige Sonntag wird der "Weiße Sonntag" genannt - und zwar nach den weißen Taufkleidern, die die Neugetauften von der Osternacht an bis zum heutigen Sonntag trugen. Nun begann für sie der Alltag des Christenlebens, die tägliche Bewährung ihres Glaubens an Jesus Christus. Viele von uns begehen den Weißen Sonntag als den Tag ihrer Erstkommunion. Wir erinnern uns an das brennende Licht der Kommunionkerze und an die Erneuerung des Taufgelöbnisses. Aber auch für uns kam damals die Erfahrung, dass unser Glaube im Alltag immer blasser wurde, verdunkelt durch unsere Sünden, durch unsere Fehler und Nachlässigkeiten. Wir wollen uns darum zu Beginn dieser Eucharistiefeier wieder an unseren Anfang erinnern. Wir wollen den Herrn um seine Vergebung, um seine Huld und Gnade bitten.

    Herr Jesus Christus, in dir sind wir erwählt zu einem heiligen und untadeligen Leben
    - Herr, erbarme dich!
    Durch dein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung unserer Sünden
    - Christus, erbarme dich!
    Durch unsere Gemeinschaft mit dir hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Lasset uns voll Vertrauen beten zu Gott, unserem guten Vater im Himmel, der seinen Sohn Jesus Christus verherrlicht hat, und der auch unser Leben zum Guten lenkt:

  • Für alle, die den Christennamen tragen: dass sie sich als ein Leib in Christus wissen um der einen Taufe willen, die sie empfangen haben!
  • Für die Kinder, die heute in vielen Gemeinden zum Tisch des Herrn geführt werden: dass sie sich von Christus ergreifen lassen und ihm die Treue halten, solange sie leben!
  • Für die Vielen, die lautlos die Kirche verlassen und ihre Taufe vergessen: dass Gott sie nicht verlässt und bei ihnen bleibt als der Vater, der seine Kinder liebt!
  • Für uns alle, die wir unseren Mitmenschen Gottes Güte nahe bringen sollen: dass wir dies nicht in Worten, sondern mit der Tag des Lebens tun!

Herr, unser Gott, du kennst uns und hältst unser Leben in deinen Händen. Gib uns allen ein gutes Herz, und mache uns für unsere Mitmenschen zu Boten deiner Liebe! Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Predigt

Wenn wir die Ostererzählungen der Evangelien hören, dann möchten wir fast neidisch werden. Denn wir haben ja - so meinen wir - nicht das Glück, dem auferstandenen Herrn zu begegnen; in seiner Nähe zu sein; ihn zu berühren. Wir haben aber auch mit den Erzählungen der Evangelien, mit den dargestellten österlichen Ereignissen unsere Fragen und Schwierigkeiten; wir hegen in unserem Herzen Zweifel. Ist das, was da erzählt wird; was wir im Glauben bekennen, eine Wirklichkeit oder nur ein frommes Wunschdenken? Ist es gar eine Einbildung, eine Illusion, eine Selbsttäuschung? Ist Jesus wirklich der Christus, der Sohn Gottes, Gott selbst?

Wenn wir das heutige Evangelium genauer ansehen, dann stellen wir - vielleicht verwundert - fest, dass dies nicht erst unser Problem ist. Gerade die Erzählung vom "Zweifler" Thomas macht deutlich, dass dies offensichtlich das Grundproblem der Christen von Anfang an gewesen ist. Diese "Geschichte" fragt uns, ob wir - wie die Christen aller Zeiten - bereit sind zum Glauben. Sie fragt uns, ob wir meinen, nur das, was sich in die Hände nehmen lasse, sei wirklich und wirkmächtig. Können wir noch die Oberfläche durchstoßen, das Dahinterliegende, die Innenseite der Dinge, der Ereignisse, der Menschen überhaupt sehen? Unsere Geschichte vom "Zweifler" Thomas fragt uns, ob wir noch zu dem Satz stehen: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" (Joh. 20, 29)

Die Erfahrung, die in diesem Satz deutlich wird, ist die Frage der Christen aller Zeiten, die nach der Generation der ersten Zeugen (der Apostel, der Jünger Jesu) ihren Glauben lebten und immer noch leben. Die unmittelbaren Zeugen des Lebens Jesu, seines Leidens und Sterbens, seiner Auferstehung sterben aus. Wie sieht der Glaube aus, der sich nicht auf das eigene Sehen, der sich nicht auf das Sehen anderer stützen kann? Gerade die Erzählungen des Johannes-Evangeliums weisen darauf hin: Es gibt ein Sehen, es gibt ein Erlebenwollen, es gibt ein Betonen des Sichtbaren und Greifbaren, das nicht zum Glauben hinführt, sondern geradezu das Gegenteil bewirkt: die Blindheit, den Unglauben. Im 6. Kapitel bei Johannes hält Jesus seinen Feinden entgegen: "Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht." (6, 36) Hier ist das Geheimnis der Verblendung und Verstockung berührt, jenes Nicht-begreifen-können, ja jenes Nicht-begreifen-wollen sogar bei manchen Jüngern Jesu. "Augenzeuge" im eigentlichen Sinn ist also nicht schon, wer die leibliche Gestalt wahrnimmt. Hier gilt die Warnung Jesu: "Das Fleisch nützt nichts; der Geist allein macht lebendig." (6, 63) "Augenzeuge" im eigentlichen Sinn ist erst, wer im Sehen des leibhaften Jesus mehr als nur seine äußere Erscheinung, mehr als nur ein Gespenst, mehr als nur einen "Gärtner" wahrnimmt, sondern dahinter die "Herrlichkeit Gottes" erkennt. Auch die Gegner Jesu haben ihn gesehen und gehört; sie haben seine Taten miterlebt. Sie waren aber nicht bereit, die dahinter aufleuchtende Wirklichkeit Jesu zu erkennen und anzuerkennen: dass in ihm, dass in diesem Menschen Gott selbst uns begegnet.

Auf dieses gläubige Sehen hinter dem unmittelbar Gegebenen, auf dieses Durchdringen der Oberfläche kommt es also an. Sinnenhaftes Wahrnehmen und Einsicht, die äußeren Sinne und der innere Sinn: beides gehört zusammen. In dieser Spannung leben wir Christen. Wir dürfen also nicht das Konkrete, das Lebendige, das, was von einem Menschen und von einem Ereignis sichtbar wird, das Sinnenhafte nicht abwerten, für unwichtig oder gar für überflüssig halten. Gerade wir Christen dürfen das nicht. Sonst wäre Glaube reine "Einbildung", reine Erfindung. Aus diesem Grund behält das Sehen und Hören der Augenzeugen, ihre Zeugnis über die Zeit des irdischen Jesus seine Gültigkeit und Notwendigkeit. Christlicher Glaube bleibt auch nach Ostern mit seinem geschichtlichen Anfang verbunden. Der Jesus, der gelebt und gelitten hat, und der Jesus, den Gott auferweckt und in seine Herrlichkeit erhöht hat, gehören zusammen. Der Jesus der Geschichte und der Christus des Glaubens sind identisch. Das bedeutet allerdings nicht, dass unser Glaube auf dem Hören und Sehen allein beruht; Hören und Sehen sind nur die Voraussetzungen des Glaubens. Der Grund des Glaubens, erst recht die Sicherheit unseres Glaubens, unseres von Ostern herkommenden Glaubens beruht nicht auf dem Sehen- und Erfahrenwollen der Menschen, sondern allein auf dem Sich-Zeigen des erhöhten, des auferstandenen Herrn. Der unerleuchtete Glaube nimmt auch nach Ostern in den "Erscheinungen" zunächst nur "Gespenster" wahr; er vermag nur einen "Gärtner" zu erkennen. Erst Jesu Zugehen auf die Jünger, auf Maria von Magdala öffnet die Augen. Erst das vom Herrn geschenkte Sehen, das glaubende Durchdringen des Vordergründigen erkennt Jesus als den erhöhten Herrn.

Die Jünger, die Frauen, Maria von Magdala, Thomas: sie alle haben nicht aus eigener Kraft den Herrn erkannt; ihnen wurde das Erkennen geschenkt, das zum Glauben an Jesus als den erhöhten Herrn führte. Gewiss, uns ist diese Gnade nicht zuteil geworden. Aber steht nicht auch in unserem Leben der Ruf in den Glauben, die Gnade sogar des Glaubens? Wir feiern miteinander jetzt Eucharistie. Wir sagen in dieser Feier Ja zu einer Form, zu einer Art und Weise der Nähe, des Bei-uns-seins Jesu, das wir vom Sichtbaren und vom Greifbaren allein nicht rechtfertigen können. Und doch sind wir überzeugt, im Essen des eucharistischen Brotes, im Trinken des Kelches dem Herrn selbst zu begegnen. Wir sind davon überzeugt, hinter den äußeren Gestalten von Brot und Wein den Herrn selbst wahrzunehmen. Ist das denn nicht die gleiche Situation, in der auch die Jünger damals gestanden haben? In der Maria von Magdala, in der Thomas gestanden hat? Es ist Gnade für uns, es ist das Geschenk des erhöhten Herrn, wenn wir dann trotz vieler Fragen und Schwierigkeiten sprechen können: "Gottheit, tief verborgen, betend nah ich dir!" Wenn wir mit Maria von Magdala sprechen können: "Rabbuni - mein Meister!" Wenn wir mit Thomas sprechen können: "Mein Herr und mein Gott!"

 

3. Ostersonntag: "Unter Jesu Segenshänden"

Einführung

Gerade in den österlichen Tagen wird uns bewusst: Wir versuchen an den Auferstandenen zu glauben. Aber wir leiden darunter, dass dieser Glaube nicht durch eine persönliche Erfahrung gedeckt ist. Wir fühlen uns fast benachteiligt gegenüber den ersten Jüngern, denen die Erfahrung des Auferstandenen zuteil geworden ist. Doch: auch sie mussten lernen: in der Weise der Erscheinungen bleibt der Herr nur vorübergehend unter ihnen. Er bleibt jedoch ständig da im Wort der Heiligen Schrift, im Brechen des eucharistischen Brotes, in der Gemeinschaft der Glaubenden: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Wir wollen darum den Herrn zu Beginn dieser Eucharistiefeier, der Feier des Brotbrechens, bitten, dass wir nicht taub und blind sind für die Weisen seiner Nähe und seiner Gegenwart.

    Herr Jesus Christus, du bist Weg und Licht für uns, du verlässt uns nicht
    - Herr, erbarme dich!
    Du besiegst den Tod, du brichst für uns das Brot
    - Christus, erbarme dich!
    Gieße uns den Glauben ein, hilf uns, Zeugen sein
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, in deinem Namen sind wir zusammengekommen zur Feier der Eucharistie, der großen Danksagung für dein gnädiges Handeln an uns Menschenkindern. Voll Vertrauen kommen wir mit unseren Bitten zu dir:

  • Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden: dass sie unterschrocken die Botschaft von deiner erlösenden Liebe verkündet!
  • Für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft: dass sie sich um Frieden und Gerechtigkeit mühen!
  • Für die verfolgten Christen in den Ländern Afrikas und Asiens: dass sie die Kraft erhalten, ihrem Glauben treu zu bleiben!
  • Für unsere Verstorbenen: dass ihre Hoffnung auf das ewige Osterfest bei dir Erfüllung findet!

Herr Jesus Christus, du hast uns erlöst und uns die Hoffnung auf eine endgültige Vollendung gegeben. Wir danken dir für diese Gewissheit - heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Predigt

Bis zum heutigen Tag wird darüber diskutiert und gestritten: Was ist nach dem Tod Jesu mit seinen Jüngern geschehen? Wie kamen sie dazu, von der Auferstehung Jesu zu sprechen? Sind sie ihren eigenen Einbildungen aufgesessen? Haben sie sich eingeredet: "Das Werk Jesu kann doch mit seinem Tod nicht zu Ende sein! Dieses Werk muss weitergehen!" Kommen sie von dieser Überzeugung her zu der Behauptung: "Wir haben ihn gesehen; er ist uns erschienen; er lebt!" Bringen die Jünger aus sich selbst den Auferstehungsglauben hervor, weil sie an Jesus festhalten wollen, weil sie seine Botschaft weitertragen wollen?

Wenn wir uns vom Evangelium belehren lassen, dann sind es keineswegs die Jünger, von denen das Zeugnis der Auferstehung ausgeht. Sie waren ja vom Tod Jesu zutiefst enttäuscht; sie hatten ihre Erwartungen aufgegeben. Sie stellten zwar fest, dass das Grab leer war. Aber das konnte sie nicht zum Glauben an die Auferstehung bewegen. Die Initiative dazu geht von Jesus selbst aus. Er tritt auf sie zu. Er zeigt sich ihnen. Und er hat Mühe, ihren Schrecken, ihre Zweifel und Bedenken zu überwinden; sie zu überzeugen, dass er es ist; dass er kein Gespenst ist. Wenn Jesus ihnen seine Hände und seine Füße zeigt, die die Male der Nägel aufweisen, dann will er die Seinen davon überzeugen, dass er es selber ist, ihr Herr, der am Kreuz gestorben ist. Wenn gesagt wird, dass er sie zum Berühren auffordert, dass er sich Speise bringen lässt, dann soll deutlich werden, dass er kein Gespenst ist; dass er wirklich vor ihnen steht.

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, heißt allerdings nicht, dass er aus dem Tod in das irdische Leben zurückgekehrt ist; dass er in der gleichen Weise wie vorher bei seinen Jüngern ist und von neuem auf den Tod zugeht. Jesu Auferstehung von den Toten besagt vielmehr, dass ihm, der am Kreuz gestorben ist, und der tot ins Grab gelegt wurde, ein neues Leben geschenkt wurde, ein allem Tod überlegenes, ein endgültiges Leben geschenkt wurde - von Gott! Nicht einem Gespenst und nicht einer Einbildung sind die Jünger aufgesessen. Ihnen ist vielmehr Jesus in einer neuen Lebendigkeit und Wirklichkeit begegnet. Er selber hat die Jünger davon überzeugt, dass er den Tod überwunden hat und lebt. Er selber hat sich als Lebenden zum Inhalt ihres Zeugnisses gemacht.

Der auferstandene Herr grüßt seine Jünger: "Friede sei mit euch!" Die österliche Gabe des Herrn an die Seinen ist sein Friede. Von welcher Art aber ist dieser Friede? Jesus gibt den Jüngern keine Garantie, dass sie zeitlebens ihre Ruhe haben; dass sie ein not-, leid- und sorgenfreies Leben führen können. Denn auch er selber wurde nicht vor Leid und Tod, vor Ablehnung und Feindschaft bewahrt. Aber der Gekreuzigte ist auch der Auferstandene. Er steht vor seinen Jüngern als der todüberlegen, als der unzerstörbar Lebendige. So zeigt er den Seinen, dass es für sie die totale Gefährdung im totalen Untergang nicht gibt. Nicht einmal der Tod kann ihnen, kann uns endgültig etwas anhaben, viel weniger die anderen Nöte, die unser Leben beeinträchtigen. Die österliche Gabe Jesu ist also nicht der Friede eines ungestörten Lebens, sondern der Friede in der Sicherheit und in der Geborgenheit, die von der Macht und Liebe Gottes ausgehen.

Als der Auferstandene öffnet der Herr den Seinen die Augen dafür, dass sein Todesschicksal gottgewollt war. Er öffnet ihnen die Augen für den Sinn der Schrift, so wie er es schon gegenüber den Emmaus-Jüngern getan hat. Mit seinem Tod und mit seiner Auferstehung ist aber auch der ganze Inhalt der Botschaft gegeben, die bei allen Völkern verkündet werden soll. Im Namen Jesu, von all dem her, was durch sein Wirken, durch sein Leiden und durch seine Auferstehung kundgeworden ist, ist bei allen Völkern Umkehr und Vergebung der Sünden zu verkünden. Zu dem Gott, der an Jesus seine Liebe und seine Macht erwiesen hat, sollen alle Menschen umkehren; zu diesem Gott sollen sie sich voll Vertrauen hinwenden.

Der Auferstandene bestätigt auch seine Jünger als seine Zeugen. Alle Verkündigung muss von diesen Zeugen ausgehen. Diese Verkündigung beruht nicht auf Spekulationen und persönlichen Meinungen; sie beruht auf geschichtlichen Vorgängen und auf der Unterweisung Jesu. Aus diesem Grund kann sie nur von denen herkommen, die Jesus begleitet und gehört haben; denen er sein Schicksal erschlossen hat. Sie sind die Augenzeugen. Alle Weitergabe der Botschaft hängt davon ab, dass ihre Augen zuverlässig gesehen haben; dass sie den Dienst am Wort treu geleistet haben. Dieser gewaltigen Aufgabe sind sie aus eigenen Kräften nicht gewachsen. Darum kündet Jesus ihnen die Gabe an, die der Vater im Himmel verheißen hat. Er wird sie mit der Kraft aus der Höhe erfüllen; er wird ihnen den Gottes-Geist senden. Dieser wird sie befähigen, das Werk und die Auferstehung ihres Meisters überzeugt und unerschrocken zu verkünden. Von diesem göttlichen Geist lebt der Mut und die Überzeugung ihrer Verkündigung. Dieser Geist verbindet sie mit Gott; dieser Geist zeigt ihnen, was Gott in Jesus vollbracht hat. Auch wenn Jesus nicht mehr sichtbar bei ihnen ist, begleitet er sie auf ihren Wegen; er ist der Gastgeber bei ihrer Tischgemeinschaft; er ist lebendig in ihrem Verständnis der Schrift; er ist lebendig in ihrem Wissen um sein vollendetes Leben. Er verlässt die Seinen mit erhobenen Segenshänden. Sein Segen bleibt bei ihnen zurück. Unter seinem Segen wird ihr ganzes Leben und ihr ganzes Werk stehen. Unter seinem Segen steht das Leben aller, die an Jesus Christus, an den auferstandenen Herrn glauben.

Wenn wir nun miteinander Eucharistie feiern, wenn wir die Feier der Danksagung vollziehen, dann sollte dies unser Herz erfüllen: dass der Herr auch uns nicht allein lässt; dass wir in ihm den Halt für unser Leben gefunden haben. Mögen auch mancherlei Zweifel und Fragen, mögen Not und Tod uns bedrohen und bedrängen: wir wissen uns geborgen beim Herrn. Der heilige Paulus wird diese Überzeugung in seinem Brief an die Römer so formulieren: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?... Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (Röm. 8, 35. 38)

 

4. Ostersonntag: "Jesus - der Gute Hirt"

Einführung

Am heutigen Sonntag wird das Evangelium vom "Guten Hirten" verkündet. Es weist uns hin auf unseren Herrn, dessen ganzes Leben Dienst war für uns; Hingabe für die Seinen. Er ist der Maßstab für unser Dienen in der Kirche und in der Welt, ob wir Priester sind oder Laien. Prüfen wir zu Beginn dieser Eucharistiefeier, wie es mit unserer Dienstbereitschaft steht; und bitten wir den Herrn um Vergebung, weil er an uns oft nur die Gesinnung des Mietlings findet.

    Herr Jesus Christus, du bist der Gute Hirt
    - Herr, erbarme dich!
    Du kennst die Deinen und die Deinen kennen dich
    - Christus, erbarme dich!
    Du führst uns alle zusammen zu einer Gemeinschaft des Friedens und des Dienens
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du bist der Gute Hirt deiner Herde. Du schenkst uns ewiges Leben. Du hast uns in deiner Hand, und niemand kann uns dir entreißen. Wir bitten dich voll Vertrauen:

  • Schau auf die Kirche und alle in ihr, die gerufen sind, dich, den Guten Hirten zu verkünden!
  • Schau auf die Verantwortlichen der Völker, dass sie dem Wohl und dem Frieden der Menschen dienen!
  • Schau auf die Mütter und Väter, die ihre Kinder auf die Zeichen achten lehren, durch die du deinen Weg zu erkennen gibst!
  • Schau auf die jungen Menschen, die das Leben noch vor sich haben und nicht wissen, wem sie folgen sollen!
  • Schau auf alle, die trotz der vielen Parolen heute deine Stimme, die Stimme des Guten Hirten vernehmen wollen!

Vater im Himmel, du hast uns in deinem Sohn Jesus Christus einen guten Hirten gegeben, der uns geleitet zu deiner Herrlichkeit. Dir sei die Ehre jetzt und allezeit und in Ewigkeit! Amen.

Predigt

Die Offenbarungsrede Jesu vom "Guten Hirten" erinnert mich an einen Kontrast-Text, in dem Friedrich Nietzsche die "letzten Menschen" kennzeichnet: "Wir haben das Glück erfunden - sagen die letzten Menschen und blinzeln. Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbarn und reibt sich an ihm; denn man braucht Wärme. Ein wenig Gift ab und zu; das macht angenehme Träume. Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus." "Kein Hirt und eine Herde!" - Das ist doch das Kennzeichen unserer Zeit. "Kein Hirt und eine Herde!" - Vielleicht geht uns mit diesem Kontrast-Bild besser auf, was Jesus meint, wenn er sich als den "Guten Hirten" bezeichnet; vielleicht geht uns besser auf, was Christsein eigentlich bedeutet; vielleicht geht uns auch auf, was Priestersein heißt.

Was meint Jesus mit seiner Rede vom "Guten Hirten"? Es geht hier nicht nur um einen Vergleich; wir haben es also nicht mit einem "Gleichnis" zu tun: "Ich bin mit einem guten Hirten zu vergleichen." Es ist vielmehr eine "Offenbarungsrede". Jesus macht eine Aussage über sich. Es wird nämlich eine Vollmacht, ein Vorrecht in Anspruch genommen, das im Alten Testament nur Gott selber zukam. Jesu ist derjenige (das will er deutlich machen), in dem die alttestamentlichen Verheißungen, die von Jahwe als dem Hirten Israels sprechen, ihre Erfüllung gefunden haben. Wir kennen den Eingangsvers von Psalm 23: "Gott ist mein Hirte - nichts wird mir mangeln." Und beim Propheten Ezechiel heißt es: "Siehe, ich selber werde mich meiner Herde annehmen und nach ihr sehen. Wie der Hirt nach seiner Herde sieht, so werde auch ich nach meiner Herde sehen und sie aus all den Orten befreien, wohin sie zerstreut worden sind am dunklen, finsteren Tage. Ich will sie weiden, wie es recht ist." (Ez. 34) Wenn der gläubige Jude, wenn wir Jesu Wort "Ich bin der Gute Hirt" hören, wenn wir dieses Wort auf dem Hintergrund der alttestamentlichen Verheißungen sehen, dann begreifen wir hoffentlich, was Jesus sagen will. In seiner Rede liegt der Anspruch: Ich bin der erwartete, der ersehnte göttliche Hirte Israels, der sich der Seinen annehmen wird. Und: Ihr habt mich als diesen göttlichen Hirten anzuerkennen, als den Christus, als den Sohn Gottes, als Gott selbst. Woran können wir denn erkennen, dass er tatsächlich dieser göttliche Hirt ist; dass wir es nicht mit dem Anspruch eines arroganten, eines größenwahnsinnigen Menschen zu tun haben? Wir können dies daran erkennen, dass er ganz für die Seinen da ist; dass er sein Leben einsetzt für seine Herde. Jesu ganzes Leben ist ein Dasein für die Menschen; für uns; er gibt sein Leben für uns, weil ihm an uns etwas liegt, weil er uns liebt. Er ist kein Mietling; er ist kein bezahlter Knecht, dem an den Seinen nichts liegt. Im Bild des Hirten will Jesus also seine göttliche Liebe zu uns ausdrücken: die Liebe, die niemals aufhört; die Liebe, die auch vor dem letzten Schritt nicht zurückscheut: sein Leben für die Seinen einzusetzen: "Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde. Ich gebe mein Leben hin für meine Schafe."

Doch jedes wirkliche Dasein für einen anderen Menschen gründet irgendwie auf Gegenseitigkeit. Das gilt schon im rein menschlichen Bereich. Dem Einsatz des Hirten für die Seinen muss entsprechen, dass auch diese sich ihm zu eigen geben. Der Mensch ist im allgemeinen wohl bereit, um seiner eigenen Sicherheit willen Gott in seinen Dienst zu stellen; mit Gott gleichsam eine "Versicherung" abzuschließen (wobei man - wie bei einem Versicherungsabschluss - im allgemeinen nicht wünscht, dass der Versicherungsfall eintritt!). Ist es uns aber wirklich ernst damit, dass Gott für uns eintritt, ganz für uns da ist? Wollen wir wirklich Gott als unseren Gott, der für uns da ist? Dann muss es uns nämlich auch ernst sein mit unserem Einsatz für Gott; dann ist für uns die Dankbarkeit selbstverständlich; die Dankbarkeit, die sich in der Tat unseres Lebens kundtut. Dann gibt es für uns nicht mehr den Dienst auf Zeit; das Christsein auf Zeit; das Priestersein auf Zeit. Hier merken wir, dass das Evangelium vom "Guten Hirten" uns betrifft. Sind wir bereit, uns diesem Hirten zu eigen zu geben in einem vorbehaltlosen Glauben, so wie er für uns da ist? Sind wir bereit, etwas von seiner Gesinnung, von Jesu Denken und Tun wirksam werden zu lassen in einem selbstlosen Einsatz; nicht irgendwo auf der Welt, sondern hier und heute in unserem konkreten Lebensbereich? Oder wollen wir in allem nur das eigene Schäfchen ins Trockene bringen? Haben wir Angst, uns selbst zu verlieren, wenn wir gut sind; wenn wir helfen; wenn wir dienen? Haben wir nur die Gesinnung des Mietlings, des bezahlten Knechtes?

An diesem Punkt ist über den Priesterberuf zu sprechen, zumal heute der Tag der Geistlichen Berufe ist. Wir können das im Grunde nur tun auf dem Hintergrund, den Jesus selbst uns aufgezeigt hat; den er uns vorgelebt hat. Und wie schon jeder Christ ein zweiter Christus sein soll, so soll es erst recht der Priester sein. Priestersein ist kein Brotberuf. Wer soziale Sicherheit sucht und seinen Unterhalt, sein Unterkommen; wer im materiellen Sinn sein Schäfchen ins Trockene bringen will, der ist fehl am Platz. Der hat nicht begriffen, dass er sich Gott und seinem Werk zur Verfügung stellen soll - ohne Bedingungen und ganz: Verfüge du über mich! Setze mich ein, wo und wie du willst! Erfülle mich mit deiner Liebe, damit ich anderen zeigen kann durch mein Leben, wie du bist. Wenn wir als Christen, wenn die Priester und die, die es werden wollen, für diese Melodie keine Ohren mehr haben, dann können wir mit unserem Christsein einpacken. Wer nur seine persönliche Erfüllung im Auge hat; wer nur seine Selbstverwirklichung betreibt, der hat nicht begriffen, dass in seinem Leben zeichenhaft die Selbstentäußerung Jesu Christi selber stehen muss. Das bedeutet selbstverständlich: Priestersein hat nichts zu tun mit einer Unfähigkeit zur persönlichen Liebe. Vielleicht ist heute (angesichts so vieler Lieblosigkeit gerade auf dem Gebiet, das man mit "Liebe" bezeichnet) gerade der Priester derjenige, der berufen ist, dessen wesentliche Aufgabe es ist: den Menschen die Augen zu öffnen für die wirkliche, für die echte Liebe: für selbstloses Dienen; für die Treue, mag kommen, was will; für Hilfsbereitschaft, ohne Lohn zu erwarten; für die Bereitschaft, sein Leben einzusetzen - obwohl der Priester auf eine Form menschlicher Liebe verzichtet hat. Ein Priester, der ein Egoist, ein Mietling, ein bezahlter Knecht ist, wäre eine Karikatur, ein Widerspruch in sich - allerdings nicht nur der Priester, sondern jeder Christ; freilich, ein egoistischer Priester fällt mehr auf! Ein Priester muss ein Hirte sein, ob es ihm passt oder nicht. Nur so wird im Zeichen seines Lebens deutlich, dass die Menschen nicht mehr eine hirtenlose Masse sind im Sinne Nietzsches: "Kein Hirt und eine Herde." Nur so wird zeichenhaft deutlich, dass Gott den Menschen liebt.

Lasst uns diese Anregung aus dem heutigen Evangelium mit in unseren Alltag nehmen: selbstlos zu werden, einsatz- und hilfsbereit, treu - weil Gottes Liebe und Treue unser Leben bedeuten! Und lasst uns den Guten Hirten Jesus Christus bitten, er möge Menschen, er möge uns Priester begegnen lassen, die uns diese Haltungen vorleben; die uns den Mut geben, den Weg des Guten Hirten zu gehen: den Weg der Selbstlosigkeit und des Dienens, den Weg der Treue und der Liebe.

 

5. Ostersonntag: "Jesus - der wahre Weinstock"

Einführung

Das Thema des heutigen Sonntags wird vom Evangelium bestimmt: Jesu Bildrede vom Weinstock und den Reben. Das Bild vom Weinstock bzw. vom Weinberg hat ebenso wie das vom Hirten seine Wurzeln im Alten Testament. Es geht Jesus um diese lebensnotwendige Einheit. Nur wer in der Verbindung mit Jesus bleibt, kann Frucht bringen: was er tut, hat Sinn und Wert vor Gott und in der Gemeinschaft der Glaubenden, also in der Kirche. Jesus Christus ist der wahre Weinstock - so wie er auch das wahre Licht und der Gute Hirt und das lebendige Brot ist. Besinnen wir uns darum wieder auf den Herrn, der uns das Leben gewährt, und bitten wir um die Kraft, aus dem Glauben an den Herrn zu leben.

    Herr Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin der wahre Weinstock
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast gesagt: Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen
    - Christus, erbarme dich!
    Du hast gesagt: Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast dich offenbart als den wahren Weinstock, der denen, die ihm verbunden bleiben, die Kraft gibt, Frucht zu bringen. Voll Vertrauen kommen wir daher mit unseren Bitten zu dir:

  • Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden: dass sie aus der Verbundenheit mit dir Zeugnis ablegt für dich und deine Botschaft!
  • Für alle, die sich Christen nennen: dass sie in deiner Kraft Früchte der Glaubenstreue und der Nächstenliebe bringen!
  • Für alle, die sich von dir getrennt haben: dass sie zurückfinden in die Gemeinschaft mit dir und mit der Kirche!
  • Für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern: dass sie bei dir die ersehnte Heimat und den Frieden finden!

Mit diesen Bitten kommen wir zu dir, unserem Herrn und Heiland, ohne den wir nichts vollbringen können. Erhöre diese Bitten, der du lebst und herrschst heute und alle Tage. Amen.

Predigt

Mit dem Bildwort vom Weinstock und den Reben beginnt Jesus am Vorabend seines Leidens und Sterbens eine neue Abschiedsrede. Es ist ein Bild, das in der christlichen Kunst sehr beliebt wurde und heute gern als Symbol der Eucharistie verwendet wird. Aber welches ist sein ursprünglicher Sinn im Rahmen der Abschiedsreden Jesu? Es ist eine Rede im Stil der Selbstoffenbarung, wie sie von Jesus immer wieder (vor allem im Johannes-Evangelium) vollzogen wird. Wir kennen diese Aussagen Jesu: "Ich bin das Licht der Welt." - Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herab gekommen ist." - "Ich bin der gute Hirt." So hören wir heute: "Ich bin der wahre Weinstock." Wenig später heißt es: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben." So spricht Jesus zu seinen Jüngern, und zwar für die Zeit nach seinem Scheiden aus dieser Welt, also für die Zeit der Kirche, für alle Zeit, auch für unsere Zeit.

Was gegenüber den anderen "Ich-bin"-Worten des Johannes-Evangeliums auffällt, das ist die Bezugnahme auf den himmlischen Vater Jesu, auf Gott also. Er ist in unserer Bildrede der Winzer. Er ist es, der jeden Zweig, der keine Frucht bringt, wegschneidet; und der jeden Zweig, der Frucht bringt, reinigt, damit er noch mehr Frucht bringen kann. Auch nach dem zweiten Teil der Rede, der das Verhältnis Jesus zu seinen Jüngern anspricht (v. 5-7), tritt noch einmal der himmlische Vater in den Blick: "Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet." (v. 8) Die Jünger, ja wir alle werden in den Heilsplan Gottes einbezogen. Gott verfolgt mit allem, was er unternimmt, ein bestimmtes Ziel. Durch Jesus und in Jesus, den er gesandt hat, ermächtigt er uns zu einem fruchtbaren Wirken. Wir können in dieser Welt Fruchtbares, Sinnvolles und Bleibendes schaffen; etwas, was uns erfüllt und unserem Leben eine Richtung gibt. Unser Leben kann aber auch sinnlos werden - so sinnlos wie ein Baum, der keine Früchte trägt, es verdient, umgehauen und verbrannt zu werden.

Die Bildrede Jesu vom Weinstock und von den Reben hat noch tiefere Wurzeln. Diese liegen allerdings nicht in den Vorstellungen von einem "Lebensbaum" oder von einem "Wunderkraut", wie wir sie aus vielen Mythen kennen. Die Gründe für Jesu Bildrede liegen vielmehr im Alten Testament. Israel war der von Gott gepflanzte Weinberg, der jedoch durch seine "sauren Trauben" Gott enttäuscht hat. So steht es im sogenannten "Weinbergs-Lied" des Propheten Jesaja. In einem Psalm ist von Israel die Rede als einem Weinstock, den Gott in Ägypten ausgehoben hat (Ps. 80). Der Prophet Hosea spricht von Israel als einem "üppigen Weinstock, der entsprechende Früchte trug" (Hos. 11, 1), und der Prophet Jeremia spricht vom "Edelreis", von einer "ganz edlen Sorte" (Jer. 2, 21). Auf dem Hintergrund dieser alttestamentlichen Vorstellungen wird Jesu Bildrede verständlich. Gott hat in den verwüsteten Weinberg Israel einen neuen Weinstock eingepflanzt, den "wahren" Weinstock Jesus, aus dem neue Früchte hervorgehen sollen - die Glaubenden, die sich mit Jesus verbinden. Sie sollen aus dem Leben, das Gott ihnen schenkt, mit Jesus verbunden Früchte bringen. Schon beim Evangelisten Matthäus heißt es in der Auseinandersetzung mit den ungläubigen Vertretern Israels: "Die Gottesherrschaft wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt." (Matth. 21, 43) Gemeint sind "Früchte" in einem umfassenden Sinn: sittlicher Art - Früchte des Glaubenszeugnisses vor der Welt - Früchte der Liebe: "Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben." (Joh. 15, 10)

Aber alle "Früchte", die der Christ, die der Glaubende hervorbringen kann, vermag er nur in der lebendigen Verbundenheit mit Jesus zu wirken. Gerade diesen Punkt will Jesu Bildrede zum Ausdruck bringen: "Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen!" (v. 5) Alles Fruchtbringen geschieht (dessen sollen sich die Glaubenden bewusst sein) aus der Kraft des Weinstocks. Der Mensch bringt sich nicht selbst in Bewegung; er muss sich in Bewegung bringen lassen. Es kommt noch etwas hinzu. Jesu Aufforderung "Bleibt in mir!" ist die Forderung nach der Treue im Glauben, im Glauben zu verharren. Aber auch diese Treue, auch dieses Ausharren im Glauben ist kein Halten von Seiten des Glaubenden; es ist ein Gehalten-Werden. Ohne dieses Gehalten-Werden von Jesus gibt es kein Fruchtbringen; ist der Mensch zur Unfruchtbarkeit verurteilt, findet er nicht die Erfüllung seines Wesens. Wer aber, in der Liebe Christi bleibend, Früchte der Liebe reifen lässt, der wird auch von einer inneren Freude erfüllt. Jesus selbst spricht es aus: "Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist, und damit eure Freude vollkommen wird." (Joh. 15, 11)

"Ohne mich könnte ihr nichts vollbringen." Dieses Wort Jesu will uns eindringlich erinnern an eine Gegebenheit, die uns heute nur sehr schwer eingehen mag. Jesus bezeichnet sich als die Erfüllung dessen, worauf das Sehnen und Verlangen der Menschen geht. Er ist und er allein ist die Erfüllung der Sehnsucht nach dem Heilsein, nach Güte, nach Gerechtigkeit und Frieden - und dies angesichts einer Welt, die dieses Heilsein entbehren muss und aus eigener Kraft nicht erreichen kann. Wenn Jesus sich als den wahren, als den echten Weinstock bezeichnet, dann stellt er sich damit allem gegenüber, was sonst vorgibt, "Weinstock" zu sein, Erfüllung und Glück zu schenken. Jesus offenbart sich in seiner Bildrede als den Ursprung des wahren, des eigentlichen Lebens. Das Leben, das der Mensch, das wir alle zutiefst ersehnen und erstreben, ist nur in der Verbindung mit Jesus zu haben. Demgegenüber ist alles weltlich-natürliche Leben nur Schein und Lüge. Was die Welt an "Lebens-Mitteln" zu bieten hat, das stillt nicht das Verlangen des Menschen nach Leben und nach Glück. "Leben" im eigentlichen, im wahren Sinn ist nur bei Jesus zu haben: "Ich bin der wahre Weinstock. Ich bin der wahre Baum des Lebens. Jeder, der glaubt, hat in ihm das ewige Leben."

Das heutige Evangelium ruft uns also etwas ins Gedächtnis, was anscheinend in unsere Zeit nicht hinein passt, die fixiert ist auf den vorweisbaren Erfolg, auf vorweisbare Ergebnisse. Unser Herr Jesus Christus meint mit dem Fruchtbringen nicht diesen äußeren Erfolg, sondern das Wachsen aus der lebendigen Verbindung mit ihm. "Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen." Dieses Wort unseres Herrn sollten wir uns immer vor Augen halten. Erbitten wir uns darum in dieser Eucharistiefeier diese innere Einstellung zum Herrn! Und danken wir ihm, dass er diese Verbundenheit den Glaubenden geschenkt hat! In Jesus Christus ist uns das wahre Leben begegnet; mit ihm können wir uns zum wirklichen Leben verbinden.

 

6. Ostersonntag: "Die Liebe schenkt sich"

Einführung

Worauf gründet letztlich der Einsatz, die Liebe zum Nächsten; zu denen, mit denen wir zusammenleben? Wie weit soll dieser Einsatz, wie weit soll unser Engagement gehen? Das heutige Evangelium gibt uns eine bedenkenswerte Antwort. Wenn wir Glaubende sind, wenn wir Glaubende sein wollen, dann heißt das: Unser Einsatz und unsere Liebe gründen im Einsatz Jesu, in seinem Dasein für uns bis zum Letzten: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer seiner Leben für seine Freunde hingibt." Unser Glaube an den Herrn mündet also, kann nur münden in dieses unbedingte Engagement, in den Dienst. Besinnen wir uns zu Beginn dieser Eucharistiefeier auf den Grund und auf die Norm unseres Einsatzes, unserer Liebe!

    Herr Jesus Christus, du hast gesagt: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast gesagt: Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben
    - Christus, erbarme dich!
    Du hast gesagt: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

"Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt." So haben wir im Evangelium gehört. In diesem Wissen kommen wir mit unseren Bitten zu dir, unserem Herrn:

  • Für alle, die du in deinen besonderen Dienst gerufen hast: dass sie dir die Treue halten!
  • Für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft: dass sie sich dem Wohl der Völker und dem Frieden in der Welt verpflichtet wissen!
  • Für die Vielen, deren Leben gezeichnet ist von innerer und äußerer Not: dass sie im Blick auf dich die Kraft zum Weitergehen finden!
  • Für uns alle, die wir uns mühen um ein christliches Leben: dass wir nicht müde werden auf dem Weg deiner Gebote!
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie Heimat und Geborgenheit finden im Reich deines Vaters!

Denn dein Leben, Herr, war Dasein und Dienst für deine Jünger, für uns alle. Dafür danken wir dir. Lass deine Liebe auch in unserem Leben zum Leuchten kommen! Darum bitten wir dich jetzt und alle Tage. Amen.

Predigt

Die "Rede" Jesu im 15. Kapitel des Johannes-Evangeliums will das Gebot der Liebe begründen. Diese "Rede" hat zwei Teile. Am vergangenen Sonntag haben wir den ersten Teil gehört: das Bildwort vom wahren, vom echten Weinstock. Jesus stellt sich hin als den wahren, den allein wahren Weinstock - im Gegensatz zu den vielen Heil- und Segensbringern, die "Leben" versprechen, aber nicht geben können. Das Bleiben der Reben am und im Weinstock meint die Treue im Glauben; meint das Bleiben in der Überzeugung, dass in diesem Jesus allein das Heil, das Leben begründet ist. Auf dieser Überzeugung, auf diesem Glauben baut der zweite Teil der "Rede" Jesu auf: der Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium, den wir soeben gehört haben. Es soll deutlich werden: Der Glaube an Jesus Christus ist nur echt, er ist nur vorhanden, wenn er zum Tun der Liebe führt. Der wesentliche Inhalt der Glaubenstreue ist die Verwirklichung des Liebesgebotes.

Die Aufforderung Jesu "Bleibt in meiner Liebe!" begründet Jesus mit dem Hinweis auf seine Liebe zu seinen Jüngern. Diese seine Liebe zu seinen Jüngern ist wiederum grundgelegt in der Liebe des himmlischen Vaters zu seinem Sohn. Was ist aber mit dieser "Liebe" gemeint, in der die Jünger, in der wir "bleiben" sollen? Mit Sicherheit ist es nicht ein persönliches, ein subjektives, ein wandelbares Gefühl. Gemeint ist vielmehr das unbedingte Dasein für die anderen. Diese Einstellung des Daseins-für-die-anderen soll das eigene Leben bestimmen. Denn genau das hat Jesus vorgelebt: in seinem Dasein für uns bis zum letzten. Wenn wir also aufgefordert werden, in der "Liebe" zu bleiben, dann bedeutet dies, dass wir in der empfangenen Liebe, dass wir in der uns von Jesus geschenkten Liebe verharren sollen; dass unser Leben auf die Hingabe und auf den Dienst Jesu an uns gegründet ist. Ein derartiges Verharren in der empfangenen Liebe ist aber nicht ein Zustand der sich selbst genießenden Heilssicherheit; es ist auch kein Schwelgen in Andacht und Verzückung. Dieses von uns geforderte "Bleiben in der Liebe" ist nur echt und wirklich, wenn es "Frucht bringt"; und das vollzieht sich im Halten der Gebote. Dieses "Halten der Gebote" meint im Grunde genommen nur, das Gebot der Liebe zu erfüllen; wenn also Jesu Dasein für uns zum bestimmenden Gesetz, zum Maßstab unseres Lebens wird. Das Halten der Gebote ist also die Konkretisierung, ist die Verleiblichung der Liebe; ist das Erkennungsmerkmal der vorhandenen Liebe: ob überhaupt Liebe da ist; ob wir wirklich Glaubende sind.

Der Ernst, ja der Radikalismus der Forderung der Liebe als des Daseins für die anderen wird noch verdeutlicht durch Jesu Feststellung: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt." Diese höchste Möglichkeit soll für die Liebe des Jüngers, soll für die Liebe der Glaubenden charakteristisch sein. Ihre Liebe hat in der empfangenen Liebe Jesu Christi ihren Grund, ihren Maßstab. Er hat sein Leben eingesetzt für seine Freunde. Diese Verbundenheit mit Jesus, die für den Glaubenden die Lebensgrundlage ist, und die als "Bleiben in der Liebe" bezeichnet wird, wird nun von Jesus durch den Begriff der "Freundschaft" verdeutlicht. Die Bezeichnung "Freund" steht im Gegensatz zu "Knecht", zu "Sklave". Der "Freund" ist der "Freie" - im Gegensatz zu dem, "der nicht weiß, was sein Herr tut", der also seinen Herrn nicht versteht. Der "Freund" ist dazu befreit, dass er Gott kennt und im Licht ist; dass er Jesus kennt; dass er begriffen hat, was Gott in Jesus Christus für ihn getan hat. Der "Freund" ist der, der sich bemüht, Jesu Dasein für die Seinen in der Tat seines Lebens sichtbar zu machen, zum Leuchten zu bringen.

Das Verhältnis der Freundschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern weist jedoch eine Besonderheit auf; und sie zeigt uns den Unterschied zu unserer üblichen Auffassung von Freundschaft. Freundschaft - so meinen wir - ist ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht; bei dem die Verbundenen sich grundsätzlich gleichstehen, und wo der eine um die Freundschaft des anderen wirbt. Bei Jesus ist es anders. Seine Freundschaft zu seinen Jüngern beruht zwar auch auf einer Gegenseitigkeit; aber in ihr gibt es keine Gleichheit. Wenn die Jünger Jesu Freunde sind, dann sind sie es nicht, weil sie um ihn geworben haben. Vielmehr gilt: "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt." Jesus hat die Seinen ausgewählt aus der "Welt", aus einer "Welt", aus der ihn erst die Frohbotschaft Jesu befreit und zur Freundschaft fähig macht. Aus diesem Grund hat nun auch das Verhältnis der Gegenseitigkeit, das durch Jesu "Erwählung" geschaffen wurde, einen anderen Charakter als in einer rein menschlichen Freundschaft. Das Verhältnis zwischen Jesus und seinen Jüngern kann daher auch nicht von Seiten der Jünger die direkte Erwiderung seiner Freundesliebe sein; die Jünger können nur indirekt seine Freundschaft erwidern. Darum heißt es: "Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt, und dass eure Frucht bleibt." Wenn der Glaube der Jünger an den Herrn lebendig ist, wenn er vorhanden ist, dann erwidern sie seine Liebe im Dienst an den Brüdern und Schwestern. Der Glaube an den Herrn verweist also den Jünger in den Dienst der Liebe.

In unserem Text aus dem Johannes-Evangelium wird also deutlich: Glaube und Liebe sind eine Einheit; sie gehören untrennbar zusammen. Das Hören des Wortes und das Tun, die Glaubensentscheidung für das gehörte Wort Gottes und die Entscheidung der Liebe für den Anspruch des Bruders - sie stehen zwar im Verhältnis eines zeitlichen Nacheinanders; sie sind jedoch eine Einheit. Der Glaube ist nicht echt, er ist nicht vorhanden, wenn er nicht ein treuer Glaube ist, d. h. wenn er nicht von der Art ist, dass in ihm über alles künftige Tun gleichsam schon vorweg entschieden ist. Der Glaubende hat also eigentlich keine Wahl mehr, ob er dient oder nicht; ob er die Liebe übt oder nicht. Das ist das Gesetz, unter dem er angetreten ist. Deshalb ist die Frohbotschaft Jesu nur wirklich "gehört", wenn der Glaubende zugleich der Liebende ist. Der Glaubende nimmt in seinen Entschluss zu glauben die konkreten Entscheidungen gegenüber dem Anspruch des Bruders vorweg. Der Glaube ist also in einem die entschlossene Entscheidung für die Frohbotschaft Jesu, für Gott und seinen Sohn Jesus Christus, zugleich jedoch die Entschlossenheit, die alle künftigen Entscheidungen des Lebens schon ergriffen hat. Der Glaube ist also nur wirklich, nur lebendig, nur vorhanden in der Liebe. Die Realisierung der Liebe ist also das Echtheitszeichen des Glaubens. Das Maß dieser Liebe ist das Maß der göttlichen Liebe: das Dasein für die Brüder und Schwestern bis zum letzten. Das hat uns der Herr vorgelebt: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde." Deshalb versuchen wir zu leben, wie der Herr gelebt hat.

 

Christi Himmelfahrt: "Die Herrlichkeit des Himmels"

Einführung

Heute am Fest Christi Himmelfahrt feiern wir miteinander Eucharistie. Wir sagen Dank für das, was Gott für uns in Jesus Christus getan hat: die Vaterliebe Gottes wurde in Jesus offenbar, greifbar - in seinem Leiden und Sterben, in seiner Auferstehung haben wir dieses Gewissheit erhalten, dass Gott uns liebt; dass er für uns da ist. Dieser Jesus lebt nun in der Herrlichkeit des Himmels als der Menschgewordene, als der verherrlichte Gekreuzigte. Er hat aber diese Erde nicht verlassen; er hat die Jünger, er hat uns alle nicht allein gelassen. Er bleibt anwesend in seiner Kirche und durch sie in der Welt, für die Welt, für uns alle. Zum verherrlichten Herrn rufen wir darum voll Vertrauen:

    Herr Jesus Christus, du bist heimgegangen in die Herrlichkeit deines Vaters
    - Herr, erbarme dich!
    Du hast deinen Jüngern und uns deine Frohbotschaft anvertraut
    - Christus, erbarme dich!
    Du bleibst bei uns in der Kraft des Gottesgeistes, den du uns sendest
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Lasset uns voll Vertrauen beten zu Gott, unserem guten Vater im Himmel, der Jesus Christus von den Toten auferweckt und in seine Herrlichkeit erhöht hat:

  • Für alle, die deinen Namen tragen: dass sie nicht müde werden, in unserer Welt den Weg zum wahren Leben zu verkünden!
  • Für alle Menschen auf der Erde: dass Jesu Wort, das der Kirche anvertraut ist, für sie zu einer beglückenden Botschaft wird!
  • Für die Boten des Evangeliums: dass sie ohne Furcht von der Hoffnung Zeugnis geben, die wir alle Jesus Christus verdanken!
  • Für alle, die in Glaubensnot geraten sind; dass sie in der Kraft Jesu Christi einen Weg aus Verwirrung und Glaubensnot finden!
  • Für uns alle: dass Jesu Leben uns froh macht, und dass seine Verherrlichung uns zu einem Leben der Liebe ermutigt!

Herr, unser Gott, du hast deinen Sohn von den Toten auferweckt und in deine Herrlichkeit erhöht. In ihm hast du uns die Hoffnung auf ein ewiges Glück bei dir gegeben. Wir bitten dich: gib uns die Kraft, Zeugnis zu geben für diesen Glauben und für diese Hoffnung! Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Predigt

Kaum ein anderer Artikel des Glaubensbekenntnis gilt heute mehr als Beispiel für die Bindung der christlichen Botschaft an ein längst überholtes Weltbild als der Artikel, der sich auf das heutige Fest bezieht: "Aufgefahren in den Himmel." Wie soll man das heute noch ernst nehmen können? Wissen wir doch heute sicherer denn je: die Erde ist nicht eine Scheibe, über der sich sozusagen als oberstes Stockwerk der Himmel, der Thronsaal Gottes spannt. Was soll dann aber die Rede von einer "Himmelfahrt"? Ist das nicht eine Vorstellung, die vor dem kritischen Blick des Menschen heute nicht mehr bestehen kann? Wir müssen uns also fragen, was dieser Glaubenssatz eigentlich bedeutet. Wir gehen dabei davon aus: Wie hat der heilige Lukas, dessen Bericht aus der Apostelgeschichte wir in der Lesung gehört haben, die "Himmelfahrt" des Herrn verstanden?

Von den anderen neutestamentlichen Autoren spricht keiner von einer vierzigtägigen Dauer der Ostererscheinungen und von einer abschließenden Himmelfahrt. Für sie ist Jesus schon im Augenblick seiner Auferstehung von den Toten in den Himmel aufgefahren; seine "Auferweckung" von den Toten ist identisch mit seiner Erhöhung in die himmlische Herrlichkeit, in die Sphäre Gottes. Wenn der Auferweckte erscheint, dann erscheint er deshalb vom "Himmel" her, so dass nicht mehr gesagt zu werden braucht, dass Jesus zur Beendigung der Erscheinungen in den Himmel zurückkehrte - wie es nur beim heiligen Lukas zu finden ist, und zwar in der Apostelgeschichte. In seinem Evangelium finden wir die gleiche Auffassung wie in den anderen Evangelien: Jesus wird auferweckt in die Herrlichkeit des Himmels. Er geht weg, und zwar schon am Ostertag selbst.

Warum lässt der heilige Lukas in der Apostelgeschichte den Auferstandenen am Ende der letzten Erscheinung nach vierzig Tagen zum Himmel auffahren? Er hat sich ja wohl etwas dabei gedacht. Er tut es aus dem Grunde, weil er die Bedeutung der Auferstehung, der Erhöhung Jesu unter bestimmten Gesichtspunkten anschaulich und einprägsam darstellen will: Was bedeuten die Begegnungen mit dem auferweckten, mit dem erhöhten Herrn für die Kirche damals und auch heute? Mit anderen Worten: Lukas deutet und interpretiert das Ereignis der Verherrlichung Jesu für den Fortgang der Geschichte der Kirche, also auch für uns, die wir an Jesus glauben. Die Evangelien haben eine andere Aussage-Absicht: Was bedeutet die Erhöhung des Herrn für ihn selbst? Das Gehen in die Herrlichkeit des Himmels ist der letzte, der beste Beweis, dass er, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.

Der heilige Lukas allein spricht in der Apostelgeschichte von vierzig Tagen, während derer sich Jesus seinen Aposteln als lebend erwies und zu ihnen von den Dingen des Gottesreiches redete. Diese Zahl "vierzig" hat Lukas selbst nicht als eine exakte Zeitangabe verstanden, sondern nach biblischem Sprachgebrauch als eine runde und heilige Zahl für einen längeren Zeitraum, wie dies auch sonst in der Bibel der Fall ist. Er will mit der heiligen Zahl "vierzig" die Zeit der Erscheinungen des Auferstandenen als einen entscheidenden Zeitraum hervorheben; die Jünger konnten sich von der wirklichen Auferstehung Jesu überzeugen. Zugleich erhielten sie die Aufgabe, in der Kraft des Gottesgeistes die Botschaft vom Gottesreich zu verkünden. Dass die Erscheinungen des Auferstandenen, dass die Begegnungen mit dem Herrn diese Sendung, die Vollmacht und die Pflicht zur Mission begründen sollten, das ist die allgemeine Überzeugung der Apostel. Das Besondere des Abschieds Jesu - wie der heilige Lukas sie in der Apostelgeschichte erzählt, und zwar im Unterschied zu seinem Evangelium - ist die Feststellung: Erst kommt die Zeit, die unbekannt lange Zeit der Kirche, während Jesus seine auserwählten Jünger gleichsam ihrer Aufgabe überlässt. Aus der Glaubensgewissheit, dass Jesus in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen ist, sollen sie die Frohbotschaft allen Menschen verkünden, bis er selber wiederkommen wird am Ende der Zeiten.

Schon aus diesem Grunde bietet Lukas die ausführliche Abschiedsszene, in der alles im Dienst seiner Aussage-Absicht steht. Wenn eine Wolke Jesus den Blicken entzieht, so denkt der Evangelist nicht an ein Gebilde, das gerade am Himmel stand oder von Gott im richtigen Augenblick an die richtige Stelle gezaubert worden wäre. Er will damit sagen: Der eigentliche Vorgang der Aufnahme Jesu in die Herrlichkeit und in die Sphäre Gottes ist für den Menschen ein undurchdringliches Geheimnis. Im Alten Testament bedeutet z. B. das Wolkendunkel die Unbegreiflichkeit Gottes, der sich dem Begreifen des Menschen entzieht. So ist es auch bei der Verklärung Jesu auf dem Berg; aus der Wolke kommt Gottes Stimme: "Dies ist mein geliebter Sohn!" Das ist eine vom Menschen nur schwer begreifbare Botschaft. An unserer Stelle soll wohl auch auf die machtvolle Wiederkunft Jesu hingewiesen werden: "Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird auf dieselbe Weise wiederkommen." Ja, der Gedanke an die Wiederkunft des Erhöhten muss die Bereitschaft der Jünger, ja aller Glaubenden wecken, die Aufgaben des Augenblicks zu sehen. Jetzt heißt es: An die Arbeit! "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" Jetzt am Ende der Ostererscheinungen gilt es, in der Kraft des Gottesgeistes für Christus Zeugnis abzulegen, von der Auferweckung des Gekreuzigten, und zwar "in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde." Das gilt für die Augenzeugen; das gilt aber auch für die Christen aller Zeiten, für uns. Wir sollen durch unser Reden und Leben Zeugen seiner Auferstehung sein. Das heißt: Wir sind gerufen in die Arbeit und Verkündigung, und zwar in der Gemeinschaft der Glaubenden, in seiner Kirche, in der der verherrlichte Herr weiterlebt. In unserem Leben als Christen soll der verherrlichte Herr gleichsam zum Leuchten kommen.

Wir sollten uns wieder vor Augen halten heute, am Fest der Erhöhung Jesu in die Herrlichkeit des Himmels: Wir sind gerufen zum Glauben. Der Inhalt des heutigen Festes ist nicht die Reportage von einem genau so geschehenen Ereignis. Wir sollen uns vielmehr fragen: Was bedeutet uns Jesus, der aufgenommen wurde in die Herrlichkeit des Himmels, in die Sphäre Gottes? Und wir werden dann von selbst hingeführt zu einem Gebet, dass uns das Ja zu diesem Jesus möglich ist; und dass wir uns seines Auftrages bewusst sind: seine Zeugen zu sein bis an die Enden der Erde; dass wir den Herrn, an den wir glauben, lebendig werden lassen im Zeugnis unseres Lebens.

 

7. Ostersonntag: "In, nicht von dieser Welt"

Einführung

Die Gemeinschaft der Glaubenden, die Jesus begründet hat, die Kirche - sie ist immer gefährdet; sie ist in der Gefahr, den Geist Jesu Christi zu verlieren und den Geist dieser Welt anzunehmen; nicht das Wort und die Weisung Gottes sich zu eigen zu machen, sondern sich dem Denken der Welt auszuliefern, das mit Gott nicht rechnet. Wir wollen uns darum heute wieder besinnen auf den Herrn, der uns gerufen, der uns sein Wort und seine Weisung gegeben hat. Und wir wollen ihn um die Kraft bitten, seinen Weg zu gehen, und um Vergebung für all unser Versagen.

    Herr Jesus Christus, du hast uns dein Wort und deine Weisung hinterlassen
    Herr, erbarme dich!
    Du hast uns herausgerufen aus der Welt, die dich nicht erkennen kann
    - Christus, erbarme dich!
    Du hast uns deinen Heiligen Geist verheißen, der uns in die Wahrheit einführen wird
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, am Abend vor deinem Leiden und Sterben hast du für deine Jünger, für alle, die an dich glauben werden, zu deinem Vater im Himmel gebetet. Voll Vertrauen kommen wir mit unseren Anliegen zu dir:

  • Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden: Behüte und bewahre sie, damit niemand verloren geht!
  • Für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft: Öffne ihre Herzen für Gedanken des Friedens, der Gerechtigkeit und Wahrheit!
  • Für uns alle, die wir uns Christen nennen: Gib uns die Freude darüber, zu dir zu gehören und offen zu sein für dein Wort!
  • Für die Vielen in aller Welt, die dich nicht kennen: Führe sie zur Umkehr aus Ablehnung und Hass gegen deine Jünger!
  • Für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern: Schenke ihnen im Reich deines Vaters Heimat und Frieden für immer!

Herr Jesus Christus, mit diesen Anliegen kommen wir zu dir. Du wirst unsere Bitten nicht zurückweisen. Dir sei Lob und Ehre heute und alle Tage! Amen.

Predigt

Der Evangeliums-Text, den wir soeben gehört haben, ist dem 17. Kapitel bei Johannes entnommen. Dieses Kapitel enthält das "hohepriesterliche Gebet". Es wird so genannt, weil Jesus am Vorabend seines Leidens und Sterbens nach der Weise des jüdischen Hohenpriesters fürbittend für die Gemeinschaft seiner Jünger eintritt, derer also, die an ihn "glauben" - und zwar in dem Augenblick, wo er im Begriff ist, sich selbst als Sühnopfer für die Vielen darzubringen. Im ersten Teil des "hohenpriesterlichen Gebetes" bittet Jesus seinen Vater um Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit, nachdem er den Auftrag seines Vaters erfüllt hat. Danach folgt die Fürbitte Jesu für die Jünger, für die Seinen. Er bittet für die, die Gott ihm anvertraut hat, und die durch ihn zum Glauben gekommen sind an seine göttliche Sendung, an seine Göttlichkeit. Jesus bittet um ihre Heiligung in der Wahrheit - angesichts des Bösen in der Welt. Das ist der Inhalt des heutigen Evangeliums.

Jesus bittet seinen himmlischen Vater darum: die Gemeinschaft der Glaubenden, die in dieser Welt steht und lebt, vor dem Verfall an die Welt zu bewahren; sie rein zu erhalten. Es ist also die Bitte, dass die Gemeinschaft der Glaubenden geheiligt sei; dass die Offenbarung, die Jesus gebracht hat, in ihr lebendig sei. Dass dies tatsächlich der Fall ist, das zeigt sich darin, dass die Einheit der Jünger gewahrt bleibt. Als er, als Jesus noch unter den Seinen war, da bewahrte und behütete er sie, so dass keiner von ihren verloren ging außer dem Sohn des Verderbens, seinem Verräter. Die gleiche Sorge Jesu, die Seinen zu behüten und zu bewahren, gilt aber nicht nur denen, mit denen er in seinem irdischen Leben zusammen war. Diese Sorge wird auch den späteren Generationen der Glaubenden gelten: Wer zu den wirklichen "Jüngern" gehört, der wird nicht verloren gehen. Denn die Offenbarungsworte, die der himmlische Vater Jesus gegeben hat, werden ja auch den Nachgeborenen zuteil werden. Auch ihnen gilt ja das Wort Gottes.

Ja, noch mehr als das! Durch sein Weggehen aus dieser Welt wird der Sinn des irdischen Wirkens Jesu erst völlig deutlich; wird die Offenbarung, die durch Jesus geschehen ist, erst vollendet. Die Stunde der Trennung und des Abschieds und die beim Abschied gesprochenen Worte machen deutlich, dass das Leben der Jünger ein Leben ist im Horizont der Ewigkeit. Denn Jesus will den Seinen die Freude zuteil werden lassen, die er selber in der Herrlichkeit des Himmels schon besitzt. Ihm ist diese endgültige Freude schon zu eigen, obwohl er doch noch in der Welt ist. Diese endgültige Freude erfahren auch diejenigen, die sich im Glauben zu Jesus bekennen, bekennen werden. Und niemand kann ihnen diese Freude rauben, weil sie von einer anderen Art ist, als die Welt sie geben kann. Die Freude der Seinen, die Freude der Glaubenden beruht in dem Wissen, zu Jesus zu gehören; von der Welt und ihrem Denken geschieden zu sein. Die Jünger haben durch Jesus das Wort Gottes, die Offenbarung empfangen. Und doch sind sie dem Hass der Welt preisgegeben. Ja, der Grund dafür, dass sie gehasst werden, ist der Empfang, ist die Annahme des Gotteswortes. Denn sie gehören nicht mehr zur Welt. Sie haben ihren Ursprung nicht in der Welt - genauso wie Jesus seinen Ursprung nicht in der Welt hat. Die Welt liebt nur, kann nur lieben, was zu ihr gehört; wer sich ihr Denken zu eigen macht. Was sich jedoch von der Welt und ihrem Denken absondert, trennt, das verfällt ihrem Hass, ihrer Ablehnung. Gerade an der Ablehnung, am Hass der Welt kann darum die Gemeinschaft der Glaubenden erkennen, dass sie nicht mehr zur Welt gehört. Genau das ist darum die Aufgabe derer, die an Jesus glauben, die sein Wort angenommen haben: in dieser Welt zeichenhaft die Entweltlichung zu leben; nicht der Welt und ihrem Denken zu verfallen. Die Glaubenden, die Kirche - sie dürfen sich nicht durch den Hass der Welt dazu verführen lassen, ihrem Wesen untreu zu werden. Sie dürfen sich nicht verleiten lassen, sich nur als "Kulturfaktor" zu verstehen und so ihren Frieden mit der Welt zu machen. Sie müssen ihren Charakter der Entweltlichung festhalten und sich vor dem Bösen, d. h. vor der Welt bewahren. Die Gemeinschaft der Glaubenden würde sonst ihr Wesen verraten und verlieren: "Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin."

Ausgegrenzt aus der Welt soll die Gemeinschaft der Glaubenden, soll die Kirche in der Welt stehen. Ihre Ausgegrenztheit, ihre Heiligkeit beruht aber nicht auf ihr selbst. Ihre Ausgrenzung kann sie nicht durch eine selbstgewählte Lebensweise herstellen. Das kann nur ein Zeichen sein dafür, dass sie sich vom Herrn gerufen weiß. Und ihre Aufgabe, Zeichen zu sein in der Welt, können die Glaubenden nur übernehmen, wenn sie die aus der Welt ausgegrenzte Gemeinschaft ist, die in Jesus gründet. Dann trifft für sie zu: "Ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind." Wir wissen aber: Jesus hat seine Heiligkeit dadurch erwiesen, dass er sich für die Seinen geopfert hat: er gibt sich hin für die Seinen. Seine Hingabe, sein Geopfertwerden findet seinen eigentlichen Sinn darin, dass die Seinen, dass die Glaubenden in der Wahrheit geheiligt sind. Zweifellos schließt die Sendung der Glaubenden, die Sendung der Kirche in die Welt auch ein die Forderung nach der Bereitschaft zum Opfer in der Nachfolge Jesu. Ausdrücklich gesagt ist aber nur das andere: der Sinn der Hingabe, des Opfers Jesu findet darin seine Erfüllung, dass seine in ihm gegründete, dass eine der Welt enthobene Gemeinschaft seiner Jünger besteht, derer also, die an ihn als den Sohn Gottes glauben, die auf ihn ihr Leben gegründet haben.

Der Abschnitt des heutigen Evangeliums aus dem "hohenpriesterlichen Gebetes" stellt uns also wieder eindringlich vor Augen, worauf es für uns als Glaubende ankommt. Auch für uns, die wir zur Gemeinschaft der Glaubenden, also zur Kirche des Herrn gehören, gehören wollen, gilt: Wir dürfen uns in keiner Weise bestimmen lassen vom Gesetz, vom Denken dieser Welt. Als Glaubende gehören wir zu einer Gemeinschaft, die durch nichts anderes begründet ist als durch den Glauben; durch einen Glauben, der in Jesus von Nazareth Gott selbst zu erkennen vermag; die sich für ihn als Fundament des Lebens entschieden haben. Auch für uns gilt: Ausgegrenzt aus der Welt sollen wir als "heilige Gemeinschaft", als Kirche Jesu Christi in der Welt stehen. Wir dürfen unser Vertrauen nicht auf die Welt und auf ihr Gesetz setzen, sondern nur auf Gott, bei dem die Fülle des Lebens ist. Bitten wir in dieser Eucharistiefeier, da wir der Nähe und der Liebe unseres Herrn gedenken und sein Offenbarungswort, seine Frohbotschaft hören, dass wir immer mehr Glaubende und Vertrauende werden.

 

Pfingsten: "Gottes Geist und der Geist der Welt"

Einführung

Das Pfingstfest, das wir heute begehen, ist die Frucht von Ostern, ist die Bestätigung der Auferweckung Jesu von den Toten und seiner Erhöhung in die Herrlichkeit des Vaters. Pfingsten ist zugleich das Fest, das uns die bleibende Gegenwart des Herrn ins Gedächtnis ruft bei denen, die an ihn glauben; die zu seiner Kirche gehören. Der Gottesgeist, den Jesus den Glaubenden verheißen hat und schenkt, ist der Geist der Wahrheit, der uns befreit von den Mächten des Diesseits, vom Un-Geist in dieser Welt, der oft mit Händen zu greifen ist. Darum rufen wir voll Vertrauen zu unserem Herrn:

    Herr Jesus Christus, du hast vor deinem Leiden deinen Jüngern den Heiligen Geist verheißen
    - Herr, erbarme dich!
    Dein Heiliger Geist wurde den Aposteln geschenkt, die mit deiner Mutter Maria im Gebet versammelt waren
    - Christus, erbarme dich!
    Dein Heiliger Geist hat die Apostel ermutigt, Zeugen deiner Herrlichkeit zu sein
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast uns den Gottesgeist versprochen, und du willst uns mit den Gaben dieses Heiligen Geistes überreich beschenken. Voll Vertrauen kommen wir mit unseren Bitten zu dir:

  • Erfülle unseren Papst, die Bischöfe und alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, mit dem Geist der Weisheit!
  • Gieße allen Gläubigen den Geist der Liebe ein, der sie mit dir und untereinander verbindet!
  • Führe zur Einheit zusammen, die im Glauben voneinander getrennt sind!
  • Bewahre uns vor dem Un-Geist der Welt und gib, dass wir uns vom Geist Gottes leiten lassen!
  • Heile durch deinen Geist die Wunden des Unfriedens und des Hasses in der Welt!

Herr Jesus Christus, du hast uns nicht ohne den Beistand des Gottesgeistes zurückgelassen. Dich loben und preisen wir mit dem Vater und dem Heiligen Geist jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Predigt

Wenn man das Leben und Treiben in der Kirche heute (und das nicht nur bei uns in Deutschland) betrachtet, dann wird man wohl weniger an das pfingstliche Sprachwunder erinnert, sondern eher an die Sprach-Verwirrung nach dem Turmbau von Babel. Wie können wir heute im Gewirr der Stimmen, die auf uns einstürmen, die Stimme des Herrn erkennen, auf die Stimme des Herrn hören? Wie können wir uns angesichts einer solchen Situation (die mit dem Begriff "Meinungs-Pluralismus" verharmlosend umschrieben wird) zurechtfinden und die Geister voneinander scheiden, den Un-Geist der Welt und den göttlichen Geist?

Zunächst: es ist tröstlich festzustellen, dass (von außen gesehen) das Geschehen am ersten Pfingsttag offensichtlich auch wie ein heilloses Durcheinander ausgesehen hat: "Sie sind voll süßen Weines." So jedenfalls ist die Reaktion der Spötter in Jerusalem, vielleicht auch heutzutage. Das zeigt allerdings: am Pfingsttag ist die Verschiedenheit der Stimmen und der Sprachen nicht aufgehoben worden. Es geschieht also an Pfingsten, durch den Gottesgeist keine Hinführung oder Rückkehr zu einer unterschiedslosen Einheit. Und das kann für uns heute nur bedeuten: Auch eine funktionierende Einheit in der Kirche könnte doppeldeutig sein. Sie kann Geschenk des Gottesgeistes sein. Sie könnte aber auch babylonischer Turmbau sein. Babylon ist überall dort, wo Menschen selbstherrlich ihre Einheit "machen" wollen, schließlich aber bei Spaltung und Streit enden - wie die Erfahrung lehrt. Haben nicht die Versuche einer uniformen Einheit der Kirche immer wieder zu verhängnisvollen Verwirrungen, Verirrungen und Spaltungen geführt? Geschieht Pfingsten nicht viel eher dort, wo man in allen, auch in unaufhebbaren Spannungen, in denen keine Einheit erzielt wird, sich gegenseitig erträgt und es nicht zum Bruch kommen lässt? Sich nicht beirren lässt im Bemühen um Verstehen, um Toleranz?

Aber auch diese "Toleranz" ist nicht ohne weiteres ein Ideal. Wir müssen da schon näher zusehen. "Toleranz" kann nämlich sehr vieldeutig sein. Sie kann ein resigniertes Sich-Abfinden mit einer Tatsache sein; dass man nun einmal "ganz verschiedene Sprachen spricht". "Toleranz" kann bedeuten: eine innere Einheit ist doch überhaupt nicht möglich; begnügen wir uns doch mit einer friedlichen Koexistenz, mit einem konfliktlosen Nebeneinander! Aber das wäre nur eine menschlich mögliche Weise, mit Babylon, mit der verwirrenden Verschiedenheit fertig zu werden. Für die Kirche würde das bedeuten: Dann wäre sie nicht mehr ein Zeichen der Erlösung und des Heils für die Welt. Die Resignation, eine nur friedliche Koexistenz ist nämlich das Gegenteil von Pfingsten. Pfingsten kann nicht heißen, dass die Christen die Zertrennung nur geduldig ertragen und als schicksalhaft hinnehmen, sich einfach damit abfinden.

Der entscheidende Unterschied liegt wohl vor allem in der Antwort auf die Frage, ob wir uns zuerst als Hörende, und zwar auf Gott Hörende verstehen; und ob wir Hörende sind; oder ob wir zuerst darum bemüht sind, mit unseren menschlichen Mitteln die Einheit herstellen zu wollen - sei es nun mit den Mitteln des Zwanges oder - wie es heute so beliebt ist - mit den Mitteln des "Dialogs"; sei es in totalitärer oder in liberalistischer Weise; sei es durch die Unterdrückung der anderen Seite oder auf dem Weg des kleinsten gemeinsamen Nenners. Es ist klar, dass Zwang, Gewalt und Unterdrückung nicht in Frage kommen. Aber auch das kommt nicht in Frage: Wo die Menschen nur miteinander reden und miteinander diskutieren, in Kommunikation machen, dort ist Babylon. Dort gibt es keine wirkliche Einheit unter Menschen, unter Christen. Denn Babylon bedeutet immer, dass der Mensch seine Einheit aufbauen, und dass er den Turm seiner vermeintlichen Einheit - wie auch immer - bis in den Himmel aufrichten will. Wo die Menschen jedoch Hörende und Empfangende sind, wo die Menschen sich vor Gott als Hörende und Empfangende verstehen, wo sie nicht nur miteinander reden, sondern vor allem miteinander zu Gott beten und - wie die Apostel - den Herrn um das Geschenk ihrer Einheit bitten, nur dort ist Pfingsten; nur dort kann die Kirche Zeichen des Heils sein inmitten einer zerrissenen Welt. Der Geist Gottes kam an Pfingsten auf Beter herab, nicht auf Aktivisten und Funktionäre.

Das Wirken des Gottesgeistes zeigt sich also nicht darin, dass alle Differenzen und Spannungen abgebaut werden. Wohl aber wird von Pfingsten her Verstehen ermöglicht; Verstehen ermöglicht, wo man vorher nur aneinander vorbeiredete und sich in Monologen erging. Wir werden nach wie vor verschiedene Sprachen sprechen, in verschiedenen Mentalitäten und Kulturen leben - das gehört nun einmal zu unserem Wesen als leibhafte Wesen dazu. Pfingsten bedeutet angesichts dieser Situation: Brücken zueinander zu bauen und sich in den verschiedenen Sprachen und Mentalitäten verstehen zu lernen. Denn das ist das eigentliche Geschenk des Gottesgeistes, der am ersten Pfingsttag auf die Apostel herabkam, und der auch uns verheißen ist: Menschen, die sich fremd waren und die durch ihre Sprache und Mentalität voneinander getrennt waren, verstehen sich und finden zueinander. All das setzt voraus - darauf kann man immer nur hinweisen - dass wir zuerst auf Gott hören; dass wir seine Sprache verstehen; dass wir seine Sprache sprechen. Dann werden wir uns auch untereinander verstehen; dann sind die verschiedenen Sprachen und Mentalitäten keine Barriere mehr.

Die vielen Sprachen sind also noch nicht das Zeichen der Anwesenheit des Gottesgeistes, sondern erst das Sichverstehen in den vielen Sprachen. Die Vielheit bedeutet deshalb für die Christen und für die Kirche eine Aufgabe; und zwar die Aufgabe, diese Vielheit auf "geistliche Weise" zu bewältigen, also in der Verbundenheit mit Gott. Diese geistliche Bewältigung ist der mühsamere Weg. Sie erfordert vor allem das Gebet und das Hören auf den, der allein Verstehen unter den Menschen schenkt und bewirkt. Und sie fordert von uns allen ein stetes Bemühen, lieblose Urteile zu überwinden, Verständnis zu zeigen, wo wir dreinschlagen möchten. Es ist leichter, sich wieder in eine starre Uniformität zu flüchten, in der es keine Spannungen und Konflikte geben darf. Es ist auch leichter, sich einfach damit abzufinden, dass man nicht mehr dieselbe Sprache spricht, und diese Tatsache als unabänderlich hinnimmt. Eine konfliktlose Kirche wäre kein Zeichen der Hoffnung für die von Konflikten zerrissene Welt. Sie wäre Flucht aus dieser Welt und nicht die Bewältigung der Zerrissenheit aus der Erlösung heraus. Eine konfliktlose Kirche stände nicht mehr in der Nachfolge dessen, der in seinem Kreuz unsere Zerrissenheit auf sich genommen und ausgetragen hat. Eine Kirche, in der die Konflikte ungelöst und unerlöst stehen blieben, könnte nicht weiterhelfen. Sie wäre wie das Kreuz des Herrn ohne seine Auferstehung. Gottes Geist ist dort anwesend, wo das Kreuz unserer Gegensätze und Konflikte angenommen wird; wo es aber im auferstandenen Herrn verwandelt ist. Bitten wir heute am Pfingstfest den in die Herrlichkeit Gottes erhöhten Herrn, dass die Kirche das Kreuz der Gegensätze und der Konflikte annimmt; dass sie es aber vom Gottesgeist verwandeln lässt. Diese Verwandlung durch den Gottesgeist setzt aber voraus, dass die Christen, dass wir betende Menschen sind; dass wir betende Menschen werden. Am ersten Pfingsttag kam Gottes Geist auf betende Menschen herab. Das Kommen des Gottesgeistes vollzieht sich heute nicht anders. Nur wenn wir betende Menschen sind, sind wir auch bewahrt vor dem "Un-Geist" unserer Welt, unserer Zeit.

 

Hl. Dreifaltigkeit: "Nach Gottes Bild geschaffen"

Einführung

Das heutige Fest konfrontiert uns mit einer Wirklichkeit, die sich unserem Begreifen entzieht. Ein Gott, den wir Menschen begreifen könnten, wäre ja nur ein Götze; wäre nur die Ausgeburt unseres menschlichen Geistes. Gott können wir nicht "begreifen", in den Griff bekommen. Wir können nur warten, dass er uns gleichsam einen Blick tun lässt in sein Innerstes, in sein Herz. Als Christen sind wir davon überzeugt, dass Gott dies getan hat in Jesus Christus. Jesus Christus hat uns Gott offenbart als seinen Vater, der ihn in diese Welt gesandt hat; und der uns den Gottesgeist schenkt und so bei uns bleibt. Zu ihm, unserem Herr und Heiland, wollen wir darum rufen:

    Herr Jesus Christus, du hast uns die Liebe Gottes, des Vaters, offenbart
    - Herr, erbarme dich!
    Durch dein Leiden und Sterben hast du uns das Leben geschenkt
    - Christus, erbarme dich!
    Du bleibst bei uns im Heiligen Geist, den du uns gesandt hast
    - Herr, erbarme dich!

Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben! Amen.

Fürbitten

Gott, unser Vater, du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt, damit wir das Heil erlangen. Im Heiligen Geist führt du durch die Zeiten dieses Werk der Heiligung weiter. Zu dir rufen wir voll Vertrauen:

  • Für die Kirche, die du gerufen hast, deine Botschaft zu verkünden: dass die Menschen auf ihr Wort hören und zum Glauben finden!
  • Für die Christen in aller Welt, die der Glaube an den dreifaltigen Gott verbindet: dass sie zur Einheit untereinander finden!
  • Für alle, die nicht mehr an dich glauben: dass sie den Weg zu dir zurück finden!
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie zur Vollendung gelangen in der Gemeinschaft mit dir!

Gott und Vater, du liebst uns und bist uns nahe. Das hast du uns gezeigt in deinem Sohn Jesus Christus und im Heiligen Geist, den du uns gesandt hast. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit! Amen.

Predigt

Ganz wohl ist vor allem dem Prediger nicht an diesem Tag; aber wahrscheinlich nicht nur ihm. Denn wir sind mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die sich im letzten unserem menschlichen Begreifen entzieht. Wenn wir uns daher einige Gedanken über den Inhalt des heutigen Festes machen oder besser: über den, von dem das heutige Fest spricht, dann geht es nicht um ein falsches Bescheidwissenwollen, das Gott durchschauen möchte. Ein Gott, den der Mensch begreifen kann, ist ja nur ein Götze, ein Werk seiner eigenen Einbildung. Wir können Gott nicht "begreifen", in den Griff bekommen - wie wir ja auch einen anderen Menschen nie restlos begreifen können, selbst wenn wir ihn lieben, gerade weil wir ihn lieben. Gott aber ist, das bekennen wir im Glauben, die Liebe; und wirkliche Liebe ist immer Geheimnis, unbegreifbar; größer und tiefer, als man berechnen und nachrechnend begreifen kann. Unser Nachdenken muss also aus dieser Haltung der ehrfürchtigen Liebe geschehen, aus der Liebe, die den tiefer verstehen möchte, dem sie alles verdankt, und dem sie ihr Ja gegeben hat, um ihn noch tiefer lieben zu können. Deshalb wollen wir uns folgende Frage stellen: Was meinen wir eigentlich, wenn wir als Christen uns zum dreifaltigen Gott bekennen?

Zunächst: christlicher Glaube ist mehr als die Annahme eines geistigen Grundes der Welt - dass es so etwas geben muss, das kann ich mit meinem Verstand erschließen. Die zentrale Formel, der Kernsatz des christlichen Glaubens lautet darum nicht: "Ich glaube etwas", sondern: "Ich glaube an dich!" Christlicher Glaube lebt davon, dass es nicht nur einen objektiven Sinn der Welt und des menschlichen Lebens gibt, sondern dass dieser "Sinn" ein lebendiges Gegenüber ist, das mich kennt und liebt, und dem ich mich daher anvertrauen kann mit der Gebärde des Kindes, das im Du der Mutter all sein Fragen geborgen weiß. Christlicher Glaube ist die Überzeugung, dass in Jesus von Nazareth der ewige Gott selbst in diese Welt gekommen und in ihr anwesend ist; der christliche Glaube ist die Entdeckung Gottes im Antlitz des Menschen Jesus von Nazareth: "Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat." (1. Joh. 4)

Damit stehen wir am entscheidenden Punkt. Die Lehre vom dreieinigen Gott ist nicht aus einer Spekulation (irgendwelcher Theologen oder Philosophen der frühen Christenheit) über Gott entstanden; sie hat sich vielmehr aus dem Bemühen ergeben, konkrete geschichtliche Erfahrungen mit Gott zu deuten. Der alttestamentliche Glaube hatte es mit Gott zu tun, der als der Vater Israels, als der Vater der Völker, als der Schöpfer und Herr der Welt begegnete. Ausdruck für diese Glaubensüberzeugung war das tägliche Gebet Israels: "Höre, Israel, Jahwe, dein Gott, ist ein Einziger." Im Neuen Testament, in der Begegnung mit Jesus von Nazareth kommt etwas völlig Neues hinzu. Gott zeigt sich von einer bislang unbekannten Seite. In Jesus treffen die Jünger (und wir) auf einen Menschen, der sich zugleich als Gottes Sohn weiß und bekennt. Die Jünger (und wir) finden Gott in der Gestalt des Gesandten; dieser Gesandte ist ganz Gott und nicht irgendein merkwürdiges Mittelwesen; und dennoch sagt er mit uns zu Gott "Vater". Damit ergibt sich etwas Eigenartiges. Einerseits nennt dieser Mensch Gott seinen Vater; er spricht zu ihm als zu einem lebendigen Du, das ihm gegenüber steht. Wenn das nicht leeres Theater sein soll, sondern Wahrheit, dann muss er also ein anderer sein als dieser Vater, zu dem er spricht und zu dem wir sprechen. Anderseits aber erfahren und erkennen die Jünger in ihm die wirkliche, uns begegnende Nähe Gottes: dass er selber Gott in Menschengestalt und in Menschenwesen ist, der Immanuel, der "Gott-mit-uns". "Wer mich sieht, der sieht den Vater." (Joh. 14, 9) Das bedeutet aber: Gott begegnet uns in Jesus nicht als Vater, sondern als sein Sohn und als unser Bruder. Damit aber tritt in Gott eine Zweiheit in Erscheinung: der eine Gott lässt sich von uns erfahren als Ich und als Du in einem. Dieser Erfahrung der Jünger folgt schließlich als drittes die Erfahrung des Gottesgeistes, der Anwesenheit Gottes in der Welt, in der Kirche, in uns. Der Gottesgeist ist in der Kirche, in uns allen weiter wirksam. Ja, Gott ist in der Welt anwesend nur noch im Herzen des Menschen. Gott wirkt in der Welt nur noch von diesem Punkt aus.

Christlicher Glaube bekommt es also in seiner geschichtlichen Entfaltung zunächst rein faktisch zu tun mit Gott in dieser Dreigestalt. Und damit beginnen die Überlegungen, wie diese Erfahrung, wie diese verschiedenen Gegebenheiten miteinander zu verbinden sind. Wie verhalten sich diese drei Formen der Begegnung mit Gott zur Wirklichkeit Gottes selbst? Ist die Dreiheit der Erfahrungsformen Gottes vielleicht nur seine geschichtliche "Maske", in der er in den verschiedenen "Rollen" dennoch immer nur als der Eine auf den Menschen zugeht? Sagt diese Dreiheit nur etwas aus über den Menschen, über uns? Haben wir es nur mit unseren eigenen Gedanken zu tun? Oder bringt die erfahrene Dreiheit etwas darüber zum Vorschein, wie Gott in sich selber ist?

Wenn der Mensch es in seiner Beziehung zu Gott nur mit den Spiegelungen seines eigenen Bewusstseins zu tun hätte und nicht mit Gott selbst, dann hätte dies Konsequenzen. Dann wäre z. B. unser Beten nur die Beschäftigung mit uns selbst. Dann wären Anbetung, Dank und Bitte nur Selbstgespräche. Dann wäre die Eucharistiefeier nur ein Akt, mit dem und in dem wir Menschen uns selbst "kultivieren". Genau diese Konsequenz wird allerdings heute auch im christlichen Bereich in zunehmenden Maß gezogen: Gebet als Selbstgespräch, das eine psychologische Funktion hat, damit wir uns in dieser Welt ohne Angst bewegen können - in einer Welt, in der es kein Erbarmen und keine Liebe mehr zu geben scheint. Aber diese Lösung beruht letztlich auf einer Bequemlichkeit des Denkens, weil sie überhaupt nicht mit einer Wirklichkeit rechnet, die den Menschen übersteigt. Wir wissen jedoch im Glauben (und genau hier fängt der christliche Glaube an), dass die Vielheit der Erfahrungen mit dem Transzendenten und Absoluten etwas über den wirklichen Gott aussagt: in Gott ist Leben, Bewegung; in dem einen Gott begegnen wir dem Vater, dem Sohn und dem Geist. Darum sind für uns Christen Anbetung, Bitte und Dank möglich, ja notwendig. Wir haben ein Gegenüber, den unsere Gebete erreichen; wir führen nicht Selbstgespräche.

Gott ist also so, wie er sich uns gezeigt hat: den Jüngern damals und durch die Jünger auch uns, die wir uns Christen nennen; die wir durch das Wort der Jünger an Gott glauben, der uns in Jesus Christus nahe gekommen ist. Es gibt neben dem einen Gott, neben dem Absoluten kein zweites oder drittes Absolutes. Dreiheit in Gott besagt vielmehr: in dem wesenhaft einen und unteilbaren absoluten Gott gibt es Leben, Bewegung; gibt es einen Dialog, gibt es ein Aufeinanderbezogensein des Wortes und der Liebe. Keine der drei göttlichen Personen ist etwas nur für sich selbst. Jesus Christus als der Sohn Gottes ist nichts neben dem Vater, das nur er wäre; er kennt keinen Vorbehaltsraum des Eigenen: "Ich und der Vater, wir sind eins." In Gott gibt es kein selbstsüchtiges Gegeneinander, sondern nur ein Miteinander und ein Füreinander.

An diesem Punkt zeigt sich etwas für uns sehr Bedeutsames. Wo wir noch über Gott zu reden meinen, zeigt sich uns etwas vom Wesen des Menschen; etwas, was für wahres Menschsein unabdingbar ist. Ich selber bin gar nicht nur ich selber und aus mir selber. Wir gehören gar nie nur uns selbst. Wir gründen alle in etwas anderem, in einem anderen. Wir sind aufeinander bezogen. Wir finden unser wahres Wesen nicht im selbstsüchtigen Gegeneinander, sondern nur im Miteinander und im Füreinander. Wer sich selbst gegen andere behaupten will, der ist in Wahrheit tot. Darüber hinaus: Wir sind letztlich nichts ohne das Bezogensein auf den einen dreifaltigen Gott. Denn wir sind geschaffen nach seinem Bild und Gleichnis. Die Verwiesenheit auf den absoluten Gott gehört zu unserem Wesen.

Die Lehre vom dreifaltigen Gott kann uns also - das zeigt der letzte Gedanke - einiges sagen: nicht nur über Gott, den wir nie restlos begreifen können; sondern merkwürdigerweise auch über uns selbst. Im Reden von Gott wird sichtbar, was der Mensch ist; was wir sind und was wir sein sollen. Wir sind Menschen nur im Miteinander und im Füreinander. Wir sind letztlich Menschen nur im Bezogensein auf den unendlichen Gott. Diese Wirklichkeit müssen wir Christen beispielhaft leben. Der andere ist nicht "Feind", nicht Beeinträchtigung meiner selbst, sondern "Hilfe", Grund, dass ich zu mir finde und komme; Gott ist nicht Beeinträchtigung meiner selbst, sondern der Grund, warum ich letztlich zu mir kommen und mich finde. Gott saugt mich nicht auf. Er ermöglicht mein Selbstsein. Bitten wir darum den dreifaltigen Gott, dass wir diese Wirklichkeit wahren Menschseins, die er uns eröffnet hat, die er selbst ist, nicht aus den Augen verlieren; dass wir aus dieser Wirklichkeit leben.

 

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