Bernhard Bürgler SJ
Mit dem Namen 'Jesus Christus' beten
Geistlicher Impuls

English Version

 

Aus: Jesuiten 2006/4, S. 22f

Die Osterbotschaft beruht auf zwei Säulen: Gott hat den Verurteilten, Verspotteten, Gefolterten und Gekreuzigten gerettet. Zugleich ist der Auferstandene als Erhöhter wirklich der Christus für sein Volk und ist er uns - unsichtbar freilich - helfend und schützend nahe. Erst jetzt ist er wirklich der Kyrios, der Herr, von dem gesagt werden kann: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet (Apg 2,21).

Unzählige Menschen erlebten und erleben, dass das beständige, aufmerksame, liebevolle widerholende Anrufen des Namens "Jesus Christus", das sich mit dem Rhythmus des Atmens verbindet, den Menschen für seine göttliche Wirklichkeit öffnet, sie mehr und mehr erleben und aus ihr leben lässt. Die Anrufung des Namens hat große Kraft. Sie rettet, heilt, wandelt unser Leben und das Leben um uns herum, in all seinen verschiedenen Formen.

 

Alt und neu

Diese Weise des Betens - das Beten mit dem Namen - ist eine sehr alte Gebetsweise. Jahrhunderte lang wurde sie von Frauen und Männern, von Nonnen/Mönchen wie auch von Laien, Alleinstehenden wie Verheirateten praktiziert. Sie ist zugleich auch eine neue Gebetsweise. Durch die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen, in denen es ähnliche Weisen des Betens gibt, wurde sie als wesentlicher Teil unserer christlichen Tradition wieder entdeckt.

Beten mit dem Namen "Jesus Christus" ist leicht und schwer zugleich - oder wie ich es manchmal ausdrücke: ganz einfach aber nicht leicht.

Wir beginnen mit dem Mund. Wir sprechen - laut oder leise, innerlich - den Namen und wenden uns Ihm zu. Doch die Erfahrung ist, dass der Name tiefer und tiefer in uns einsinkt, in unseren Geist und schließlich in unser Herz. Bis der Name sozusagen selbst sich in uns wiederholt, bis er in uns erklingt und wir ihm einfach (nur) zuhören.

Das wichtigste aber ist, meine ich, damit anzufangen. Wir können sicher sein, dass wir geführt werden, dass wir die notwendigen Hilfen, in welcher Form auch immer, bekommen.

 

Geeignet für unsere ausdrückliche Gebetszeit
und für unseren Alltag

Diese Art und Weise des Betens ist geeignet für unsere ausdrückliche Gebetszeit und für unseren Alltag. Gebet und Alltag verbinden sich so. Suchen Sie sich einen stillen Ort, draußen in der Natur, in einer (leeren) Kirche, zu Hause in Ihren vier Wänden, setzen Sie sich bequem hin. Dann nehmen Sie Ihren Körper wahr, spüren Sie ihn. Achten Sie auf Ihr Atmen, wie die Luft kommt und geht, ganz natürlich, ohne dass Sie etwas tun, etwas verändern müssten. Wie Sie atmen atmen Sie - schwer oder leicht, flach oder tief ... Schauen Sie Ihrem Atmen einfach zu. Wenn Sie den Eindruck haben, dass mehr und mehr Ruhe in Sie einkehrt, dann lassen Sie den Namen "Jesus Christus" einfach in Ihr Ausatmen und Einatmen einfließen - Jesus in das Aus- und Christus in das Einatmen.

 


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Lassen Sie den Namen wirken, kommen Sie von all Ihren Gedanken, Vorstellungen, Bildern ... immer wieder - geduldig aber auch bestimmt - zurück zu dieser schlichten achtsamen, ehrfürchtigen, liebevollen Wiederholung des Namens. Sie werden sehen, der Name übernimmt dann allmählich die Führung, der Name eröffnet seine Wirklichkeit, eröffnet Jesus Christus, sein wahres Wesen, nicht unsere mehr oder weniger passenden Vorstellungen davon. Der Name bringt uns in Beziehung zu ihm, der Name bringt uns in Verbindung mit seiner liebenden Gegenwart.

Sie können nicht den ganzen Tag irgendwo still sitzen bleiben. Sie müssen aufstehen, gehen, reden, arbeiten. Auch im ganz konkreten Alltag, in unserem Tun ist es möglich, sich des Namens zu erinnern, den Namen immer wieder innerlich zu wiederholen. Auch so wächst die Verbindung mit ihm. Auch so entfaltet er seine Kraft.

Von früh bis spät gibt es viele Gelegenheiten, beim Namen zu sein: Zum Beispiel, wenn Sie sich duschen, wenn Sie (allein) irgendwo hin gehen, wenn Sie auf den Bus warten: Anstatt über alles mögliche - meist nicht sehr wichtige - nachzudenken, denken Sie an ihn, rufen Sie innerlich den Namen an, lauschen Sie auf seinen inneren Klang.

Wenn Sie sich auf diesen Weg einlassen: Lassen Sie sich nicht gleich entmutigen! Manchmal - im ausdrücklichen Gebet und im Alltag - haben wir den Eindruck, dass uns die Gedanken und Gefühle überfluten, dass es uns unmöglich ist, beim Namen zu sein und zu bleiben. So ist es, so sind wir. Doch geben Sie nicht auf, immer dann, wenn Sie sich daran erinnern, Ihre Aufmerksamkeit zum Namen zurückzuführen. So wird das Band zu ihm, zu seiner Wirklichkeit die auch unsere tiefere Wirklichkeit ist, gestärkt.

 

Siehe auch:
[Immerwährendes Jesusgebet]  [Namensgebet]